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Musikerin am Sonntag: Ellen Wegner, Harfe

Die Harfinistin Ellen Wegner spielt am kommen Sonntag in unserer Vesper um 18.00 Uhr – hier stellt sie sich kurz vor:

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Mein Vater hat Klavier und Geige gespielt und war Chorleiter, meine Mutter hat gern gesungen – es gehörte für sie zur Grundausbildung ihrer Kinder, daß sie ein Instrument lernen.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es gibt keine einzelnen Personen, denen ich einen besonders großen Einfluß zuschreiben würde – für mich war die Vielseitigkeit meiner musikalischen Aufgaben prägend.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Musik in der Kirche ist frei von gelegentlichen unangenehmen Nebenerscheinungen im Konzertwesen – z. B. überzogenem Eventcharakter, übertriebenem Virtuosentum („wer spielt noch schneller?“). Es geht um das Wesentliche in der Musik, um ihren Gehalt, um Stimmungen, um thematische Bezüge, um die Eigenschaft der Musik, die Seele direkt anzusprechen und die Gelegenheit, das gesprochene Wort nachwirken zu lassen, weshalb ich besonders gerne musikalisch-literarische oder andere thematische Zusammenhänge herstelle.

Nicht zuletzt betreten die Zuhörer in der Regel eine Kirche in einer anderen Stimmung als einen Konzertsaal und die Akustik ist häufig besonders gut.

Zu all dem kommt in der Hauskirche der Cella die konzentrierte, intime und sehr persönliche Atmosphäre.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

In die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts.

In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher

Sicherheit ist eine Grundsehnsucht des Menschen. Schon als Kind brauchen wir für unsere Entwicklung Sicherheit. In der Nähe der Eltern lernen wir üblicherweise dieses Urvertrauen, dass für unsere Entwicklung so entscheidend ist. Aber auch Jahrzehnte später, als Erwachsene, reagieren wir oft sehr sensibel und ängstlich, wenn unsere gefühlte Sicherheit gestört wird. Ein Datenleck, ein möglicher Hacker-Angriff, wie wir es in diesen Tagen erlebt haben – und schon fühlen sich Menschen mit ihren persönlichen Daten im Internet unsicher. Zuständige Politiker sind herausgefordert, große Programme zu entwerfen und der ganzen Bevölkerung in diesem Bereich mehr Sicherheit zu versprechen. Wenige Tage zuvor waren es noch prügelnde Jugendliche, die vermeintlich das Sicherheitsgefühl vieler Menschen beeinträchtigt haben und zum Teil die gleichen Politiker herausgefordert haben, mit neuen Programmen zu diesem Thema für mehr Sicherheit zu sorgen.

Was brauche ich, um sicher zu sein? Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen?

Die allermeisten Menschen unserem Land werden bei ehrlichem Nachdenken allerdings feststellen, dass ihnen in den letzten Tagen weder prügelnde Jugendliche begegnet sind noch irgendwelche ihrer Daten ungewollt im Netz veröffentlicht wurden. Und doch lässt mich die Frage nicht los, was mich denn eigentlich sicher macht. Was braucht mein Körper, um sich sicher zu fühlen? Und was braucht mein Geist, um sich sicher zu fühlen.

In der Stimmtherapie übe ich häufiger mit Menschen, auf einem Bein zu stehen. Das gleicht die Muskulatur aus, oft werden Verspannungen und Schmerzen geringer. Durch diese körperliche Übung habe ich immer mehr verstanden, wie sich auch gefühlte Sicherheit entwickelt.

Sicherheit entsteht nicht durch Festigkeit

Für unseren Körper ist dabei klar: Stabilität und Sicherheit im Stand entsteht nicht durch Festigkeit der Muskeln, sondern durch Balance und durch die Ausgeglichenheit der Muskeln. Ein muskulär fester Stand ist eben kein sicherer Stand. Und so beginnt die Suche nach dem sicheren Stand üblicherweise in den Füßen: das Körpergewicht auszubalancieren zwischen dem rechten und dem linken Fuß, zwischen Fußballen und Ferse.

