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Impuls am Sonntag: Charlotte Jarosch von Schweder

Charlotte Jarosch von Schweder

Alter
36 Jahre

Beruf
Veranstaltungskoordinatorin für das Jubiläum 300 Jahre St.Clemens Basilika und freischaffende Sopranistin
Was bedeutet Ihnen Glaube?
Glaube ist für mich eine feste Zuversicht, Vertrauen, Halt und Antrieb.Zuversicht darin, dass es eine Macht geben muss, die alles erklären kann, was wir Menschen nicht erklären können. Vertrauen an´die Nächstenliebe, die es uns möglich macht, die die im Dunkeln sind zu sehen und ins Licht zu holen.Halt darin, dass hoffen und nicht zweifeln mich im gegenwärtigen Leben voran bringt und ich so auch für andere ein Antrieb sein kann.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?
Was immer du tun kannst oder erträumst zu können, beginne es. (Johann Wolfgang von Goethe)

Welches Buch hat Sie warum am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
Das Buch MOMO von Michael Ende war mir schon als Kind, ist mir aber immer noch, auch im Alltag Inspiration bzw. Lehre. Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurück brachte, hat mich so geprägt, dass der Satz : Ich habe keine Zeit! mir nicht über die Lippen geht. Zeit gibt es nicht zu wenig, da ist soviel Zeit, die wir nur nicht nutzen.

Trauer

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

Das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja findet sich so nicht in der Einheitsübersetzung, wohl aber in der Lutherbibel. Es passt, so denke ich, sehr gut als Motto für den Monat November, der dem Totengedenken gewidmet ist.

In der Liturgie der katholischen Kirche stehen mit Allerheiligen und Allerseelen zwei Gedenktage am Beginn des Monats, die an unsere Toten erinnern. In der evangelischen Kirche ist es vor allem der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt und am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen wird.

Danklied des Hiskija

Hiskija hat von etwa 750 bis 796 v.Chr. gelebt und war 29 Jahre lang König von Juda. Als ihn eine lebensbedrohende Krankheit befiel, wurde er durch die Vermittlung des Propheten Jesaja geheilt. Nach seiner Genesung, dankte er Jahwe für seine Gesundheit mit einem Lied:

„Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Ich darf den HERRN nicht mehr schauen im Land der Lebenden, keinen Menschen mehr sehen bei den Bewohnern der Erde. Meine Hütte bricht man ab, man deckt sie über mir ab wie das Zelt eines Hirten. Wie ein Weber das Tuch habe ich mein Leben zusammengerollt, vom Faden schneidet er mich ab; vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis. Ich schrie bis zum Morgen. Wie ein Löwe zerbricht er all meine Knochen. Vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis. Wie ein Mauersegler, wie eine Schwalbe, so piepse ich, ich gurre wie eine Taube. Meine Augen blicken ermattet nach oben: Ich bin in Not, Herr. Tritt für mich ein! Was soll ich reden und was wird er zu mir sagen? Er selbst hat es doch getan! Ich irre umher all meine Jahre wegen der Bitternis meiner Seele. Herr, dadurch lebt man und darin liegt das ganze Leben meines Geistes, dass du mich stärkst. Gib mir das Leben! Siehe, zum Heil war mir Bitteres, Bitteres. Du, du aber hast dich nach meiner Seele gesehnt – weg von der Gruft des Nichts. Denn du hast hinter deinen Rücken geworfen alle meine Sünden. Ja, die Unterwelt dankt dir nicht, der Tod lobt dich nicht. Die in die Grube hinabgestiegen sind, hoffen nicht mehr auf deine Treue. Der Lebende, der Lebende, er ist es, der dir dankt, wie ich am heutigen Tag. Ein Vater lässt die Kinder deine Treue erkennen. Der HERR ist da, um mich zu retten. Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!“ (Jes 38,10-20)

Dieses Lied enthält einige Zitate aus dem Buch der Psalmen, die wir heute noch beim Totengedenken singen.

Hoffnung über den Tod hinaus

Hiskija sagte noch, dass die Unterwelt Gott nicht danke, die Toten nicht mehr der Treue Gottes erlebten, sondern nur der Lebende Gott danke.

