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Bitte berühren!

Bitte berühren!

Mit Feingefühl vom Handschlag zum Händchenhalten…

Wo gibt es denn so etwas, ein Schild mit der Aufforderung: „Bitte berühren“? Vielleicht auf einem Erlebnispfad im Wald oder in einem Kinderspiel. Viel häufiger begegne ich in meinem Alltag Schildern mit der gegenteiligen Aufforderung: „Bitte nicht berühren“. In unserer Gesellschaft ist die Berührung mit der Hand als Form der Begrüßung etwas ganz Normales. Üblicherweise berühren wir uns mit den Händen, mit den Handinnenflächen zur Begrüßung. Und auch bei näheren oder intimeren Formen der Begrüßung wie der Umarmung oder dem Kuss ist es üblich, dass ich zunächst mit der Hand mein Gegenüber berühre.

Muss ich mich schützen?

Die Innenflächen der Hand gehören bei uns Menschen zu den besonders differenzierten Arealen für die Sinneswahrnehmung. Im groben Bereich wird in der Berührung sofort entschieden, ob irgendeine Bedrohung vorliegen kann. Die Mediziner sprechen von der protophatischen  Wahrnehmung. Dies sind insbesondere Meldungen der Temperatur und des Schmerzes, wie bei einer heißen Herdplatte oder einem scharfen Gegenstand. Mit der Wahrnehmung kann ich entscheiden, ob ich meine Hand und meinen Körper besser schützen muss. Etwas feiner betrachtet passiert dies auch schon im Händedruck zur Begrüßung. Von vielen Menschen, die ich regelmäßig treffe, kenne ich den Händedruck. Und bei Menschen, denen ich neu begegne, ahne ich im Moment des ersten Händedrucks, ob von dieser Begegnung eher Gefahr oder eher Verbindendes ausgeht.

Feingefühl macht den Weg frei

Aber wenn meine Handinnenflächen gemeldet haben, dass ich mich nicht schützen muss, können die gleichen Areale auch viel feiner wahrnehmen. Es ist das epikritische System, das mein Feingefühl ermöglicht. Da gibt es die Meissnerschen Körperchen in der Haut, die leichte Berührungen wahrnehmen, die Pacinikörperchen, die großflächige Berührungen und den Druck wahrnehmen, weitere Zellen melden den exakten Ort und Unterschiede in der Temperatur. Wenn die Berührung etwas länger dauert, kann der Körper auf diese feine Wahrnehmung umschalten. Es beginnt eine Berührungswahrnehmung und eine Erkundungswahrnehmung, die dann viele Millionen Reize sofort ans Rückenmark und ans Gehirn weiterleitet.

Glück der Berührung

Darum passiert so viel, wenn sich zwei Menschen an den Händen halten oder „Händchen halten“, wie wir es in der Alltagssprache sagen. Leider ist diese Verniedlichungsform meiner Meinung nach nicht wirklich treffend für das, was dann alles in uns vorgeht. Auf die Länge der Zeit kommt es dabei gar nicht an. Schon wenige Augenblicke, in denen die beiden, die sich berühren, wirklich im Feingefühl sind, können ausreichen, um mit ihren Reizen den Muskeltonus und das Wohlgefühl im ganzen Körper zu verändern. Üblicherweise reduziert sich sehr schnell der Cortisolspiegel im Körper, wir fühlen uns weniger gestresst, ebenfalls wird Oxytocin freigesetzt, das manchmal gerne als Kuschelhormon bezeichnet wird und in uns das Gefühl von Glück und Geborgenheit stärkt.

Und auch wenn manche Zeichen und Berührungen sicherlich der intimen Partnerschaft vorbehalten bleiben mögen, schenkt es ganz viel Kraft im Alltag, wenn es mir gelingt, in Begegnungen an passender Stelle dieses Feingefühl meiner Hand zu ermöglichen.

Bis Weihnachten möchte ich der Kostbarkeit von Berührung in unseren Begegnungen nachgehen. Ich freue mich, von Deinen Erfahrungen mit dem Feingefühl in der Hand und allem, was daraus für Dich entsteht, zu lesen.

Sinn von Einsamkeit

Der tiefe Sinn von Einsamkeit – reloaded

Der tiefe Sinn von Einsamkeit

Wer ist schon gerne alleine? Wir werden in eine Familie hineingeboren, werden von Anfang an umsorgt und gehegt und gepflegt – werden Teil einer mehr oder weniger kleinen Gemeinschaft und fühle uns dort hoffentlich pudelwohl. Dann geht es in den Kindergarten – auch hier schön eingeteilt in Gruppen – Spielecke, Puppenecke, immer schön zusammen spielen. Steht ein Kind irgendwo allein und das häufiger, wird gefragt, was hat es denn – “Bedrückt Dich etwas?”

Und weiter geht es in die Schule – auch hier Klassengemeinschaften, Klassensprecher, Ausflüge, Klassenparties und Abi-Streiche und anschließend der große Ball, das Trauern, wenn man auseinandergeht, weil die schöne Gemeinschaft vorbei ist.

Und in den Jahren davor lernte man das Verliebtsein, den Schmerz der Trennung und die Suche nach neuen Beziehungen.
Nicht wenige, die damit nicht Schritt halten konnten, die mehr allein als zusammen mit anderen waren, die in Einsamkeit ertranken – sie landen bei Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, in psychiatrischen Kliniken, ja, und nicht selten in Notfallambulanzen.
Können wir vom Sinn der Einsamkeit sprechen? Hat Einsamkeit überhaupt einen Sinn?