Wenn man so seinen sicheren Stand sucht, also einfach mit dem Körper leicht nach vorne und nach hinten pendelt und dabei die Füße immer besser stabilisiert, merkt man schnell, dass sich auch die Muskeln in den Beinen zunächst in den Waden- und Schienbeinmuskeln, dann aber auch um das Knie und bis hin in die Oberschenkel verändern. Wer sehr sensibel ist, kann diese Veränderung auch im ganzen Rumpf- und Oberkörperbereich an den einzelnen Muskeln nachspüren bis hin zum Hals.

Balanciert und zentriert – die bewegte Sicherheit

Tatsächlich erlebe ich, wenn ich mit Menschen eine solche Übung in der Praxis mache, dass sie bereits nach wenigen Minuten einen Stand haben, der sich sicherer anfühlt – und es auch objektiv ist. Muskeln sind verändert, Knochen stehen anders aufeinander. Körperlich würde ich sagen, sie haben einen neuen Stand. Und tatsächlich ist ein ausgeglichener Stand über den Füßen für viele Menschen deutlich angenehmer, mögliche Schmerzen in Schulter, Nacken und dem Rücken werden geringer. Je ausbalancierter ein Körper ist, desto sicherer ist er, um sich nicht durch einen Sturz zu verletzen.

Natürlich komme ich in meiner Arbeit nicht an der Frage vorbei, was der sichere Stand in den Füßen mit dem sicheren Gefühl im Kopf zu tun hat.

Der sichere Stand, der mich körperlich (also von den Füßen her) und das sichere Umfeld das mich geistig (also vom Kopf her) fasziniert, ist tatsächlich eher ein ausbalancierter als ein verfestigter Zustand.

Natürlich wäre es viel zu platt wäre, Sicherheit im Stand mit anderen Fragen der Sicherheit einfach gleichzusetzen – und doch hat das eine mit dem anderen nach meiner Erfahrung etwas gemeinsam. Darum übe ich gerne meine Balance und lade Euch ein, das mit dieser einfachen Schwinge- und Pendelübung über die Körpermitte auch einmal zu tun. Und wünsche ich mir, dass es in meinem Kopf auch so eine bewegte Sicherheit gibt. Manchmal denke ich, dass manche Ratschläge zur digitalen Sicherheit (wie das schnelle und regelmäßige Wechseln von Passwörtern und Laden von Updates) auch so etwas wie die Bewegung um das Gleichgewicht sind. Und ich beobachte meinen Alltag, wo es noch andere Elemente gibt, die dem Geist Sicherheit geben aus der Beweglichkeit und dem Gleichgewicht heraus, die ich einüben kann.

Ich freue mich wieder auf Eure Erfahrungen und Rückmeldungen.

 

„Neuartige Kammermusik”

„Neuartige Kammermusik”
am 18.9.2020
20.00 Uhr

Eintritt frei – Spenden willkommen

(eine vorherige Anmeldung ist zwingend notwendig - siehe unten)


Robert Kusiolek (Akkordeon) & Elena Chekanova (Live Elektronik)

Elena Chekanova und Robert Kusiolek schaffen in ihrer Musik neue Klangwelten.
Beide sind international ausgezeichnet und gehören zur zeitgenössischen Kammermusik-Szene.

Elena Chekanova studierte an der renommierten Michail Oginsky Musikschule in Weißrussland Chordirigieren und schloss im Jahr 2000 mit Auszeichnung ab. Ein Stipendium der Polnischen Regierung erlaubte ihr das Zweitstudium für Orchester- und Operndirigat an der Hochschule für Musik in Posen. Auch diese Ausbildung absolvierte Elena Chekanova mit Bestnote. Danach dirigierte sie zahlreiche Uraufführungen mit dem an_Arche NewMusicEnsemble in Polen. 2007 wechselte sie an die Musikhochschule Hannover in die Dirigierklasse von Prof. Eiji Oue und wurde 2009 – nach ihrem Konzertexamen – in seine Soloklasse aufgenommen. Die Kunst des Dirigierens lernte sie auch von ihrem anderen Lehrer und Mentor, Maestro Michail Jurowski, einem Dirigenten der klassischen russischen Schule, dem sie 2009 und 2010 bei Konzerten in Wien, Parma, Stuttgart und im schwedischen Norrköping assistierte.

