Neueste Artikel

Schlafe selig und süß…

Schlafe selig und süß…

Als abendlichen Gruß verwende ich ihn ganz selbstverständlich: Gute Nacht! und für etwas vertrautere Menschen auch in der Variante: Schlaf gut! Abends summe ich für mich alleine auch die Melodie aus dem Gute-Nacht-Lied von Johannes Brahms „Guten Abend, gut Nacht“: „Schlafe selig und süß, schau im Traum ´s Paradies“. Ich bin froh und dankbar, dass ich überwiegend gut schlafen kann. Freunde lächeln manchmal über mein „Verfallsdatum“, das irgendwo so gegen 23:00 Uhr liegt. Dann werde ich so müde und unkommunikativ, dass ich auf Feiern eigentlich nicht mehr zu gebrauchen bin und dann am besten auch ins Bett gehe. Bei meinem doch seit Jahrzehnten ziemlich gleichmäßigen Lebensrhythmus ist das natürlich kein großes Wunder.

Aber natürlich kenne ich viele Menschen, die große Mühe haben, abends gut einzuschlafen, und vor allen Dingen Probleme haben, in der Nacht, im Schlaf wirklich Entspannung und Erholung zu finden. Das schien irgendwie schon immer ein wichtiges Thema zu sein. Auch in unseren Psalmen, die wir in der Cella immer wieder singen, finden sich manche Verse zum entspannten Schlafen: „Du, Herr, lässt mich sorglos ruhen“ im Psalm 4 oder „Gibt doch der Herr den Seinen im Schlaf, was immer ihnen Not tut“ im Psalm 127.

Was lässt uns ruhig schlafen?

Schon die medizinische Antwort ist komplex. Eine wichtige Seite ist das hormonelle Wechselspiel zwischen Melatonin und Cortisol. Melatonin ist einfach gesagt das Schlafhormon, seine Produktion wird durch Dunkelheit angeregt und bei Licht unterdrückt. Klassischer Weise steigt der Melatoninspiegel im Blut abends ab etwa 21:00 Uhr an und erreicht nachts zwischen 2:00 Uhr und 4:00 Uhr seinen Höhepunkt. Zum Morgen hin nimmt die Melatoninkonzentration wieder ab, gleichzeitig steigt der Cortisolspiegel im Blut an und lässt uns aufwachen und aktiv sein.

Mittlerweile gibt es eine fast unendlich große Zahl an Ratgebern für den gesunden Schlaf. Zentraler Punkt aller medizinischen Ratgeber ist dabei die Frage, wie sich die Produktion von Melatonin steigern lässt. Künstliches Licht, vor allen Dingen blaues Licht von elektrischen Geräten, sollte man abends vor dem Schlafengehen eher meiden. Tagsüber braucht der Körper möglichst helle Sonnenstrahlung, nachts eher vollständige Dunkelheit – so die klassischen Schlaf-Ratgeber.

„Du, Herr, lässt mich sorglos ruhen“

Ich bleibe immer wieder an dem Wort aus Psalm 4 hängen. Sorglos ruhen, ja das möchte ich – und meistens kann ich es auch. Ich habe dabei gelernt, wie wichtig es ist, die Sorgen zu lassen – gehen zu lassen und aus meinen Kopf zu lassen – ehe ich schlafen gehe. Meistens gelingt mir das schon in guter Gewohnheit, manchmal muss ich da ein bisschen rabiat werden: „Raus aus dem Kopf mit Dir, Du blöder Gedanke. Ich will nicht, dass Du mich heute Nacht störst!“ Das klingt vielleicht ein bisschen wunderlich und doch kann ich sagen, dass es über weite Strecken gut funktioniert. Natürlich gibt es auch die Nächte, in denen ich nicht gut einschlafen kann und grüble, aber Gott sei Dank sind es sehr wenige. Überwiegend lassen sich die Störenfriede im Kopf mit einer klaren Ansage vertreiben. Oft höre ich abends auch noch ein wenig Musik. Das hilft mir dann, Gedanken kommen und gehen zu lassen und dabei immer ruhiger zu werden.

Lassen können

Manchmal denke ich, schlafen hat doch etwas mit Vertrauen zu tun. Der Schlaf als kleiner Bruder des Todes führt mich an die Schwelle, an der ich lassen muss und nicht mehr kontrollieren kann. Vor dem Schlafen kann ich mich einüben, Dinge zu lassen, die ich am Tag nicht ändern konnte, Dinge zu lassen, die ich am Tag nicht erledigen konnte, aber auch Erfahrungen und Eindrücke zu lassen, die nicht gut, nicht schön, nicht angenehm waren. Vertrauen, dass es so sein darf.

