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Podcast: Wir altern nicht, wir leben!

Die Überschrift kam mir nach dem Gespräch mit Frau Richter in den Sinn. Ich habe sie zum Thema Älterwerden befragt und worüber sprachen wir? Wir sprachen über das Leben – und nicht nur über die eine oder andere Beschwerlichkeit und Besorgnis.

Zu altern heißt zu leben – irgendwie tröstet mich dieses Wort und ermutigt mich. Wer will nicht leben? Wer will das Leben nicht genießen? Aber: Kann man das Älterwerden genießen? Nach dem Gespräch mit Frau Richter kann ich sagen, ja, das geht – vielleicht nicht alles, aber vieles, und Altern kann ein Geschenk sein.

Hilfe, ich werde alt

Altwerden ist keine Krankheit

Seit ich diesen Satz vor vielen Jahren das erste Mal bewusst aus dem Mund eines Hals-, Nasen- und Ohrenarztes gehört habe, verwende ich ihn selber gerne gegenüber meinen Patienten in der Praxis. Veränderungen der Stimme im Alter gibt es viele, und es ist für uns selbstverständlich, dass wir auch am Telefon, also allein über den Klang der Stimme, das Alter eines Menschen relativ gut einschätzen können. Eine alte Stimme klingt anders als eine junge Stimme. Zunächst entwickelt sich die Stimme in Lautstärkeumfang und Kraft. Später verliert sie die Höhe oder die Lautstärke, das Vibrato wird größer und vielleicht unsymmetrischer: Klangeindrücke, die in unserer Gesellschaft nicht positiv konnotiert sind. Aus guten Chören wird man dann zuweilen aussortiert, darf möglicherweise noch in die Seniorenkantorei wechseln, wenn man nicht sowieso schon in einem Chor ist, in dem man „mitaltert“.
Altwerden ist keine Krankheit – aber manchmal fühlt es sich so an. Manche natürlichen
Veränderungen des Alters sind kaum zu unterscheiden von einer Krankheit, die vielleicht nach einiger Zeit auch wieder weggeht. Und manchmal zeigt sich Altern gerade darin, dass man nach einer Krankheit nicht mehr den Level an Leistungsfähigkeit erreicht, den man vor der Krankheit gehabt hat. Gleichzeitig ist der Alterungsprozess kein linearer, er lässt sich durch Training aufhalten, aber ist auch zutiefst individuell, manchmal dabei absolut unerbittlich und ungerecht in seinem plötzlichen Auftreten.

Die Freude der Abendsonne

Im Urlaub setze ich mich gerne einmal in die Abendsonne und betrachte den Sonnenuntergang. Gerade nach einem erfüllten Tag mit einer längeren Wanderung oder Radtour ist das ein wunderschöner Abschluss. Daran muss ich manches Mal denken. Im Urlaub gelingt es mir wohltuend, Abende so entspannt ausklingen zu lassen – freudig und stolz über meine müden Knochen und Muskeln.
Könnte es im Leben genauso sein? Der heilige Benedikt ordnet den Tag ähnlich wie das Leben: Das erste Viertel ist für das Lernen der Psalmen bestimmt, dann vor und nach dem Mittag zwei Viertel des Tages für die Arbeit, und dann noch ein Viertel für die Ruhe. Die alten drei Gebetszeiten der Terz. Sext und Non markierten den Wechsel von der einen in die andere Phase. …

in die bloße Wirklichkeit

Ja, ich gebe gerne zu: Das milde Abendlicht meines Lebens genauso freudig anzuschauen wie die Abendsonne im Sonnenuntergang an Urlaubstagen, muss und darf ich noch was üben. Hoffentlich bin ich noch jung genug, um das Altwerden üben zu dürfen. Der Philosoph Wilhelm Schmidt spricht beim Älterwerden von einer „Erosion des Könnens in die bloße Wirklichkeit.“ Dinge und Ereignisse werden schön und bedeutsam nicht durch Leistung, sondern durch ihr Sein.
Dabei muss ich wieder an die Stimme denken. Manche Gesänge höre ich lieber, wenn sie von einer alten Stimme gesungen sind. Ganz besonders denke ich an ein Lied, das wir am Abend vor unserer Profess, dem feierlichen Klosterversprechen, im Nachtgebet singen. Es ist ein Text aus dem Buch Jesus Sirach, der mit den Worten beginnt: „Mein Sohn, wenn Du dem Herrn dienen willst, dann sei
auf Versuchung gefasst.“ Ich erinnere mich gut, wie unser mittlerweile verstorbener Pater Michael diesen Gesang noch in vorgerücktem Alter mit brüchiger und zitternder Stimme vorgesungen hat.

