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10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben

10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 3

10 Menschen, die mich in meinem Leben inspiriert haben

Ich halte Inspiration für die einzige mögliche Art der Weiterbildung und der Förderung eines Menschen. Warum? Weil ich glaube, dass innere Veränderung nicht durch ein äußeres Ereignis geschieht, sondern ein äußeres Ereignis setzt innere Suchprozesse in Gang und daraus ergibt sich ein vielleicht neues Verhalten.
Der “Nürnberger Trichter”, der davon ausgeht, dass man Wissen in einen Menschen hineinschaufeln muss, ist ein Irrtum. Zwar kann man natürlich einiges an Fakten aufnehmen und abspeichern. Das allein ist aber noch kein Lernen – Lernen ist immer eine Verhaltensänderung, sagte mein Pädagogiklehrer vor über 30 Jahren.
Damit aber kommt Inspiration zum Zuge, denn dabei werden Gedanken aufgenommen, die neue, eigene Gedanken evozieren und es entsteht bestenfalls eine Linie von weiteren Gedanken, Ideen und Einsichten, die zu einer neuen Haltung führen und damit letztlich zu neuem Verhalten.
Zugleich kommt dem Lernenden als Subjekt eine entscheidende Rolle zu. Aber das wissen wir ja alle: Wer nicht lernen will, wird es auch nicht. Man kann niemanden zwingen zu lernen.
Der Mensch ist frei zu lernen oder es zu lassen.
Wer sich das auf der Zunge zergehen lässt, der wird erkennen, dass alles Lernen immer nur Inspiration ist, immer nur eine Einladung zum Lernen. Mehr ist ohnehin nicht möglich.
So verhält es sich auch mit spirituellem Lernen. Auch hier bleibt das Subjekt frei und hat seine eigene Verantwortung, ob es lernt und was es wirklich lernt.
Wir brauchen Impulsgeber, Menschen, die Inspirieren, die neue Gedanken in die Welt setzen, die Ungewöhnliches aussagen, die dabei authentisch wirken und dadurch überzeugen.
Ich lasse mich gerne inspirieren – viel lieber als mich belehren zu lassen – vor allem, wenn es um den Glauben und um Spiritualität geht. Leider hat die Kirche das noch nicht ganz verstanden und bleibt dabei, Menschen zu belehren. Sie hat Probleme mit der Freiheit des Subjekts – aber das ist ein anderes Thema und soll in einem anderen Artikel angegangen werden.
Bleiben wir bei spiritueller Inspiration.

Ich möchte hier einmal zehn Menschen vorstellen, die mich inspiriert haben und mich teilweise immer noch inspirieren. Diesen Menschen habe ich viel zu verdanken und einen Teil von ihnen trage ich in mir. Ihre Impulse habe ich dankbar aufgenommen und für mich weiterentwickelt. Mit ihnen fühle ich mich verbunden.

Ernesto Cardenal

Das Letzte, das ich von Ernesto Cardenal gehört habe und was mich sehr beeindruckte, war ein Interview. Dort wurde er gefragt, ob es ihm nichts ausgemacht habe, dass er des Priesteramtes enthoben wurde. Damals war er Kulturminister in Nicaragua und Papst Johannes Paul II hat ihm das sehr übel genommen.
Ernesto Cardenal antwortete sinngemäß: Nein, das hat mir nichts ausgemacht. Ich war und bin vor allem Mönch und das bin ich auch geblieben. Ich bin versöhnt mit der Kirche. Das Priestertum ist mir daher nicht so wichtig gewesen wie das Mönchsein.
Ernesto Cardenal war Novize bei Thomas Merton, hat dann aber das Kloster verlassen. Während seines Noviziates hat er das “Buch über die Liebe” geschrieben. Darin sind ganz wunderbare kleine Texte gesammelt, die voller Gottesliebe und Hingabe sind. Ich lese immer mal wieder darin und bin dann stets sehr angerührt. Ich spüre: Hier ist ein Mensch, der wirklich Mönch ist, der diese Art des Weltverständnisses hat, das ohne Verurteilung auskommt, sondern in allem den Wink Gottes sieht, die große Sehnsucht des Menschen nach dem Ankommen in Gott.

 

Henri Nouwen

Er ist der einzige klassische christliche Theologe in meiner Sammlung. Ich habe in den ersten Jahren meines Ordenslebens seine Bücher nicht verschlungen, wie man üblicherweise schreiben würde. Ich habe sie als Delikatesse genossen. Ich konnte seine Jesus-Freundschaft spüren, sein Ringen um seinen Weg und sein Bemühen, den Glauben heute neu zu sehen und zu erklären.
Das Buch: “Ich hörte auf die Stille”, in dem er berichtet, wie er neun Monate in einem Trappistenkloster gelebt hat, haben mich ins Kloster geführt und in mir das mönchische Feuer entzündet, das seither nicht verloschen ist. Danke!
Mönch zu werden und zu sein gehört zu den großen Geschenken in meinem Leben.

Mein Vater

Wer hat es schon leicht mit dem eigenen Vater?! Ich auch nicht und es gibt viel, was es noch zu sagen gäbe. Wenn man älter wird, wird man gnädiger – ich auch… ich meine es zumindest feststellen zu können. Und heute kann ich sehen und erkennen, wie viel ich von ihm übernommen habe und dazu gerne stehe.
Seine Treue für die Familie und sein Einsatz, die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Aufgaben für die Allgemeinheit zu leisten, das habe ich von ihm. Und es kommt nicht selten vor, dass ich an ihn denke, wenn ich Gleichheit in dieser Hinsicht zwischen uns feststelle und mich ihm dann sehr nah und mit ihm sehr ähnlich fühle.

