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Wie kann man Einsamkeit überwinden?

​Es kann schnell passieren. Ein neuer Job steht an, der alte passte einfach nicht mehr, oder der Arbeitgeber hat sich von Dir getrennt. Nun denn, es geht auf in eine neue Stadt, wo Du niemanden kennst, wirklich niemanden. Irgendwie landest Du in einem Häuserblock - es ist schwierig genug, eine Wohnung zu finden. Also gut, dann halt hier, wo tausende anderer in einem großen Block wohnen, muss ja nicht für immer sein. Und da sitzt Du dann, alleine - wirklich alleine. Zwar hörst Du den Fernseher von nebenan, irgendwo weint ein Kind und bellt ein Hund, dann und wann das leise Schnurren des Aufzugs und das Schlagen der Kabinentür. Das war es dann auch schon.

Wen würde dann nicht das Gefühl von Einsamkeit durchfluten. Und wenn eine solche Situation dann auch noch Monate, ja, Jahre andauert, dann wird Einsamkeit mehr als real, sie frisst sich in unser Inneres ein.

Ministerium gegen Einsamkeit

Man hat Einsamkeit als eine der größten Gesundheitsbedrohungen erkannt. So wurde im Jahre 2018 erstmals in Großbritannien in einem Ministerium ein Departement für Einsamkeit gegründet.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Einsamkeit den Blutdruck erhöht. Und natürlich gehören auch Auswirkungen auf unsere Psyche dazu: bei Persönlichkeitsstörungen und Psychosen wurde ein Zusammenhang zu Einsamkeit gefunden. Es wird sogar vermutet, dass Einsamkeit eine Auswirkung auf spätere Alzheimer-Erkrankungen hat. Natürlich braucht es für solche gesundheitlichen Konsequenzen das Gefühl von Einsamkeit über lange Zeit verbunden mit einem intensiven Erleben.

Denn auch das sollte man wissen: Einsamkeit ist Teil des Lebens und jeder Mensch fühlt sich im Laufe seines Lebens irgendwann und vermutlich immer wieder mal einsam. Und da spielt es tatsächlich keine Rolle, ob ich alleine in meiner Wohnung sitze oder mitten im Getümmel von Freunden und Familie. Wer sich einsam fühlt, muss nicht auch gleichzeitig alleine sein.

Alleinsein oder Einsamkeit?

Denn nicht jedes Alleinsein muss auch von Einsamkeit geprägt sein. Alleinsein ist ein objektiver Zustand, sozusagen zählbar. Du bist alleine in einem Raum - das kann man von außen beobachten. Ob Du zugleich einsam bist, kann ich nicht wirklich von außen erkennen. Einsamkeit ist ein Gefühl.

Dieses Gefühl stellt sich zu sehr unterschiedlichen Lebenssituationen ein. Der Umzug, wie ich ihn oben beschrieben habe, ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Die Trennung von einem Partner oder Partnerin, der Verlust der Arbeit, Krankheit und das Älterwerden sind weitere Lebensereignisse, die uns nicht nur mehr allein sein lassen, sondern in denen wir uns schnell einsam fühlen.

Dabei unterstützen bestimmte Einstellungen zu sich selber das Gefühl der Einsamkeit. Wer sich nicht liebenswert findet, wird schneller das Gefühl von Einsamkeit entwickeln. Oder wer meint, unbedingt einen Partner oder eine Partnerin zu brauchen.

“Du musst mehr raus gehen!” sagen dann ehemalige Freunde. Schöner Satz, gut gesagt, jetzt wissen wir endlich, was zu tun ist. Als wären wir nicht selber darauf gekommen Doch rausgehen alleine bringt es noch nicht. Und wenn man nicht der Typ Mensch ist, der in einen Supermarkt geht und sofort fünf neue Leute kennenlernt und mit Namen ansprechen kann, dann wird es wirklich schwer.

Einsamkeit: 6 Hinweise

Wie kann man mit Einsamkeit umgehen? Was kann man machen? In einem solchen Artikel kann man kaum sehr komplexe Hinweise geben.
Natürlich hat Einsamkeit oft einen psychischen Hintergrund und braucht nicht selten eine fachgerechte Behandlung. Dennoch will ich es wagen, Hinweise mitzugeben (keine Ratschläge), an denen weiter zu denken es sich lohnen würde.

“All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können.”

Arthur Schopenhauer

1. Bist Du wirklich einsam?

Ich finde diese Frage mehr als legitim. Frage Dich, ob Du wirklich einsam bist. Denn es kann sein, dass wir uns einsam fühlen, weil wir meinen, man müsste ein viel geliebtes Mitglied der Gesellschaft sein, ein Sunnyboy in den Straßen der Stadt. Vielleicht bist Du einfach ein Mensch, der mit wenigen Kontakten auskommt und sich damit wohl fühlt. Aber Du meinst, es müsste anders sein, weil man es Dir sagte, weil es so üblich ist. Und so entsteht ein Problem, das eigentlich nicht da ist. Daher lohnt es sich darüber nachzudenken, wie viele Kontakte Du wirklich brauchst.
Menschen mit Hypersensibilität können es beispielsweise gar nicht ertragen, ständig und zu oft und zu lange mit vielen Menschen zusammen zu sein. Sie brauchen immer wieder Rückzugsmöglichkeiten, weil für sie die vielen Kontakte besonders viel Energie kosten.
Wenn Du wissen willst, ob Du eine hypersensible Persönlichkeit bist, kannst Du hier einen Test dazu machen:
Hochsensibel


2. Lerne, alleine zu sein


Wenn Du alleine bist, dann wirkt dieser Hinweis zynisch - dann bitte ich Dich, zum nächsten Punkt zu wechseln. Bist Du aber derzeit nicht alleine und einsam, dann beginnt jetzt deine “Trainingsphase”. Lerne mit Dir umzugehen, lerne ohne andere auszukommen, einfach für Dich zu sein ohne Whatsapp, ohne Facebook und Co. Geh nach draußen in den Wald, bleibe einfach mal am Samstagabend in Deiner Wohnung und unternehme am Sonntag nichts. Man kann das Alleinsein ohne Einsamkeit lernen.
Wenn Dir das gelingt, dann hast Du einen großen Schritt hin zu mehr Resilienz gemacht.