Der Mensch als Homo Socialis

Man muss wie immer unterscheiden! Es gibt die Einsamkeit, die wir nicht ertragen können und die keinen Sinn hat: Kinder, die immerzu nur ganz für sich sind, die sich zurückziehen und jeden Kontakt meiden. Diese Einsamkeit kann nicht gut sein. Wir sind ein Homo Socialis, der auf Kontakte und Begegnungen angewiesen ist und nur so wirklich zu einer menschlichen  Reife gelangt. Martin Buber hat das zum Grundstein seiner Philosophie gemacht und davon lebt unser ganzes Gesellschaftssystem und unser Bildungsystem. Der Mensch wird am Du zum Ich, schrieb beispielsweise Martin Buber. In und aus der Begegnung wird der Mensch sich selber finden. Das Judentum und das Christentum stellen in einem noch größeren Maße, wie ich finde, die personale Begegnung in den Mittelpunkt ihres Glaubens. Das personale Gottesbild ist dafür auch mehr als geeignet und alle Sakramente sollen ja in eine Begegnung führen, sollen aufnehmen in eine Gemeinschaft, sollen vereinen mit Gott, sollen zuordnen, bestimmen – immer geht es um das eine Band, das gestärkt werden soll, als ginge es darum, ein für alle Mal die Einsamkeit aus unserem Leben hinauszuschieben, als könnten wir dadurch in ewiger Verbundenheit leben und sein.

Nein, in diesem Sinne kann man nicht nach dem Sinn der Einsamkeit fragen.

Wer die einsamen Herzen zu Weihnachten kennt, die Einsamen in den Heimen und Anstalten, im Knast wie in den dunklen Nächten der Krankenhäuser, der wird klar erkennen: Einsamkeit hat keinen Sinn, es ist schädlich und manchmal auch lebensgefährlich.

Die Ärzte wissen es – da nicht selten alte Menschen in die Sprechstunde kommen, um sich etwas an Kontakt und Begegnung abzuholen. Da wird schnell jedes kleine Wehwehchen zur willkommenen Krankheit.

Um es nochmal zu sagen: Der Sinn der Einsamkeit, er wird sich nicht auf diese Form des Leidens beziehen können.

Aber gibt es denn eine Einsamkeit, der man einen gewissen Sinn unterstellen kann, eine Einsamkeit, die einem gewissermaßen willkommen ist, die man vielleicht sogar sucht – auch und trotz des Leidens, die auch sie beinhalten wird?
Ja, die gibt es – tatsächlich.

Entwicklung und Einsamkeit

Und sie beginnt genauso früh, wie die andere Einsamkeit beginnen kann.
Die Geburt ist schon der erste Schritt. Aus der allumfassenden Verbundenheit mit der Mutter werden wir herausgerissen und landen in dieser Welt – viel kälter, weniger Nah, ohne pulsierende Herztöne, die mich umgeben und durchdringen und ohne dieses paradiesische Genährtsein. Schon damit beginnt alles. Und es geht weiter – jeder Schritt, den ich lerne, jedes Krabbeln schon wird mich wegführen aus einer Verbundenheit, die wohl tut.

Der Kindergarten und die Schule führen uns räumlich weg von zu Hause, weg aus der Verbundenheit, in die wir eingebunden sind.

Und genau so geht es weiter – immer weiter. Und erst, wenn wir Erwachsen sind, können wir vielleicht begreifen, dass Entwicklung immer in eine neue Einsamkeit führt, das Individualität zwar einerseits “Ungeteiltheit” heißt, aber mit mehr Individualität ich mich doch immer mehr in ein Getrenntsein begebe, in ein Ich-Sein, Für-mich-Sein.

Nicht nur, aber gerade die spirituelle Entwicklung führt letztlich in die Einsamkeit. Buddha saß alleine unter seinem Baum, Jesus hing zwar zwischen den Schächern, aber von Gemeinschaft kann man da schwerlich sprechen. Und auch vor seinem gewaltsamen Tod: Jesus war keiner von ihnen, keiner, wie die Apostel. Er war in gewisser Weise einsam und musste es sein.

Entwicklung und Suche führen in die Einsamkeit. Wer diese Einsamkeit nicht will, wer immer in der Verbundenheit leben will – übrigens auch die mit Gott – der muss sich jeglichen Fortschritts verweigern, muss so bleiben, wie er oder sie ist.

Ohne Einsamkeit gibt es keine menschliche Entwicklung und gibt es keine Spiritualität.

Nun könnte man sagen: und die Klöster und die Gemeinden, ja, die Kirche selber? Ja, die gibt es und sie helfen vielleicht diese Einsamkeit zu tragen, aber sie sind vielleicht auch nicht immer der Endpunkt unserer Entwicklung, sondern Stationen, Oasen zum Ausruhen und Kraftschöpfen auf den weiteren Weg.

Ich kann es nur sagen und vermutlich wird mir jeder Mitbruder zustimmen: Ein Kloster ist genauso ein Ort der Einsamkeit wie es eine Familie sein kann. Und gerade die Mönche sollen ja diese Einsamkeit (nicht die, die ich am Anfang beschrieb) suchen, denn je mehr geistliche Erfahrung ich mache, je weniger kann ich teilen. Erfahrung wird, je älter man wird, immer individueller, persönlicher, einzigartiger und manchmal sogar gewöhnlicher. Es gibt irgendwann nichts mehr zu teilen, nichts mehr zu sagen und miteinander zu besprechen.

Das Schweigen steht am Ende, ist das Ende der Entwicklung, ist das letzte Wort, das gesprochen wird.

Spiritualität und Einsamkeit

So ist die Meditation und Kontemplation, oder wie immer wir es nennen, substantiell für den geistlichen Weg. Denn schauen wir hin, was in solchen Augenblicken passiert: Wir sitzen alleine da, oft mit geschlossenen Augen und schweigen. Es ist gestaltete Einsamkeit – selbst wenn noch andere mit gleicher Intention neben mir sitzen.