 

Julius Kuhl

Diesen Mann wirst Du vermutlich nicht kennen. Er ist ein emeritierter Psychologieprofessor, der eine eigene integrative Persönlichkeitspsychologie entwickelt hat. Durch ihn war es mir möglich, viele Puzzleteile, die ich bisher miteinander nicht vereinbaren konnte, nun ins eins denken zu können.
Seine Theorie über die Art und Weise innerer Prozesse prägt mein Denken und lässt mich vieles deutlich besser verstehen. Kein anderer Psychologe oder Wissenschaftler hat mein Denken derart geprägt.
Jetzt habe ich eine Ahnung, was das Selbst ist und wie ich immer wieder dorthin zurückfinde. Ich weiß, dass negative Gedanken mich von mir selber entfremden und dass Meditation ein hervorragendes Mittel zur Selbstentwicklung ist.

Maja Storch

Noch eine Wissenschaftlerin, die in eine ähnliche Richtung wie Julius Kuhl forscht und immer wieder ganz praktische Tools entwickelt. Sie macht so schwere Themen wie das Unbewusste und Tiefenpsychologie leicht und handhabbar. Ihre Methodik ist so genial einfach wie hilfreich. Als ich ihre Bücher erstmals las, war ich fasziniert und spürte, dass hier jemand etwas ganz neu verstanden hat.
Sie zeigt Wege auf, wie wir mit unserem Unbewussten unsere Ziele erreichen, wie man sich mit dem “inneren Schweinehund” versöhnt und ihn nutzt und wie man Schritt für Schritt sich weiterentwickelt. Und das alles noch mit einem wunderbaren Humor. Wer die Möglichkeit hat einen Ihrer Vorträge zu hören – es lohnt sich wirklich!

Karlfried Graf Dürckheim

Er ist schon lange tot und inzwischen wegen seiner NS-Vergangenheit, wie so viele aus der Zeit (siehe Martin Heidegger), in Verruf geraten. Er hat die Initiatische Therapie entwickelt, die östliches und westliches Wissen in eins bringt. Er war während des Krieges jahrelang in Japan und hat dort den Zen-Buddhismus studiert – er selbst ist Psychologe. Beides hat er dann in Rütte im Schwarzwald zur Initiatischen Therapie verbunden. Es wird dabei davon ausgegangen, dass die Grundneurose des Menschen sein mangelnder Bezug zur Transzendenz und zu seinen spirituellen Wurzeln ist.
Ich verdanke diesem Mann viel: viele Stunden Aquarell-Malen in der Gruppe in Münster, viele Stunden Meditation, Bogenschießen, Bücher, die mich ganz tief berührt haben.
Wenn es das nicht gegeben hätte, wäre ich ein ganz anderer Mensch geworden.

Bert Hellinger

Er ist umstritten – seine Aufstellungsarbeit wird als manipulativ und alttestamentlich bezeichnet. Seit vielen Jahren ist er für einen großen Teil der Öffentlichkeit von der Bildfläche verschwunden.
Seine Bücher und die Videos von seinen Aufstellungen gehören zu den für mich umwälzendsten Erfahrungen. Bei ihm habe ich gelernt, was es heißt sich zu verneigen, was Demut ist, was es heißt, mit dem Leben zu gehen und dem Tod einen Platz im Leben zu geben.
Durch seine Arbeit habe ich nicht nur eine Sprache für bestimmte für mich bis dato unaussprechliche Erfahrungen bekommen, ich habe auch gespürt, wie es sich anfühlt, mit dem Leben verbunden zu sein.
Ich könnte noch viel aufzählen, was ich alles von ihm lernte.

Valentin Tomberg

Ich weiß eigentlich gar nicht, was ich von Valentin Tomberg gelernt habe. Er war vor dem zweiten Weltkrieg Teil der anthroposophischen Bewegung, hat sich dann davon gelöst, ist katholisch geworden, hat aber vieles vom theosophischen Wissen mitgenommen. Seine Bücher mit dem Titel “Lazarus komm heraus!” (Sammlung von Aufsätzen) und sein großes Werk “Die großen Arkana des Tarot” sind wahre Schätze – die ich aber oft nicht verstehe. Aber die Begegnung mit ihm eröffnet in mir ein tiefes Wissen und eine tiefe Ahnung von Zusammenhängen, die ich sonst nicht für möglich gehalten hätte.

Byron Katie

Sie ist eine sehr bekannte amerikanische Lehrerin und Meisterin. Ihr Leben war einst reines Chaos, Alkohol spielte eine Rolle und man kann nicht sagen, dass sie eine liebenswerte Person war. Eines Tages hatte sie einen Zusammenbruch und als sie so da lag, hat sie sich eine ganz wichtige Frage gestellt: Ist das, was Du feststellst wirklich wahr? Sie hat angefangen ihrem Geist nicht mehr einfach zu glauben, zu hinterfragen. Ist es wirklich wahr, kann ich ganz sicher sein, dass die anderen mich nicht mögen? Kann ich sicher sein, dass der Alkohol mir gut tut? Bin ich absolut sicher, dass ich weiß, warum mein Gegenüber dies oder das getan hat?

Und weitere Fragen schlossen sich an:
Wie reagierst du, was passiert, wenn du diesen Gedanken glaubst?
Wer wärst du ohne den Gedanken?

Damit war das geboren, was heute The Work genannt wird. Es ist eine kognitive Umorganisation. Die Fragen können wirklich helfen. Mir haben sie schon oft geholfen und Byron Katie ist ein Beispiel von Liebe und Offenherzigkeit.

 

Erika Lorenz

Sie war in Hamburg Professorin für Romanistik in der Zeit der Studentenunruhen. Sie war selber auf der Suche, nahm an einem Kurs in transzendentaler Meditation teil. Bis sie eines Tages auf Theresa von Avila stieß. Viele Bücher hat sie über diese Mystikerin geschrieben. Man spürt darin, dass Erika Lorenz selbst viel von dem miterlebt hat, was Theresa von Avila beschreibt.
Die Bücher sind mir noch heute kostbar und Erika Lorenz, nun schon lange tot, sie ist spürbar zwischen den Zeilen. Eine wahrhaft suchende Frau!