Robert Kusiolek – Akkordeonist, Bandoneonist und Komponist der den Anschluss zur internationalen Szene gefunden hat. Er hat die Musikakademie mit Auszeichnung in Poznan / Polen abgeschlossen und studierte an der HMTMH in der Solistenklasse der Prof. Elsbeth Moser. Robert Kusiolek ist Preisträger des Stipendienprogramms MLODA POLSKA des Ministers der Kultur in Polen - 2006 und DAAD in Deutschland - 2007. Er ist auch Preisträger der Internationalen Akkordeonwettbewerbe (Kammermusik) in St. Petersburg – Russland 2003, in Poprad – Slowakei 2003, in Przemysl – Polen 2003, in Klingenthal - Deutschland 2004 und in Castelfidardo – Italien 2006. Robert Kusiolek hat auf dem Label Multikulti Project die international erfolgreiche CDs: "NUNTIUM" 2011, "the universe" 2014 und "Qui Pro Quo" 2015 veröffentlicht.

Anmeldung
bitte jede Person einzeln anmelden

„Hast Du ‘ne Macke, dann sei froh!“

In den vergangenen drei Wochen habe ich in der „Gastpriesterwohnung“ der Pfarrei St. Ludgerus auf Norderney meine Ferien verbracht und im Gegenzug die Eucharistiefeiern und einige Gesprächsangebote übernommen.

Da ich mich für Architektur interessiere, ist die katholische Pfarrei hier auf der Insel schon etwas Besonderes; denn sie hat zwei Kirchorte, die nur etwa 150 Meter voneinander entfernt sind: die neugotische Kirche St. Ludgerus von 1884 und die Bauhaus-Kirche Stella Maris, die 1930/31 nach den Plänen eines der großen Kirchenbaumeister der zwanzigsten Jahrhunderts, Dominicus Böhm, gebaut wurde und (nebenbei gesagt) die größte Kirche Ostfrieslands ist.

Der Altar mit der Macke

Während meines Aufenthalts auf der Insel lud Markus Fuhrmann, ständiger Diakon und Pfarrbeauftragter für Norderney, wöchentlich zu Kirchführungen in Stella Maris mit dem Titel „Bauhaus auf Norderney“ ein. Dabei erzählte er unter anderem von der Umgestaltung der Kirche in den Jahren von 2006 bis 2008 durch den Düsseldorfer Architekten Bruno Braun. Dieser hatte auf die ersten Entwürfe Dominicus Böhms zurückgegriffen und die „Prinzipalstücke“ – Stele für den Tabernakel, Ambo mit Osterleuchter, Vorstehersitz und Altar – in Sandstein ausgeführt.

In einem baden-württembergischen Steinbruch fand er erstklassigen, reinen Sandstein, den er vor Ort bearbeiten und dann nach Norderney bringen ließ. Die Objekte wurden gut verpackt an ihren Bestimmungsorten aufgestellt und die Verschalung entfernt.

Der Altar ist als schlichter, quadratischer Tisch gestaltet. Doch siehe: an einem der „Tischbeine“ war in der Verpackung eine Macke entstanden und ein etwa handtellergroßes Stück Stein herausgebrochen.

Man lernt nie aus…

Wenn Markus Fuhrmann auf die „Macke“ zu sprechen kommt, erzählt er von seinem Besuch im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe, das eine große Anzahl an Keramiken ausstellt. Darunter auch Keramik aus Japan. Und siehe da: dort gab es auch beschädigtes Teegeschirr zu sehen, das aber sehr aufwendig „repariert“ worden ist.

„Kintsugi“ nennt man die traditionelle Reparaturmethode für Keramik. Dabei wird einer Kittmasse pulverisiertes Silber oder Gold beigemischt und damit die Keramik repariert – und deren Wert gesteigert!

Die Macke als Mehrwert

Irgendein kluger Kopf wusste wohl um „Kintsugi“ und ließ die Macke am Sandsteinaltar von Stella Maris mit Blattgold veredeln.