Die Botschaft des Jesus von Nazareth sieht da anders aus; denn seit seiner Auferstehung wissen wir, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern ein neues, für uns jetzt noch unvorstellbares Leben beginnt.

Dies ist selbst den Jünger*innen, die dem Auferstandenen begegnet sind, zu glauben schwer gefallen. Sie brauchten dafür Zeit – und viel Überzeugungskraft des Auferstandenen…

Aber dank ihres Zeugnisses wissen auch wir, dass dieser Jesus lebt (vgl. Lk 24,23 u.a.).

„Siehe, um Trost war mir so bange“

Natürlich trauern wir, wenn ein uns nahestehender Mensch, gestorben ist! Und natürlich brauchen wir dann auch Trost! Aber als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass unser irdisches Leben zwar ein Ende hat, dass es aber eine Fortsetzung in dem, was wir Himmel nennen, gibt. Das, so denke ich, hat allein schon etwas Tröstliches.

Wenn Du magst, schreibe doch, wie Du mit Trauer und Trost umgehst…

Niemand ist vergessen

Wir laden ein zu einem gemeinsamen Gedenken an die Verstorbenen,
die uns nahe waren,
an die niemand mehr denkt,
die wir vermissen und die uns Gutes getan haben.

Innerhalb dieser Feier werden die Namen der Toten, die uns bis dahin genannt worden sind in die Nacht hinein gesungen – so erklingen ihre Namen noch einmal und werden so gewürdigt.

Vigilfeier für unsere Verstorbenen
24.11.2018
20.00 Uhr

Wenn Du uns Namen von Verstorbenen nennen möchtest, die an diesem Abend gesungen werden sollen, dann kannst Du sie uns über dieses Formular zusenden. Es wäre natürlich schön, wenn Du dann an dem Gebet auch teilnehmen kannst:

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Namen der Verstorbenen:

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Unsere Musiker am Sonntag: Vocalensemble „Tu Solus“

  • Wie hat sich Euer Ensemble gegründet? Was hat Euch dazu bewogen?

Das ensemble tu solus ist aus dem „Harten Kern“ des Martinschors Beedenbostel, eines Dorfkirchenchors in der Südheide, hervorgegangen. Einige Jahre lang sind immer dieselben Sänger der Chorleiterin nach den Chorproben nach Hause gefolgt und haben dort weitergesungen; bei den ersten Auftritten als Vokalensemble nannte sich das Ensemble deshalb noch „der Harte Kern“. Später wählten sie den Namen ihres Lieblingsstücks, „tu solus“ von Josquin des Prez, als Ensemblenamen.

  •  Was ist Euer spezieller Style/Eure Besonderheit, worauf legt Ihr besonderen Wert?

Das ensemble tu solus ist auf Alte Musik spezialisiert, sie profitieren hierbei vor allem von der Berufserfahrung ihres Ensemblemitglieds Martin Praetorius, der ein entfernter Nachfahre des Komponisten Michael Praetorius und Experte für historische Stimmungen ist. Praetorius kopiert historische Holzblasinstrumente nach Originalinstrumenten und kennt die Musikrichtung, die auf ihnen gespielt wird. Das ensemble tu solus liebt Orte mit besonderer Akustik. Es ist unter anderem in der mittelalterlichen jüdischen Mikwe in Friedberg aufgetreten, einem riesigen unterirdischen Gewölbe mit mitschwingende Wasseroberfläche, in einer Bahnhofsunterführung in Stendal, aber auch in der ovalen, ja gewissermaßen eiförmigen barocken Kirche „San Antonio de los Alemanes“ in Madrid.