Die Gestaltung des Lebens gelingt uns durch die Begrenztheit

Das war für mich so anrührend, weil die Echtheit des gesamten Lebens mit allen Facetten in mir deutlich wurde. Heute verstehe ich noch mehr von dem, was ich damals nur intuitiv erahnte: Die Gestaltung des Lebens gelingt mir nur durch die Begrenztheit. Nur, weil nicht mehr immer alles möglich ist, bin ich herausgefordert und angetrieben, das Notwendige, das Sinnvolle und das Erfüllende des Lebens zu suchen und zu tun.
Jedes kleine Zeichen des Älterwerdens, jedes Können, das nicht mehr wie früher verfügbar ist, hilft mir, in der Selbstfreundschaft einen Schritt weitergehen zu können. Manchmal mühsam, manchmal schmerzlich, manchmal trauernd – zum Glück aber oft auch schon dankbar und gelassen….

Und ich freue mich wieder, von Dir zu hören über Deine Abendsonne des Lebens….

Impuls am Sonntag: Andreas Schubert

Andreas Schubert

Alter
49

Beruf
Vorstand Caritasverband Hannover e.V.

Was bedeutet Ihnen Glaube?
In schwierigen und traurigen Situationen gibt mir mein Glauben Halt und  Zuversicht. Die Erkenntnis das ich als Mensch mit meinen Fehlern und sicher vorhandenen Eigenheiten,  getragen werde.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?
„Wer nichts verändern will, wird auch das verlieren,  was er bewahren möchte.“
Gustav Heinemann

Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
Der Adler der neunten Legion von Rosemary Suitcliff. Ein Jugendbuch aus meiner Kindheit, welches ich als erstes Buch von Anfang bis zum Ende an einem Stück gelesen habe. Diesem Buch verdanke ich als sehr junger und seinerzeit „lesefauler“ Mensch die Erfahrung,  das eine Geschichte mich berühren kann. Historische Romane und Sachbücher die über das Leben der Menschen in der Vergangenheit erzählen sind nach wie vor meine Leidenschaft.

Hilfe, ich werde alt

„Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ (Ps 90,10)

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen kurzen Zeitungsartikel, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ein Drittel der heute dreißigjährigen Frauen ihren einhundertsten Geburtstag erleben würde – so sehr habe sich die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren geändert.

Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten andauernd verlängert. Dabei spielt der Medizinfortschritt eine wesentlich geringere Rolle als Faktoren wie Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage usw.

Das Alter in der Bibel

An vielen Stellen der Bibel wird über das Alter sinniert, und die Begrenztheit der Lebenszeit des Menschen wird thematisiert; so auch in den Psalmen. Bei Psalm 90 etwa handelt es sich um ein sogenanntes Klagelied des Volkes, in dem die Hinfälligkeit des Menschen im Mittelpunkt steht. Vollständig lautet Vers 10: „Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig. Ihr Bestes aber ist nur Mühsal und Beschwer; rasch geht es vorbei, – wir fliegen dahin.“

Und in Psalm 39 finden sich folgende Verse:
„Herr, lass mich doch wissen mein Ende, und welches das Maß meiner Tage ist, damit ich weiß, wie vergänglich ich bin!“ Siehe: Wenige Spannen lang machst du meine Tage, meine Lebenszeit ist vor dir wie ein Nichts. Nur ein Hauch ist der Mensch, so fest er auch dasteht.“ (Ps 39,5f)

Tatsächlich erlebe ich oft in Gesprächen mit älteren Menschen, dass sie sich Gedanken über das Alter machen: zum einen in großer Zufriedenheit, weil sie in ihrem bisherigen Leben Vieles und Schönes erreicht und erlebt haben; zum anderen aber auch nicht selten mit Sorge, wie sie sich in ihrem Alter auf des Ende ihres Lebens vorbereiten könnten.

