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Hexenschuss

Im Winter schießt die Hexe gern…

Eine falsche Bewegung, und schon ist es passiert. Im Rücken ist ein stechender Schmerz, jede Bewegung, jeder Schritt tut weh. Mit zunehmendem Alter macht fast jeder irgendwann die Erfahrung von plötzlichen Rückenschmerzen. Meistens ist der untere Rücken und die Lendenwirbelsäule davon betroffen, häufig zieht der Schmerz aber auch bis in den Brustkorb und manchmal bis in die Beine.

Im Winter, bei kalten und feuchten Temperaturen, sind Menschen viel häufiger davon betroffen als im Sommer. In der letzten Woche kamen viele Menschen mit starken Verspannungen im Rücken zu mir in die Praxis. Und auch ich selbst habe seit einigen Tagen mit meinem Rücken zu tun.

Zum Glück lösen sich diese Rückenschmerzen in vielen Fällen durch vorsichtige Bewegung, gezielte Übungen und etwas Schonung leicht wieder auf. In unserer Alltagssprache hat sich für ganz akute Schmerzen der Begriff Hexenschuss dafür entwickelt. Das plötzliche Auftreten der Schmerzen, meist ausgelöst durch eine einzelne Bewegung, und weckt die Erinnerung, als hätte eine fremde Macht uns verhext.

Wenn die Muskeln plötzlich krampfen

Schuld an den Schmerzen ist dann eine schlagartige Verkrampfung der Rückenmuskulatur. Die Rückenmuskulatur ist im Normalfall dafür zuständig, die Wirbelsäule aufrecht und in guter Balance zu halten. Bei Stress, bei Bewegungsmangel, aber auch bei Übergewicht und falscher Belastung kann die Rückenmuskulatur dieser Aufgabe nicht mehr gut bewältigen und spannt schlagartig sehr stark an. Wenn sich die Muskeln verhärten, verringert sich der Abstand zwischen den Wirbeln und die Bandscheiben werden unter Druck gesetzt. Auch die dazwischen liegenden Nerven werden stark gereizt. Hierbei entsteht ganz schnell ein Teufelskreis: Um den Bereich zu schonen, spannen die Muskeln sich dauerhaft an und lösen damit neue weitere Schmerzen aus, die die Beweglichkeit noch weiter einschränken.

Häufig ist davon auch das Gelenk zwischen den Kreuzbein am Ende unserer Wirbelsäule  und dem schaufelförmigen Darmbein im Becken betroffen:  Das Iliosacral-Gelenk. Genauer gesagt sind es zwei Gelenke, die sich rechts und links von unserem Kreuzbein befinden. Und oft ist es sogar der Auslöser von Schmerzen, die dann später viel weiter im oberen Bereich des Körpers auftreten.

Ein heiliger Knochen des Wohlbefindens

Das Iliosacral- Gelenk hat eine entscheidende Bedeutung für die Haltung in unserem Körper. Beim Stehen und Gehen überträgt dieses Gelenk das komplette Gewicht des Oberkörpers auf die Hüftgelenke und damit auf unsere Beine. Im Sitzen überträgt dieses Gelenk die Last des Oberkörpers auf unsere Sitzbeinhöcker. Besonders dann, wenn unsere Last nicht gleichmäßig verteilt wird, geraten die beiden Gelenke in eine Schieflage.

Os sacrum (heiliger Knochen) haben die Römer das Kreuzbein genannt. Und auch wenn die Genese dieses Fachbegriffs viele Facetten hat, macht er doch deutlich, wie zentral dieser Knochen mit seinen beiden Gelenken für unser Wohlbefinden und unsere Beweglichkeit ist. Hier entscheidet sich, ob ich aufrecht, entspannt und schmerzfrei stehen und gehen kann. Von daher ist es gut, sich liebevoll um seinen heiligen Knochen zu kümmern.