 

Vielleicht fallen mir morgen noch andere Namen ein, vielleicht sogar Namen von Menschen, die mich noch mehr inspiriert haben. Heute aber ist es so.
Ich hoffe, dass in Zukunft noch weitere Namen hinzukommen.
Mir bleibt jetzt: Vor all diesen Menschen kann ich mich verneigen und sagen:
Danke!
Ich will das, was Ihr mir gegeben habt, nutzen und weitergeben.

Sinn von Einsamkeit

Der tiefe Sinn von Einsamkeit – reloaded

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate:

Platz 4

Der tiefe Sinn von Einsamkeit

Wer ist schon gerne alleine? Wir werden in eine Familie hineingeboren, werden von Anfang an umsorgt und gehegt und gepflegt – werden Teil einer mehr oder weniger kleinen Gemeinschaft und fühle uns dort hoffentlich pudelwohl. Dann geht es in den Kindergarten – auch hier schön eingeteilt in Gruppen – Spielecke, Puppenecke, immer schön zusammen spielen. Steht ein Kind irgendwo allein und das häufiger, wird gefragt, was hat es denn – “Bedrückt Dich etwas?”

Und weiter geht es in die Schule – auch hier Klassengemeinschaften, Klassensprecher, Ausflüge, Klassenparties und Abi-Streiche und anschließend der große Ball, das Trauern, wenn man auseinandergeht, weil die schöne Gemeinschaft vorbei ist.

Und in den Jahren davor lernte man das Verliebtsein, den Schmerz der Trennung und die Suche nach neuen Beziehungen.
Nicht wenige, die damit nicht Schritt halten konnten, die mehr allein als zusammen mit anderen waren, die in Einsamkeit ertranken – sie landen bei Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen, in psychiatrischen Kliniken, ja, und nicht selten in Notfallambulanzen.
Können wir vom Sinn der Einsamkeit sprechen? Hat Einsamkeit überhaupt einen Sinn?

Der Mensch als Homo Socialis

Man muss wie immer unterscheiden! Es gibt die Einsamkeit, die wir nicht ertragen können und die keinen Sinn hat: Kinder, die immerzu nur ganz für sich sind, die sich zurückziehen und jeden Kontakt meiden. Diese Einsamkeit kann nicht gut sein. Wir sind ein Homo Socialis, der auf Kontakte und Begegnungen angewiesen ist und nur so wirklich zu einer menschlichen  Reife gelangt. Martin Buber hat das zum Grundstein seiner Philosophie gemacht und davon lebt unser ganzes Gesellschaftssystem und unser Bildungsystem. Der Mensch wird am Du zum Ich, schrieb beispielsweise Martin Buber. In und aus der Begegnung wird der Mensch sich selber finden. Das Judentum und das Christentum stellen in einem noch größeren Maße, wie ich finde, die personale Begegnung in den Mittelpunkt ihres Glaubens. Das personale Gottesbild ist dafür auch mehr als geeignet und alle Sakramente sollen ja in eine Begegnung führen, sollen aufnehmen in eine Gemeinschaft, sollen vereinen mit Gott, sollen zuordnen, bestimmen – immer geht es um das eine Band, das gestärkt werden soll, als ginge es darum, ein für alle Mal die Einsamkeit aus unserem Leben hinauszuschieben, als könnten wir dadurch in ewiger Verbundenheit leben und sein.

Nein, in diesem Sinne kann man nicht nach dem Sinn der Einsamkeit fragen.

Wer die einsamen Herzen zu Weihnachten kennt, die Einsamen in den Heimen und Anstalten, im Knast wie in den dunklen Nächten der Krankenhäuser, der wird klar erkennen: Einsamkeit hat keinen Sinn, es ist schädlich und manchmal auch lebensgefährlich.

Die Ärzte wissen es – da nicht selten alte Menschen in die Sprechstunde kommen, um sich etwas an Kontakt und Begegnung abzuholen. Da wird schnell jedes kleine Wehwehchen zur willkommenen Krankheit.

Um es nochmal zu sagen: Der Sinn der Einsamkeit, er wird sich nicht auf diese Form des Leidens beziehen können.

Aber gibt es denn eine Einsamkeit, der man einen gewissen Sinn unterstellen kann, eine Einsamkeit, die einem gewissermaßen willkommen ist, die man vielleicht sogar sucht – auch und trotz des Leidens, die auch sie beinhalten wird?
Ja, die gibt es – tatsächlich.

Entwicklung und Einsamkeit

Und sie beginnt genauso früh, wie die andere Einsamkeit beginnen kann.
Die Geburt ist schon der erste Schritt. Aus der allumfassenden Verbundenheit mit der Mutter werden wir herausgerissen und landen in dieser Welt – viel kälter, weniger Nah, ohne pulsierende Herztöne, die mich umgeben und durchdringen und ohne dieses paradiesische Genährtsein. Schon damit beginnt alles. Und es geht weiter – jeder Schritt, den ich lerne, jedes Krabbeln schon wird mich wegführen aus einer Verbundenheit, die wohl tut.

Der Kindergarten und die Schule führen uns räumlich weg von zu Hause, weg aus der Verbundenheit, in die wir eingebunden sind.

Und genau so geht es weiter – immer weiter. Und erst, wenn wir Erwachsen sind, können wir vielleicht begreifen, dass Entwicklung immer in eine neue Einsamkeit führt, das Individualität zwar einerseits “Ungeteiltheit” heißt, aber mit mehr Individualität ich mich doch immer mehr in ein Getrenntsein begebe, in ein Ich-Sein, Für-mich-Sein.

Nicht nur, aber gerade die spirituelle Entwicklung führt letztlich in die Einsamkeit. Buddha saß alleine unter seinem Baum, Jesus hing zwar zwischen den Schächern, aber von Gemeinschaft kann man da schwerlich sprechen. Und auch vor seinem gewaltsamen Tod: Jesus war keiner von ihnen, keiner, wie die Apostel. Er war in gewisser Weise einsam und musste es sein.