Die Tageszeitung – Anleitung zur spirituellen Lektüre

Die Tageszeitung – Anleitung zur spirituellen Lektüre

Es gehört seit langem zu meinem persönlichen Credo: Wer dem Profanen nichts Spirituelles abgewinnen kann, der hat Spiritualität gründlich missverstanden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, dass es die Trennung von spirituellen und weltlichen Räumen nicht gibt und Gott alles mit seiner Präsenz durchdringt und überall gegenwärtig ist, dann kann ich alles als spirituellen Ort erfahren und für mich nutzen.
Deshalb war es auch folgerichtig, dass in unserem ehemaligen Kuhstall in der Abtei ein Kreuz hing – nicht anders als in einer Kapelle, im Speisesaal der Mönche oder auf den Zimmern. Es war zwar reichlich mit Spinnweben behangen, das machte das Kreuz aber viel echter und stimmiger.
Wenn dem also so ist, dann muss es doch auch möglich sein, die Tageszeitung spirituell zu nutzen. In vielen Büchern kann man zwar nachlesen, dass gerade bei der Lektüre der Tageszeitung Vorsicht geboten ist. Ich meine aber: Wer die Tageszeitung nicht als spirituelle Lektüre lesen kann, braucht auch die Bibel nicht aufzuschlagen.
Dabei muss ich zugeben, dass ich immer wieder Phasen habe, in denen ich nur mit Widerwillen die Zeitung am Morgen aufschlage. Nicht selten lasse ich es dann ganz. Die Entwicklung der Politik, der Gesellschaft sowie der Kirche insgesamt in den letzten Jahren macht mir keine Freude und nur wenig Hoffnung. Umso wichtiger auch für mich, die Tageszeitung neu zu sehen und für mich zu nutzen.

Katastrophen und Schicksale

Das ist es ja, was mich vom Zeitunglesen abhält. Die dauernde Konfrontation mit den Krisen in der Welt. Doch ich muss mir zugleich eine Frage stellen: Will ich in einem Elfenbeinturm leben, dort, wo alles nett und lieb ist, wo ich mich sicher fühle und niemand mir etwas anhaben kann?
Die Tageszeitung konfrontiert mich mit dem Leben, mit Tod, Leid, Intrige, Ungerechtigkeit, Rechtlosigkeit. Es gilt, nicht die Augen davor zu verschließen und zugleich ist es wichtig, sich nicht damit so zu verbinden, dass ich darunter leide. Mut zur Nähe und Kraft zur Distanz empfahl uns unser Dozent während meines Studiums im Fach Methodik und Didaktik der Sozialpädagogik und meinte damit, dass es wichtig ist, Menschen in ihrem Leid Nahe zu sein und zugleich immer wieder die Distanz zu suchen, um darin nicht unterzugehen, sondern den weiten Blick zu behalten. Und das gilt meines Erachtens auch für das Lesen der Tageszeitung.

Ich bin der Welt, deren Teil ich ja bin, nahe, ohne darin aufzugehen. So lese ich über all die Katastrophen, dramatischen Entwicklungen und Schicksale.
Und durch die Distanz kann ich beginnen, für all das zu beten, es mit in die Meditation zu nehmen, eine Kerze anzuzünden (und sei es nur in Gedanken) und still zu bitten:
Mögen die Menschen tiefen Frieden finden.

Natur und Wetter

Ach ja, das Wetter. Ein schönes Thema, nicht wahr? Morgens zu schauen, wie das Wetter wird – heute und an den Folgetagen. Aber auch die Nachrichten über den Klimawandel, über Umweltzerstörung und Tierquälerei gehören zur Berichterstattung dazu.
Wir leben nicht auf einer Insel und wir müssen endlich verstehen, dass Natur ein spirituelles Thema ist, nicht nur etwas für bischöfliche Arbeitshilfe, sondern es muss ein Teil unseres spirituellen Lebens werden.
Wir stammen alle aus der gleichen Quelle und kehren alle wieder ein ins gleiche Ziel.
Diese tiefe Verwandtschaft von allem, was lebt, sollte uns demütig machen und uns erkennen lassen, dass wir aus dem gleichen Holz geschnitzt sind wie alles andere.

Die Tageszeitung kann uns täglich genau daran erinnern: Das tägliche Wetter ist nicht nur Information für die Entscheidung, was ich anziehe. Es ist Botschaft, Erinnerung und zeigt uns auf sehr einfache Art auf, wie großartig und differenziert sich alles entwickelt und gedacht ist.