3. Kultiviere Dein Alleinsein

Dieser Punkt ist die Ergänzung von Punkt 2. Es geht darum, Formen des Alleinseins zu haben. Den Tisch zu decken, wenn man essen will, für sich zu kochen, alleine ins Kino zu gehen, alleine essen zu gehen, es sich schön zu machen, aufzuräumen, dem Tag eine Struktur zu geben, mit sich spazieren zu gehen...schaffe Dir eine eigene Lebenskultur, die auch ohne andere Menschen auskommt und dennoch Raum lässt für neue Bekanntschaften.
Ich glaube, dass Alleinsein oft mit Passivität zu tun hat, weil wir es nicht gelernt haben, es uns schön zu machen und die Zeit mit sich alleine liebevoll zu gestalten. Aber genau darum geht es und dafür ist eine Lebenskultur da. Sie gibt Dir eine Form, mit solchen Zeiten umzugehen und in der Rolle der Gestalterin/des Gestalters zu bleiben.
Das ist übrigens ein Hinweis, der für alle Lebenssituationen wichtig ist. Wer keine Selbstwirksamkeit mehr hat, fühlt sich ohnmächtig und erfolglos.



4. Engagiere Dich

Wenn ich irgendwo alleine in eine Stadt ziehen würde, dann wäre das etwas, was ich sofort täte. Als ich vor 10 Jahren für eine Auszeit in Münster war, war mir klar, ich brauche schnell Kontakte, damit ich nicht einsam werde. Zwar lebte ich damals bei den Kapuzinern und war daher sozial gut versorgt. Aber dennoch würde ich ohne eine Aufgabe ständig alleine in meinem Zimmer hocken. So habe ich bei Oxfam und bei der Aids-Hilfe in Münster angefragt und fand dort nicht nur eine erfüllende Aufgabe, sondern auch Kolleginnen und Kollegen sowie Hauptamtliche und damit eine Fülle von Kontakten. Dazu viele Kunden und Gäste. Ich denke gerne an meine Arbeit dort zurück.
Und genau das rate ich Dir auch. In jeder größeren Stadt gibt es Freiwilligenagenturen, die eine lange Liste mit Möglichkeiten für Dich bereithalten. Du kannst im Netz danach suchen und wirst eine solche Vielzahl an Möglichkeiten finden, dass mit Sicherheit etwas dabei ist, was Dir und Deinen Fähigkeiten entspricht.


5. Nutze das Internet

Gerade die Möglichkeiten im Netz sind für Einsame vielseitig. Es gibt bei Facebook Gruppen für so viele Interessen und Fragen. Wenn Du neu in einer Stadt bist, dann schau einmal nach, es gibt extra Gruppe für neue Stadtbürger. Dort werden Einladungen ausgesprochen, jemand sucht jemand für einen Spaziergang, ein Kinoabend wird angeboten, der Besuch des örtlichen Schützenfestes oder der Kirmes. Du kannst auch nach Veranstaltungen oder in Communities gezielt nach Leuten aus Deiner Stadt suchen und Kontakt aufnehmen. Und das gilt nicht nur für Studenten oder Azubis, sondern auch für Senioren. Es gibt zahlreiche Communities nur für Senioren und auch, wenn man nicht gleich jemand um die Ecke findet und vielleicht nicht gleich die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit in Erfüllung geht. Wichtig ist, dass ein Anfang gemacht ist, der es auch schüchterneren Menschen ermöglicht, schnell Kontakt aufzunehmen. Und wenn die Person nicht in der eigenen Stadt ist? Warum nicht über das Tool Zoom (kostenlos für zwei Personen) ein Video-Livegespräch beginnen?

Seniorenportal
50plus Treffen
Zoom

6. Haustier anschaffen

Ein Haustier kann trübe Tage und einsame Zeiten gut überbrücken. Gerade Beziehungstiere, wie Katzen oder Hunde, helfen, aktiv zu sein, motivieren Dich, morgens aus dem Bett zu kommen und strukturieren Deinen Tag. Sie kommen aktiv auf Dich zu, wenn sie etwas wollen. Sie reißen Dich aus Deinem eigene Trott heraus.
Hundebesitzer haben zudem die Chance, über die Tiere neue Menschen kennen zu lernen. Wenn Du mit Deinem Hund Gassi gehst, dann kommst Du mit Hundebesitzern sehr schnell ins Gespräch. 
Zudem sprechen Tierbesitzer mit dem Tier und die Tiere antworten auch auf ihre Weise. Es ist diese Art von Reaktion, von wirksamer Kommunikation, die in einsamen Zeiten so gut tun kann.
Ich weiß, wovon ich spreche, da ich selber drei Katzen habe. Wir teilen unser Leben und bilden so eine kleine, vielleicht etwas ungewöhnliche Gemeinschaft.
Und wenn Du keinen Hund halten möchtest, aber Hunde magst oder Du einfach kein Tier auf Dauer in Deiner Wohnung haben willst: Es gibt Portale, wo man sich als Catsitter oder Gassi-Geher melden kann.

Tiere betreuen

Und jetzt Du!

Das sind jetzt meine sechs Hinweise für einsame Zeiten und was Du tun kannst. Nicht jeder Punkt ist für jeden. Aber jeder Punkt ließe sich weiter denken, um ihn für sich anzupassen.

Ich denke das Problem ist, dass man als einsamer Mensch oft so sehr von der Einsamkeit und den Gefühlen in Beschlag genommen wird, dass man nicht mehr frei ist, die eigene Phantasie einzuschalten, um auf gute Ideen zu kommen. Probleme haben die Angewohnheit, die Phantasie und die Kreativität einzuschränken.

Daher würde mich sehr interessieren, was Du vorschlagen kannst. Was können weitere Hinweise für einsame Menschen sein? Was hast Du gemacht, um einsame Zeiten zu überstehen?