Der Begriff „Macke“ kommt übrigens aus dem Jiddischen (makke) und dem Hebräischen (makkä) und bedeutet „Schlag“. Übertragen auf Personen bedeutet das: Wer eine Macke hat, pflegt seine Eigenart. Bei Dingen definiert eine Macke die Beeinträchtigung der Brauchbarkeit: Was eine Macke hat, ist zweite Wahl oder defekt.

Wenn man aber an repariertes japanisches Teegeschirr denkt, kann das ja wohl nicht ganz stimmen. Und wenn ich an meine eigenen Macken denke – und diese vergolde – macht mich das doch einzigartig.

Das Gedicht von der Macke

Der im Januar dieses Jahres gestorbene Schriftsteller Josef Reding hat das in einem Kindergedicht wunderbar zum Ausdruck gebracht:

Deine Puppe fiel auf die Backe.
Jetzt hat sie ‘ne Macke
und jetzt sagst du „Kacke!“
Und: Aus ist‘s mit dem Schöngesicht!
Nun wein mal nicht!

Um Macken und Wunden,
um Narben und Schrunden,
um Dellen und Beulen
soll man nicht heulen.
In einem Puppen-Großkaufhaus
sieht eine wie die andre aus.
Doch mit ‘ner Macke irgendwo
am Kopf, am Bein oder Popo
und mit ‘nem Riss im Seidenkleid
ist sie eine Besonderheit.

Auch bei uns Menschen ist es so:
Hast du ‘ne Macke, dann sei froh,
dann kannst du hier auf Erden
kaum mehr verwechselt werden!

Zwischen Reset, weiter so und freudiger Rückkehr in den Alltag…

Nach den Wochen des Lockdowns und den anschließenden Wochen mit schrittweisen Lockerungen der Einschränkungen war der Urlaub für mich in diesem Jahr besonders wichtig. Obwohl ich sehr wenig unterwegs war und viele Termine ausgefallen sind, war ich vor dem Urlaub angestrengt und erschöpft. Ähnlich habe ich es bei vielen beobachtet, die zu mir in die Praxis gekommen sind. Deutlich wird dies besonders in den Muskeln, die stärker verfestigt und ermüdet sind, als ich das sonst bei mir kenne.

Dauerkontraktionen in Muskulatur

Das ist in den Corona-Zeiten eigentlich kein Wunder. Diffuse Gefühle von Angst und Unsicherheit führen leicht auch zu einer Dauerkontraktionen in Muskulatur und Bindegewebe der Haut und Unterhaut. Manchmal zieht man sich schon bei Vorstellungen unangenehmer Situationen körperlich zusammen. Diese Kontraktionen verstärken sich in belastenden Lebenssituationen. Es kommt zu negativen Kreisläufen. Je mehr man sich zusammenzieht, desto negativer erlebt man die Welt und erwartet für die Zukunft nur Negatives. Je mehr man nur Negatives denkt und erwartet, desto mehr zieht man sich zusammen und wird dadurch überempfindlich auf die geringsten Reize. Aus der Körpertherapie wissen wir, dass sich Angst und Depression nicht nur über den Geist, über Gespräche und Vorstellungen, sondern auch über den Körper behandeln lassen.

Und darum tut die körperliche Bewegung im Urlaub so gut. Sie lockert nicht nur die verfestigten Muskeln, sie reduziert auch die Unsicherheit und Sorge, um die die Gedanken kreisen. Das habe ich selber in den letzten Wochen dankbar erlebt.

Lockern sich die Muskeln, werden die Sorgen kleiner

Aber jetzt geht es für viele von uns aus der Erholung zurück in den Alltag. Leider ist dieser Alltag in den letzten Wochen nicht sicherer und klarer geworden. Wie können und wollen wir in diesen Alltag starten? 

Bei manchen Menschen erlebe ich den mutigen Vorsatz, jetzt doch mit neuem Schwung an die Arbeit zu gehen und so die Müdigkeit und Anstrengung der letzten Wochen zu überwinden. So sehr ich den Vorsatz gut finde, bin ich oft skeptisch, ob das gelingt. Wenn das Gefühl der Unsicherheit zu stark wird, werden die Muskeln bald wieder fest werden. Dann rettet man sich mit Glück bis zu den nächsten Ferien.