Leben und Tod

Ich bin niemand, der die Todesanzeigen liest – zumal ich zu wenige Menschen in Hannover kenne, dass ich dabei einmal auf jemanden stoße, den ich kenne. Aber auch zu der Zeit als ich in Meschede lebte, habe ich die Todesanzeigen nicht gelesen, obwohl ich zu der Zeit viele Menschen dort kannte. Aber damals wusste ich auch noch nichts von der spirituellen Lektüre der Tageszeitung. Spiritualität muss immer einen Bezug zur Existenz des Menschen haben und dazu zählen vor allem Geburt und Tod. Das sind die Grundpfeiler unserer Existenz. Das Leben ist ein ständiger Neuanfang, ein Beginn, ein Werden und Geborenwerden und zugleich ist das Leben ein Sterben, ein Vergehen, ein Loslassen und abgeben. Beides passiert immer zur gleichen Zeit, an jedem Augenblick unseres Lebens.
Lies die Todesanzeigen, auch wenn Du niemanden kennst, spüre nach, was der Tod dieses Menschen für die Angehörigen bedeuten mag, welches Schicksal sich hinter dieser Anzeige verbirgt – wer zwischen den Zeilen lesen kann, bekommt schnell eine Ahnung davon.
Und lies die Geburtsanzeigen, spüre das Glück der Eltern, die Hoffnung, die ein Kind für diese Gesellschaft bedeutet.
Und zum Schluss versuche, beides in Dein Herz zu nehmen, beides parallel wahrzunehmen, zu würdigen und als gleichwertigen Vollzug des Lebens zu achten. Dazu kannst Du eine Todes- und eine Geburtsanzeige ausschneiden und vor Dir auf den Tisch legen. Dann lege die eine Hand auf die Todesanzeige und die andere Hand auf die Geburtsanzeige. Du kannst so leichter beides zusammen wahrnehmen als die Grundpfeiler allen Lebens und Dich damit verbinden.

Eine solche Übung kann Dir viel Kraft schenken.

Versuchung und Befreiung

Wenn ich morgens die Zeitung nehme, dann passiert es nicht selten, dass sogleich die ganze Flut der Beilagen herausfällt. Da werden Teppiche angeboten, die neue Kleiderkollektion, Waschmaschinen, Handys, Lebensmittel und vieles mehr. Natürlich ist auch die Zeitung selber mit Reklame gespickt.
Eigentlich ein schöner Anlass für diese kleine Übung:
Nimm eine der Beilagen in die Hand. Blättere sie durch, betrachte das Angebot, die Bilder und Preise. Und wenn du alles studiert hast, dann lege die Beilage vor dich hin und sage dir:
Danke für das Angebot, aber das alles brauche ich (eigentlich) nicht und ich gebe es frei und weg.
So kann jede Beilage zu einem kleinen Ritual des Loslassens und des Freiseins werden.
Denn Mal ehrlich: was brauchen wir schon wirklich?

Grundbewegungen des Lebens

An dieser Stelle mal etwas Grundsätzliches. Die Zeitung ist ein Ort für die Grundbewegungen des Lebens. Über Tod und Leben sprachen wir schon. Wir könnten noch über Schuld und Sühne, Lüge und Wahrheit oder Erfolg und Scheitern sprechen. Die Zeitung ist eine Sammlung von Schicksalen – persönlichen und gesellschaftlichen. Einem Jahr des Glücks folgt ein Jahr der Trauer, der Erfolg wird vom Misserfolg abgelöst, die Lüge weckt die Sehnsucht nach der Wahrheit.
In der Zeitung ist das ganz geballt, parallel, in einem Augenblick, wie in einem Brennglas konzentriert. Hier kannst Du lesen, wie es einem ergehen kann.
Zum Beispiel Frau Merkel, egal, wie Du zu ihr stehst. Sie hatte Erfolge und Niederlagen, die meisten Politikerkarrieren enden mit einer Niederlage. Sie hat Widerspruch erlebt, Zustimmung, Verrat und Ehrungen.
Ein Leben mit sehr großer Dichte. Und alles wurde in den Zeitungen berichtet.
Die Tageszeitung ist der Ort, wo diese Bewegungen des Lebens öffentlich berichtet werden (neben dem Fernsehen und dem Radio).
Wenn Du das Ganze einmal aus Distanz betrachtet, dann spürst Du etwas von der Kraft des Lebens.