Die Last gleichmäßig verteilen

Viele Übungen finden sich dazu, ganz besonders im Internet. Das kann ich nur empfehlen. Aber mir selbst ist eigentlich noch etwas anderes viel wichtiger geworden: überhaupt diesen Knochen und seine beiden Gelenke aktiv wahrzunehmen. Immer dann, wenn ich viel belastet bin oder im Stress bin, merke ich, dass ich mein Gewicht eben nicht gleichmäßig auf meine Füße und meine Sitzecke verteile. Und je länger ich das tue, desto größer wird der Druck im Gelenk, desto schiefer wird mein Rücken und wenig später fangen dann die Schmerzen an. Je mehr und je besser es mir gelingt, mein Körper wirklich gerade einzustellen, umso weniger Probleme habe ich mit meinem Rücken. Manchmal sitze ich auf meinem Stuhl und Kreise einfach mit meinem Becken, damit sich die Muskeln und die Gelenke neu einstellen und muskuläre Unterschiede wieder etwas geringer werden.

Wie geht es Dir mit Deinem Rücken im Winter. Ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie‘s Dir im Winter mit Deinem Rücken ergeht und welche Erfahrungen Du gemacht hast.

Weihnachten 2019

Wir wünschen allen ein gesegnetes Weihnachtsfest. Möge die Botschaft des Kindes unser Herz berühren.

Für das kommende Jahr wünschen wir allen Gesundheit und vielleicht den ein oder anderen persönlichen Neuaufbruch.
Zur Inspiration und als Zeichen der Verbundenheit möchten wir auch hier unseren diesjährigen Weihnachtsbrief veröffentlichen:

Weihnachtsbrief 2019



Die Brüder
Nikolaus, Karl-Leo und David

Christian Mund

Unser Musiker am Sonntag: Christian Mund

Christian Mund

Wie bist Du zur Musik gekommen?
Als Kind und Jugendlicher war ich in einem Internat in Bayern. Da gehörte ein Bläserquartett obligatorisch dazu. Und als eine Klarinette benötigt wurde, habe ich mich gemeldet, ohne zu wissen, was mich erwartet.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?
Als ich eine Zeit sehr wenig Klarinette gespielt habe und außer Übung gekommen war, hat mich dann Klezmer fasziniert. Da sagte ich mir, das will ich auch spielen, hörte mir viele Aufnahmen an und griff wieder zur Klarinette.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?
Ich habe nun schon öfter in diesem schönen sakralen Raum gespielt und schätze die Stimmung und den Klang des Raumes. Dazu kommt, dass es für mich schon immer dazu gehörte, Musik im Gottesdienst zu spielen. In dem Internat hatten wir einen besonders musikalischen Pater, der mit uns Schülern eine der ersten “Jazzmessen“ aufführte.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?
Eine schwere Frage, jede Epoche hat ihre Faszination. Zur Zeit wäre ich gerne mal bei einer Uraufführung einer Oper von Mozart dabei, z.B. beim Figaro oder der Zauberflöte; also in der Epoche der Wiener Klassik.

Podcast: anthroposophische Spiritualität

Anthroposophie kennen wir meistens nur durch die Waldorfschulen, DM, Alnatura oder den Produkten von Weleda. Es lohnt sich aber, sich intensiver mit der Anthroposophie zu beschäftigen. Ich habe für mich gemerkt, dass dieser Ansatz zwar nicht in allem für mich nachvollziehbar ist, aber selten bin ich aus meiner Beschäftigung uninspiriert herausgegangen. Und so möchte ich heute mit Dr. Jens Heisterkamp sprechen, der ein Buch über anthroposophische Spiritualität geschrieben hat. Er ist zudem leitender Redakteur der anthroposophischen Zeitschrift Info3.

Infos3

Unsere Musiker am Sonntag: Arcadia Serena

Kerstin Weise, Sopran
Franz Müller-Busch, Blockflöte
und Elisabeth Michaelis, Cembalo

Wie hat sich Euer Ensemble gegründet? Was hat Euch dazu bewogen?

Unser Ensemble trägt den Namen „Arcadia Serena“ und hat sich 2013 gefunden. Der Flötist Franz Müller-Busch betreibt den Girolamo-Musikverlag und wollte mal nicht nur die Noten herausgeben, sondern diese schöne Barockmusik auch zum Klingen bringen, denn es gibt sehr viele wundervolle Stücke für Flöte, Gesang und Basso Continuo.

Was ist Euer spezieller Style/Eure Besonderheit, worauf legt Ihr besonderen Wert?

Unsere Arbeit gestaltet sich so, dass wir ausprobieren und auch wieder verwerfen, jeder übt für sich und wir setzen dann alles zusammen.

Welches Stück in Eurem Repertoire vermag Euch immer wieder neu zu motivieren oder zu erfreuen?

