Jahr: 2019

November – der Trauer- und Totenmonat

Im November finden an verschiedenen Tagen besondere Totengedenken und -ehrungen statt: Da ist direkt nach Allerheiligen der Allerseelentag, bei dem die römisch-katholische Kirche der Verstorbenen gedenkt. Die evangelische Kirche gedenkt der Verstorbenen am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Totensonntag. Und gesellschaftlich wird zwei Sonntage vor dem 1. Advent – am Volkstrauertag – der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. Ebenfalls im November liegt der Buß- und Bettag, an dem die evangelische Kirche die Gläubigen einlädt, sich wieder neu Gott zuzuwenden. All das ruft in mir einen Satz des Apostels Paulus in Erinnerung: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13). – Gerade im Totengedenken und in der  Neuausrichtung auf Gott manifestiert sich die Liebe. Darum hat der österreichische Redemptorist, P. Hans Hüter CSSR, die Schlussfolgerung gezogen: Weil ich liebe, hoffe ich und glaube ich. Weil ich liebe… Keiner von uns weiß, ob und wie es nach dem Tod weitergeht. Und dennoch gehen wir immer wieder auf die Friedhöfe zu den Gräbern unserer Angehörigen und Freunde. …

Tybora Olevska

Unsere Musiker am Sonntag: Eugenia Olevska und Miroslav Tybora

Eugenia Olevska Wie bist Du zur Musik gekommen? Seit ich mich erinnern kann, war es mein größter Traum, ein Musikinstrument zu erlernen. Im Alter von 9 Jahren haben meine Eltern mich in eine Musikschule geschickt und das war für mich der Anfang meines Musik Lebens. Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst? Obwohl mein Vater kein Musiker war, hat er die Musik immer geliebt und verstanden. Dadurch, dass er viele Konzerte mit mir besucht hat, konnte er mir die Liebe zur Musik näherbringen. Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen? In einer Kirche zu spielen ist immer etwas sehr Besonderes. Denn die ist der Ort, an dem Mensche die Nähe zu Gott verspüren können. Bei der Möglichkeit in einer Kirche zu spielen, bekomme ich das Gefühl, viele Menschen mit meiner Musik im Herzen berühren zu können, was mir eine große Freude bereitet. Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen? Ich würde mich für die Epoche Barock entscheiden, denn dies ist …

Cella Schattenbild Klosterherbst

Klosterherbst – Eine Nachlese

Vom 20. September bis zum 06. Oktober 2019 haben wir in der Cella das Festival der klösterlichen Lebenskultur gefeiert: 17 Tage gefüllt mit den unterschiedlichsten Angeboten rund um das Thema der klösterlichen Lebenskultur. Bereits in der Ankündigungsphase hatte ich mich entschieden, an allen Veranstaltungen und Angeboten des Klosterherbstes teilzunehmen, was auch tatsächlich bis auf einen Termin geklappt hat: An der Kirchführung konnte ich auf Grund der Terminüberschneidung an diesem Tag nicht teilnehmen. Ein Trost: Da die Cella seit 15 Jahren „mein“ Kirch- und Gebetsort ist, sind mir der Raum und seine Gestaltung nicht fremd. Ein bunter Herbstwald Als ich die Entscheidung traf, den kompletten Klosterherbst zu buchen, ahnte ich nicht, dass auf mich eine sehr intensive Zeit zukommt: Im Rückblick waren es Exerzitien im Alltag, die das Spektrum eines bunten Herbstwaldes hatten: von unterschiedlichster Musik über gutes Essen zum kontemplativen Handauflegen, von Stundengebet über eine japanische Teezeremonie zur Spiritualität einer hannoverschen Buslinie, vom Überdenken des eigenen Bewusstseins über urbane Mystik zum Kloster im eigenen Leben – Körper, Geist und Seele wurden in hohem Maße gefordert …

Impuls am Sonntag: Uta Kronshage

Uta KronshagePsychotherapeutin Alter54 JahreBerufPsychotherapeutin mit eigener Praxis mit dem Schwerpunkt der Behandlung von Menschen mit chronischen SchmerzenWas bedeutet Ihnen Glaube? Mit dem Wort selbst kann ich gar nicht so viel anfangen. Ich erlebe mich in einer tiefen, innigen Beziehung zu einer Kraft, die mich bedingungslos liebt und die mich hält und trägt, im Alltag ebenso wie in schwierigen Zeiten, wenn ich selbst nicht weiter weiß.Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig? Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch (das) alles zufallen.“ Dieser Satz hilft mir in jeder Lebenssituation. Für mich bedeutet das, dass ich mich immer frage: Was würde die Liebe jetzt tun? Ist das, was ich tue, wie ich entscheide und handle, liebevoll und gütig? Das gibt mir eine klare Richtschnur im Alltag. Wenn ich mich danach ausrichte, dann empfinde ich Vertrauen, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass Gott mich auf diesem Weg mit seiner ungeheuren und wunderbaren Kraft unterstützt. Und dass er, wenn es sein muss, Hindernisse aus dem Weg räumt, die …