Beim PC sprechen wir oft vom Reset – einem neuen Start, bei dem alle Programme zunächst geschlossen und der Arbeitsspeicher geleert werden. Irgendwie wünsche ich mir das manchmal für all die Corona-Gedanken, die in meinem Kopf sind. Merke ich doch, dass meine Muskeln bald wieder fest werden, wenn ich meinen Muskeln im Gefühl der Unsicherheit lasse.

Mit neuer Haltung in meinen Alltag

Und so suche ich, wie ich freudig und doch mit neuer Haltung in meinen Alltag zurückkehren möchte. Ob es mir gelingt, „mit Corona leben zu lernen“, wird sich ganz wesentlich in meinem Körper, in meinen Muskeln erweisen. Tatsächlich versuche ich regelmäßig, freudig meine Muskeln zu befragen, ob sie die Spannung wieder abgeben wollen. Besonders meinen Brustkorb nehme ich abends vor dem Schlafengehen in den Blick, lege die Hand auf einzelne Stellen und versuche, die Rippen weich durch meine Atmung zu bewegen. Langsam einatmen, etwas vier Sekunden lang, und dann etwa sechs Sekunden ausatmen. Dann noch eine kleine Pause, bis der Körper von alleine wieder Luft holen möchte. Mir hilft das gut, schon wieder gesammelte Spannung zu reduzieren.

Kann man sich in Corona-Zeiten so zuversichtlicher atmen? Mir hilft es auf jeden Fall. Und ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie es Dir gelingt, nach dem Urlaub wieder in den Alltag zu starten, und was Dir hilft, froh und entspannt zu bleiben.   

Unser Musiker am Sonntag: Miroslaw Tybora

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Zur Musik bin ich tatsächlich durch ein gemeinsames Spiel und Musizieren bei einer Kirchengemeinde in meiner Heimatstadt in Schlochau in Polen/Pommern gekommen. Zusammen mit meinen Freunden haben wir noch als Kinder und Jugendliche bei den Gottesdiensten musikalisch begleitet. Ich war damals 8, oder 9 Jahre alt.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es ist heute schwierig zu sagen. Da ich nicht von Musikerfamilie stamme, waren das wahrscheinlich meine Lehrer und meine Freunde, mit denen ich zusammen musiziert habe. Da ich mich in verschieden Musik Genres gerne bewege, waren das ziemlich viele Menschen. Doch auf eine ganz schreckliche und peinliche Situation kann ich mich gut erinnern. Ich habe vor mehreren Jahren mit Freunden bei einem Gipsy Swing Festival in Wilhelmshaven gespielt. Natürlich waren dort auch die meistens angesagten und bekannten "Zigeuner". An einem Abend habe ich die peinliche Frage gestellt, die ich nie vergessen werde: "wer war eigentlich der "Django" Reinhardt"? Hmm...

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ich komme aus Polen, d.h. aus einem Land, wo man die Menschen fast nicht fragen muss, "glaubst du an Gott"? In so einem Land ganz normal ist, dass man in die Kirche geht. Dazu als Junge war ich Messdiener... Musikalisch habe ich immer gerne in den Kirchen gespielt. Die Akustik ist oft da genial, als Musiker genießt man das. Bei Cella Sankt Benedikt das besondere ist die große Offenheit auf und für einen einzelnen Menschen, die Wahrnehmung des Individuums.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Wir haben viele Überlieferungen, Dokumente und Nachweise von vergangenen Epochen. Nicht viel wissen wir was genau vor dem X Jahrhundert geschehen ist. Ganz wenig können wir uns vorstellen, wie die Musik in der Zeit am Anfang der neuen christlichen Ära, in der so benannten "Anno Nostrae Salutis" Zeit aussah. Ich glaube an Gott, auch an Christus, als eine historische Persönlichkeit. Interessant wäre es zu erfahren, welche Töne hat Er damals gehört...