Die, die wir Mystiker nennen, sie kannten diese Einsamkeit, der sie nicht entrinnen konnten, die sie suchten und nicht selten verfluchten. Das Schweigen und die Einsamkeit gehören zusammen, sind wie Ein- und Ausatmen, ohne sich ausgestoßen zu fühlen.

Und die Künstler kennen das, im Tun und Gestalten, im Ringen um Form und Farbe, allein dem Werk ausgesetzt zu sein, das ja auch nur etwas von mir ist und nichts Fremdes, was mein Alleinsein beenden könnte. Im Gestalten und Schöpfen wird Einsamkeit offenbar und notwendig.

Das heißt: Der Sinn von Einsamkeit ist die Erkenntnis, dass ich mich in der persönlichsten aller Erfahrungen, in dem individuellsten Augenblick, in der einzigartigsten Situation in dem auflöse und mich mit dem verbunden fühle, was uns alle trägt, von dem alles getragen wird und was letztlich alles ist. Die Einsamkeit, diese Einsamkeit führt in die Fülle, in die Gemeinschaft, jenseits von allen weltlichen und kirchlichen Gemeinschaften, eine Gemeinschaft mit allem.

Wer den Weg des Glaubens, der Suche, wer geistlich leben will, wer künstlerisch gestaltet, der sollte sich auf diese Einsamkeit gefasst machen und zugleich wissen: Das Ende dieser Einsamkeit ist nicht die Vereinzelung, sondern die Fülle, der Geist, das Geheimnis des Seins, das wir Gott nennen.

 

Gott lässt meine Seele ruhig werden

Gott lässt meine Seele ruhig werden

Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Sommer sich in den Urlaub verabschiedet zu haben. – Natürlich es gab auch schöne warme, und sogar auch heiße Tage (ganz so, wie ich es liebe!), aber der seit Tagen anhaltende Dauerregen zieht mich ganz schön runter…

Dabei benötigt der Körper doch das wärmende Licht der Sonne, um aufzutanken und sich für den nächsten Winter zu wappnen, der mit Sicherheit wieder kommt. Abgesehen davon: anders als in Niedersachsen, wo die Sommerferien sich langsam dem Ende zuneigen, fahren andere Menschen ja jetzt erst in wohlverdienten den Urlaub.

Für mich selbst steht die Erholungszeit auch noch bevor. Auch wenn es mich eher in die warme Sonne zieht, werde ich in diesem Jahr im Münsterland auf das Haus von Freunden aufpassen.

Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub

Nachdem ich vor vier Wochen schon geschrieben habe, dass ich mich in diesem Urlaub mit zwei Psalmen beschäftigen möchte, eben Psalm 18 und Psalm 114, ist in den vergangenen Tagen noch ein dritter hinzugekommen, der mich begleiten wird, nämlich Psalm 131, den ich in der Übersetzung unseres benediktinisches Stundengebets zitiere:

O Herr, mein Herz überhebt sich nicht,
und meine Augen erheben sich nicht stolz.

Ich gehe nicht um mit großen Dingen,
mit Dingen, die mir nicht begreiflich sind.

Nein, ich ließ meine Seele ruhig werden und still.
Wie ein gestilltes Kind bei der Mutter,
so ist in mir meine Seele gestillt.

Israel, harre des Herrn
von nun an auf ewig.

Gott lässt meine Seele ruhig werden – und still

Der Beter von Psalm 131, der in der Überschrift dem großen König David zugeschrieben wird, weiß, dass er nur Geschöpf ist – und kein Schöpfer: Er ist sich dessen bewusst, dass er nicht der große Macher ist, sondern auf die Führung seines Schöpfers angewiesen ist.

Darum kann er in aller Gelassenheit der Dinge harren, die da kommen werden. Ja, er lässt seine Seele ruhig werden und still. Eine stramme Leistung, wer das schafft!

Ich vertraue lieber darauf, dass der Herr es ist, der mir Ruhe schenkt; denn meine Seele braucht auch ab und an eine Verschnaufpause.

Aus dem Alltagstrott in die Ruhe

Dabei helfen mir dann Museumsbesuche, kunsthistorische Besichtigungen und das Lesen des ein oder anderen guten Buches. – Wenn ich dazu am Abend noch ein leckeres Glas Wein trinke, dann kann ich die Seele baumeln lassen.

Allen, die ihren Urlaub noch vor sich haben, wünsche ich gleich gute Erfahrungen, das Gott unsere Seelen ruhig werden lässt – und still.

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Der Morgen hat es ja immer irgendwie in sich. Es gibt die Morgenmuffel, die Kaffeejunkies, es gibt die Jogger und die Langschläfer, die Lass-mich-in-Ruhe-Menschen und die Ich-rede-gerade-morgens-viel-Mitbewohner. es gibt die Teetrinker, die Müsliesser, die Brötchenfreunde und die Zeitungsleser… kaum eine Tageszeit bringt so viele Typologien hervor, in kaum einer Tageszeit werden so viele Eigenarten gelebt.
Der Morgen hat es in sich, denn er bereitet uns auf den Tag vor und auf all das, was auf uns wartet – manches wissen wir, manches bleibt Überraschung (gute oder schlechte).

Mönche lieben den Morgen

Schon die frühen Mönche wussten, dass der Morgen einen eigenen Zauber hat. Ihn völlig zu verschlafen, kam ihnen nicht in den Sinn, ganz im Gegenteil. Die meisten Mönchsväter liebten es sehr früh aufzustehen und erste Psalmen zu rezitieren, zu meditieren oder zu beten. Es ging ihnen um die Stille, die noch über der Welt liegt, das natürliche Schweigen, das man tagsüber oft vergeblich sucht und das Faszinosum, dass der Tag neu erschaffen wird, dass durch das Aufgehen der Sonne so etwas wie Neuschöpfung beobachtbar ist.