Suchen und gefunden werden

Noch eine Rubrik kannst Du spirituell nutzen: Die Anzeigen.
Ich spreche hier vor allem von den Beziehungsanzeigen und den Stellengesuchen.
In beiden wird eine Sehnsucht des Menschen spürbar.
Ich glaube, dass hinter den meisten Beziehungsanzeigen eine Geschichte steht. Eine Geschichte von vielen Versuchen, vom Scheitern, der Sehnsucht nach einem Partner, einer Partnerin und dann dem Schritt in die Zeitung. Da erhofft sich jemand eine schönere Zukunft, ein Leben zu zweit, ein Ende der Einsamkeit, ein Ende des einsamen Lebens zwischen lauter Paaren.

Und da erhofft sich ein Mensch einen Ort und eine Möglichkeit, Geld zu verdienen, sein Leben zu bestreiten, zufriedener zu sein, erfüllter.
Kann man das nicht einer jeden dieser Anzeigen anmerken, kann man es nicht erfühlen? Mit dem Lesen dieses Teils der Tageszeitung kommst Du in Kontakt mit diesen tiefen Sehnsüchten der Menschen, mit Einzelschicksalen und mit Lebensgeschichte.

Schneide Dir eine der Anzeigen aus und nimm sie mit in den Tag. Lass sie einfach in der Hosen- oder Jackentasche, lege sie in deine spirituellen Ecke in deiner Wohnung oder lege sie in das Buch, das du gerade liest.
Achte den einzelnen Menschen dadurch und nimm Anteil an seinem Weg und seinem Schicksal.

Werde kreativ! Dadaismus konkret

Und jetzt? Zeitung durchgelesen?
Jetzt bleibt noch in letzter Schritt. Du kannst dir von der Zeitung ein Gedicht schenken lassen. Und so kommst du vielleicht einer Weisheit näher, die du dort nie vermutet hättest.

Suche dir eine Anzeige aus der Zeitung aus, die einen Text enthält, der nicht länger als zwei Sätze ist.
Schneide die Anzeige aus, schneide dann jedes Wort der Anzeige aus und gib die Wörter in eine Plastiktüte.
Dann schüttelst du die Tüte und mischst so die Wörter.
Danach greifst Du in die Tüte und nimmst ein Wort nach dem anderen heraus, gleich so, wie es dir zwischen die Finger kommt.
Nun klebst Du die Worte in der gleichen Reihenfolge auf ein Blatt Papier.

Was dabei herauskommt, ist ein dadaistisches Gedicht.
Manchmal völlig wirr, quasi sinnfrei und manchmal entdeckst du in dem Gedicht Spuren von Sinn und Bedeutung. Und manchmal lädt dich das Gedicht zum schmunzeln ein.
Genauso, wie das Leben eben manchmal ist.
Und Spiritualität ist Leben pur! Oder?

spirituelle Ökologie

Tagebuch: spirituelle Ökologie

Unser Podcast bekommt eine neue Reihe: Tagebuch.
Nachrichten, Veranstaltungen und anderes wird in seiner spirituellen und geistigen Tiefe betrachtet und gedeutet.

Und wir beginnen mit dem Klimawandel und der spirituellen Ökologie. Dieses Thema kam mir in den Sinn, als ich von der bevorstehenden Weltklimakonferenz erfuhr und dem neuen Klimaschutzbericht. Mir war schnell klar, auf diese große Problem muss es auch eine spirituelle Antwort geben.

 

 

 

Aus der Klosterküche: Apfelchutney

Apfelchutney

In diesem Jahr gibt es besonders viele Äpfel, die zudem auch besonders viel Süße haben.
Wohin mit allem Obst?
Alle selber essen?
Alle zu Apfelsaft verarbeiten?
Apfelmus?
Apfelkuchen?
Apfelchips?
Apfelpfannkuchen?