Lass uns hier eine kleine Sammlung als Hilfe für einsame Menschen beginnen.



Niemand ist vergessen

Wir laden ein zu einem gemeinsamen Gedenken an die Verstorbenen,
die uns nahe waren,
an die niemand mehr denkt,
die wir vermissen und die uns Gutes getan haben.

Innerhalb dieser Feier werden die Namen der Toten, die uns bis dahin genannt worden sind in die Nacht hinein gesungen – so erklingen ihre Namen noch einmal und werden so gewürdigt.
Wir werden erstmals diesen Gottesdienst live auf unserer Webseite übertragen.

Vigilfeier für unsere Verstorbenen
23.11.2019
20.00 Uhr

Wenn Du uns Namen von Verstorbenen nennen möchtest, die an diesem Abend gesungen werden sollen, dann kannst Du sie uns über dieses Formular zusenden.

Wir bitten zu beachten:
Bitte gib uns auf alle Fälle den Vor- und Nachnamen an. Und um es möglichst vielen zu ermöglichen, uns ihre Namen zu sagen und sie im Gottesdienst zu singen möchten wir Dich bitten, uns nicht mehr als drei Namen zu nennen.
Zudem wäre es natürlich schön, wenn Du an dem Gebet auch teilnehmen kannst oder ihn eben über Livestream verfolgst:

Dein Name*

Deine E-Mail-Adresse*

Namen der Verstorbenen:

Sicherheitsabfrage gegen Spam*: Wie viel ist

* Pflichtfelder bitte ausfüllen!

Impuls am Sonntag: Thomas Schwark

Thomas Schwark

Museumsdirektor



Alter

63 Jahre

Beruf
Ich arbeite als Museumsdirektor und bin verantwortlich für das Kestner-Museum, das Historische Museum sowie das Museum im Schloss Herrenhausen

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Die Frage nach der Bedeutung des Glaubens für mich beantworte ich mit Heb 11,1:

"Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht."

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?
Besonders wichtig war und ist für mich Mt 7,12:

"Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten."

bzw. Lk 6,31:
"Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!"


Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?

​In meinem langen Leben gab es viele Bücher, die mich inspiriert haben. In jüngster Zeit bewegen mich die kurzen Texte der Anthologie „Kopfsteinpflaster“ – „Verborgenes, Verdrängtes und Vergessenes“ aus meiner Heimatstadt Lübeck; dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Thomas Manns Bekenntnis „Lübeck als geistige Lebensform“.

November – der Trauer- und Totenmonat

Im November finden an verschiedenen Tagen besondere Totengedenken und -ehrungen statt: Da ist direkt nach Allerheiligen der Allerseelentag, bei dem die römisch-katholische Kirche der Verstorbenen gedenkt. Die evangelische Kirche gedenkt der Verstorbenen am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Totensonntag. Und gesellschaftlich wird zwei Sonntage vor dem 1. Advent – am Volkstrauertag – der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. Ebenfalls im November liegt der Buß- und Bettag, an dem die evangelische Kirche die Gläubigen einlädt, sich wieder neu Gott zuzuwenden.

All das ruft in mir einen Satz des Apostels Paulus in Erinnerung: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13). – Gerade im Totengedenken und in der  Neuausrichtung auf Gott manifestiert sich die Liebe. Darum hat der österreichische Redemptorist, P. Hans Hüter CSSR, die Schlussfolgerung gezogen: Weil ich liebe, hoffe ich und glaube ich.

Weil ich liebe…

Keiner von uns weiß, ob und wie es nach dem Tod weitergeht. Und dennoch gehen wir immer wieder auf die Friedhöfe zu den Gräbern unserer Angehörigen und Freunde. Zum einen weil wir einen Ort der Trauer brauchen, zum anderen weil wir uns gerne an viel Schönes und Gutes, aber auch an manches Schwere, das wir mit unseren Lieben erlebt haben, erinnern.

… hoffe ich…

Und hier kommt die Hoffnung ins Spiele: Weil ich meine verstorbenen Angehörigen und Freunde liebe, hoffe ich, dass es das neue, für uns unvorstellbare Leben nach dem Tod tatsächlich gibt, dass sie an Gottes ewigem Ostern teilhaben. Dies legt zumindest Jesu Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus nahe (vgl Lk 16,19-31).

Das ist unsere christliche Hoffnung, die auch in vielen anderen Bildern und Gleichnissen Jesu aufleuchtet. Das ist unsere christliche Hoffnung, die aus der Apostelgeschichte und den neutestamentlichen Briefen aufstrahlt. Und diese Hoffnung unterscheidet uns Christen von denen, die keine Hoffnung haben (vgl. 1 Thess 4,13).

… und glaube ich

Ich glaube an das, was im Neuen Testament an so vielen Stellen über das Reich Gottes geschrieben steht (vgl. Mk 4,26 u.ö.). Ich danke den Menschen, die mir von der Liebe Gottes erzählt haben – einer Liebe, die so stark war, dass sie seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern ihn auferweckt hat. Und ich bin überzeugt: die Liebe Gottes ist so übergroß, dass sich keiner, der ihm gegenübersteht, verschließen wird.

Was kein Auge gesehen…

Tatsächlich entzieht sich das Leben bei Gott – nach unserem irdischen Tod – unserer Vorstellungsvermögen. Aber der Apostel Paulus hat gesagt: „Wir verkünden, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (vgl. 1 Kor 2,9).