Entwicklung und Suche führen in die Einsamkeit. Wer diese Einsamkeit nicht will, wer immer in der Verbundenheit leben will – übrigens auch die mit Gott – der muss sich jeglichen Fortschritts verweigern, muss so bleiben, wie er oder sie ist.

Ohne Einsamkeit gibt es keine menschliche Entwicklung und gibt es keine Spiritualität.

Nun könnte man sagen: und die Klöster und die Gemeinden, ja, die Kirche selber? Ja, die gibt es und sie helfen vielleicht diese Einsamkeit zu tragen, aber sie sind vielleicht auch nicht immer der Endpunkt unserer Entwicklung, sondern Stationen, Oasen zum Ausruhen und Kraftschöpfen auf den weiteren Weg.

Ich kann es nur sagen und vermutlich wird mir jeder Mitbruder zustimmen: Ein Kloster ist genauso ein Ort der Einsamkeit wie es eine Familie sein kann. Und gerade die Mönche sollen ja diese Einsamkeit (nicht die, die ich am Anfang beschrieb) suchen, denn je mehr geistliche Erfahrung ich mache, je weniger kann ich teilen. Erfahrung wird, je älter man wird, immer individueller, persönlicher, einzigartiger und manchmal sogar gewöhnlicher. Es gibt irgendwann nichts mehr zu teilen, nichts mehr zu sagen und miteinander zu besprechen.

Das Schweigen steht am Ende, ist das Ende der Entwicklung, ist das letzte Wort, das gesprochen wird.

Spiritualität und Einsamkeit

So ist die Meditation und Kontemplation, oder wie immer wir es nennen, substantiell für den geistlichen Weg. Denn schauen wir hin, was in solchen Augenblicken passiert: Wir sitzen alleine da, oft mit geschlossenen Augen und schweigen. Es ist gestaltete Einsamkeit – selbst wenn noch andere mit gleicher Intention neben mir sitzen.

Die, die wir Mystiker nennen, sie kannten diese Einsamkeit, der sie nicht entrinnen konnten, die sie suchten und nicht selten verfluchten. Das Schweigen und die Einsamkeit gehören zusammen, sind wie Ein- und Ausatmen, ohne sich ausgestoßen zu fühlen.

Und die Künstler kennen das, im Tun und Gestalten, im Ringen um Form und Farbe, allein dem Werk ausgesetzt zu sein, das ja auch nur etwas von mir ist und nichts Fremdes, was mein Alleinsein beenden könnte. Im Gestalten und Schöpfen wird Einsamkeit offenbar und notwendig.

Das heißt: Der Sinn von Einsamkeit ist die Erkenntnis, dass ich mich in der persönlichsten aller Erfahrungen, in dem individuellsten Augenblick, in der einzigartigsten Situation in dem auflöse und mich mit dem verbunden fühle, was uns alle trägt, von dem alles getragen wird und was letztlich alles ist. Die Einsamkeit, diese Einsamkeit führt in die Fülle, in die Gemeinschaft, jenseits von allen weltlichen und kirchlichen Gemeinschaften, eine Gemeinschaft mit allem.

Wer den Weg des Glaubens, der Suche, wer geistlich leben will, wer künstlerisch gestaltet, der sollte sich auf diese Einsamkeit gefasst machen und zugleich wissen: Das Ende dieser Einsamkeit ist nicht die Vereinzelung, sondern die Fülle, der Geist, das Geheimnis des Seins, das wir Gott nennen.

 

Exerzitien

EDEKA-Exerzitien

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Platz 5

EDEKA-Exerzitien

Einkaufen ist für viele eine lästige Pflicht, etwas, was man machen muss. Wer kommt schon auf die Idee, im täglichen oder wöchentlichen Einkauf die Chance zu einer spirituellen Übung zu sehen? Zwischen Butter und Gouda, zwischen veganem Käse und Sülze im Glas, was kann da schon spirituell sein?
Ich bin selber mitverantwortlich für den Einkauf und vollbringe diese Aufgabe mehrmals die Woche. In der Nähe der Cella gibt es einen EDEKA-Markt, der immer wieder Anlaufpunkt für die eine oder andere Sache für unseren Haushalt ist. Ich mache mit mir, dem Personal, den Miteinkäufern und den Waren ganz unterschiedliche Erfahrungen. Diese Erfahrungen haben mich dazu angeregt darüber nachzudenken, ob Einkaufen nicht auch für spirituelle Exerzitien genutzt werden kann – immerhin sind wir ein Stadtkloster und damit gehört die ganze Stadt zu unserer Klausur, also auch der EDEKA-Markt.

Meine Erfahrung mit dem Einkauf wechselt zwischen lustvollem Vollbringen und lästigem Vollzug. Mal nerven mich die aus Langeweile Einkaufenden, mal amüsieren sie mich, mal kann es an der Kasse nicht schnell genug gehen, mal bin ich die Ruhe selbst.
Das alles sind nicht nur einfache Erfahrungen, sondern grundlegende zugleich. Beim Einkauf – egal ob bei EDEKA, ALDI oder REWE – machen wir Erfahrungen, die für viele andere Momente im Leben stehen und die wir dort gut und gerne üben können. Letztlich geht es immer darum mit offenerem Herzen, mit weitem Geist auf die Welt, deren Teil wir sind, zuzugehen.
Fangen wir an mit unseren Exerzitien!

 

1. Einheit: Einkaufen nach Plan, aus Lust oder aus Langeweile?

Es gibt unterschiedliche Arten zum Einkaufen zu gehen und sich auf diesen Akt vorzubereiten. Die einen haben einen klassischen Zettel in der Hand, die anderen nutzen bereits eine App, wieder andere wollen nur mal eben eine Dose Cola, eine Tüte Haribo oder das Backpulver für den Kuchen, der gerade im Entstehen ist, einkaufen.
Jeder hat zu unterschiedlichen Zeiten seine Art, den Einkauf zu erledigen.