Wie wäre es einmal mit einem leckeren Apfelchutney? Es passt sehr gut zu einem kräftigen Käse – vielleicht nimmst Du einen Bergkäse dazu. So hast Du schnell eine schöne und einfache Mahlzeit. Und wer möchte, gönnt sich dazu noch ein Glas Weißwein.
Bon Appétit!

Zutaten
1 El Öl
2 EL Apfelessig
2 Zwiebeln
1 kleines Stück Ingwer oder Ingwerpulver
2 El Zucker
3 Äpfel, ca.300 g
1 Tl Salz und etwas Chili

Zubereitung
Zunächst würfelst Du die Zwiebeln und dünstest sie in dem Öl an, bis dass sie glasig werden. Dann kommt der Ingwer und der Zucker hinzu und Du lässt alles zusammen karamellisieren. Abgelöscht wird dann mit dem Apfelessig. Nun kommen die Äpfel, in kleine Scheiben geschnitten hinzu und werden gedünstet.

Nach ca. 10 – 15 Minuten (wenn eine leicht breiige Masse entstanden ist) fügst du noch das Salz und den Chili hinzu und schmeckst alles ab.
Es kann sein, dass noch etwas Zucker fehlt – je nach Geschmack und Apfelsorte.

 

Hildegard Sanner

Impuls am Sonntag: Hildegard Sanner, Referentin kfd

Hildegard Sanner

Alter
60 Jahre

Beruf
Diplom-Pädagogin, Referentin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) im Diözesanverband Hildesheim

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Ohne meinen Glauben an einen Gott, der Frauen nicht nach ihrem Geschlecht beurteilt, sondern allein nach ihrem Glauben, könnte ich meine Arbeit als Referentin der kfd gar nicht mehr ausüben. Ich denke nämlich nicht, dass die Benachteiligung von Frauen in der katholischen Kirche gottgewollt ist. Weil ich an Gerechtigkeit glaube, kann ich trotz Rückschlägen und Enttäuschungen durch die Amtskirche seit fast 30 Jahren an der Seite der Verbandsfrauen für die Gleichstellung von Frauen in der Kirche eintreten. Für mich persönlich versuche ich gerade, mich mit der mütterlichen Seite Gottes anzufreunden. Das ist gar nicht so leicht, wenn man mit einem männlichen Gottesbild aufgewachsen. Aber es ist auch eine sehr schöne Erfahrung.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?
„Es is ja wie es is!“ aus „Frühstück bei Stefanie“ in NDR 2. Dieser Satz hilft mir oft, wenn die Realität mal wieder anders ist als ich sie gerne hätte. Er gibt mir etwas mehr Gelassenheit, mit Humor die Dinge zu akzeptieren, die ich nicht ändern kann.

Welches Buch hat Sie warum am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
Da ich sehr viel lese, fällt es mir schwer, mich auf ein Buch zu beschränken. Aber im Zusammenhang mit meinem Impuls am Sonntag ist es dies: „Muscheln in meiner Hand“ von Anne Morrow Lindbergh (1955). Die Frau des Fliegers Charles Lindbergh beschreibt darin wie wichtig es für jeden Menschen, aber gerade auch für Frauen ist, sich von Zeit zu Zeit zurückzuziehen, um wieder im Einklang mit sich selbst zu sein und Gott begegnen zu können. Ihr Rückzugsort war eine einfache Strandhütte. Als ich das Buch in den 90er Jahren zum ersten Mal gelesen habe, fühlte ich mich sofort verstanden mit meiner Sehnsucht, einen Ort zu haben, an dem ich nur da sein kann und keine Erwartungen erfüllen muss.

Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen

Guten Appetit! Ernten und Essen

Am Sonntag haben wir in unseren Kirchen Erntedank gefeiert. In vielen Gemeinden, auch in einer Großstadt wie Hannover, gibt es oft klare Traditionen und Gewohnheiten für dieses Fest. Teilweise wird der Altar mit verschiedenen Früchten geschmückt und ein besonderer Segen über die Gaben gesprochen. Fast vergessen in all diesem liturgischen „business as usual“ sind die Zeitungsmeldungen, die uns noch vor sechs Wochen beschäftigt haben: Die Bundesregierung sagte den Bauern in dieser Erntesaison eine Nothilfe in Höhe von 340 Millionen Euro wegen der erheblichen Dürreschäden zu und stufte das warme Wetter in diesem Jahr als „Schadensereignis von nationalem Ausmaß“ ein. Die errechnete Schadenssumme soll sogar bei dem doppelten Betrag liegen.

Die Ernte bestimmte, ob ich satt werde

Über viele Jahrhunderte prägt die Ernte eines Jahres auch im Wesentlichen die Speisen, die ich in der nächsten Zeit essen konnte. Früher hätte also eine solche Ernte auch Hunger und Not zur Folge gehabt. Von dieser Erfahrung sind alle biblischen Hinweise zur Ernte geprägt und sicherlich auch unsere Gewohnheiten des Erntedank. Für mich als Großstädter kann ich das kaum noch erleben: In den Supermärkten, beim Obst- und Gemüsehändler auf der Lister Meile oder auf den Stadtteilmärkten nehme ich kaum einen Unterschied in der Angebotspalette war. Vermutlich wird also auch die Ernte dieses Jahres (so schlecht sie auch sein mag) meine Ernährung in den kommenden Monaten kaum verändern. Möglicherweise werden die Ausgaben für Lebensmittel leicht steigen.

Verantwortung für das Wachsen und Gedeihen

Trotzdem ist für mich das Erntedankfest auch immer ein wichtiger Zeitpunkt, nachzudenken über die Speisen, die ich zum Essen habe oder mit denen ich mich ernähre. Anders als Juden und Muslime haben wir Christen von unserem Glauben her keine unreinen und verbotenen Speisen. Wichtig für uns als Christen sind Dankbarkeit und Verantwortung in Bezug auf alle Lebensmittel und alle Nahrung.

Wer selber Obst oder Gemüse anbaut, weiß um die Erfahrungen, dass er nur von Bäumen und Pflanzen ernten kann, die er auch selbst gesät und gepflanzt hat. Mehr noch, er muss sie auch gepflegt und gegossen haben über eine lange Zeit. Bei manchen Bäumen darf ich ernten, was ein anderer vor mir gepflanzt und gepflegt hat. So hatte Ernährung in der Geschichte immer zu tun mit Entscheidungen für die Zucht und Pflanzung, mit einer Treue in der Pflege und Versorgung der Pflanzen und mit dem Fleiß bei der Ernte.

Diese Verantwortung ist vielen Menschen in unserem Land heute abgenommen. Wir können kaufen, was wir wollen, und in unseren Geschäften finden wir nahezu alle Früchte, die wir haben wollen –  sogar ganz unabhängig von der Jahreszeit und der Region, in der sie wachsen. Gibt es für uns überhaupt noch eine Verantwortung, bei dem was wir essen?

Verantwortung bleibt auch heute

Für mich gibt es dazu nur ein eindeutiges Ja. Verantwortlich zu handeln ist heute vielleicht schwieriger und oft nicht mehr so eindeutig. Ich entscheide mit jedem Einkauf von Lebensmitteln über ökologische Fragen wie beispielsweise den Einsatz von Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln, über Transportwege von Lebensmitteln, über Verpackungsaufwand und Plastikmüll, über soziale Fragen wie die Ausbeutung von Erntearbeitern zu Dumpinglöhnen und über vieles mehr.

Aber ist das nicht eine Überforderung, all diese Fragen erwägen zu wollen? Wäre es dem gutwilligen Laien überhaupt möglich, eine gereifte und fachlich abgewogene Entscheidung in allen Lebensmittelkäufen zu treffen?