Wer singt, lebt gesünder

Viele Menschen zieht es in die Klöster oder zumindest in die Gebetszeiten der Klöster, weil sie angerührt sind vom Gesang der Mönche oder der Nonnen. Auch in der Cella sind unsere Gebetszeiten zum überwiegenden Teil gesungen. Manchmal sind die Gesänge kunstvoll und ausgeschmückt, häufig aber auch in einer eher schlichten Form mit durchaus einfachen Melodien – wie beispielsweise in den regelmäßigen Stundengebeten. Aber: Warum singen wir? Wäre sprechen nicht viel einfacher? Wäre Stille nicht viel angemessener? Und könnten sich die Klöster nicht den mit dem Gesang verbundenen Aufwand sparen und etwas Sinnvolleres mit der Zeit tun? Der Körper verändert sich durch Klang Auch die gemeinsame Stille kann etwas zutiefst Faszinierendes haben, aber für die meisten Menschen hat der gemeinsame Gesang doch die höhere Anziehungskraft. Was macht das Singen so besonders? In den letzten Jahrzehnten ist es vor allen Dingen die Medizin, die sich mit der heilenden Wirkung des Singens und des Tönens beschäftigt. Vieles lässt sich heute wissenschaftlich untersuchen, was besonders auch in den Klöstern über Jahrhunderte als intuitives Erfahrungswissen weitergegeben wurde. Der heilige Augustinus …

Impuls am Sonntag: Werner Seitzer

Werner Seitzerehem. GMD am Theater für Niedersachsen in Hildesheim Alter: 69 JahreBeruf (momentane Tätigkeit):Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand vom offiziellen Amt gilt die lebenslange Berufsbezeichnung: MUSIKERWas bedeutet Ihnen Glaube?Der Glaube scheint – mit einem musikalischen Begriff gesprochen – so etwas wie einen „Orgelpunkt“ meines Lebens darzustellen:Ein beständig erklingender oder wiederholter Grundton, der – wenn auch nicht immer gleich stark wahrnehmbar – doch ganz selbstverständlich einfach „da“ ist und über dem sich, scheinbar völlig frei und ungezwungen, alle Stimmen und Erscheinungen des Lebens bewegen.Und doch bezieht sich alles, sogar und ganz besonders bis hin zur ’schreienden‘ Dissonanz, letzten Endes auf ihn…Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?Eine Sentenz aus Prediger 3:22, die Brahms für den ersten seiner „Vier ernsten Gesänge“ ausgewählt hat:Darum sahe ich, daß nichts bessers ist,denn daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit,denn das ist sein Teil.Ein Satz, der einen dringlichen Kontrapunkt darstellt zum immer absoluter vertretenen „Fun-and-wellness“ – Glaubensbekenntnis unserer derzeitigen Konsum-Gesellschaft und ihrem neuen Schlagwort der „Life-work-balance“. Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration? Ein …

Entdecke den Mönch / die Nonne in Dir…

In der Online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 9. Juli fand ich die Überschrift: „Zahl der Single-Haushalte in Hannover wächst“. Im Artikel selbst heißt es dann: „Hannover gilt als deutsche Single-Hauptstadt – und die Zahl der Einfamilienhaushalte wächst weiter. In mehr als der Hälfte (54,3 Prozent) der Haushalte lebt nur eine Person. In Mitte (65,1), Linden-Limmer (63,3) und Südstadt-Bult (62,0) sind es sogar mehr als 60 Prozent.“ – Auch ohne diese Zahlen zu kennen, hatten wir Brüder schon lange die Vermutung, dass dem so ist. Die Menschen sind auf der Suche Keine Vermutung hingegen ist, dass viele Menschen auf der Suche sind: auf der Suche nach Sinn; auf der Suche nach Heimat; auf der Suche nach Geborgenheit; auf der Suche nach Spiritualität – und diese Aufzählung ließe sich beinahe endlos fortsetzen. Nicht zuletzt wegen dieser Suche klopfen viele Menschen an Klosterpforten, um als Kloster-auf-Zeit-Gäste neue Erfahrungen zu sammeln. Auch Wellness-Aufenthalte in Klöstern sind immer mehr gefragt. Seminare, die sich mit der Benediktsregel beschäftigen, sind oftmals ausgebucht. – Wie kommt das? Ich glaube, es ist die …