Wie wäre es einmal mit folgender Übung – Du lässt Zettel und Smartphone zu Hause. Du nimmst Deine Tüte, gehst in den Laden und nun lass Dich führen – geh zur Obsttheke, die ja meistens ohnehin zu Beginn zu finden ist. Lass Dich führen und verführen und vertrau darauf, dass Du das Richtige finden wirst und dass das, was Du findest, das Richtige ist.
Geh weiter und schau, was Dich anzieht, worauf Dein Blick fällt. Ist es die Marmelade? Das neue Vollwertbrot, ganz ohne Mehl, also Low Carb?
Geh weiter, sei einfach offen für das, was sich Dir zeigen will und sei bereit auch Ungewöhnliches einzupacken, wo Du jetzt noch gar nicht weißt, was Du damit machen willst oder kannst.
Weg vom Einkaufszettel, ohne App, ohne Grübeln – sich führen lassen.
Es geht nicht darum, der Werbung zu folgen, es geht darum, Dich von Innen führen zu lassen.
Und das nicht nur beim Einkaufen. Das gilt für viele Dinge in Deinem Leben. Ein Gespür für diese innere Führung zu entwickeln, dafür, wohin Deine Seele Dich schicken will.
Und beim Einkaufen kann es beginnen!

 

2. Einheit: Die Obst- und Gemüse-Abteilung – Wirken in der Verborgenheit

Die Obst- und Gemüseabteilung ist ein Ort, wo immer viel passiert und wo man sich am meisten im Wege steht. Da sind in der Nähe die Pfandrückgabeautomaten, da wird nachgelegt und besonders wählerische Miteinkäufer beäugen das Gemüse und das Obst und können sich nicht entscheiden, ob die Suppe nun mit Stangensellerie oder Zucchini bereitet werden soll. Oder soll es doch ein wenig mehr Porree sein?
Aber hier passiert auch in der Hinsicht noch mehr, weil hier immer etwas hinfällt. Die Honigmelonen, eben noch stabil gestapelt, fallen plötzlich in alle Richtungen, die Tomaten kullern über den Boden, die Zwiebeln suchen neue Wege.
Achte einmal auf die kleinen Dinge, die hier passieren. Auf das Obst und das Gemüse, das am falschen Fleck liegt, die rote Paprika, die bei den gelben liegt, die Pflaume, die kaum sichtbar unter der Theke auf Beachtung wartet. Es kann eine schöne Übung sein, etwas für Ordnung zu sorgen, ohne dass jemand Danke sagt, weil es niemand wahrnimmt.
Tu es einfach! Mache Dich nützlich – aber es wird niemand erfahren. Du tust es also nicht, damit Du geliebt wirst, sondern weil Du es wichtig findest, dass es getan wird.
Dieses Tun im Verborgenen wird schon im Evangelium gelobt.

 

3. Einheit: Die anderen Kunden – jeder darf da sein

Einkaufen könnte so schön sein, wenn da nicht die anderen Einkäufer/innen wären. Es gibt die Zielstrebigen, die genau wissen, was sie wollen und ungeduldig ihren Weg suchen – vorbei an überbreiten Kinderwagen und langsamen Rollatoren.
Es gibt die Gelangweilten, die sich auf den Einkaufswagen stützen und ihn so vor sich herschieben. Mal bleiben sie hier, mal da stehen, mal untersuchen sie den Käse, mal die neuen Obstdosen von was weiß ich. Nur etwas davon einkaufen tun sie nicht.
Dann gibt es die ewig Genervten, die schon mit entsprechendem Gesicht den Laden betreten. Für sie ist alles zu viel, jeder Kunde, jede Neuorganisation der Auslage, Sie wollen nur durch und weg.
Und dann gibt es auch noch die Kunden, die sehr gerne das Personal beschäftigen, sie suchen nach einem speziellen Olivenöl, von dem sie gelesen haben und zwei bis drei Verkäuferinnen sind damit beschäftigt, die Hinweise auf verschiedenen Olivenölflaschen zu lesen.
Was gibt es hier zu üben? Es ist eigentlich ganz einfach – jeder und jede darf so sein und so in den Laden kommen, wie er oder sie will. Es müssen nicht alle so sein, wie Du. Für manche ist Einkaufen eine Art Unterhaltung, für andere lästige Pflicht, wieder für andere freudige Vorbereitung für eine Party. Egal – sag Dir innerlich: Du darfst sein und Du und Du. Akzeptiere jede und jeden, wie er oder sie gerade im Laden ist.
Klingt einfach – ist es aber nicht.

 

4. Einheit: Waren und Bedürfnisse – entscheide Dich!

Einkaufen ist eine Entscheidung zwischen Angebot und Bedürfnissen. Wenn wir nur einkaufen würden, was wir brauchen, hätten wir nie zu viel. Aber wir kaufen nicht nur ein, was wir brauchen. Dafür sorgt die Werbung. Naja, sie macht es noch viel besser. Sie sorgt dafür, dass wir ein neuen Bedürfnis spüren und schickt uns dann einkaufen. Und schwups, landet der neue Keks im Einkaufswagen. Ist doch geschickt oder?
Wenn Du das nächste mal einkaufen gehst – frage Dich jenseits von Butter und Mehl: Brauche ich das wirklich? Will ich das wirklich? Und wenn ja, wozu? Wozu der Wein? Wozu so viel Kaffee? Wozu die Gummibärchen? Diese Frage ist sehr ernst gemeint. Du ahnst es vielleicht – wir füttern uns, damit wir andere tiefere Bedürfnisse nicht spüren müssen, die vielleicht riskanter oder schwieriger zu befriedigen sind.
Aber es hilft ja nichts – Ehrlichkeit zu sich selber ist wichtig.
Unterscheide also zwischen dem, was Du wirklich brauchst und dem, was Dir nur angenehme Gefühle vermitteln soll. (Was natürlich manchmal auch legitim ist.)