Das soll jetzt alles nicht zu einfach klingen, denn das ist es für viele überhaupt nicht. Darum freue ich mich, von Euch zu lesen, wie es Euch ergeht mit dem ruhigen Schlaf und was Euch hilft, in die Ruhe der Nacht zu finden.

Was ist Populismus?

Was ist Populismus?

In der dritten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche (1993-2001) sucht man vergeblich nach dem Schlagwort „Populismus“. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1977 aber wird man fündig. Hier wird Populismus als eine französiche literarische Richtung beschrieben, die Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgekommen ist. Dort heißt es: „ Der Populismus wandte sich sowohl gegen den Intellektualismus und Psychologismus einer im Grunde realitätsfremden bürgerlichen Literatur …  als auch gegen den sozialen Extremismus des Naturalismus.“

Populismus ist momentan in aller Munde

Im Zusammenhang mit den Chemnitzer Demonstrationen der vergangenen Woche ist das Schlagwort in aller Munde. Aber in Chemnitz geht es doch wohl kaum um Literatur!?

Laut Duden ist Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik mit dem Ziel, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen“.

Tatsächlich betonen Populisten häufig den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Regierung“ beziehungsweiser der „Elite“ und versuchen den Eindruck zu erwecken, sie stünden auf der Seite des einfachen Volkes. (Lesenswerte Beiträge zum Thema finden sich auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung: http://www.bpb.de/apuz/75845/populismus.)

Christen können keine Populisten sein!

Wenn wir die Botschaft Jesu ernst nehmen, können wir als Christen keine Populisten sein!

Gerade am vergangenen Sonntag hörten wir dazu eindeutige Worte Jesu, die er den Schriftgelehrten und Pharisäern sagte, als die auf die Einhaltung von Geboten drangen: Sehr populistisch übertrugen diese das alte Reinheitsgebot – ein gottgegebenes Gebot, das für Priester galt – auf alle Juden (vgl. Mk 7, 1-8.14-15.21-23).

Dass der Reiche sich vor dem Essen die Hände waschen konnte, weil er Sklaven hatte, die ihm das Wasser brachten, ist klar! Dass aber der arme Feldarbeiter den Schluck Wasser, den er in seinem Lederschlauch dabei hatte, nicht zum Stillen seines Durstes, sondern zur Reinigung seiner Hände nutzen sollte, ist widersinnig. Und das macht Jesus klar!

Zurück ins Heute:

Wenn ich in den Nachrichten Bilder von einem marodierenden Mob sehe, wird mir speiübel. Nebenbei bemerkt: Dass Menschen den gewaltsamen Tod eines Menschen nicht hinnehmen wollen und das öffentlich bekunden, ist vollkommen richtig! Aber die Art und Weise, wie dies in den vergangenen Tagen in Chemnitz geschehen ist, macht deutlich, dass es den „Organisatoren“ um etwas anderes geht, nämlich schlicht und einfach um: Populismus.

Zur Freiheit hat uns Christus befreit!

Diesen Satz schreibt Paulus in seinem Galaterbrief (Gal 5,1).

Ich möchte in Freiheit leben können – und (frei nach Immanuel Kant): Meine Freiheit endet dort, wo die Freiheit meiner Schwester, meines Bruders beginnt…

Lange Nacht der Kirchen

Lange Nacht der Kirchen

Am 7. September 2018 findet wieder in ganz Hannover die „Lange Nacht der Kirchen“ statt.
Auch wir machen wieder mit und laden herzlich dazu ein.

Unser Programm:

18.00 Uhr Vesper
19.30 Uhr Spirituelle Gesänge zum Mitsingen – von Gregorianik bis Taizé
21.00 Uhr Vigilfeier
22.30 Uhr Komplet

Zwischen den gebeten ist Gelegenheit zu Begegnung und zum Gespräch bei wein und Brot.

Impuls am Sonntag: Dr. Franz Rainer Enste

Zu unserem Gottesdienst am 9. September 2018 um 18.00 Uhr haben wir Dr. Franz Rainer Enste eingeladen, den Impuls im Gottesdienst zu halten.