Unsere Musiker am Sonntag: Vocalensemble „Tu Solus“

Wie hat sich Euer Ensemble gegründet? Was hat Euch dazu bewogen? Das ensemble tu solus ist aus dem „Harten Kern“ des Martinschors Beedenbostel, eines Dorfkirchenchors in der Südheide, hervorgegangen. Einige Jahre lang sind immer dieselben Sänger der Chorleiterin nach den Chorproben nach Hause gefolgt und haben dort weitergesungen; bei den ersten Auftritten als Vokalensemble nannte sich das Ensemble deshalb noch „der Harte Kern“. Später wählten sie den Namen ihres Lieblingsstücks, „tu solus“ von Josquin des Prez, als Ensemblenamen.  Was ist Euer spezieller Style/Eure Besonderheit, worauf legt Ihr besonderen Wert? Das ensemble tu solus ist auf Alte Musik spezialisiert, sie profitieren hierbei vor allem von der Berufserfahrung ihres Ensemblemitglieds Martin Praetorius, der ein entfernter Nachfahre des Komponisten Michael Praetorius und Experte für historische Stimmungen ist. Praetorius kopiert historische Holzblasinstrumente nach Originalinstrumenten und kennt die Musikrichtung, die auf ihnen gespielt wird. Das ensemble tu solus liebt Orte mit besonderer Akustik. Es ist unter anderem in der mittelalterlichen jüdischen Mikwe in Friedberg aufgetreten, einem riesigen unterirdischen Gewölbe mit mitschwingende Wasseroberfläche, in einer Bahnhofsunterführung in Stendal, aber auch in …

Heilende Berührung

Heilende Berührung Wenn es mir nicht so gut geht, dann ist es manchmal schön, wenn mich ein lieber Mensch berührt: mir eine Hand auf den Bauch legt, wenn es da bei mir rumort, oder eine Hand auf die Schultern legt,  wenn sie verspannt sind. Bei den Schultern ist das manchmal mit ein bisschen kneten und bewegen verbunden, aber eigentlich reicht oft einfache die Hand, die liebevoll und zugleich so intensiv auf einem Körperteil liegt. Manche Bauchschmerzen lassen sich damit bestens vertreiben. Wer traut sich zu heilender Berührung? Allerdings hat die liegende, die ruhende Hand auf dem Körper fast etwas Intimes. Wir trauen uns kaum, jemanden außer dem festen Partner so zu berühren. Sogar wenn wir einen Kranken besuchen, bleibt das oft ein Tabuthema, selbst wenn in uns das Gefühl aufsteigt, dass eine Berührung ganz wohltuend wäre. Die Vorstellungen der klassischen Heilkunst und unseres Gesundheitswesens gehen eher auf klare Medikamente oder aber richtige therapeutische Techniken. Die heilende Berührung durch Hände hat leicht den Geschmack des Esoterischen oder gar des Unseriösen. In meiner Praxis treffe ich aber …

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt!

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt! Von jeher ist das Leben die größte Herausforderung überhaupt. Ständig stehen wir vor neuen Fragen, wir entwickeln uns weiter und das geht zumeist mit Problemen und Krisen einher. Das Leben ist zudem endlich und stellt von daher genügend Fragen, für die ein Leben gar nicht ausreicht, um alle Antworten zu finden. Wie also gestalte ich mein Leben – egal an welchem Punkt des Lebens ich stehe? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollte ich einüben, damit mir mein Leben einigermaßen oder, was natürlich noch schöner wäre, sehr gut gelingt? Solche Fragen stellen nicht nur wir Heutigen. Es sind Fragen, die mit dem Menschsein verknüpft sind – unmittelbar. Vielleicht sind diese Fragen ein Teil dessen, was uns zu Menschen macht. Ich habe zumindest nicht den Eindruck, dass meine Katzen über ihr Katzesein nachdenken. Aber wer weiß – vielleicht bekomme ich es einfach nicht mit. Die Griechen haben sich viele Gedanken dazu gemacht, zumindest diejenigen, die es sich leisten konnten. Denn solche Fragen stell ich mir meistens erst dann, wenn ich über …