Tybora Olevska

Unsere Musiker am Sonntag: Eugenia Olevska und Miroslav Tybora

Eugenia Olevska

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Seit ich mich erinnern kann, war es mein größter Traum, ein Musikinstrument zu erlernen. Im Alter von 9 Jahren haben meine Eltern mich in eine Musikschule geschickt und das war für mich der Anfang meines Musik Lebens.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Obwohl mein Vater kein Musiker war, hat er die Musik immer geliebt und verstanden. Dadurch, dass er viele Konzerte mit mir besucht hat, konnte er mir die Liebe zur Musik näherbringen.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu spielen ist immer etwas sehr Besonderes. Denn die ist der Ort, an dem Mensche die Nähe zu Gott verspüren können. Bei der Möglichkeit in einer Kirche zu spielen, bekomme ich das Gefühl, viele Menschen mit meiner Musik im Herzen berühren zu können, was mir eine große Freude bereitet.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Ich würde mich für die Epoche Barock entscheiden, denn dies ist eine Epoche der Harmonie und Ordnung, Pracht, aber auch der Widersprüche. Es ist eine Vielfalt und deshalt gefällt es mir.

Miroslaw Tybora

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Zur Musik bin ich tatsächlich durch ein gemeinsames Spiel und Musizieren bei einer Kirchengemeinde in meiner Heimatstadt in Schlochau in Polen/Pommern gekommen. Zusammen mit meinen Freunden haben wir noch als Kinder und Jugendliche bei den Gottesdiensten musikalisch begleitet. Ich war damals 8, oder 9 Jahre alt.

 

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es ist heute schwierig zu sagen. Da ich nicht von Musikerfamilie stamme, waren das wahrscheinlich meine Lehrer und meine Freunde, mit denen ich zusammen musiziert habe. Da ich mich in verschieden Musik Genres gerne bewege, waren das ziemlich viele Menschen. Doch auf eine ganz schreckliche und peinliche Situation kann ich mich gut erinnern. Ich habe vor mehreren Jahren mit Freunden bei einem Gipsy Swing Festival in Wilhelmshaven gespielt. Natürlich waren dort auch die meistens angesagten und bekannten „Zigeuner“. An einem Abend habe ich die peinliche Frage gestellt, die ich nie vergessen werde: „wer war eigentlich der „Django“ Reinhardt“? Hmm…

 

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ich komme aus Polen, d.h. aus einem Land, wo man die Menschen fast nicht fragen muss, „glaubst du an Gott“? In so einem Land ganz normal ist, dass man in die Kirche geht. Dazu als Junge war ich Messdiener… Musikalisch habe ich immer gerne in den Kirchen gespielt. Die Akustik ist oft da genial, als Musiker genießt man das. Bei Cella Sankt Benedikt das besondere ist die große Offenheit auf und für einen einzelnen Menschen, die Wahrnehmung des Individuums.

 

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Wir haben viele Überlieferungen, Dokumente und Nachweise von vergangenen Epochen. Nicht viel wissen wir was genau vor dem X Jahrhundert geschehen ist. Ganz wenig können wir uns vorstellen, wie die Musik in der Zeit am Anfang der neuen christlichen Ära, in der so benannten „Anno Nostrae Salutis“ Zeit aussah. Ich glaube an Gott, auch an Christus, als eine historische Persönlichkeit. Interessant wäre es zu erfahren, welche Töne hat Er damals gehört…

 

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann

Als ich vor einigen Jahren an einem Seminar teilnahm, kam es zu einem für mich wichtigen Dialog zwischen einer Teilnehmerin und der Kursleiterin. Bei diesem spirituellen Seminar ging es unter anderem auch darum, wie man sich emotional gut schützen kann, man könnte auch fragen: Wie ich inneren Frieden finden kann. Das war für viele ein sehr wichtiges Thema und auch mich interessierte das sehr. Wer macht nicht immer wieder die Erfahrung, dass andere Menschen in einem viel Wut und Missgunst auslösen, dass Menschen eine Atmosphäre aufbauen, die unangenehm und teilweise sogar aggressiv ist. Im Zug, im Wartezimmer bis hin zum ganz privaten Umfeld kann einem das passieren. Und ohne dass man viel dazu tun muss, dringt diese Atmosphäre in unser Inneres und verdunkelt unsere Stimmung, macht uns traurig, lustlos oder selber aggressiv.
Wer mit Menschen arbeitet, wird das besonders gut kennen.
Die Teilnehmerin stellte also genau diese Frage, wie kann man sich am besten emotional schützen. Die Antwort darauf hat mich seither nicht mehr verlassen und ist so lebendig in mir wie damals: „Wenn Du Dir erlaubst alles zu fühlen, dann bist Du am besten geschützt.“
Die Tragweite dieser Antwort ist mir ehrlich gesagt erst in den letzten Jahren wirklich bewusst geworden.
Mein erster Impuls war noch: “Klar bin ich bereit alles zu fühlen, ist ja ohnehin da.” Aber je ehrlicher ich mich der Antwort stellte, umso klarer wurde mir, dass dem nicht so ist.
Die meisten Menschen sind eben nicht bereit, alles zu fühlen, was in ihnen schlummert. Ich auch nicht.

Ersatzgefühle entdecken

Traurigkeit? Wut? Zorn? Niedergeschlagenheit? Missgunst? Neid? Das sind keine Gefühle, die ich gerne habe, sie machen mich lustlos, verdunkeln mein Inneres, holen das Schlechteste in mir zum Vorschein. Diese Gefühle will ich wegwerfen, verdrängen sagen die Psychologen, ich will sie nicht wahrhaben. Was dann passiert, nenne ich Ersatzgefühle. Wenn ich bestimmte Gefühle nicht haben will, dann können dafür andere Gefühle entstehen. das kann Traurigkeit sein oder Aggression.
Viele Menschen werden aggressiv, wenn sie sich eigentlich ohnmächtig fühlen. Andere werden traurig, wenn sie eigentlich enttäuscht sind. Die Ersatzgefühle folgen aus dem Verdrängen des Ursprungsgefühls. Sie sind meistens mit sehr viel Energie gefüllt und führen nicht zu einer fruchtbaren Auseinandersetzung oder zur Klärung von Fragen.
Ganz im Gegenteil, sie bringen Unruhe ins Innere und haben die Neigung, andere zu verletzen, weil sie in gewisser Weise blind sind.
Tatsächlich kann man es beobachten, dass Ersatzgefühle dann verschwinden, wenn man die entsprechende Person, die unsere Wut evoziert hat, direkt in die Augen schaut. Es verschwindet die Aggression, es kommt etwas zum Fließen, vielleicht Tränen – auf alle Fälle wird Energie frei und das eigentliche Gefühl kommt zum Vorschein: der Ursprungsschmerz.
Mir sind diese Erkenntnisse und die Erfahrung aus dem Seminar in Münster sehr wichtig geworden. Seit langer Zeit schon bete ich um Frieden – nicht nur global, sondern in meinem Leben und vor allem in meinem Inneren. Mir ist bewusst, dass Frieden nur möglich ist, wenn ich selber Zeuge und Vermittler dieses Friedens sein kann.
Dann aber gehört es für mich dazu, bereit zu sein, alles zu fühlen. Ich möchte im Frieden mit meinen Gefühlen sein, mit meinen Neigungen, Sehnsüchten und Begierden.
Erst wenn ich bereit bin, alles zu fühlen und auf Ersatzgefühle verzichte, kann ich Frieden finden und weitergeben.
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ACotQBky_u0]