Dr. Franz Rainer Enste

Alter
64

Beruf
Regierungssprecher a.D.
div. ehrenamtliche Tätigkeiten
(u.a. in der Villa Seligmann)

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Für mich ist der Glaube wesentliches Fundament meines Wirkens.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?
a) „Nie sind wir allein. Stets sind wir die Deinen.
Lachen oder Weinen wird geborgen sein.“

b) „Die Blätter fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh Dich um, es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.“
(Rainer Maria Rilke)

Welches Buch hat Sie warum am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
„Doktor Faustus“ von Thomas Mann,
weil es die deutsche Geschichte mit ihren Höhen und Tiefen
auf eine so faszinierende Weise literarisch-musikalisch reflektiert.

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Wie bei jedem Kind des Bildungsbürgertums lag eines schönen Tages eine Blockflöte unter dem Weihnachtsbaum, womit ich zunächst gar nichts anfangen konnte, später aber großen Gefallen an dem Instrument und der dazu gehörenden Musik fand. Nein, der Hauptgrund, daß ich Musik liebe und mache sind meine Eltern, die immer viel mit mir gesungen haben und mir alle Möglichkeiten eröffnet haben, mich auf diesem wunderbaren Feld zu tummeln. So kam ich in die Kinder-, später Jugend- und schlußendlich „große“ Kantorei, hatte Klavier-, Orgel, Blockflöten- und Kontrabaßunterricht und das große Glück, mich bei vielen Anlässen ausprobieren zu können.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Ich bin das Produkt vieler wunderbarer Lehrerpersönlichkeiten. An erster Stelle ist da der frühere Kantor meiner Heimatgemeinde Lengerich zu nennen, der mich nicht nur das Orgelspiel gelehrt hat, sondern auch den Respekt vor dem Raum, in dem wir musizieren dürfen und der letztlich „Schuld“ daran war, daß ich ein Kirchenmusikstudium absolviert habe. Später waren es dann Dozenten der beiden Hochschulen, die mich beeinflußt haben, so in Düsseldorf während des Kirchenmusikstudiums KMD Prof. Hartmut Schmidt, KMD a. d. Jürgen Schmeer, beide wichtige Persönlichkeiten im Bereich der Düsseldorfer Kirchenmusik.
Während des Gesangsstudiums in Köln waren es meine Professoren KS Edda Moser, Dietger Jacob und KS Kurt Moll. Es gibt unzählige Menschen, auch und gerade „außermusikalische“, die mich auf meinem musikalischen Weg beeinflußt haben, weil sie mir durch ihre Reaktionen auf meine Musik gezeigt haben, was Musik bewirken kann und soll.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu musizieren, bedeutet für mich, zu Hause zu sein, an dem Ort zu sein, an dem ich Musik „Soli Deo Gloria“, wie Bach seine Kompositionen überschrieben hat, machen kann. Und es ist für mich Erinnerung an ein einschneidendes Erlebnis meiner Jugend, als ich zum ersten Mal in unserer Stadtkirche in der Kantorei die Matthäus-Passion von Bach mitsingen durfte. Das Erleben, Teil dieser vielstimmigen, einen Stimme zu sein, zu erleben, wie der Klang, von uns ausgehend, sich durch das Kirchenschiff schwingt und zu uns zurückkommt.
Die Hauskirche der Cella ist für mich inzwischen, nach vielen wunderbaren Begegnungen und gemeinsamen Unternehmungen mit den Brüdern, auch zu einem geistigen Zuhause geworden, weil sie mir eine Geborgenheit vermittelt, die ich in einer großen Kathedrale oder Kirche nicht so stark empfinde. Und weil es gelungen ist, in der Cella einen so ästhetischen und spirituellen Raum zu schaffen.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Diese Frage ist für mich schwer zu beantworten, weil ich mich da eigentlich nicht wirklich entscheiden kann, ich schwanke zwischen der Renaissance und dem  Barock, der Renaissance wegen ihrer Gradlinigkeit, ja, nahezu geometrischen Genauigkeit, bezogen natürlich vor allem auf die Musik, aber letztlich auch auf die bildende Kunst, dem Barock wegen seiner Verspieltheit und seiner, ja, überbordenden Lebensfreude, die sich natürlich auch manches Mal in zügelloser
Prasserei manifestierte.

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt!

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt!