Aufwachen heißt unterscheiden

Aber noch mehr. Die Nacht vorher hat unmittelbaren Einfluss auf unseren Morgen. Mal haben wir gut, mal schlecht geschlafen. Mal tut uns der Rücken weh, dann ist der Nacken verspannt. Träume lassen uns nicht gleich los, sondern verfolgen uns – oder verzaubern uns, je nach Inhalt. Manche Menschen haben es schwer, die Nacht vom Tag zu trennen und wirklich wach zu werden. Sie bleiben irgendwie im Schlafmodus und können das eine vom anderen nicht scheiden, das Bewusste vom Unbewussten. Ja, der Tag ist Symbol für unbewusste Prozesse und Inhalte – das ist nicht erst so, seitdem wir uns mit der Psychoanalyse und der Traumdeutung auseinander setzen. Schon in den Märchen ist die Nacht immer der Ort unbekannter und zumeist gefährlicher Kräfte, die besiegt oder gewonnen werden sollen, damit der Held oder die Heldin in seiner goldenen Zukunft leben kann.

Fünf-Finger-Morgenritual

Ein entscheidender Punkt ist es, wie es uns gelingt, den Wechsel vom Schlaf zur Wachheit, von der Nacht zum Tag und von unbewussten zu bewussten Zugängen zu gestalten.
Eine kleine Hilfe möchte ich mit diesem Fünf-Finger-Morgenritual anbieten. Es sind kleine Übungen und minimale Rituale, die Dir helfen können, nicht nur den Schlaf abzuschließen, sondern Dich auch auf den Tag vorzubereiten:

  1. Daumen
    Jede Nacht ist kostbar – auch die durchwachte und schlaflose kann es sein. Den Stress macht ja nicht die Schlaflosigkeit, sondern die Abwehr dieses Zustandes. Deshalb ist es gut, dankbar zu sein für die vergangene Nacht. Insbesondere für die Träume, die eine reinigende Wirkung erzielen wollen. Der Körper konnte sich erholen, die Nerven sich beruhigen – das ist Grund genug, die Nacht wert zu schätzen und dankbar dafür zu sein.
  2. Zeigefinger

    Wer träumt sollte es sich angewöhnen, die eigenen Träume aufzuschreiben. Das hilft nicht nur, unangenehme Träume loszulassen und sich von der oft bedrückenden Atmosphäre zu befreien, sondern es hilft, den Inhalt zu verarbeiten und die Träume Deinen inneren Verarbeitungsprozessen zur Verfügung zu stellen. Allein das Aufschreiben kann Dir helfen, einen großen Nutzen aus den Träumen zu ziehen.

  3. Mittelfinger

    Wenn Du Dich danach ans geöffnete Fenster stellst und tief ein und ausatmest, dann weckst Du nicht nur Deinen Kreislauf, es ist auch wie das hereinlassen der Tageswelt ins Schlafzimmer. Die Morgenluft ist selbst in einer Stadt eine besondere. Das Atmen selbst ist wie eine fortlaufende Neuschöpfung.

  4. Ringfinger

    Mit dem Ein- und Ausatmen am Fenster ist die rituelle Wende von der Nacht zum Tag eingeläutet. Bitte nun um den Segen für den neuen Tag, um den Beistand für alles, was kommen mag, um die Begleitung durch alles Schwere.

  5. Kleiner Finger

    Und zum Schluss wendest Du Dich an Dich selber und bittest Dich: Möge ich alles an diesem Tag als Chance zu meiner Weiterentwicklung nutzen.

 

So kannst Du dem Übergang von der Nacht zum Tag eine besondere Form geben, kannst die Nacht abschließen und Dich gestärkt für den Tag öffnen.

Da bleibt mir nur zu sagen: Ich wünsche Dir einen guten Tag!

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt

Wenn der Ärger auf den Magen schlägt

„Das ist mir ganz schön sauer aufgestoßen“

Hin und wieder habe ich diesen unangenehm sauren Geschmack im Mund. Magensäure hat sich wieder nach oben gedrückt und hinterlässt einen unangenehmen Geschmack. Selten passiert mir das, weil ich zu viel Fettiges gegessen habe – solche Speisen mag ich nicht so gerne. Häufiger ist die Ursache, dass ich mich ziemlich geärgert habe über etwas, meistens noch in einer Situation, in der ich meinen Ärger auch nicht äußern konnte. Dann ist der Magen unter Druck geraten.

Tatsächlich ist mein Magen wie ein kleiner Tacho für meine Seelenlage. Blähungen oder Druckgefühl kommen meistens nicht wirklich überraschend. Mittlerweile kann ich sie einordnen, denke schmunzelnd: Ach, das hat Dir jetzt doch ganz schön viel ausgemacht.

Warum reagiert gerade der Magen auf Stress?

Wenn unser Gehirn eine Situation als bedrohlich wahrnimmt, dann meldet es dies an die Nebenniere und die wiederum setzt eine große Menge des Stresshormons Cortisol frei. Das führt dazu, dass die Atmung beschleunigt wird, das Herz schneller schlägt und die Muskulatur durchblutet wird. Gleichzeitig wird dafür Sauerstoff und Blut aus dem Magen-Darm-Trakt abgezogen. Die Verdauungsprozesse, die sehr viel Energie kosten, werden also verlangsamt oder stocken – im Magen und Darm staut sich die Verdauungsarbeit auf und drückt.