Gefühlen ein Zuhause schenken

Wofür ich die Buddhisten immer wieder bewundere, ist ihre konkrete Art und Hilfestellung. Sie haben eine lange Tradition an Übungen und Hinweisen, die helfen das zu leben, was auch Jesus gelehrt hat. Und dazu gehören der Friede, das Mitgefühl und die Liebe.
Im Buddhismus kann man sich dazu viele wirklich wirksame Übungen zur Hilfe holen.
Auch die Bereitschaft, alles zu fühlen (was niemals heißt, auch alles zu agieren!), ist eine Übung aus einer Richtung des Buddhismus.
Es ist kein leichter Weg. Wenn ich erst mal im Sturm von Wut und Enttäuschung gefangen bin, dauert es oft lange bis ich mir sagen kann: Ich gebe meiner Wut ein Zuhause. Ich gebe meiner Enttäuschung ein Zuhause. Mehr muss gar nicht sein, als dem Gefühl ein schönes Zuhause zu bieten, die Erlaubnis, da sein zu dürfen. Und indem ich mir das sage, schaffe ich nicht nur eine Distanz zum Gefühl ohne die Verbindung zu kappen, sondern öffne einen inneren Raum, da sein zu dürfen, sich zu entfalten, ohne mich zu überfluten. Ich muss diesen Zustand nicht genießen, sondern eher einfach beobachten und wahrnehmen – ganz ohne Bewertung, sei es nun eine positive oder eine negative Bewertung.
Und dann kehrt der Friede ein, indem ich mit mir selber Frieden geschlossen habe. Der innere Friede heißt nicht, nicht mehr wütend zu sein, keinen Neid mehr zu spüren und keine Enttäuschung, es heißt, im Frieden zu sein mit der Wut, mit dem Neid und mit der Enttäuschung – aber sie haben keine Macht mehr über mich, weil ich ihnen ein inneres, körperliches Zuhause gebe, wo sie sein dürfen. Mit dieser Erlaubnis zu sein, begrenze ich zugleich den Raum der Entfaltung und schaffe so auch einen Schutz vor Überflutung.

Frieden in der Welt

Die großen Religionen – unter ihnen das Christentum und auch der Buddhismus – sagen, das was dann übrig bleibt, wenn ich alle Gefühle zulasse, die dann dadurch immer weniger Macht haben und letztlich wieder verschwinden, ist die Liebe. Nicht die leidenschaftliche, stürmische Liebe eines jugendlichen Paares, nicht die reine Emotionalität, sondern die Liebe, die von Gott kommt, die tiefe Verbundenheit, der Zusammenhalt des Seins, die Beziehung des Menschen zum Menschen. Es ist der natürliche Impuls im Menschen, der Wirklichkeit wird, wenn wir bereit sind uns allem zu stellen.
Entscheidend ist es, dass wir diesen Raum öffnen, in dem die Gefühle zu Gast sein dürfen, so wie sie sind. Ohne zu belehren, ohne zu maßregeln, sondern einfach sein lassen.
Wir leben in einer unfriedlichen Welt – die Welt war immer irgendwie unfriedlich – höchstens ein paar Jahre gab es, wo weniger Unfrieden da war. Aber schon brauten sich dunkle Gewitterwolken am Himmel und neue Kriege, Unruhen und Terrorismus breiteten sich aus.
Vielleicht haben wir in den letzten dreißig oder sogar vierzig Jahren in dem Glauben gelebt, alles würde sich immer mehr zum Besseren entwickeln, Fortschritt, mehr Freiheit und der Rest würde schon sehen, wohin Unfreiheit, Versklavung, Populismus und Ausgrenzung führen.
Aber die Welt entwickelt sich nicht linear. Technisch geht es immer weiter – aber wer kann schon sagen, dass das immer wirklichen Fortschritt bedeutet?
Wer in dieser Welt nicht gerade an den Schalthebeln steht, der kann sich fragen, was er denn tun kann, damit mehr Frieden in diese Welt kommt.
Ich finde die Antwort liegt auf der Hand: sei selber jemand, der Frieden schenkt, indem er selber Frieden gefunden hat. Daher lautet dir Frage auch nicht, wie ich Frieden in die Welt bringen kann, sondern: Wie ich inneren Frieden finden kann

Schmerz zulassen

Dazu kann auch gehören, auch dem Leid und dem Schmerz Raum zu geben und zu erlauben, da zu sein, Gastgeber für diese emotionale Seite des Lebens zu sein. Das würde dann zu Jesu Wort passen: „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“
Damit ist in letzter Konsequenz gemeint, dass unsere Liebe nicht davon abhängen soll, ob ich im Schmerz bin oder nicht.
Und um es gleich zu sagen: das ist keine moralische Forderung, als könnte ich das schon und als müsste man das nur streng genug verlangen und schon gelingt es. Es ist ein Weg, für den ich mich entscheiden darf. Was auch immer ich tue, es ist meine Entscheidung und niemand hat das Recht, darüber zu urteilen.
Aber wenn ich es tue, dann kann etwas Geschehen.
Friede, der ausstrahlt.