Von jeher ist das Leben die größte Herausforderung überhaupt. Ständig stehen wir vor neuen Fragen, wir entwickeln uns weiter und das geht zumeist mit Problemen und Krisen einher. Das Leben ist zudem endlich und stellt von daher genügend Fragen, für die ein Leben gar nicht ausreicht, um alle Antworten zu finden.
Wie also gestalte ich mein Leben – egal an welchem Punkt des Lebens ich stehe? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollte ich einüben, damit mir mein Leben einigermaßen oder, was natürlich noch schöner wäre, sehr gut gelingt?
Solche Fragen stellen nicht nur wir Heutigen. Es sind Fragen, die mit dem Menschsein verknüpft sind – unmittelbar. Vielleicht sind diese Fragen ein Teil dessen, was uns zu Menschen macht. Ich habe zumindest nicht den Eindruck, dass meine Katzen über ihr Katzesein nachdenken. Aber wer weiß – vielleicht bekomme ich es einfach nicht mit.
Die Griechen haben sich viele Gedanken dazu gemacht, zumindest diejenigen, die es sich leisten konnten. Denn solche Fragen stell ich mir meistens erst dann, wenn ich über Essen und Trinken, den Schlaf und die eigene Sicherheit keine Gedanken mehr machen muss, wenn also das pure Überleben gesichert ist.
Dann aber werden solche Fragen immer virulenter. Und vielleicht zählen sie überhaupt zu den Gründen und Ursachen, warum sich die Menschheit Religion angeeignet hat. Denn auch und gerade Religion hat schon immer eine Definition abgegeben und abgeben wollen, was ein gutes Leben sei. Gottgefällig zu leben, im Einklang mit den Ahnen, ohne Sünde, in Achtsamkeit und manches andere gehört dazu.

Und nun komme ich und will auch noch etwas dazu sagen? Ja, genau, das will ich. Das tue ich aus meiner Eigenschaft als Mensch heraus. Denn auch ich frage mich die o.a. Fragen und versuche, Antworten zu finden und ein Kloster mit seinen Regeln versucht erst recht, ganz eigene Antworten zu geben.
Ich möchte mich hier allerdings nicht auf die Klosterregel beziehen, um eine Antwort darauf zu geben, was ich für ein gutes Leben tun kann. Ich will mich auf meine Erfahrung beziehen und wie ich ein gutes Leben auffasse.
Nämlich wie?
Darauf geben nun meine Tipps und Hinweise Antworten und Du wirst schnell erkennen, worum es geht.
Okay, genug der Vorrede und des Bedenkens, werden wir konkret.
Hier meine Tipps und Hinweise:

1. Spüre Dich

Alles, und ich wiederhole es gerne, alles beginnt damit, dass Du Dich spürst. Wenn Du Dich nicht spüren kannst, wenn Du nicht spürst, was Du willst, was Du brauchst, wenn Du das Gefühl nicht bemerkst, das entsteht, wenn Du eine dieser wunderbaren Kathedralen der Gotik oder einen Dom der Romanik betrittst, wenn Du das Existentielle eines Friedhofes nicht spürst, wenn Du die Gegenwart eines Menschen nicht wahrnehmen kannst und die unterschiedlichen Nuancen des Fühlens nicht wahrnimmst, dann fehlt Dir etwas Ungeheuerliches.
Spüre Dich, beschreibe, was Du spürst, finde Wörter dafür, erfinde Wörter, um immer genauer zu beschreiben, was Du jetzt, in diesem Augenblick spürst.
Wer nichts spürt, kann nicht spirituell sein, kann nicht lieben, hat keine Leidenschaft und keine Hingabe, kein Vertrauen und keine Freude. Natürlich gibt es vermutlich niemanden, der nichts spürt, aber genügend Menschen, die wenig spüren und zu wenig differenziert.
Viele psychische Krankheiten haben unter anderem damit zu tun, dass die Menschen nicht mehr spüren, was gut für sie ist und was sie wollen und sie müssen das dann mühsam erlernen.

Aber auch das gehört dazu: Kehre immer wieder zu Dir zurück, zu Deinem spüren. So viel lenkt uns ab, zu viel kommt auf uns zu und vermag uns zu bedrohen. Kehre heim, komme zu Dir zurück. Wer, wenn nicht Du, sollte bei Dir zu Hause sein?