Atmung und Magen prägen sich gegenseitig

Der Magen liegt in der linken Körperhälfte unterhalb des Rippenbogens. Oberhalb des Magens ist das Zwerchfell, unser großer Atemmuskel. Mit jeder tiefen Atmung bewegen wir unseren Magen. Aber auch der Magen verfügt über viele Muskelstränge und deshalb prägen sich die Muskeln des Magens auf der einen Seite und des Zweifels auf der anderen Seite gegenseitig. Ist der Magen unter Druck, spannt sich auch das Zwerchfell an – und umgekehrt. Wird der Druck im Magen zu hoch, dann kann der Muskel am Mageneingang, der normalerweise dafür sorgt, dass keine Speisen wieder in den Mund kommen, diesen Druck nicht mehr aushalten. Er öffnet sich – meist nur für kurze Zeit – und Magensäure wird in die Speiseröhre und wieder in den Mund gedrückt.

Die eigene Hand kann viel Druck nehmen

Oft kann man auch ohne Medikamente für eine deutliche Entlastung des Drucks im Magen sorgen. Die einfachste Art und Weise ist es, dem Magen leicht in Bewegung zu bringen, indem Du Deine Hand mitten auf den Bauchnabel legst und dann ungefähr 5 cm in Richtung der Schulter nach oben gehst und anschließend ganz leicht beginnst, mit den Fingerkuppen mit kurzen und weichen Impulsen auf den Magen zu drücken. Eine solche Bewegung kannst Du auch mit einem Igelball machen, indem Du ausgehend vom Gebiet neben dem Bauchnabel langsam bis an den Rippenbogen rollst. Wenn Du den Bereich so etwa 45 Sekunden bewegt hast, lege Deine Hand noch einmal ganz entspannt für etwa dieselbe Zeit in Ruhe auf den Magen und beruhige ihn damit. Diesen Ablauf kannst Du noch ein- oder zweimal wiederholen.

Oft ist nach dieser kleinen Entspannung wieder etwas mehr Sauerstoff und Blut in den Magen gelockt, die Verdauungsarbeit wird wieder gleichmäßiger und der Druck im Magen deutlich geringer.

Ich freue mich wieder zu hören, wie‘s Dir geht mit Druck im Magen, und was Dir hilft, wenn Dir was sauer aufstößt.

Faulheit

Lob der Faulheit – reloaded

Lob der Faulheit

Ja, es ist Sommer und es ist Zeit für den Urlaub – für Faulheit. Wir setzen uns an den Strand, schauen von der Bergspitze ins Tal, genießen Ausblicke und Einblicke, sitzen in den Cafés der Stadtplätze, bleiben länger liegen, gehen Essen anstatt selber zu kochen und einfaches Dasitzen hat Hochkonjunktur.
Das Lob der Faulheit siegt wieder über unseren Alltag und über unser Beschäftigtsein zu den anderen Zeiten des Jahres. Ich lese, dass Faulheit der mangelnde Wille, aktiv zu sein bedeuten soll. Wer faul ist, wird nicht selten beschimpft, man geht seinen auferlegten Aufgaben nicht nach, ist nicht produktiv, der Gesellschaft nicht dienlich. Faul zu sein ist ein Schimpfwort.
Dürfen wir überhaupt faul sein? Ist Fleiß nicht ein viel konstruktiverer Wert, der uns und die Gesellschaft weiterbringt?

Faulheit und Glaube

Schon die Wüstenväter und -mütter und die vielen anderen Mönche kannten den Begriff der “Trägheit des Herzens”. Der Fachterminus dazu heißt Acedia. In anderen Schriften auch der Mittagsdämon genannt, der aktiv wird, direkt nach dem Mittagessen, wenn die Hälfte des Tages vorbei ist und wir müde werden. Daher war es für diese weisen Frauen und Männer wichtig, dem Drängen der Acedia nicht nachzugehen und das Bett zu meiden, nicht es aufzusuchen. Und die von Max Weber beschriebene protestantische Ethik legt großen Wert auf den Fleiß, der ein Zeichen für ein gottgefälliges Leben ist. Zu der Zeit gab es den Begriff Freizeit noch nicht, geschweige denn das, was wir heute Freizeitindustrie nennen. Das sind erst Blüten der Moderne und der Veränderung unserer Arbeitsprozesse.
Dürfen wir faul sein? Möchtest Du faul sein? Nicht nur in den zwei oder drei Wochen Deines Urlaubs, sondern grundsätzlich?

Faulheit und Motivation

Manche Menschen sind faul und können kaum anders. Denn Faulheit hat auch etwas mit Motivation zu tun und mit der Bildung eines Willens, etwas in Angriff zu nehmen. Ja, es gibt Menschen, die keine Motivation entwickeln können und auch solche, die nicht in der Lage sind, etwas zu wollen. Sie sitzen da, können nicht aufstehen und produktiv sein, nicht einmal das Bett verlassen können sie. In einer extremeren Form sind es depressive Menschen. Faulheit kann eine Krankheit sein. Aber was ist schon Krankheit? Es ist eine gesellschaftliche Vereinbarung.

An unserer Pinnwand in der Küche hing lange Zeit ein Cartoon mit der Unterschrift: Lieber meditieren als nur dasitzen und nichts tun. Vielleicht ist ja auch Meditation nur ein Ausdruck von Faulheit? Oder bist es ein Ausdruck des berechtigten Wunsches, jenseits von Produktivität einfach nur da sein zu dürfen, ohne Leistung?