„Du gehst nie allein“

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich einer über achtzig Jahre alten, sehr kranken Frau die Krankensalbung spenden. Sie hat mir vor der sakramentalen Salbung viel über ihre Krankheit, über ihr Leben, über ihre – trotz der großen körperlichen Probleme – Gelassenheit, ihren Glauben und vieles andere mehr erzählt. Unter anderem sagte sie, dass sie als evangelische Christin regelmäßig eine katholische Seelsorgerin aufsuche, um sich geistig-seelisch aufzubauen. Diese Seelsorgerin habe ihr vor langer Zeit ein Lesezeichen gegeben. Auf dem war der Spruch „Du gehst nicht allein“ zu lesen. Dieser Spruch sei ihr Mantra geworden, das sie oft mehrfach am Tage vor sich hin bete.

Trotz aller Zweifel keine Ver-zweiflung

Vor allem die schwere Krankheit mit heftigen Schmerzen führe sie oft an den Rand des Ertragbaren. Die immer wieder kehrenden Zweifel könne sie inzwischen aber gut zulassen, weil sie nicht ver-zweifle.Durch das Fenster ihres Wohn- und Schlafzimmers kann sie vom Bett aus einen mächtigen Baum sehen. Es scheint mir eine Zeder zu sein. Und von diesem Baum sagt sie: „Das ist mein Gottesbaum. Wenn ich ihn anschaue, werde ich von einem tiefen Frieden erfüllt, weil ich dann spüre, dass Gott da ist…“

Unsere Musiker am Sonntag: Bläserensemble der St. Ursula-Schule

Wie hat sich Euer Ensemble gegründet? Was hat Euch dazu bewogen?
Das Blechbläser-Ensemble der St. Ursula Schule besteht jetzt seit knapp
4 Jahren. Alle Mitglieder haben in Klasse 5 in der Blechbläser-AG der St. Ursula
Schule mit dem Instrumentalspiel begonnen. Nachdem die 6. Klasse vorüber war,
kamen sechs Schüler (4 Trompeten und 2 Waldhörner) auf die Idee weiterhin
gemeinsam Musik zu machen. Daraus hat sich die heute bestehende Formation
gebildet.

Was ist Euer spezieller Style/Eure Besonderheit, worauf legt Ihr
besonderen Wert?

Wir haben viel Freude am gemeinsamen Musizieren. So wählen wir die
Stücke und das Programm gemeinsam aus, spielen nicht nur, sondern lachen auch ziemlich viel. Besonders ist, dass wir alle unsere eigene Vorstellung in unser Spiel
mit einbringen können.

Was sind Eure aktuellen Projekte?
Aktuell bereiten wir ein großes Stück von John Rutter vor. Dieses wollen wir beim traditionellen Weihnachtskonzert unserer Schule zusammen mit dem Mittelstufen- und Oberstufenchor und allen Besuchern des Konzertes aufführen. Dieses Stück beginnt mit einer Bläserfanfare und leitet dann in den wunderschön auskomponierten Choral „Nun danket alle Gott“ über.

Des weiteren planen wir grade unsere erste CD-Aufnahme. Dieses wird als
Schulprojekt durchgeführt und soll im Januar 2020 aufgenommen werden.

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch

Ein gutes Gefühl im Bauch

Mit Schmunzeln denke ich gerne an eine kleine Begebenheit zurück, als eine Gruppe aus dem benachbarten Kindergarten in der Cella zu Besuch war. Zum Abschied fragte mich ein kleiner Junge, der noch neu im Kindergarten war: „Hast Du auch ein Baby im Bauch?“. Die beiden daneben-stehenden Erzieherinnen konnten ihr Schmunzeln nur mühsam unterdrücken und auch ich habe diesen schönen Satz nicht vergessen. Da war in der Familie wohl Nachwuchs in Sicht und der Junge hatte beobachtet, wie ich liebevoll meine Hand auf meinem Bauch liegen hatte, was ich manchmal einfach gerne tue.