2. Verweile

Zu oft wird von uns verlangt, schnell zu sein und von einer Sache zur anderen zu wechseln. Die kurzen Schnitte aktueller Filme zum Beispiel. Sie fordern es ständig heraus, dass wir immer Neues sehen, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird und wir viel schneller Langeweile empfinden.
Dabei ist Verweilen so unendlich wichtig. Bei einer Sache bleiben für eine Zeit lang. Ja, auch loslassen ist wichtig, wird aber schon langsam zu einer dogmatischen Forderung und zu einer Floskel. Kein spirituelles Buch, in dem das nicht gefordert wird. Kein spiritueller Meister oder keine spirituelle Meisterin, die das nicht mit Nachdruck empfiehlt. Ja, ihr habt ja recht. Dennoch: wir müssen lernen zu verweilen. Wir gehen ins Museum und sehen uns all die Bilder an. Doch besser wäre es, Du schaust Dir nur ein Bild an und verweilst eine Zeit lang davor. Lass es einfach auf Dich wirken.
Oder Du beginnst den Tag mit einem Augenblick des Verweilens oder beendest den Tag damit.
Zwischendrin kann man immer wieder verweilen. Verweilen ist die Möglichkeit, dem Augenblick ein Kontinuum zu geben, eine neue Länge, die mir hilft, wirklich darin zu Hause zu sein, darin anzukommen.
Oder in Gesprächen sind wir oft bemüht, schnell etwas zu sagen, eine Antwort auf Lager zu haben oder eine Gegendarstellung. Viel wichtiger wäre es doch, einfach mal zu verweilen, nichts zu sagen und das Jetzt wirken zu lassen, bis ein neuer Impuls und ein neuer Gedanke in uns Raum gewinnt.

3. Bewege Dich in der Liebe

Ach ja, die Liebe! Sie gehört zum Leben und macht es erst wirklich tief und reich. Ich spreche hier nicht über das Verliebtsein mit seinen großen Emotionen und Verrücktheiten. Das ist eine wunderbar schöne Phase im Leben. Doch sie kann schnell enden und dann erschrickt man, was noch übrig bleibt. Schnell wähnt man sich zunächst im siebten Himmel und wittert Ewigkeit. Doch wie trügerisch das sein kann, das merkt man später.
Liebe ist anders, weniger aufbrausend, manchmal fast still und leise. Manchmal kann Liebe aber auch stark und deutlich sein. Aber auf alle Fälle ist sie weit entfernt vom Schwärmerischen.
Sein ein Mensch, der sich in der Liebe bewegt, der sich also ständig in einem Raum der Liebe wiederfindet. Das kannst Du tun, indem Du Dir das ganz bildlich vorstellst, Dich in diesen imaginären Raum hinein begibst. Manchen gelingt das auch durch das Beten oder Meditieren. Auf alle Fälle gehört dazu, immer wieder bewusst Kontakt zu dieser Liebe aufzunehmen. Die Welt führt Dich nicht von selbst dorthin, es ist Deine Aufgabe, das zu tun und zu fördern.
Versuche also immer neu den Kontakt zur Liebe aufzunehmen, der Liebe immer neu nahe zu kommen und ihr Raum zu geben in Deinem Leben. Schau, wo sie Dir begegnet, wo sie Dich antrifft und dann folge ihr.
Liebe, was Du willst! Aber: Liebe!
Und dann gilt das Wort Augustinus’: Liebe und tu’, was Du willst!

4. Pflege Deine Freude

Warum eigentlich wird unsere Freude so wenig in christlich spirituellen Kreisen behandelt – ist zumindest mein Eindruck. Dabei kann es doch nur darum gehen, sich zu freuen und tiefe innere Freude in sich zu spüren. Freude, dieses wunderbare Wort und erfrischende Gefühl! Wer könnte davon genug haben, welche Gefahr könnte davon ausgehen? Nein, Freude ist wichtig im Leben.
Hast Du genug wirkliche Freude? Also Freude, die aus der Tiefe Deines Daseins aufsteigt, Dich nach und nach erfüllt und danach aus all Deinen Poren herausquillt? Das ist die ansteckende Freude! Sie wirkt wie ein Virus und richtet Großartiges an.
Schau in Dein Leben! Was bringt Dir wirkliche Freude? Woran kannst Du Dich erfreuen?
Für sehr viele Menschen gehört das wirklich Schöne dazu. Schöne Musik, die mich innerlich trifft. Schöne Handlungen von Menschen, denen ich gerne zuschaue und die Gutes bewirken.
Schöne Texte und Worte, Blumen, Landschaften. Hast Du davon genug in Deinem Leben, so dass Du Dir Freude schaffen kannst, wann immer Du es willst?
Wenn nicht, dann gehe heute noch los und hol Dir Freude ins Leben. Du brauchst es ganz bestimmt!