Faulheit macht kreativ

Der moderne Computer wurde ja auch deshalb erfunden, weil jemand zu faul war, es mit Stift und Zettel zu errechnen. Und wir wissen, die fortschreitende Automatisierung, der vermehrte Einsatz von Robotern und die digitale Revolution wird es mit sich bringen, dass wir die Faulheit lernen müssen, dass wir sie kultivieren müssen. Wer auf Fleiß getrimmt ist, der wird es vielleicht in Zukunft schwer haben, wenn die Faulheit zum täglichen Brot wird – die verordnete Faulheit.
Doch selbst dann betreten wir die Laufbänder, treten in die Fahrradpedalen. Ohne auch nur einen einzigen Zentimeter voran zu kommen, machen wir Yoga-Kurse, Zumba, Zirkeltrainings, heben Gewichte und treten, ziehen, heben, drücken, was das Zeug hält. So wird Freizeit, wird die faule Zeit wieder mit Fleiß durchsetzt. Und alles ist gut.

Lohn der Faulheit

Dem heiligen Benedikt war Müßiggang zuwider – er entsprach damit der Überzeugung der schon erwähnten Wüstenväter und -mütter.
Aber vielleicht ist zu viel Fleiß auch nicht gerade das, was uns zum Heil gereicht. Die Dinge ruhen zu lassen, sich entwickeln lassen, nicht eingreifen – das sind doch auch Werte und nicht notwendigerweise erfolglose. Es sind sogar Werte der ersten Mönche – man nennt es kontemplativ oder eben – ich erwähnte es schon – meditativ.
Natürlich ist es wie immer so: es braucht den Wechsel, es braucht den Ausgleich. Wir sind Wesen, die immer wieder die Homöostase suchen, das Gleichgewicht. Wir sollten daher tatsächlich die Faulheit loben, sie gebiert den Fleiß und wir sollten den Fleiß loben, weil er die Faulheit gebiert. Man verdient sich nicht die Faulheit durch Fleiß, sondern der Fleiß wird genährt durch unsere Faulheit und der Fleiß macht es erst möglich, unsere Faulheit wirklich zu genießen.
Außerdem – man denke an die Erfindung des Computers – werden manche Probleme nur durch Faulheit gelöst. Meistens versuchen wir durch besonders emsige Aktivität Probleme anzugehen. Das mag das eine oder andere mal gelingen. Aber nicht wenige Probleme löst man nicht durch die Vergrößerung unseres Einsatzes, durch besonders emsiges Tun, sondern dadurch, dass wir die Hände in den Schoß legen.

Faulheit und die letzten Dinge

Ja, und letztlich werden wir faul enden. Der Tod ist der faulste Moment unseres Lebens – wenn man von Leben noch sprechen kann. Der Anfang war es schon – es gibt kaum faulere Menschen, als das paradiesische Leben im Mutterschoß und am Ende werden wir wieder in die Faulheit heimkehren.

Die Faulheit – vielleicht können wir es so verstehen – erinnert uns daran, woher wir kommen und woraufhin wir steuern. Wir kommen aus der Ruhe und kehren wieder heim zur Ruhe – zur ewigen Ruhe, wie wir sie nennen.
Vielleicht ist uns die Faulheit deshalb nicht so geheuer, weil sie uns daran erinnert, was uns blüht.

Doch die ewige Ruhe, die ist bei Gott. Der Himmel ist nicht mehr der Ort der Leistung, sondern der Ruhe. Es ist der Ort der Faulheit – im besten Sinne. Der siebte Tag, an dem Gott im Schöpfungsprozess ruhte, ist vielleicht auch der siebte Himmel.
So kann Faulheit, in diesem Sinne verstanden, auch Vorbereitung auf das sein, was danach kommt.

Ich wünsche Dir eine ganz faule Zeit!

Erfolg im spirituellem Leben

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg zu haben ist ein gutes, ja, ein schönes Gefühl. Die Arbeit ist halbwegs getan, die Ziele erreicht und man kann zufrieden das Ergebnis anschauen. Es ist dieses unglaublich angenehme Empfinden der Zufriedenheit und Genugtuung, das sich in einem breit macht und ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Man freut sich, klopft sich sprichwörtlich auf die Schultern, lässt sich feiern, erhält wohlmöglich eine Gratifikation und geht erhobenen Hauptes nach Hause, sich dessen bewusst, etwas geschafft zu haben.
Mir scheint, dass vor allem jüngere Menschen eine große Lust auf Erfolg haben. Im Internet gibt es zahlreiche Blogs und Foren, die sich mit Erfolg auseinandersetzen und Tricks und Tipps, Tools und Hacks verraten, um erfolgreich zu werden. Damit ist dann sehr oft gemeint, viel Geld zu haben, Häuser zu besitzen, den ultimativen Job zu bekommen, der natürlich seinerseits viel Geld verspricht.
Einen Schritt weiter geht die digitale Branche, die verheißt – wenn man fleißig die Tipps beachtet – nicht mehr für Zeit bezahlt zu werden – sondern für Ideen und damit ein Einkommen zu generieren, für dessen Steigerung ich nicht mehr arbeiten muss.

Was ist Erfolg?

Ist es das gefüllte Bankkonto, der wunderbare Job, die wohlerzogenen Kinder, das Traumhaus, das Leben ohne Eskapaden, die Gesundheit, die ja bekanntlich das wichtigste ist?
Erfolg ist keiner der Namen Gottes, heißt es. Stimmt das? Will Gott keinen Erfolg?
Ich kann das kaum glauben. Denn Jesus kam auf die Welt, um etwas zu bewirken, er wollte etwas verändern und Menschen erreichen. Nein, Jesus wollte erfolgreich sein, er wollte sehr gerne Erfolg – wie vielleicht viele junge Männer sich auch heute nach Erfolg sehnen. Gewiss ging es ihm nicht um Geld, nicht um das berühmte Häuschen im Grünen – aber es ging ihm doch sehr wohl um Ansehen, es ging ihm darum, Menschen zu verändern, zur Einsicht zu bringen, Hoffnung zu schenken. Man kann Jesus ja auch nicht unbedingt vorwerfen viel dafür getan zu haben, dass er nur ganz wenige Auserwählte erreicht. Er zog Massen an und musste notgedrungen dafür sorgen, ihnen zu Essen zu geben.