Wichtig finde ich, sich von der Komplexität unserer Lebensmittelvermarktung nicht entmutigen zu lassen, im Kleinen anzufangen. Wenn es mir gelingt, jeden Tag ein Lebensmittel zu essen, bei dem ich nach bestem eigenen Wissen meine Verantwortung wahrgenommen habe, ist der Anfang gemacht. Und wenn ich dankbar sein kann, dass ich dieses Lebensmittel essen darf. Vielleicht werden es nach ein paar Tagen dann zwei oder drei oder fünf Lebensmittel. Und dann Woche für Woche immer mehr. Dann wäre Erntedank mehr als ein liturgischer Gedenktag einmal im Jahr – dann könnte der Erntedank ein Stück meiner Haltung werden.

Ich freue mich wieder, von Dir zu hören und zu lesen, welche Erfahrung Du damit gemacht hast.

Tybora Olevska

Unsere Musiker am Sonntag: Eugenia Olevska und Miroslav Tybora

Eugenia Olevska

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Seit ich mich erinnern kann, war es mein größter Traum, ein Musikinstrument zu erlernen. Im Alter von 9 Jahren haben meine Eltern mich in eine Musikschule geschickt und das war für mich der Anfang meines Musik Lebens.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Obwohl mein Vater kein Musiker war, hat er die Musik immer geliebt und verstanden. Dadurch, dass er viele Konzerte mit mir besucht hat, konnte er mir die Liebe zur Musik näherbringen.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu spielen ist immer etwas sehr Besonderes. Denn die ist der Ort, an dem Mensche die Nähe zu Gott verspüren können. Bei der Möglichkeit in einer Kirche zu spielen, bekomme ich das Gefühl, viele Menschen mit meiner Musik im Herzen berühren zu können, was mir eine große Freude bereitet.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Ich würde mich für die Epoche Barock entscheiden, denn dies ist eine Epoche der Harmonie und Ordnung, Pracht, aber auch der Widersprüche. Es ist eine Vielfalt und deshalt gefällt es mir.

Miroslaw Tybora

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Zur Musik bin ich tatsächlich durch ein gemeinsames Spiel und Musizieren bei einer Kirchengemeinde in meiner Heimatstadt in Schlochau in Polen/Pommern gekommen. Zusammen mit meinen Freunden haben wir noch als Kinder und Jugendliche bei den Gottesdiensten musikalisch begleitet. Ich war damals 8, oder 9 Jahre alt.

 

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Es ist heute schwierig zu sagen. Da ich nicht von Musikerfamilie stamme, waren das wahrscheinlich meine Lehrer und meine Freunde, mit denen ich zusammen musiziert habe. Da ich mich in verschieden Musik Genres gerne bewege, waren das ziemlich viele Menschen. Doch auf eine ganz schreckliche und peinliche Situation kann ich mich gut erinnern. Ich habe vor mehreren Jahren mit Freunden bei einem Gipsy Swing Festival in Wilhelmshaven gespielt. Natürlich waren dort auch die meistens angesagten und bekannten „Zigeuner“. An einem Abend habe ich die peinliche Frage gestellt, die ich nie vergessen werde: „wer war eigentlich der „Django“ Reinhardt“? Hmm…

 

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Ich komme aus Polen, d.h. aus einem Land, wo man die Menschen fast nicht fragen muss, „glaubst du an Gott“? In so einem Land ganz normal ist, dass man in die Kirche geht. Dazu als Junge war ich Messdiener… Musikalisch habe ich immer gerne in den Kirchen gespielt. Die Akustik ist oft da genial, als Musiker genießt man das. Bei Cella Sankt Benedikt das besondere ist die große Offenheit auf und für einen einzelnen Menschen, die Wahrnehmung des Individuums.

 

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Wir haben viele Überlieferungen, Dokumente und Nachweise von vergangenen Epochen. Nicht viel wissen wir was genau vor dem X Jahrhundert geschehen ist. Ganz wenig können wir uns vorstellen, wie die Musik in der Zeit am Anfang der neuen christlichen Ära, in der so benannten „Anno Nostrae Salutis“ Zeit aussah. Ich glaube an Gott, auch an Christus, als eine historische Persönlichkeit. Interessant wäre es zu erfahren, welche Töne hat Er damals gehört…