5. Genieße den Augenblick

Der Augenblick wird ja oft hochgeschätzt. Man sagt, es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, sondern nur diesen einen Augenblick. Ist sicherlich wahr!
Wir sollen auch ganz im Augenblick leben! Wer könnte dem widersprechen?
Genießen wir den Augenblick, schätzen wir ihn Wert. Er ist das jetzt Gegebene, das Geschenk in diesem Augenblick, das Ereignis Leben jetzt. Du wirst schon unendlich viele Augenblicke nicht bewusst wahrgenommen haben. Versuche es mit dem nächsten Augenblick!
Jetzt,
jetzt
und jetzt!
Spürst Du den Augenblick? Du kannst Augenblicke spüren – in Dir. Ich spüre ihn manchmal wie eine innere Vibration, wie zur sonntäglichen Mittagszeit an einem heißen Sommertag. Da ist etwas zum Stillstand gekommen, als würde nichts passieren, als hätte jemand die Welt angehalten. Das sind Augenblicke für diese innere Vibration, die ich so sehr liebe.
Ich empfehle Dir, dem Augenblick nahe zu sein, nahe wie einem guten Freund. Einfach zwischendrin nachschauen, ob es den Augenblick noch gibt und ob es ihm gut geht. Und schon bist Du im Augenblick und kannst ihn genießen.
Sei Hüterin und Hüter Deiner Augenblicke. In der Summe sind sie Dein Leben.

6. Suche den Frieden

Ich frage mich, warum ich diesen Punkt nicht zuerst genannt habe? Er ist so wichtig und ich bete jeden Tag darum, Frieden zu finden. Nicht, dass ich so ein kriegerischer Mensch bin, aber ich spüre dennoch immer auch Unruhe in mir, Missmut, Ärger und Unzufriedenheit. Geht es jemandem anders? Dann lies am besten gleich bei Punkt sieben weiter. Ich aber werde mich noch mit dem Frieden hier beschäftigen.
Ja, ich suche Frieden, inneren Frieden. Und was heißt das?
Es heißt für mich zunächst, keinem Gefühl die Existenz abzusprechen. Wut, Ärger und Freude dürfen alle sein. Wenn ich beginne, gegen Ärger und Wut anzukämpfen, wie will ich denn da je Frieden finden? Friede ist ein Sein ohne Kampf, ohne Wut gegen die Wut und ohne Ärger auf den Ärger. Ich lasse meine Gefühle sein, ich lasse zu, dass in mir Wut ist und Ärger, ich gebe solchen Gefühlen ein gutes und heilendes Zuhause. Das ist das, was ich für solche Gefühle tun kann.
Und dann geht es weiter. Ich lasse es zu, dass andere anders sind, anders denken, andere Erfahrungen machen. Und ich will lernen, andere anders handeln zu lassen. Ich will sogar aufgeben zu meinen, was jemand tun sollte. Das fällt mir noch schwer, aber es ist wichtig. Jeder darf tun, was er oder sie will und ich auch. Es gibt kein Du musst und es gibt kein ich muss. Jeder darf so handeln, wie er will und tut es ja auch. Ja, auch der Schurke darf so handeln. Damit meine ich nicht, dass es gut ist oder dass ich das für gut heiße. Es sagt nur, dass ich letztlich niemanden davon abhalten kann, gemein zu sein. Und es befreit mich vor Bevormundung, Rechthaberei, Moralismus, Besserwisserei und vielem anderen mehr.
Zugleich gilt auch, dass ich das Recht habe mich zu wehren und in Sicherheit zu bringen und anderen zu helfen.
Dazu muss ich lernen auszuhalten oder vielleicht sollte ich besser sagen: etwas zu halten. Die Wut in unserer Welt, der Hass, der Neid und alles, was Unfrieden birgt. Es nicht zu ignorieren, ihm keine Macht über uns zu geben, sondern es zu halten und zu umfassen, als eine Realisierung menschlichen Seins. Ich möchte aufhören, gegen Hass zu kämpfen und beginnen, für Frieden zu arbeiten.