Cella Schattenbild Klosterherbst

Klosterherbst – Eine Nachlese

Vom 20. September bis zum 06. Oktober 2019 haben wir in der Cella das Festival der klösterlichen Lebenskultur gefeiert: 17 Tage gefüllt mit den unterschiedlichsten Angeboten rund um das Thema der klösterlichen Lebenskultur.

Bereits in der Ankündigungsphase hatte ich mich entschieden, an allen Veranstaltungen und Angeboten des Klosterherbstes teilzunehmen, was auch tatsächlich bis auf einen Termin geklappt hat: An der Kirchführung konnte ich auf Grund der Terminüberschneidung an diesem Tag nicht teilnehmen. Ein Trost: Da die Cella seit 15 Jahren „mein“ Kirch- und Gebetsort ist, sind mir der Raum und seine Gestaltung nicht fremd.

Ein bunter Herbstwald

Als ich die Entscheidung traf, den kompletten Klosterherbst zu buchen, ahnte ich nicht, dass auf mich eine sehr intensive Zeit zukommt: Im Rückblick waren es Exerzitien im Alltag, die das Spektrum eines bunten Herbstwaldes hatten: von unterschiedlichster Musik über gutes Essen zum kontemplativen Handauflegen, von Stundengebet über eine japanische Teezeremonie zur Spiritualität einer hannoverschen Buslinie, vom Überdenken des eigenen Bewusstseins über urbane Mystik zum Kloster im eigenen Leben – Körper, Geist und Seele wurden in hohem Maße gefordert und bedient über alle Sinne. So abwechslungsreich wie die Inhalte waren auch die Medien und Formen: vom klassischen Stundengebet über die Feier des Gottesdienstes bis hin zum Beobachten eines ungewohnten Rituals; vom Vortrag über den Onlinekongress bis hin zum Workshop und eigenem Erleben in der Stadt.

Begegnung mit den heilenden Klängen

Eröffnet wurde der Klosterherbst am Freitag „im Klang der Stille“ mit Gregorianik, früher vokaler Mehrstimmigkeit sowie mittelalterlicher und moderner Harfenmusik: ankommen, den Alltag hinter sich lassen und der Stile lauschen – ein gelungener Einstieg. Passend dazu gab es am nächsten Tag einen Workshop zu den heilenden Klängen der Mönche: Das Einschwingen in den Atemrhythmus der gesungenen Psalmen will geübt sein und wirkt sich tatsächlich auf dem Körper aus. Am Sonntag wurde dann der Geist gefordert: 12 Bewusstseinsebenen auf dem Weg zu Gott wollten rational erfasst und dann in einer Imaginationsübung auf das eigene Leben übertragen werden: ein interessanter und herausfordernder Workshop.

Nach zwei Tagen Pause, um das Erlebte und Erfahrene sacken zu lassen, folgte ein Vortrag über Urbane Mystiker. Dahinter steckte die Frage, wie jeder einzelne Mensch in seiner je eigenen Lebenslage und Umgebung mönchisch leben kann. Die Antwort war in diesem Fall eine sehr persönliche, von der eigenen Lebenssituation stark geprägte. An viele Punkte konnte ich leicht andocken, weil sie sich mit meinem Weg kreuzten. So habe ich mehr Klarheit finden können, was für mich stimmt und was eben auch nicht.

Speisen bei den Mönchen

Am Donnerstagabend wurde die Cella kulinarisch. Zusammen mit Manufactum konnten wir ein wahres Festmahl genießen: Empfangen wurden wir mit Häppchen und Sekt, wobei die Häppchen bereits ein mehr als ausreichendes Abendessen darstellten. Danach ging es dann eine Etage höher ins Refektorium der Cella, wo es Maultaschen mit einem leckeren Gratin als Hauptspeise gab, dazu natürlich Klosterwein, und auch ein leckerer Nachtisch fehlte nicht. Die zwischen den Gängen erzählten Begebenheiten rund um die Klosterküche dienten nicht ausschließlich der Spiritualität, die etwas längere Pause vor dem nächsten Gang tat auch dem Körper gut. Ein gelungenes und großzügiges Mahl einfach mal so mitten in der Woche.

Der Höhepunkt als musikalischer Genuss

Am Samstag stand dann der Höhepunkt des Festivals auf dem Programm: Die Uraufführung der Auftragskomposition für die Hauskirche der Cella „ascendo -> sin(p)“ von Franz Danksagmüller. Für mich als Musikerin war es besonders spannend, eine Uraufführung zu erleben, bei der ich auch noch mitwirken durfte, indem ich auf ein akustisches Zeichen hin eine Audiodatei über mein Smartphone starten sollte und so mit anderen einen Klangteppich aus Sinustönen erzeugt habe. Beeindruckend war, wie diese Musik in den mir so vertrauten Raum passte. Auch die anderen Werke, die das Vokalensemble vortrug, waren ein musikalischer Genuss.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Körpers: ein Workshop zum kontemplativen Handauflegen. Diese Form der Begegnung war für mich eher ungewohnt, weil mein beruflicher Alltag sehr von der Prävention geprägt ist und von daher körperliche Berührung nicht möglich ist. Der Workshop hat die Körperwahrnehmung gestärkt.

Vertrautes und Fremdes

Nach weiteren zwei Tagen Pause folgte ein sehr munterer und anregender Vortrag mit dem Thema „Das Kloster im eigenen Leben entdecken“, der sehr schön zeigte, wie nah unsere Lebensformen beieinander liegen und wie viel wir immer wieder voneinander lernen können. Der Referent, ein niederländischer Benediktiner, beendete seinen Vortrag mit dem Lied „Blowing in the Wind“, das alle auswendig sangen und er selbst auf der Mundharmonika begleitete – und schon fühlte ich mich zurückgesetzt in Jugendzeiten…

Ganz anders war dann die Vorführung der japanischen Teezeremonie, der ich am nächsten Tag beiwohnen durfte. Wie ich gelernt habe, ist das eine Meditation in Bewegung. Und genau das hat mich ziemlich herausgefordert: Die unendliche Langsamkeit und Bedachtheit der Bewegungen – um dann für mich zu der Erkenntnis zu kommen, so viel anders als unsere katholische Eucharistiefeier ist das nun auch wieder nicht, mit dem Unterschied, dass mir die eine Form vertraut und die andere fremd ist.