Von einem Waschbrettbauch bin ich meilenweit entfernt. Bei mir gibt es eher die liebevollen Rundungen, die den Jungen tatsächlich und auch ganz berechtigt an eine Schwangerschaft erinnern, auch wenn die Ursachen für meine Rundungen natürlich ganz woanders liegen. Das habe ich dem Jungen dann ganz freundlich erklärt und nach einem „ach so“ war die Sache für ihn dann auch erledigt.

Ein angespannter Bauch macht schnell auch Bauchschmerzen

Seitdem denke ich häufiger über das gute Bauchgefühl nach – das Wohlgefühl mit dem eigenen Bauch. Ich erlebe in der Praxis Menschen mit einem angespannten Bauch, Menschen die beständig ihrem Bauch einziehen, damit nur ja keine Rundung zu sehen ist, Menschen die regelmäßig Druckschmerzen oder Grummeln im Bauch haben. Ich erkläre ihnen dann, wie wichtig es für die Atmung und das Wohlbefinden ist, wenn der Bauch auch locker sein darf. Manchem muss ich von kräftigem Bauchmuskeltraining abraten, wenn dadurch die Stimme schlechter geworden ist.

Gleichzeitig reden wir in unserer Sprache auch von Bauchgefühl, wenn es um intuitive Entscheidungen geht, um Entscheidungen, wo wir innerhalb von Hundertsteln einer Sekunde abschätzen müssen, was für uns gut oder gefährlich ist.

Entscheidungen aus dem Bauch

Im menschlichen Miteinander brauchen wir in besonderer Weise diese Intuition, um automatisch, schnell und mühelos Entscheidungen zu treffen: Drücke ich bei einer gelben Ampel noch aufs Gas oder trete ich auf die Bremse? Im Zweifelsfall kann diese schnelle Entscheidung im Straßenverkehr Auswirkungen auf meine Gesundheit, vielleicht sogar auf mein Leben haben. Aber in kürzester Zeit ist die Entscheidung getroffen. Normalerweise ist das gut so, denn die vielen Entscheidungen, die ich an einem Tag zu treffen habe, könnte ich alle gar nicht treffen, wenn ich jede Entscheidung gut und bewusst abwägen wollte.

Hat das intuitive Bauchgefühl etwas mit dem grummelnden Bauchgefühl zu tun? Hat die gute Intuition in der Entscheidung etwas zu tun mit dem lockeren Bauch? Wissenschaftlich ist man hier ganz schnell auf dem Glatteis. Und doch beobachte ich auch Parallelen. Häufiger arbeite ich in der Praxis mit verschiedenen Übungen an der Entspannung des Bauches.

Ein entspannter Bauch macht fröhlicher

Am stärksten wirkt eigentlich immer das Auflegen einer Hand auf den Bauch. Die meisten sind völlig überrascht, dass sie mit ihren eigenen Händen ihren Bauch deutlich entspannen können. Wenn das Vertrauen groß genug ist, dass sogar ein anderer die Hände auf dem Bauch legen darf, ist die Entspannung bei vielen noch größer.

Besonders nach einer Entspannungsarbeit im Bereich des Bauches gehen meine Patienten oft deutlich fröhlicher wieder aus der Behandlung, als sie gekommen sind. Der körperlich entspannte Bauch gibt auch den intuitiven Entscheidungen mehr Freiheit und Wohlgefühl.

Hast du schon einmal versucht, Deinen Bauch mit Deinen Händen selbst zu entspannen? Und was hilft Dir, nach einem Grummeln wieder ins „gute Gefühl im Bauch“ zurückzufinden?

Ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie es Dir mit Deinem „Bauchgefühl“ und Deinem  „Gefühl im Bauch“ geht.

Bruder Karl-Leo

Bruder Karl-Leo

Auferstehung

An die Auferstehung glauben: Wie geht das?