7. Schaffe Stille

Ich will nicht einstimmen in den Chor derjenigen, die die Welt zu laut finden (auch wenn sie Recht haben). Aber ich will dennoch für Stille plädieren und werben. Einfach mal nichts sagen! Einfach mal keine Musik hören! Einfach mal schweigen! Und warum? Weil dann etwas passiert in unserem Inneren, weil wir uns dann eine Lücke schaffen, und wir uns innerlich sortieren können, in der wir Ordnung schaffen und noch neue Impulse nachschütten. In der Stille kann zudem etwas in mir entstehen. Eigene Impulse und Erkenntnisse, geboren aus dem, was ich erlebt und erfahren habe.
Wer will nicht aus dem eigenen Leben lernen?
Viel wird ja von Tiefe gesprochen und geschrieben! Was ist denn Tiefe? Gibt es das überhaupt? Mit Tiefe verhält es sich wie mit dem Unterbewusstsein. Beides ist so nicht existent. Denn worunter sollte sich das Unterbewusstsein denn befinden und in welcher Tiefe könnte eine Tiefe sein.
Und doch hat das Ort Tiefe seine Relevanz und seine Berechtigung. Wenn ich jemanden erkenne, der Tiefe hat oder einen Text mit Tiefe erkenne, dann spüre ich ein Wissen, das nicht nur erdacht ist und wohlfeil formuliert. Ich erkenne ein Wissen und eine Erkenntnisstufe, die alle Erkenntnisstufen beinhaltet. Unser Gehirn hat viele Stufen und viele Formen der Erkenntnis sind möglich. Von Tiefe spreche ich, wenn meine Erkenntnis und meine Erkenntnisstufe nicht nur aus der oberen Schicht des Gehirns kommen, sondern ihren Weg durch alle unteren bis nach oben genommen haben und alle Abschnitte des Weges haben etwas zur Erkenntnis beigetragen.
Stille ist der Rahmen, der es mir ermöglicht, dass dieser Weg gegangen werden kann.
Gehe ihn!

Ach ja, ich könnte noch viel ergänzen. Es soll mit diesen sieben Aspekten gut sein. Möge es Dich für ganz eigene Aspekte für ein gutes und gelungenes Leben inspirieren, das wäre viel schöner, als einfach allem zuzustimmen.

Melonensalat aus der Cella

Melonensalat aus der Cella

In den Sommermonaten und angrenzenden Tage gehört Salat natürlich zum Standardessen – egal in welcher Form. Manchmal braucht es aber auch etwas besonders Frisches, was den besonderen Kick gibt. Und genau dafür habe ich das Richtige für Dich  – gerne auch jenseits heißer Sonnentage und der Sommerzeit.

Zutaten
200 g. Quinoa gepufft
500 g. Wassermelone
5 El. Olivenöl
2 Bund Minze
Salz und Pfeffer

Zubereitung
Zunächst das Melonenfruchtfleisch von der Schale trennen und in Würfel schneiden und die Quinoa dazugeben. Die Minzblätter in kleinere Teil zupfen und ebenfalls zu den Melonen geben. Dann das Öl hingießen und mit Salz und Pfeffer abschmecken:
Fertig!

Dieser Salat ist wirklich super lecker und dabei extrem einfach zu machen.

Im Schweiße meines Angesichts

Im Schweiße meines Angesichts

Ich bin ein Mensch, der die Wärme liebt. Von daher kann ich das herrliche Wetter und auch die Temperaturen größtenteils einfach nur genießen. Aber sie bringen mich natürlich auch mit einem Anteil meines Körpers in Kontakt, die ich sonst selten so unerbittlich erlebe: mit meinem Schweiß.

Alles fließt, alles klebt – ob ich sitze, stehe oder gehe. Und so manches Mal musste ich an den Fluch über Adam und Eva denken, der am Anfang der Bibel steht und den auch viele überhaupt nicht mehr kirchlich orientierte Menschen als Redewendung gut kennen: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. So steht es in der Schöpfungsgeschichte im ersten Buch der Bibel.

Die natürlichste Klimaanlage der Welt

Mediziner sind da ganz anderer Meinung. Für sie ist der Schweiß ein wirklicher Segen für uns, er ist sozusagen die natürlichste Klimaanlage der Welt, sie funktioniert Tag und Nacht, genau nach Bedarf. Denn die Hitze kann innere Organe und vor allen Dingen die hochempfindlichen Gehirnzellen beeinträchtigen und schädigen. Beim Schwitzen entsteht eine Verdunstungskälte und dadurch kommt es zu einem ständigen Ausgleich der Körpertemperatur. 2-4 Millionen Schweißdrüsen haben wir in unserem Hautfettgewebe, sie sorgen für diese Arbeit und werden vom Temperaturregulationszentrum im Zwischenhirn gesteuert.