 

5. Einheit: Verkäuferinnen und Einräumer: Achtung schenken

Es gibt – meiner Beobachtung nach – in meinem EDEKA vier verschiedene Arten Personal. Da sind einmal die, die dort schon lange arbeiten, meistens ältere Frauen, die wissen wie der Hase dort läuft, kennen die Tricks mit der Kasse, kennen vor allem ihre Kunden.
Dann haben wir da die vielen jungen Männer – zumindest fast immer nur Männer, die für maximal ein Jahr dort arbeiten und dann weg sind. Sie räumen ein, kassieren, sind oft richtig schnell beim Scannen – oft zu schnell.
Dann gibt es die Einräumer, die sind nicht fest angestellt, sondern kommen von Firmen, die im EDEKA Waren verkaufen. Die machen den ganzen Tag nichts anderes und fahren von Markt zu Markt.
Und dann gibt es die Mitarbeiter, die oft im Hintergrund sind und den Laden leiten – die kommen, wenn es etwas zu stornieren ist.
Man kann die Mitarbeiter des Marktes sehr unterschiedlich betrachten – und das sind sie auch.
Unsere Aufgabe ist es aber, ihnen Achtung entgegen zu bringen. Es ist ein harter Job und ich spüre, wie alle unter ständigem Druck arbeiten müssen.
Es reicht schon, jedem mit einem Lächeln zu begegnen. Den Platz frei machen, wenn sie mit ihren bis oben bepackten Europaletten ankommen, um neue Ware auszupacken und ihnen nicht im Weg stehen, wenn sie arbeiten.
Das allein schon kann für die Mitarbeiter eine große Hilfe sein.
Und… wie wäre es mit einem ehrliche Danke für die geleistete Arbeit.
Dankbarkeit zu zeigen – ehrliche und nicht übertriebene, das wirkt.

 

6. Einheit: Die Kasse: Warten mit Geduld

Die Kasse in einem Supermarkt ist immer ein Nadelöhr, durch das wir alle müssen. Das heißt: warten, nicht drängeln und die Illusion aufgeben, dass die andere Schlange schneller sein könnte – sie ist es immer!
Die Kasse ist der Ort, wo wir Geduld lernen können.
Du kannst viel in der Zeit machen:
Du kannst Atmen,
Du kannst andere Menschen beobachten,
Du kannst Dich Deines Lebens freuen,
kannst freundlich über die Kassiererinnen denken
Du kannst Dich natürlich auch ärgern.
Es ist Deine Entscheidung, wie Du diese Zeit nutzt.
Steh doch einfach da, nimm Dich wahr, Deinen Atem, vertreibe alle Gedanken, die Dich dazu verführen wollen Dich zu ärgern und den Druck an andere weiter zu geben, die umständlich sind oder langsam.
Diese Zeit könnte ein Geschenk sein – könnte, es liegt an Dir.

 

7. Einheit: Bezahlen – Danken und sich verabschieden

Und dann kommt das Ende: Du bezahlst, bekommst Deine Punkte bei der DeutschlandCard oder bei Payback gutgeschrieben, packst ein und gehst.
Zwei Dinge sind meiner Erfahrung nach im Leben immer wichtig: Wie ich eine Sache beginne und wie ich eine Sache beende.
Wie verlässt Du den Supermarkt. In Dankbarkeit für das, was Du bekommen hast?
Das zumindest wäre eine gute Art den Kauf zu beenden.
Ja, Du hast dafür bezahlt, Du hast Dein Geld gegeben, alle, die am Entstehungsprozess und am Verkauf beteiligt waren wurden bezahlt – hoffentlich gut. Warum Dankbarkeit? Weil nichts selbstverständlich ist – auch nicht die Waren bei EDEKA. Auch wenn sie Lebensmittel lieben – alles ist Geschenk und auch wenn Du bezahlst – es ist letztlich Gnade, dass Du das alles bekommst.
Letztlich ist ein Apfel unbezahlbar und die Harzerrolle ebenfalls – mag das jetzt auch noch so lustig klingen, aber so ist es.

Damit sind Deine Exerzitien beendet. Du hast viel gelernt und hast den Alltag als spirituellen Ort entdeckt. Der Supermarkt wurde für Dich zum Gleichnis, so wie Jesus alltägliche Situationen und Orte zum Gleichnis gemacht hat, damit andere verstehen, was er meinte.
Eine Spiritualität, die nicht den Alltag verändert und dort hineinreicht, ist nichts wert, sagt sinngemäß Willigis Jäger.
Recht hat er – wer beim Einkaufen und bei EDEKA oder ALDI nicht fromm sein kann, der wird es wohl auch in der Kirche nicht wirklich sein können.
Amen!

 

 

 

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate.

Mit dem Benediktsfest am kommenden Sonntag beginnt auch in der Cella eine etwas ruhigere Zeit. Eine gute Gelegenheit, um mal nachzuschauen, welche Artikel von unseren Besuchern auf dieser Seite am meisten gelesen wurden.

Daher unsere Reihe für die nächsten Wochen: jeweils am Dienstag kannst Du die 5 Artikel nochmals nachlesen, die die höchsten Zugriffszahlen hatten.
Mal gucken, ob Dein Favorit auch mit dabei ist…!