An die Auferstehung glauben: Wie geht das?

Es gibt im Neuen Testament viele Belege dafür, dass Jesus auferstanden ist. Gerade die Evangelisten schildern immer wieder Begegnungen des Auferstandenen mit seinen (verängstigten) Jüngern. Vor allem aber die Apostelgeschichte schildert in mannigfachen Erzählungen, wie die Apostel für die Auferstehung Jesu unerschrocken Zeugnis ablegen, sei es bei Verhören durch die römische Gerichtsbarkeit beziehungsweise durch die Hohepriester (vgl. Apg 4,1-21), sei es bei Wunderheilungen vgl. Apg 3,1-11)…

Eigentlich ist alles klar

Wenn wir den Worten der Heiligen Schrift Glauben schenken, sollte eigentlich alles klar sein. Und dennoch haben viele Menschen große Zweifel. Woran liegt das?
An die Auferstehung Jesu zu glauben, scheint nicht das Problem zu sein; vielmehr hinterfragen viele die Wirksamkeit – oder besser gesagt: die Wirkungslosigkeit des einmaligen Geschehens.

Ist die Welt besser geworden?

Hat die Auferstehung Jesu die Menschen verändert? Ist vielleicht sogar die Welt besser geworden?
Die Antwort auf diese Fragen fällt eindeutig aus, wenn wir die in die vergangenen 2000 Jahre Menschheitsgeschichte schauen oder wenn wir auf die vielen Krisengebieten auf der Erde in unseren Tagen blicken.
Gerade von uns Christen wird erwartet, dass wir anders leben. Gilt doch seit Jesus das alttestamentliche Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe (Mt 22,34-40; vgl. Lev 19,18) als höchstes Gebot und wird durch Jesus noch durch das Gebot der Feindesliebe getoppt (Mt 5,44).

Die Wahrheit muss die Wahrheit beweisen

Die Wahrheit kann nur durch die Wahrheit bewiesen werden – und zwar die gelebte Wahrheit. Jesus ist die Wahrheit Gottes, er ist die Tat Gottes für uns alle. Wer seine Wahrheit tut, wer durch sein Wort rein und klar geworden ist, der ehrt Gott und hilft denen, die Gott suchen.

Was zählt

Der Gründer und langjährige Prior von Taizé, Roger Schutz, hat es so beschrieben:

„Wir mögen wunderbare Werke vollbringen, zählen werden nur jene, die der barmherzigen Liebe Christi in uns entspringen. Am Abend unseres Lebens wird es die Liebe sein, nach der wir beurteilt werden, die Liebe, die wir allmählich in uns haben wachsen und sich entfalten lassen, in Barmherzigkeit für jeden Menschen in der Kirche und in der Welt. Unsere Hinwendung gilt allen Menschen ohne Ausnahme, weil in jedem Menschen Zeichen Christi, unseres Bruders, erkennbar sind.“

Ich wünsche uns, dass wir uns immer mehr von der Liebe Christi durchdringen lassen, damit die Welt menschlicher, und damit göttlicher wird.

Wie geschieht Erlösung?

Wie geschieht eigentlich Erlösung?

Eine berechtigte Frage in der Karwoche.
Hast Du darüber schon einmal nachgedacht? Der Arbeitsplatz des Erlösers oder der Erlöserin scheint in dieser Welt derzeit vakant zu sein und sucht noch nach Bewerberinnen und Bewerbern. Dass sich das schwierig gestaltet, wissen wir alle, denn man weiß nicht einmal, wie man die Tätigkeitsbeschreibung formulieren soll. Gewiss würde einiges an Gratifikation warten und Dankbarkeit und Ehrerbietung wären der Kandidatin oder dem Kandidaten sicher.
Aber noch wissen wir ja nicht einmal, was Erlösung ist, wie sie funktioniert und was man dafür können muss, um mit Fug und Recht Erlöser oder Erlöserin genannt zu werden.