Ein individueller Identitätsnachweis

Der Schweiß ein Segen? Da bekomme ich jetzt bestimmt viel Widerspruch, nicht nur von Frauen im Klimakterium. Manche Menschen leiden richtig unter ihrer starken Schweißbildung – manchmal leider auch die anderen Menschen in deren Umfeld. In der Praxis erlebe ich viele Menschen, denen es unangenehm ist, wenn sie leicht verschwitzt in die Behandlung kommen. Manche wundern sich, wenn ich sage, dass ich das ganz normal finde und es für mich kein Problem ist. Aber gleichzeitig muss ich zugeben, dass es mir auch nicht immer leicht fällt, mich auch nur leicht verschwitzt einem anderen Menschen zuzumuten. Da muss ich schon viel Vertrauen haben, jemand gut kennen – damit ich glaube, auch verschwitzt vor ihm sein zu dürfen.

Der Schweiß hat sehr viel Persönliches, Individuelles. Die Biologen erklären uns das als hormonähnliche Substanzen, Ammoniak, Milchsäureabbauprodukte, Harnstoff, Aminosäuren, Enzyme, Histamine, Zuckermoleküle, Eiweißkörper und vieles andere. Die Schweißdrüsen scheiden sogar abgestorbene Zellteile ab, Schweiß ist also ein individueller Identitätsnachweis.

Mich zumuten, wie ich bin

Erlebbar ist das üblicherweise im Geruch. Ob ich den Geruch von jemand mag, ob ich den Geruch von jemand aushalten kann, ob ich den Geruch von jemand normal empfinde, wenn er einfach nach dem riecht, was der Körper abscheidet, (und nicht nach dem, was das kräftige Deo noch dazu duftet,) das kann sehr unterschiedlich sein. Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich halte schon einiges von guter Körperpflege. Und trotzdem finde ich diese Tage besonders geeignet, mich einzuüben, dass jeder so sein darf, wie er ist – und ich es auch sein darf: Ob ich sitze, stehe oder ruhe würde jetzt im Psalm stehen, ob ich arbeite, bete oder esse, müsste ich vielleicht übertragen. Ich darf so sein im Schweiße meines Angesichts. Diese Haltung schafft Vertrauen und Verstehen, viel mehr als das kräftigste Deo oder Parfüm.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir in diesen heißen Tagen ergeht….

Impuls am Sonntag: Hans-Jürgen Marcus

Hans-Jürgen Marcus stellt sich vor:

 

Alter:
Ich gewöhne mich seit einem halben Jahr daran, 60 Jahre alt zu sein.

Beruf:
Seit gut einem Jahr arbeite ich für das Bistum Hildesheim als Coach für Führungskräfte. Ich berate und begleite Führungskräfte aus dem kirchlichen und nichtkirchlichen Bereich insbesondere in Einzelberatung und stehe für Führungskräftetrainings zur Verfügung. Darüber hinaus bin ich noch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender eines katholischen Krankenhausverbundes mit 15 Häusern in ganz Deutschland. Letzteres schließt daran an, dass ich bis vor eineinhalb Jahren Diözesancaritasdirektor war und Sprecher der Caritas in Niedersachsen.

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Wenn ich in die Nähe Gottes komme, muss ich kein toller Hecht sein. Der Glaube an Gott führt mich zum Engagement für die Menschen und lässt mir Luft, das Leben in Gottes gefährdeter und geliebter Welt zu genießen. Das klappt nicht immer, aber immer mal wieder. So erlebe ich mein Leben als sinnvoll und intensiv.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?
„Brandstifter sollen wir sein – nicht Feuerwehrmänner!“
(P. Rochus Spieker, OP)

Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
Das ist schwer zu sagen, das waren einige! Am ehesten in der letzten Zeit: Thomas Halik: Ich will, dass du bist. Über den Gott der Liebe, Freiburg 2015. „Sparsam wie Safran“ benutzt Halik das Wort Liebe und führt tief hinein in das Doppelgebot von Gottes- und Nächstenliebe. „Die Religion derer, die gleich nach dem ersten Gebot Feuer und Flamme waren und nicht auf das zweite warteten, hat oft zu Fanatismus oder zu schwärmerische Illusionen über einen Gott geführt, der von menschlichen Projektionen der Ängste und Wünsche geschaffen wurde. Erst der zweite Satz, das wahrhaftig schwere Gebot der Liebe zu dem Nächsten, „erdet“ die Liebe und den Glauben.“