Die Stadt als spiritueller Ort

Am vorletzten Tag des Klosterherbstes ging es mit dem 121er Bus auf die Suche nach der Spiritualität in der Stadt. Für mich war das besonders, weil diese Route meinen täglichen Weg zur Schule mit einschloss, den ich sonst eher nicht spirituell wahrnehme.

Am Abend war das Abschlusskonzert mit dem weiterführenden Titel „Der unendliche Durst nach Glück“ – Texte von Ernesto Cardenal wurden umrahmt von schöner Blockflötenmusik.

Und – wie nach jedem Konzert und Vortrag und den Gottesdiensten am Sonntagabend – rundeten viele gute und interessante Begegnungen mit bekannten und unbekannten Menschen bei einem Glas Wein und Brot den Abend ab.

Der Gottesdienst am Sonntagabend beschloss den Klosterherbst und spannte einen musikalischen Bogen von der Harfe des Eröffnungskonzertes zur Blockflöte des Abschlusskonzertes.

Fazit: Zwei Wochen, die ich genossen habe

Es waren 17 Tage, in denen viel bewegt wurde und die Vieles bewegt haben. Zum Glück waren nach diesen Tagen die Herbstferien, so dass der Klosterherbst noch weiter wirken konnte und ich die ein oder andere Anregung in die Tat umsetzen konnte, sei es im Außen oder im Inneren. Meine Entscheidung, den gesamten Klosterherbst mitzumachen, habe ich nicht bereut, sondern in vollen Zügen genossen, und so kann ich jetzt nur danke sagen für das, was die kleine Gemeinschaft der Cella auf die Beine gestellt hat.

Hoffentlich ist es wie im Jahreskreis: Jetzt folgen Winter, Frühling und Sommer – und dann gibt es wieder (einmal) einen (Kloster-)Herbst.

Autorin:
Erdmuthe Lüttig

Chaffle – ein neues Rezept

Chaffle? Ich sehe schon Dein Gesicht und dieser fragende Ausdruck in Deinen Augen. Was um alles in der Welt ist Chaffle? Wieder so ein Modetrend aus den USA? Ich muss zugeben: Ja, das ist es.
Ich habe Chaffle erst am Freitag kennengelernt und fand das Rezept zufällig auf einer Webseite in einem aktuellen Post. Und da traf es mich wie ein Blitz. Ich bin ja ein Freund einfacher Rezepte und Chaffle ist – ehrlich gesagt – mehr als einfach, geradezu simpel. Und so habe ich mich am Samstag aufgemacht und habe meine erste Chaffle produziert und war wirklich begeistert.
Es gibt in deutschsprachigen Internet übrigens noch nicht so viel zu diesem Trend, aber das wird kommen.

Was ist eine Chaffle?

Eine Chaffle ist eine Waffel aus Käse und Ei und setzt sich demzufolge aus den Worten Chees und Waffle zusammen. Sie ist hervorragend geeignet für alle, die sich low carb ernähren wollen, denn hier spielen Kohlenhydrate wirklich keine Rolle und das merkt man auch. Wer eine Chaffle isst, wir davon satt, aber nicht pappsatt, weil eben Kohlenhydrate kaum enthalten sind.

Wie stellt man eine Chaffle her?

Nun, die Zutaten kennst du schon:
ca. 100 gr. geriebener Käse
1 Ei

Beides in einer kleinen Schüssel vermengen und in einem Waffeleisen ausbacken. Bei mir hat es ca. 5 Minuten pro Waffel gedauert, bis die Chaffle (man könnte auch Käsewaffel sagen) fertig war. Sie soll am Ende knusprig sein und braucht daher ihre Zeit. Wer es gerne weicher hat, backt kürzer oder nimmt ein Ei mehr.

Und was kann man damit machen?

Die Chaffle kannst Du zu jedem Essen reichen, bei dem es ein Sauce gibt. Aber sie schmeckt auch ganz ohne Beilage oder mit Kräuterquark oder einfach zu einem Salat. Die Möglichkeiten sind viele.
Ich bin ja ein großer Freund von herzhaften Waffeln, es ist einfach eine andere Möglichkeit und sieht auf dem Teller auch gut aus. Daher kann ich nur sagen: Unbedingt ausprobieren!
Was ich noch nicht probiert habe ist die Möglichkeit, die Chaffle in einer beschichteten Pfanne zu braten. Das soll auch gehen, die Pfanne muss aber beschichtet sein.
Guten Appetit!

Impuls am Sonntag: Uta Kronshage

Uta Kronshage

Psychotherapeutin



Alter

54 Jahre

Beruf
Psychotherapeutin mit eigener Praxis mit dem Schwerpunkt der Behandlung von Menschen mit chronischen Schmerzen

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Mit dem Wort selbst kann ich gar nicht so viel anfangen. Ich erlebe mich in einer tiefen, innigen Beziehung zu einer Kraft, die mich bedingungslos liebt und die mich hält und trägt, im Alltag ebenso wie in schwierigen Zeiten, wenn ich selbst nicht weiter weiß.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?
Matthäus 6,33: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch (das) alles zufallen.“ Dieser Satz hilft mir in jeder Lebenssituation. Für mich bedeutet das, dass ich mich immer frage: Was würde die Liebe jetzt tun? Ist das, was ich tue, wie ich entscheide und handle, liebevoll und gütig? Das gibt mir eine klare Richtschnur im Alltag. Wenn ich mich danach ausrichte, dann empfinde ich Vertrauen, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass Gott mich auf diesem Weg mit seiner ungeheuren und wunderbaren Kraft unterstützt. Und dass er, wenn es sein muss, Hindernisse aus dem Weg räumt, die für mich zu groß sind. Natürlich gelingt mir das nicht immer, aber ich kann immer wieder zu dieser Maxime zurück kehren, wenn ich mich verloren habe.


Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?

Ich bin in meinem Leben von unendlich vielen Büchern reich beschenkt worden, sie waren mir Freunde, Wegbegleiter, Leitsterne. Ein einzelnes heraus zu greifen, ist mir deshalb kaum möglich. Das Buch mit der größten Kraft, auch wenn ich vieles darin nach wie vor nicht verstehe, ist für mich die Bibel, insbesondere das neue Testament. Die psychologische Weisheit, unerschütterliche Lebensenergie und Weltbejahung von Jesus Christus, die sich darin zeigt, wird meiner Erfahrung nach von keinem anderen Buch der Welt erreicht.

Licht ist Leben

Viele Menschen sind in den letzten Tagen ein bisschen müder und schlapp, anders als noch vor wenigen Wochen. Und die Ursache dafür ist zumindest in der Meinung der meisten Menschen relativ klar: das graue Wetter. Tatsächlich bekommt unser Körper im Winter deutlich weniger Licht als im Sommer. Und unser Organismus reagiert sehr stark auf die Menge an Licht, die an unsere Augen und auf unserer Haut kommt.

Aus der Praxis sind mir die gleichartigen Reaktionen meiner Patienten wohl vertraut. Da kann es passieren, dass an einem Tag nahezu jeder Patient, der zu mir kommt, berichtet, dass er sich gerade müde und erschöpft fühlt. Und während ich es in jüngeren Jahren eher belächelt habe, wenn Menschen ihre Stimmung vorrangig mit dem Wetter erklären, kann ich dem mittlerweile immer mehr abgewinnen. Schon seit vielen Jahren kann die medizinische Forschung genau nachweisen, wie ein fallendes Licht auf die Hormonsteuerung unseres Körpers wirkt.

Licht schafft Rhythmus

Alles Leben auf der Erde ist räumlich, aber auch zeitlich organisiert und viele Vorgänge laufen rhythmisch ab. Zwei zentrale Rhythmen für jeden Organismus sind dabei der Tagesrhythmus, also die 24 Stunden, in denen sich die Erde einmal um ihre eigene Achse dreht, und die 365 Tage, in denen sich die Erde um die Sonne bewegt. So passen zum Beispiel viele Pflanzen ihre Überlebensstrategie an Tag und Nacht an. Sie öffnen ihre Blüten mit dem ersten Sonnenlicht. Dadurch wird ihr Nektar für Insekten erreichbar, die wiederum ihre Sammelflüge an den Rhythmus der Pflanzen anpassen und sie bestäuben. So sichern sie ihren eigenen Fortbestand und zugleich den der Pflanze. Das Beispiel zeigt, dass Organismen im Laufe der Entwicklung ihre innere Uhr immer wieder biologisch sinnvoll an äußere Rhythmen anpassen mussten. Diese Fähigkeit hat sich evolutionsbiologisch als Vorteil herausgestellt. Auch der Mensch hat ein genetisch verinnerlichtes Wissen über Zeiträume entwickelt.

So funktioniert zum Beispiel unser Körper nachts ganz anders als tagsüber. Zellen und Organe haben einen festen Rhythmus für viele Abläufe. Kurz vor dem Aufwachen steigen zum Beispiel die Körpertemperatur und der Blutdruck. Einige Zeit später produziert der Körper stimulierende Hormone. Denksportaufgaben und Gedächtnisleistungen können bei den meisten Menschen also am Vormittag zwischen [10:00] Uhr  und [12:00] Uhr am besten bewältigt werden. Zwischen [12:00] Uhr und [14:00] Uhr arbeitet die Magengegend am intensivsten, jetzt kann das Mittagessen gut verdaut werden, für den restlichen Körper steht allerdings nicht zu viel Energie zur Verfügung. Und so lässt sich der Ablauf über die ganzen 24 Stunden und über 365 Tage auch noch in viel größerer Differenzierung beschreiben. Immer reagiert der Körper auf das Licht und hat gelernt, aus dem Licht seinen Rhythmus zu bilden.

Sehnsucht nach Licht

Daran musste ich auch bei der Aufführung der Auftragskomposition „ascenso sin(π)“ in unserer Hauskirche denken: „Emitte lucem tuam“. „Sende Dein Licht aus,“ diese Bitte wurde viele Male wiederholt, bis sie am Ende in der Stille ausklang. Auch zu Zeiten, als die Menschheit weit entfernt von unseren heutigen medizinischen Möglichkeiten war, wurde Christus als die Sonne des Heils gefeiert: Christus als ein Licht, das dem Körper, also unserem menschlichen Leben Rhythmus und Orientierung gibt. Auch schon vor 2000 Jahren war den Menschen bewusst, welche Bedeutung das Licht auf den Körper hat und wie wichtig es für den Menschen ist, im Licht zu sein.

Komm ins Licht…

Gerade in diesen Tagen, wo das natürliche Licht weniger wird, ist es also wichtig, den Körper ins Licht zu bringen. Längst hat sich eine ganz eigene Industrie entwickelt, die von einer biologischen Lichtplanung für Gebäude und Arbeitsplätze ausgeht; es gibt Cronomediziner, die optimale Beleuchtungen für den Rhythmus unseres Körpers berechnen und untersuchen können. Aber das meiste Wissen zum Thema Licht ist in unseren Genen längst vorhanden. Dem Winterblues – oder auch dem SAD (Seasonal Affective Disorder), wie es die Mediziner benennen, können wir vergleichsweise leicht  entkommen. Spüre einfach in Deinen Körper hinein, wann Du mehr Licht brauchst. Gerade im Herbst und im Winter ist es wichtig, in den Zeiten, in denen es hell ist, wirklich ins Freie ans Licht zu gehen. Und manchmal ist es wichtig, neben allem Energiesparen, auch ein Licht mehr anzumachen.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir mit den kürzeren Tagen und dem weniger werdenden Licht ergeht.