Kein Erfolg ohne Ziele

Es gibt keinen Erfolg, wenn es keine Ziele gibt. Bedeutet es doch erfolgreich zu sein, Ziele erreicht zu haben. Im spirituellen Sprachgebrauch wird selten von Zielen gesprochen. Ja, Ziele werde sogar in vielen Fällen abgelehnt. Man solle sie fallen lassen, loslassen, offen sein, sich an nichts festhalten und etwas fixieren. Überhaupt ist das Festhalten und Fixieren etwas, das in vielen spirituellen Büchern und Lehren abgelehnt wird – ähnlich wie das so genannte Ego abgelehnt wird, das ja wiederum Quelle all unserer Ziele und damit allen Übels ist.

die ziellose Kirche

Doch Ziele sind gut, Ziele sind wichtig – nicht nur in jungen Jahren. Menschen, die keine Ziele mehr haben, haben sich quasi aufgegeben. Innerhalb der Kirche kann man das oft erleben. Wir haben es häufig mit einer Kultur der Ziellosigkeit, ja, der Zielabneigung zu tun. Es wird nichts mehr wirklich gewollt. Es gibt keine Idee mehr, es gibt kein Bild von dem, was kommen soll. All die Konzepte, die man periodisch vorgesetzt bekommt, schmecken nach einem Zugeständnis an die Realität, nach einem Einknicken und vergeblichem Hinterherrudern. Nach einer wirklichen Idee aber schmeckt es nicht, es schmeckt nicht nach etwas Kühnem, nach etwas Großem. Es ist alles wohlberechnet, theologisch klar umrissen, mit Personal ausgestattet und finanziell nach Möglichkeit versorgt. Aber dahinter stecken oft keine wirklichen Ziele, weil nichts mehr gewollt wird. Stattdessen stecken dahinter Zahlen, wie viele noch da sind: Priester, Gläubige, Ehrenamtliche, Geld… Wir leben in der KIrche vielfach aus dem Noch – das aber ist keine Quelle wirklich großer Ziele.

Und auch in den Klöstern ist es oft nicht anders. Die Überalterung, die schwindende Größe, die Frage nach dem Aussterben sind auch wirklich keine einfachen Fragen. Sie sind wichtig, sie müssen gestellt werden. Aber das prophetische Zeichen wird darin oft nicht gesehen oder gelebt. Man gibt sich auf, wickelt sich selber ab, bleibt im Bisherigen stecken und lässt am besten alles so, wie es ist.

der motivierte Jesus

Erfolg? Ziele? Es fehlt noch ein Wort, ein Begriff, das eigentlich zuerst hätte genannt werden müssen. Das Wort heißt Motivation. Motivation ist Handlungsenergie. Jesus war motiviert – und wie! Man kann sogar sagen, dass er in einer bestimmten Art und Weise motiviert war. In der Psychologie werden drei Grundmotivationen unterschieden. Demnach war Jesus macht- und beziehungsmotiviert. Was er gewiss nicht wahr – obwohl als Handwerker vielleicht doch auch – er war vermutlich weniger leistungsmotiviert.
Das heißt, dass er motiviert war, mit Menschen in Kontakt zu treten und etwas zu verändern. Es ist Motivation, die andere Menschen ansteckt. Das ist die Energie, die wir spüren, wenn wir mit außergewöhnlichen Menschen zusammenkommen und das ist der Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Menschen: Motivation und die Art und Weise der Motivation.

Ziele als Sätze oder als Bilder?

Ich brauche Motivation auch im spirituellen Leben – ansonsten würde ich nichts tun, gar nichts, kein Gebet, keine Meditation, kein Ritual, nichts. Das heißt… es wäre schon möglich, das alles aus Gewohnheit zu tun: man hat es ja schon immer so gemacht und eigentlich vergessen zu fragen, warum man es tut (das ist die Frage nach der Motivation, nach den Beweggründen). Was ich aber nur aus Gewohnheit tue zählt in gewisser Hinsicht nicht, es ist hat kaum einen Wert.
In vielen spirituellen Schulen wird von der Wachheit gesprochen, die es braucht. Bei diesem Rat geht es genau darum, nicht aus dem Autopiloten heraus zu handeln, sondern wach und damit bewusst zu beten, zu meditieren oder was auch immer zu tun.
Und auch der Zenmeister hat Ziele und der Bogenschütze ohnehin. Im japanischen Bogenschießen geht es wie überall darum, ein Ziel zu erreichen.
Und das Ikebana-Gesteck soll fertig werden, die Teekanne gefüllt werden, die Meditation in Stille vollzogen und auf Dauer gewinnbringend sein.
Der Unterschied ist der: mache ich etwas aus Absicht, gewollt oder aus einer tieferen Motivation heraus.
Oder noch anders gesagt: Speichere ich in meinem Inneren meine Ziele als Sätze oder als Bilder. Der Unterschied ist eklatant und für alle sofort spürbar!

Die Kunst zu leben

Wir brauchen Erfolg – auch als spirituelle Menschen – auch die Kirche braucht Erfolg, Erfolg, der spürbar ist, nicht denkbar!
Die Kunst, gute Ziele zu finden, ist die Kunst zu leben.

Hoffentlich wird es in unseren Gesellschaften, Kirchen und Klöstern wieder mehr Menschen geben, die von Zielen so sprechen können, dass andere aufhorchen und sich erheben. Das könnte viele und alles verändern!

 

Urlaub mit Gott

Urlaub mit Gott

Die Urlaubszeit ist angebrochen. Viele Menschen sind schon verreist, andere bereiten ihre Reise noch vor. Auch für mich steht der Urlaub bevor. Und wie jedes Jahr stellt sich die große Frage: Was muss, was will ich alles mitnehmen?