Fünf Vorschläge wie man schwierige Zeiten überstehen kann

Ich merke eigentlich jetzt erst, was diese letzten Monate mich gekostet haben. Wie subversiv die Atmosphäre in mein Leben eindrang und das, obwohl ich im Grunde sehr geschützt lebe. Digital bin ich schon lange unterwegs und an einem üblichen Arbeitsalltag komme ich nur mit wenigen Menschen so in Berührung, dass ich mich anstecken könnte. Doch diese grundsätzliche Atmosphäre des Gefährdetseins, der Besorgnis, der Vorsicht und des Ausweichens machen vor niemanden halt, so sehr man sich auch geschützt weiß.

Es waren anstrengende Monate, das kann ich sagen. Deshalb tut mir auch die Sonne und Wärme dieser Tage sehr gut. Und die Leichtigkeit der letzten Wochen ohne große Verpflichtung waren sehr erholsam.

Anstrengende Tage kenne wir alle und wir alle haben schon schwere Zeiten durchgemacht. Doch eine solche Zeit kollektiv zu erleben, das ist für uns alle vermutlich neu - außer für die, die den Krieg noch erlebt haben.

Und das, was diese Zeit uns allen noch bringen wird, die so genannten Spätfolgen, von denen können wir noch gar nicht sprechen. Es reicht ja auch schon, was jetzt zu spüren ist.

Ich möchte heute davon sprechen, wie man eigentlich durch solche Zeiten gehen kann,  egal, ob man sie kollektiv oder individuell erlebt. Wie kann man solche Herausforderungen überstehen, sich schützen und unterstützen? Diese Zeiten können uns lehren, was man später einmal gut wird brauchen können.

Und so habe ich überlegt, was stärkt in einer solchen Zeit, welche Haltung ist hilfreich? Und so möchte ich Dir fünf solcher Haltungen vorstellen und erklären, die mir bedeutsam und hilfreich zu sein scheinen.

1. Es kommt auf Deine Reaktion an

Kennst Du den Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung? Ungefähr das ist damit gemeint, wenn ich sage, dass es auf Deine Reaktion ankommt. Wir können uns natürlich herrlich über die momentanen Bedingungen aufregen, können das Virus in die Hölle wünschen, können uns ärgern, können uns beschweren. Aber im Kern geht es nicht um das Virus, es geht darum, wie Du darauf reagierst.

Wie gehst Du mit der momentanen Situation um? Fahrlässig, unbeschwert, locker… oder: total ängstlich, zwanghaft, penibel? Ist Deine Haltung eine, die Dich und andere schützt und doch noch Freiraum lässt und wo noch Platz für Humor ist?

Wenn es regnet, und ich weiß, dass das ein hinkender Vergleich ist, dann kannst Du Dich über das Wetter ärgern oder Du holst einfach Regensachen aus dem Schrank . 

Verstehst Du? Der Unterschied ist Deine Reaktion, sie macht Situationen unerträglich, kompliziert oder leicht und überschaubar.

Reagiere also so, dass es Dich stark macht und dass es Deine Möglichkeiten nicht unnötig verkleinert. 

2. Wir sind anpassungsfähiger, als wir meinen

Ich kann mich noch an die erste Woche des Lockdowns erinnern. Ich hatte tatsächlich Angst, ich hatte Sorgen, mein Leben begann irgendwie aus den Fugen zu geraten. Überall war es so ruhig, man huschte schnell einmal nach draußen, um dann schnell wieder in den sicheren Hafen des eigenen Zuhauses heimzukehren.

Eine Woche später hatte ich mich daran gewöhnt und es begann normal zu werden. Und auch jetzt ist mir das Tragen der Maske zur Gewohnheit geworden und zwar so sehr, dass ich mir manchmal schon nackt vorkomme ohne. Ich weiß noch, dass ich ziemlich irritiert war, als ich erstmals nach Monaten einen Supermarkt ohne Einkaufswagen betreten durfte. Ich war immer irgendwie auf der Suche nach meinem Wagen und fühlte, dass etwas nicht stimmt, obwohl es längst erlaubt war.