Unsere Musiker am Sonntag: Anne Kristin Holmer und Werner Nienhaus

Unsere Musiker am kommenden Sonntag,
den 1.7.2018

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Ane Kristin Holmer:
Bei uns zuhause in Wilhelmshaven stand ein Klavier und meine Eltern machten beide Hausmusik. So bekam ich im Alter von 6 Jahren Blockflöten- und Klavierunterricht.
Werner Nienhaus:
Wir hatten zuhause auf unserem Bauernhof eine Nenntante, die anregte, dass ich unbedingt Klavierunterricht bekommen sollte. Zeitgleich mit meiner Einschulung erhielt ich dann wöchentlich Unterricht bei dem Kantor unserer Gemeinde im Münsterland.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Ane Kristin Holmer:
Stark beeinflusst hat mich mein erster Klavierlehrer Paul Lehrke, der nicht nur ein hervorragender Instrumentalpädagoge, sondern auch musikgeschichtlich ungeheuer belesen war. Ich habe noch zu Studienzeiten tiefgreifende Gespräche über Musikästhetik geführt. Nach dem klassischen Musikstudium an der Folkwang Hochschule in Essen-Werden begann ich meinen Schuldienst am Gymnasium Lehrte. Durch den Aufbau der schuleigenen Big Band, Bläserklassen und Chorklassen kam ich in Kontakt mit ganz anderen musikalische Richtung, die mich natürlich auch stark beeinflussten.
Werner Nienhaus:
Einerseits bin ich stark verwurzelt in der Kirchenmusik; Chorleitung und Orgelspiel sind für mich bis heute wichtige musikalische Betätigungsfelder.
Hier waren natürlich die verschiedenen Kantoren, bei denen ich Unterricht nahm, aber auch die Professoren der Folkwang Musikhochschule wichtig. Andererseits habe ich bereits früh Tanzmusik gemacht und leite seit vielen Jahren die Big Band unseres Gymnasiums. Auch diese musikalischen Erfahrungen haben mich natürlich beeinflusst.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ane Kristin Holmer:
Obwohl ich der protestantischen Kirche angehöre, spiele ich immer wieder gerne in katholischen Gottesdiensten, da die Liturgie zwar ähnlich ist, aber doch eine besondere Aura hat. Da mein Mann katholisch ist, haben wir bereits des Öfteren in klösterlichen Gemeinschaften Gottesdienste musikalisch ausgestaltet.
Werner Nienhaus:
Eine Tante von mir ist im Steyler Missionsorden; daher bin ich – natürlich auch meine Geschwister – schon seit Kindheitstagen mit der klösterlichen Liturgie vertraut. Diese Elemente vita contemplativa haben mich schon früh beeindruckt.

Du musst mehr Spiel ins Leben bringen!

Du musst mehr Spiel ins Leben bringen!

Hallo, Valentin hier. Ich glaube, ich werde älter. Kennst Du das Gefühl? Also, das ist mir echt noch nie passiert. Derzeit verliere ich so viel Fell, dass ich regelrecht eine Spur hinter mir her ziehe. Unglaublich, oder? Das hatte ich bisher noch nie. Ich habe ja eigentlich ganz kurzes Haar in einem frischem Mausgrau. Anders als bei Otello, der ja längeres und flauschigeres Haar hat und daher fast immer haart, war das bei mir nicht so. Und nun habe ich das Theater. Jetzt werde ich also gebürstet und es ist nichts, was mir wirklich Spaß macht. Aber so ist das vielleicht, wenn man älter wird…

Spielst Du?

Heute möchte ich über das Spielen an sich sprechen. In einigen meiner Artikel hatte ich das durchaus schon einmal angesprochen – erinnerst Du Dich, als es um die Büroklammer ging? Aber heute geht es überhaupt darum, zu spielen. Spielst Du? Oder ist das für Dich Kinderkram und vielleicht nur etwas für Katzen, wie mich? Wenn Du noch nicht spielen solltest, dann tust Du mir echt leid. Was gibt es Schöneres als ein schönes Spiel, ein Stück Faden, nach dem ich schnappen kann, ein kleines Briefkuvert, eine kleine Schraube oder (der absolute Knaller) eine Fliege, die im Zimmer umher fliegt – großartig, großer Spaß!
Warum ist spielen so wichtig? Es hebt Deine Stimmung. Spielen verschafft Dir Leichtigkeit im Leben.
Was gäbe es für Dich? Aus welchen kleinen Dinge in Deinem Leben könntest Du ein Spiel entwickeln?

Mach lästige Dinge zu einem Spiel!

Natürlich ist es auch gut, nachzudenken und Probleme zu lösen. Da ist man selten in einer guten Stimmung, ich zumindest nicht. Aber um zufrieden zu sein und sich am Leben zu erfreuen, braucht es eine gute Stimmung. Auch wenn Du kreativ sein willst. Warst Du schon mal richtig wütend und traurig und konntest wundervolle Bilder malen oder eine tolle Idee haben? Meistens ist das schwierig. Dafür ist spielen gut, es bringt Dich unmittelbar in eine gute und helle Stimmung. Musst Du mal ausprobieren.
Das Spielen hilft vor allem bei Dingen, die Du nicht gerne machst. Mach doch einfach aus dem wöchentlichen Putzen ein Spiel!
Du könntest Dich für jede Aktion belohnen,
Du könntest lustige Regeln aufstellen, die Du einhalten musst,
Du könntest das Putzen tanzen.
Ach, es gibt so viele schöne Möglichkeiten!
Überlege einmal und gehe Deinen Alltag durch, wo Dir ein Spiel hilfreich sein könnte.
Wenn Du arbeiten musst zum Beispiel, da kann ein spielerischer Charakter sehr hilfreich sein. Was, Du hast einen Chef, der immer so ernst und aufbrausend ist? Dann stell Dir doch einfach vor, er würde einen Elefantenrüssel tragen, weißt Du, so einer, der immer hoch und runter wippt, wenn er geht. Und schon musst Du lächeln und das Leben wird einfacher.
Was, Du hast einen Berg an Akten vor Dir?
Dann mach es doch spielerisch – nach jeder 10. Akte gibt es einen Schokoriegel, einen Kaffee oder was auch immer.
Verstehst Du?