Abgesehen von der benötigten Kleidung gehört in mein Urlaubsgepäck eine nicht geringe Zahl an Büchern: Romane, Krimis, Reisebeschreibungen und – das Buch der Bücher! Denn ich habe mir angewöhnt, in den Ferien bewusst eine Zeit für die Bibellesung einzuplanen.

In der Regel gehe ich dabei systematisch vor, indem ich plane dieses oder jenes Buch der Bibel als Ganzes zu lesen. Für die kommende Urlaubszeit habe ich mir das Buch der Psalmen vorgenommen, das mich im Stundengebet zwar das ganze Jahr über begleitet, aber gerade in einer von Verpflichtungen freien Zeit finde ich die Muße, mit einen Psalm auszusuchen, ihn zu lesen und zu meditieren.

Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub

Zwei Psalmen möchte ich mir in besonderer Weise vornehmen: Zunächst Psalm 18, der in unserer monastischen Liturgie am Sonntagmorgen in der Vigil vorkommt. Dieser Psalm 18 umfasst 51 Verse, ist also vergleichsweise lang. Die Exegeten ordnen den Königspsalm den Dankliedern zu, weil er von der Errettung der Königs Davids redet (wobei der Psalm nur in Auszügen auf den großen israelitischen König zurückgehen mag). Im Verlauf des Psalms werden viele machtvolle Bilder angeführt, die Gottes Handeln anschaulich darstellen.

Der Gott der Weite leuchtet auf

Ein Vers aus besagtem Psalm hat es mir besonders angetan, nämlich Vers 20, der im Gotteslob mit Vers 29 verbunden als Kehrvers unter der Nummer 629,1 erscheint: „Du führst mich hinaus ins Weite, du machst meine Finsternis hell.“

Ja, gerade im Urlaub im Urlaub – in der Ferne und weitab vom Alltag – kann ich neu spüren, dass Gott nicht möchte, dass seine Geschöpfe engherzig sind. Im Gegenteil: Er führt mich hinaus ins Weite und macht meine Finsternis hell!

Der bewegte und bewegende Gott leuchtet auf

Ein weiterer Psalm ist mir sehr ans Herz gewachsen und soll mich in der Ferienzeit begleiten, nämlich Psalm 114: Er ist der große Lobpreis auf den Auszug Israels aus Ägypten. Der sieghafte Erlösergott von Psalm 114 ist auch der Gott des neuen Bundes. Und sein mächtiges Handeln an seinem Bundesvolk gilt auch dem Volk des neuen Bundes.

Dabei ist das im Psalm verheißene zukünftige Heilswalten Gottes für uns Christen schon Wahrheit geworden. Denn durch Jesu Auferweckung und Erhöhung bin ich dem negativen Bereich der Sünde und des Todes entrissen und an das Ufer des neuen Lebens gebracht. Darum ist Psalm 114 der Prototyp des Liedes der erlösten Christen, weshalb er in der Vesper an den großen Hochfesten des Kirchenjahres und an jedem Sonntag in der Vesper erklingt.

Im Urlaub tanze ich vor meinem Gott

Ein Vers ragt dabei besonders heraus, nämlich Vers 7. In der alten Einheitsübersetzung fand man diese Übersetzung: „Vor dem Herrn erbebe, du Erde, vor dem Antlitz des Gottes Jakobs.“ – Die neue Einheitsübersetzung hat diesen Vers anders interpretiert, und zwar genau so, wie wir Mönche ihn seit über zehn Jahren in der Sonntagsvesper singen: „Tanze, du Erde, vor dem Antlitz des Gottes Jakobs!“

Wenn im Urlaub der Alltagstrott von mir abfällt, brauche ich vor Gottes Antlitz nicht zu erbeben, sondern darf vor Gottes Antlitz tanzen. – Da ist die Erholung schon vorprogrammiert…

Unsere Musiker am Sonntag: Anja Ritterbusch und Andreas Burckhardt

Anja Ritterbusch

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Schon als kleines Kind habe ich ständig gesungen und über Klavierspielen und Ballett meine Leidenschaft für Musik und Tanz entdeckt. Mit elf schrieb ich meine ersten eigenen Songs in englischer Sprache und habe es genossen, mich am Klavier in ganz andere Welten begeben und mich mit meiner Stimme ausdrücken zu können. Als ich dann zum ersten Mal auf der Bühne stand, konnte ich nicht umhin, dieses Glücksgefühl immer wieder zu suchen und ganz viel neue Musik zu erforschen. Schließlich habe ich dann Jazzgesang sowie Musical Theatre Performance studiert und bin bis heute davon fasziniert, welche Kraft Musik hat und wie sie uns immer wieder neue Wege gehen lässt.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Das sind sehr viele Menschen, Künstler und Situationen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Norma Winstone, Fay Claassen, Maria Joao, Joni Mitchell, Ella Fitzgerald, Becca Stevens, Joao Gilberto..

 

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ich liebe den Klang von Kirchen, die Stille, die man mit Musik und Stimme füllen kann und den Raum, der sich eröffnet. Die Verbindung mit Texten und der Assoziationsspielraum geben mir als Sängerin eine tolle Ausdrucksmöglichkeit. In einer Hauskirche singe ich nun zum ersten mal und freue mich darauf.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du  einmal eintauchen?

Ich würde gern mal in die goldenen 20er oder 30er Jahre an den Broadway oder auch nach Paris reisen, wo viele Jazzstandards ihren Ursprung haben und Geschichten in Songs und Theater lebendig wurden. Und natürlich der Jazz.;-)

Andreas Burckhadts Antworten kannst Du hier nachlesen: Andreas Burckhardt