Gerade wir Menschen sind sehr anpassungsfähig und darauf dürfen wir vertrauen. Und wenn, was ich wahrlich nicht wünsche, das Virus nicht gehen wird und wir noch Jahre damit zu leben haben, dann werden wir Wege finden, damit umzugehen. Wir gewöhnen uns schnell an solche Situationen. 

Darauf dürfen wir vertrauen.

3. Konzentriere Dich auf Dinge, die Du beeinflussen kannst

Wenn etwas von uns Besitz ergreift, wie derzeit das Virus, dann fühlen wir uns zumeist machtlos. Machtlosigkeit finde ich ein ganz unangenehmes Gefühl. Es macht mich wahlweise wütend oder lässt mich frustriert zurück. Beides aber führt nicht wirklich weiter. 

In solchen Zeiten sind es gerade die kleinen Routinen, die unser Leben stabilisieren. 

Ich kann mich daran erinnern, als mein Vater plötzlich starb. Es war fast eine Erholung im Dschungel der Trauer, sich um Beerdigung, Sarg und Trauerfeier kümmern zu dürfen und sich mit Fragen beschäftigen zu dürfen wie: Nehmen wir diese Blumen oder jene? Welche Aufschrift auf der Schleife? Wie war das noch mit dem Kuchen?

Es sind die kleinen Routinen und Tätigkeiten, auf die Du Wert legen solltest, die kleinen Abläufe, die Du beeinflussen kannst, die in Deiner Macht stehen. Und diese kleinen Routinen hat jeder immer und überall. 

Als ich Anfang der 90er Jahre im Uni-Klinikum in Münster auf der orthopädischen Kinderstation arbeitete, war es mir immer wichtig, den Kinder das Gefühl zu geben, Dinge im eigenen Umfeld bestimmen zu können. Über sie wurden so oft hinweg Entscheidungen getroffen, die oft mit Schmerzen verbunden waren, dass sie Inseln brauchten, um das Gefühl zu bekommen, noch etwas im Griff zu haben.

Und genau darum geht es bei der Fokussierung auf die kleinen Routinen zu spüren, ich bin nicht ohnmächtig.

4. Mut, kleine Schritte wertzuschätzen

Ja, in schweren Zeiten wollen wir alle, dass es schnell besser wird, dass die Zahlen einfach immer weniger werden und nicht plötzlich nach oben gehen. Man wünscht sich, dass alle sich an die Regeln halten und keiner ausweicht. Schön wäre es, aber so ist es nicht.

Dennoch dürfen wir die kleinen Schritte sehen und gehen.

Manchmal mag uns das Ganze sehr belasten und manchmal sind wir Buddha in Person. Auch wir gehen einen nicht linearen Weg, einen Weg der kleinen Schritte.

Erlauben wir uns dieses Tempo, erlauben wir uns die kleinen Schritte, die zusammen einst eine große Strecke ausmachen werden.

5. Du brauchst Geduld

Vielleicht mit das Schwierigste, die Geduld. Im Uni-Klinikum in Münster verbrachten die Kinder und Jugendlichen oft viele Wochen, manche Kinder kamen aus anderen Ländern und konnten kein Deutsch. Lange Operationen, lange Wartezeiten, unendlich langweilige Wochenenden.

Zunächst muss ich sagen, dass man es den Kindern ansah, wie sie darunter litten. Aber dort, wo Leid ist, dort wohnt zumeist auch das Heldenhafte. Und so war auch in den Augen der Kinder diese Kraft zu sehen, dieses Wollen und das Durchhalten und, ja, die Geduld, die unendliche Geduld, die man vor allem als kranker Mensch zu lernen hat.

Und manchmal ist es auch die Geduld mit unserer Ungeduld.

Lassen wir uns Zeit, lassen wir den Prozessen Zeit und nutzen wir unser Leben jetzt und nicht erst an einem fernen Tag, wenn alles wieder so ist, wie es einmal war.Wenn es diesen Tag denn je geben wird...

Soweit meine Lehren aus der Corona-Zeit für heute. Vielleicht sage ich in einem Jahr etwas anderes, mag sein. Aber für jetzt fühlen sich die fünf Punkte ganz stimmig an.

Oder würdest Du noch etwas ergänzen?