Oper als inszenierte Erlösung

Vielleicht hilft es, sich einige Ideen aus einem anderen Bereich zu holen.
Den Brettern, die die Welt bedeuten, ist ja bekanntlich nichts Menschliches fremd. Erst Recht nicht, wenn dabei auch noch gesungen wird. In einer Oper erwartet man Liebe, Leidenschaft, Mord und Intrige und Verdammnis – ja, und dann hoffentlich auch Erlösung.

Natürlich gibt es auch die komödiantischen Opern, die uns einen vergnüglichen Abend bereiten. Doch scheinen mir die dramatischen Werke doch zu überwiegen – sie werden zumindest nach meinem Gefühl häufiger aufgeführt.
Dabei ist es kein Geheimnis, dass mich das Werk Richard Wagners in besonderer Weise nicht nur anspricht, sondern zugleich inspiriert und berührt. Es liegt daher für mich nahe, mich dort einmal umzusehen und die Frage zu beleuchten, wie man denn erlöst wird und was es denn ist: Erlösung.

Die Suche nach Erlösung in Wagners Opernwelt

Zunächst wird sich einem beim ersten Hinhören und Hinschauen Ernüchterung einstellen. Denn so viel Erlösung geschieht in den Werken des Romantikers Wagner gar nicht. Meistens sind am Ende alle tot – die eine bringt sich selber um, der andere verschwindet ins Nirgendwo und die andere folgt einem Gespenst in ein fernes Nirvana.

Und doch macht es Sinn, tiefer zu schauen. War doch für Wagner das Thema Erlösung ein wichtiges Motiv.
In seinen Werken baut er immer wieder Situationen auf, die sich nach und nach zuspitzen, dramatisieren, ins Unausweichliche abrutschen, in die Sackgasse gehen, bis gar nichts mehr geht, bis sich alles entkleidet und der Wahnsinn vor der Tür steht.
Wie findet ein Liebespaar zueinander, das sich nicht finden kann und darf, aber will, ja muss?
Wie kann eine Liebe Ziel und Erfüllung finden, wenn der Angebetete ein Leben als Halbtoter führt?
Wo bleibt die Erlösung, wenn der Held plötzlich reißaus nimmt?

Erlösung durch Liebe und Tod

Es ist interessanterweise gerade Wagners letztes Werk, Parsifal, das ein Happy End hat, wo der Erlöser ans Werk geht und sich nicht erst noch umbringt, entschwindet oder durch Gift stirbt.
Und doch muss die Frage gestellt werden, ob nicht auf je eigene Weise im Grunde alle Opern ein solches Happy End haben, wenn man davon ausgeht, dass der Tod nicht der worst case ist oder eben hier eine andere Bedeutung hat, als die der totalen Vernichtung.
Tatsächlich gehören für Wagner Liebe und Tod zusammen, bilden in gewisser Weise ein Paar. So kennen wir es schon von Shakespeare, wo Romeo und Julia erst im Tode zusammen finden.
Liebe beinhaltet stets die Fähigkeit der Selbstaufgabe in sich, des Überschreitens des eigenen Lebens, die Aufgabe eigener Ziele und eines eigenen Lebens.
Und das natürlich nur als Ausweg aus der höchsten Not und tiefsten Krise – nicht als Lösung für Paarkonflikte oder als psychologischen Trick und Manipulationsversuch.
Die Aufgabe seiner selbst ist nur in und aus der Liebe legitim und nur dann eine Lösung, wenn die pure Ausweglosigkeit sich breit macht.

Erlösung geschieht also durch den Tod aus Liebe.
Dabei ist mit Tod bzw. mit Selbstaufgabe nicht nur die Selbstvernichtung gemeint, sondern eben alle Spielarten der Selbsttranszendierung. Das ist die Fähigkeit, seine eigene Existenz ganz auf ein höheres Gut hin zu beziehen und durchleuchten zu lassen. Schon hier also können wir leicht Bezüge zur christlichen Erlösungsvorstellung finden. Denn auch bei Jesus Christus ist es die Liebe, die ihn zum Kreuz führt und das Opfer auf sich nimmt. Und der Tod aus tiefer Liebe führt dann zur Auferstehung, zum eigentlichen Akt der Erlösung.