Mehr Freude im Leben

Wettbewerbe sind übrigens auch toll und gerade Menschen mögen es schneller oder besser zu sein.
Oder überlege einfach mal, wie Du dem Putzen (oder anderen Dingen) mehr Spaß beifügen kannst. Du wirst merken, das Leben wird leichter und selbst unangenehme Dinge werden so schnell und unkompliziert erledigt.
Weißt Du, das Leben hat oft so viel Ernst – gerade ihr Menschen blickt oft so ernst in die Welt. Manche sagen ja, ich würde so grimmig gucken, aber ich bin nicht grimmig – natürlich auch kein kleines verspieltes Kätzchen mehr.
Wir alle brauchen mehr Freude im Leben, das soll sogar gesund sein und erhalten.

Mein erster Kurs

Übrigens arbeite ich gerade an meinem ersten Kurs. Ja, Du hast richtig gelesen, Valentin macht einen Kurs, einen eigenen. Und Du kannst daran teilnehmen. Aber noch bin ich dabei Texte, zu schreiben, damit Du auch genug Futter für die Seele bekommst, und da mein Kopf nicht so groß ist wie Deiner, brauche ich etwas mehr Zeit zum Nachdenken und außerdem muss ich ja auch noch schlafen.
Aber ich hoffe, dass es bald soweit ist.
Dann werde ich die erste Katze sein, die für Menschen einen Kurs gibt. Toll, was?

Na gut, ich mache mich mal wieder an die Arbeit.
Mach es gut, schreibe mir und bis bald.

Valentin

Allergisch sein und allergisch werden

Allergisch sein und allergisch werden

Bei diesem schönen Wetter fahre ich gerne mit dem Fahrrad durchs Grüne. Die Spuren auf dem Fußboden, an den Autos und nicht zuletzt an meinem Fahrrad machen es sofort klar: In diesen Wochen sind unendlich viele Pollen in der Luft. Meine Augen jucken und nach einigen Kilometern ist sogar mein Hals gereizt – vor allen Dingen dann, wenn ich mich beim Fahren unterhalte oder so schnell fahre, dass ich nicht mehr ganz durch die Nase atmen kann.

Ich habe einige Bekannte mit schweren Allergien und vielen leidvollen Erfahrungen. Zum Glück habe ich keine schwere Allergie und bin bisher immer ohne Histamin hemmende Medikamente ausgekommen, auch wenn mein ärztlicher Allergietest den ein oder anderen positiven Befund hatte. Aus diesem Kontext blicke ich auf das „ein bisschen allergisch sein“.

„Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“

Ich erlebe an meinem Körper durchaus Reaktionen auf Blütenpollen. Manchmal sind die Reaktionen kaum merkbar, manchmal empfinde ich sie schon als klare Einschränkung. „Jetzt sei doch nicht gleich so allergisch“, dieser Satz aus unserer Umgangssprache kommt mir in den Sinn. Manchmal sage ich ihn anderen und manchmal wird er mir selber gesagt. Die Erfahrung, die dahinter steckt, kenne ich gut. Es gibt Zeiten in meinem Leben, in denen ich stärker allergisch reagiere als zu anderen Zeiten. Aber alle weiteren Zusammenhänge lassen sich nur schwer treffend beschreiben. Ja, je mehr Stress ich habe, desto eher reagiere ich allergisch. Und das sowohl mit gereizten Augen oder einem gereizten Hals als auch mit Worten und Reaktionsmustern. Irgendwie scheint der Stress mit der allergischen Reaktion zusammenzuhängen.

„Komm mir bloß nicht zu nahe“

Auch medizinisch werden allergische Reaktionen so erklärt: Bis sich die Beschwerden das erste Mal zeigen, hat unser Körper bereits mehrfach mit dem jeweiligen Allergen Bekanntschaft gemacht, und zwar, ohne dass wir es bemerkt haben. Es sind die körperfremden Eiweiße, auf die das Immunsystem übertrieben reagiert. Der Körper reagiert abwehrend.

In vielen Allergieformen reagiert die Haut, sie ist gereizt und juckt, manchmal wird sie trocken. Berührung wird unangenehm. Es ist so, als würde der eigene Körper uns signalisieren: Komm mir bloß nicht zu nahe. Und tatsächlich bin ich dann manchmal so mit mir beschäftigt, dass ich das viele Schöne um mich herum auch nicht mehr wahrnehmen kann und nicht mehr in Kontakt gehen kann und will. Also irgendwie mit mir beschäftigt und doch eigentlich gar nicht nah bei mir. Dann wird meine Haut zum Spiegel der Seele und an juckenden Stellen kann ich ablesen, wie gereizt ich bin. Aber auch diese Reaktion kenne ich im übertragenen Sinn – wenn ich Dinge nicht an mich herankommenlassen möchte.

Abstand nehmen und abwaschen

Viele kleine Dinge habe ich mir in den letzten Jahren angewöhnt, die einfach und banal, aber für mich ausgesprochen hilfreich sind: Abstand zu nehmen von dem, was mir nicht gut tut. Das gilt genauso für manche Nüsse oder Hausstaub (gegen welche ich laut Test allergisch bin), wie auch für manche ärgerlichen Gespräche. Denn beide können dazu führen, dass ich „ganz schön allergisch werde“. Ganz neu habe ich Reinigungsrituale entdeckt: Wenn ich vom Radfahren komme, dann spüle ich meinen Mund-, Nasen- und Rachenraum richtig mit Wasser aus, damit die Pollen dort nicht bleiben.

Manchmal helfen mir eine Wirbelsäulenübung und eine Dusche, meine eigene Anspannung und Reizung wegzunehmen oder zumindest zu verkleinern. Manchmal auch ein Glas Wein. Und danach muss dann auch noch die Seele etwas Ruhiges haben…

Und ich freue mich wieder, von Dir zu hören oder zu lesen, wie es Dir mit den „kleinen Reizungen“ und dem „Allergisch sein“ im Alltag ergeht und was Dich daraus befreit.