Solltest Du in dieser besonderen zeit eine Stärkung benötigen, dann empfehlen wir unseren Resilienz-Kurs, an dem Du kostenlos teilnehmen kannst.

Unser Musiker am Sonntag: Alon Sariel

Alon Sariel

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Meine Eltern sind zwar nicht Musiker, wollten aber, dass wir (ich und meine vier Geschwister) musikalische Grundlagen lernen. So gab es im Haus ein Klavier, worauf meine Schwester musiziert hat, die Gitarre von meinem älteren Bruder, einige Blockflöten, ein Akkordeon etc.

Als das jüngste Kind im Haus, war mir klar, dass ich ebenfalls Musik machen möchte. Wahrscheinlich habe ich – um mich von den anderen abzugrenzen – mit der Mandoline angefangen.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Hier tue ich mich schwer, musikalisch von nicht-musikalisch zu trennen. Sehr viele Menschen und Ereignisse haben meinen Weg begleitet, Lehrer, Kollegen und auch Schüler. Ein gewisser Teil gehört dem Zufall, der andere dem Höheren.

Wenn ich aber tatsächlich versuche die Person, die mich musikalisch am meisten beeinflusst hat, zu finden, stelle ich etwas eigenartiges fest: Das ist bestimmt meine Lebenspartnerin, die nicht Musikerin ist, aber eine Tür gefunden hat, zu all meinen Lebensbereichen.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Oft finde ich in einer Kirche einen hohen Grad der Besinnlichkeit. Genau wie in einer Synagoge oder einer Moschee, eine Spiritualität die selbstverständlich in einem Gotteshaus ist.
Die Konzertsituation sucht im Grunde etwas sehr ähnliches. Für mich ist die Bühne ebenfalls eine Art „Tempel“, wohin die Zuhörer ihre Aufmerksamkeit richten und ihre Energien widmen.

Durch diesen Energiekreis kann sehr viel entstehen, und doch hängt das Spielen von vielerlei Faktoren ab. Eine davon ist ganz bestimmt die Akustik und Entfernung zwischen Künstler und Publikum. Ihre Hauskirche ist mit einer sehr guten Akustik gesegnet, und es gibt nichts, was zwischen dem Musizierenden und dem Zuhörer steht.

Zucchini-Bratlinge

Anyone who follows the recipes from the monastery kitchen a little knows that I really like simple recipes with few ingredients. Not because everything else is too complicated for me. It is rather the case that I believe that delicious and special things can be done with just a few ingredients. 

Today I have such a simple and brilliant recipe for you again. It is prepared in no time and can be implemented quickly. The possibilities of variation are great.

The zucchini patties are my new insider tip that is worth cooking.
The ingredients for the basic recipe are actually very manageable.

  • ingredients

  • preparation

Ingredients
for two people

2 medium-sized zucchini
3 eggs
8 spoons of flour
salt, pepper

other ingredients can be
diced smoked tofu
parmesan
ham cubes
herb
tuna

Wie wollen wir leben? 12

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren.

Wovon wollen wir uns künftig motivieren lassen?  

Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig.

Bibel:
Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen. Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben einbüßt? (Matthäus 16,25-26)

Anstöße für ein betendes Nachsinnen:
Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn wir Lebensglück, nicht Geld anstreben würden? Wie wäre es, wenn Solidarität, nicht Gewinn uns leiten würden?

Das Leben in Fülle suchen und ihm mehr Wert geben als allem, was man für sich gewinnen könnte. Und dann das eigene Leben nochmal relativieren und sich einsetzen, damit alle Menschen gut leben können und das gemeinsame Haus Erde ein guter Ort für alle Geschöpfe ist.

Wir könnten das … angehen! Ja, und wir könnten das… umsetzen! Ja, und das…

Horchen:
Was könnte Gott mir/uns jetzt sagen wollen?

Damit es nicht verloren geht:
Wie möchten Sie von ihren Gedanken erzählen? Vielleicht ist es gut, sich jetzt ein paar Notizen zu machen, eine Skizze anzufertigen, ein Gedicht zu schreiben, eine Video-Botschaft aufzunehmen…