Und auch die christliche Spiritualitätsgeschichte weist auf den Zusammenhang von Tod und Erlösung hin, wenn immer wieder davon gesprochen wird, dass es gilt, abzusterben, den ersten Tod zu sterben. Auch hier geht es nicht um die persönliche Vernichtung oder eine Art Selbsterniedrigung. Hier geht es darum, absolut transzendent zu werden, durchsichtig für eine neue Wirklichkeit.

Der unschuldige Tor erlöst die Welt

Gerade aber in den Kar- und Ostertagen dürfen wir noch einen Schritt weiter gehen oder man müsste sagen, eine Oper weiter. Spielt doch der ganze letzte Akt von Wagners Parsifal am Karfreitag selber.


…weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.


Regel des hl. Benedikt 3,3

Buddhistisch könnte man sagen, dass Erlösung aus dem Anfängergeist kommt, aus dem Geist des ewigen Novizen. Und das Wissen nicht zu den zentralen Qualitäten gehört, ja eine Portion Dummheit sogar hilfreich zu sein scheint – eben ein reiner Tor zu sein.
Und auch im christlichen Kontext spielt oft der Jüngere und damit Unerfahrene eine wichtige Rolle, …weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.”
Regel des hl. Benedikt 3,3
Soweit die Opern von Richard Wagner.
Und was heißt das jetzt?
Dass Erlösung aus dem Vermögen der Selbsttranszendierung heraus geschieht, gepaart mit der Fähigkeit des Unwissenden.

Der Unwissende erlöst
Unwissenheit war immer auch ein Teil spiritueller Wege. Gerade in den mystischen Wegen kommt es darauf an, immer wieder alles Wissen zu lassen und sich ganz auf die Erfahrung zu konzentrieren. Das Wissen ersetzt die Erfahrung nicht, es kann vielmehr arrogant machen und führt weg vom Eigentlichen.

Im frühen Mittelalter hat ein englischer Mönch das Buch “Die Wolke des Nicht-Wissens” geschrieben und zeigt damit darauf hin, wie wichtig für die Gotteserkenntnis die Fähigkeit ist, all sein Wissen über Bord zu werfen und leer zu werden.
Und Nikolaus von Kues hat sein Hauptwerk “De doctor ignorantia” – “Über die belehrte Unwissenheit” überschrieben. Auch hier ein Hinweis, wie wichtig diese Form der Unwissenheit ist.
Parsifal war einer, der nicht einmal seinen Vater kannte oder seinen Namen, er wuchs allein mit seiner Mutter auf, die gute Grunde hatte, ihn so “dumm” zu belassen.
Doch ein anderes Wissen war längst in ihm gegenwärtig und wurde durch den Kuss der Kundry wachgerufen.

Der Verzicht auf alle Erkenntnis

Bei Parsifal wird natürlich die Unwissenheit an Kleinigkeiten fest gemacht, sozusagen symbolisiert. Aber es geht im Grunde darum, dass wirkliche Erlösung, dass neue Wege und neue Lösungen entstehen, wenn ich bereit bin, alles über Bord zu werfen, wenn ich mich der Leere stelle, wenn ich alles lassen kann, damit etwas anderes in mir Raum gewinnt.
Eine philosophische Entsprechung finden wir in der eidetischen Reduktion der Phänomenologie. Auch hier: Wir bekommen neue Erkenntnis, wenn wir uns aller Vorannahmen, aller bisheriger Theorie entledigen und auf die Dinge schauen wie ein Neugeborenes. Dann sind wir den Dingen am nächsten, dann offenbaren sie uns ihre immanente Weisheit.

Und Jesus?

War Jesus ein Tor?
War er ein Unwissender?
Ja und nein. Zunächst war er kein Intellektueller seiner Zeit – er war Handwerker, was wahrlich kein übler Beruf ist.
Aber er war offenbar doch soweit mit dem reinen Wissen, mit der klaren Erkenntnis verbunden, dass er nicht mehr auf menschliches Wissen zurückgreifen musste, sondern in eins war mit dem Wissen Gottes.
Er war Wissender von Gott her gedacht und frei von allem, was seinen Zugang zur Weisheit Gottes hätte eintrüben können.
Das war ja das Besondere an ihm, diese untrennbare Verbundenheit mit Gott, den er Vater nannte. In Jesus war die Leere gegenwärtig, die zugleich die Fülle ist.

Und Parsifal? Er ist nicht als ein neuer Christus gedacht, sondern als der Protomensch, als Archetyp eines neuen Menschseins, der die Welt zur Heilung bringt, erwacht und mit tiefem Mitgefühl ausgestattet.
Wir könnten ihn heute gut gebrauchen.

Bruder David


Wagner verstehen
Hast Du Interesse bekommen, Dich näher mit Wagners Werk zu beschäftigen? Ich kann nur sagen, dass es sich wirklich lohnt. Für mich stellt es eine Bereicherung meines Lebens dar.
Es gib ab dem 12. Mai 2019 einen kostenlosen Online-Kurs zu den Opern Richard Wagners. Den lohnt es auf alle Fälle mitzumachen.

– Du bekommst einen Überblick über das Werk
– Erfährst von der Handlung
– manche Anekdote ist auch dabei
– Du wirst erfahren, warum die einzelnen Opern sich lohnen
– jede Oper ist mit einem Film-Ausschnitt versehen
– ein Quiz macht das ganze lebendig
– Und in den Kommentaren kannst Du Deine Fragen loswerden

Unsere Musiker am Sonntag: Anne Kristin Holmer und Werner Nienhaus

Unsere Musiker an Palmsonntag

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ane Kristin Holmer:
Bei uns zuhause in Wilhelmshaven stand ein Klavier und meine Eltern machten beide Hausmusik. So bekam ich im Alter von 6 Jahren Blockflöten- und Klavierunterricht.
Werner Nienhaus:
Wir hatten zuhause auf unserem Bauernhof eine Nenntante, die anregte, dass ich unbedingt Klavierunterricht bekommen sollte. Zeitgleich mit meiner Einschulung erhielt ich dann wöchentlich Unterricht bei dem Kantor unserer Gemeinde im Münsterland.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Ane Kristin Holmer:
Stark beeinflusst hat mich mein erster Klavierlehrer Paul Lehrke, der nicht nur ein hervorragender Instrumentalpädagoge, sondern auch musikgeschichtlich ungeheuer belesen war. Ich habe noch zu Studienzeiten tiefgreifende Gespräche über Musikästhetik geführt. Nach dem klassischen Musikstudium an der Folkwang Hochschule in Essen-Werden begann ich meinen Schuldienst am Gymnasium Lehrte. Durch den Aufbau der schuleigenen Big Band, Bläserklassen und Chorklassen kam ich in Kontakt mit ganz anderen musikalische Richtung, die mich natürlich auch stark beeinflussten.
Werner Nienhaus:
Einerseits bin ich stark verwurzelt in der Kirchenmusik; Chorleitung und Orgelspiel sind für mich bis heute wichtige musikalische Betätigungsfelder.
Hier waren natürlich die verschiedenen Kantoren, bei denen ich Unterricht nahm, aber auch die Professoren der Folkwang Musikhochschule wichtig. Andererseits habe ich bereits früh Tanzmusik gemacht und leite seit vielen Jahren die Big Band unseres Gymnasiums. Auch diese musikalischen Erfahrungen haben mich natürlich beeinflusst.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ane Kristin Holmer:
Obwohl ich der protestantischen Kirche angehöre, spiele ich immer wieder gerne in katholischen Gottesdiensten, da die Liturgie zwar ähnlich ist, aber doch eine besondere Aura hat. Da mein Mann katholisch ist, haben wir bereits des Öfteren in klösterlichen Gemeinschaften Gottesdienste musikalisch ausgestaltet.
Werner Nienhaus:
Eine Tante von mir ist im Steyler Missionsorden; daher bin ich – natürlich auch meine Geschwister – schon seit Kindheitstagen mit der klösterlichen Liturgie vertraut. Diese Elemente vita contemplativa haben mich schon früh beeindruckt.