Wir haben eigentlich kein bestimmtes Lieblingsstück, aber ich persönlich kann sagen, dass ich ganz viel Gefallen an den Telemann-Kantaten und –arien finde, weil ich so eine verschmitzte Heiterkeit bei den Texten und den Melodien fühle.

Warten und Erwarten

Schon im November drehte sich auf dem Weihnachtsmarkt auf der Liste Meile das Kinderkarussell. Im Beat eines Disco Fox, unterlegt mit kräftigem Schlagzeug, dröhnte „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all“ aus den Boxen. Aber die Kinder kommen noch gar nicht. Vereinzelt ein paar genervte Mütter, die ihre Kinder ein paar Runden kreisen lassen in der Hoffnung, dass es dann mit weniger Geschrei weitergehen kann.

Advent – eine Zeit des Wartens? Dazu gibt es natürlich viel Frommes zu lesen und ich selbst bin mir natürlich der Bedeutung des Wartens auf die Ankunft Gottes durchaus bewusst. Aber wenn ich in diesen Tagen durch die Stadt gehe, entsteht in mir immer mehr die Frage: Auf was warten die Menschen eigentlich hier wirklich? Hat der vorweihnachtliche Stress, den viele von uns so beklagen, etwas mit „dem Warten“ zu tun?

Meine Erwartungen an mich selbst

Beim genaueren Nachspüren entdecke ich eher eine Zeit der Erwartungen als eine Zeit des Wartens. In den Tagen vor Weihnachten steigen bei ganz vielen Menschen die Erwartungen. Diese Erwartungen können ganz unterschiedlicher Art sein: die Erwartungen an schöne Geschenke, an ein harmonisches Fest in der Familie oder Partnerschaft, die Erwartungen an eine sinnvolle und sinnstiftende Zeit. Oft ist es schon schwer genug, die Erwartungen an sich selbst vor Weihnachten einigermaßen so zu erfüllen, dass man damit fröhlich ist. Noch viel schwieriger wird es, wenn man mit Erwartungen anderer konfrontiert ist, die man nicht erfüllen kann oder nur widerwillig erfüllt. Der Weihnachtsbraten und die selbstgebackenen Weihnachtskekse, aber auch der Weihnachtsbesuch bei der Familie mit gespielter „Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung“ kann manche in einen Stresslevel versetzen, der Kräfte raubt und uns manchmal sogar krank macht.

Wie werden aus Erwartungen Stress?

Aber warum Kosten diese Erwartungen so viele Kräfte? Weil unser Körper wie bei Gefahr reagiert. Diese Gewohnheit hat der Mensch seit vielen tausenden von Jahren erlernt und bewahrt. Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol werden ausgeschüttet, der Organismus geht in eine erhöhte Alarm- und Handlungsbereitschaft, die sich auf die Muskulatur, die Atmung und den Kreislauf auswirkt. Um das zu Leben zu retten, musste man früher fliehen, kämpfen oder sich tot stellen. Und so reagiert er heute noch immer. Der Blutfluss wird umverteilt und alle Funktionen, die im Augenblick als nicht lebensnotwendig erkannt werden, werden gehemmt. Auch höhere Hirnfunktionen werden vermeintlich nicht gebraucht und abgeschaltet, es entsteht ein Tunnelblick. Je bedrohlicher und stressiger eine Situation erlebt wird, umso weniger sind wir Menschen zu intelligenten, kreativen oder ethischen Lösungen in der Lage.

Gerade die Erwartung an eine besonders schöne und entspannte Zeit, an Glückseligkeit und Wohlgefühl in Partnerschaft, Familie oder dem Kloster entwickelt sich im Organismus schnell wie eine Gefahr. Das ist ausgesprochen schade, denn die Grundbotschaft des Adventes verkündet uns ja gerade, dass uns keinerlei Gefahr droht, sondern das unsere Erlösung nah ist.

Wie kommt nun der Körper wieder aus seinem Stress heraus? Der Hippocampus im Gehirn zügelt die Stresshormone des Körpers wieder und als Abbauprodukt entsteht körpereigenes Morphium – der Mensch fühlt sich wohl. Und er fühlt: Alles richtig gemacht. 

Mehr warten und weniger erwarten

Und genau hier entsteht unsere Herausforderung: Wenn ich bis Weihnachten abwarten muss, um meinem Körper zu melden, dass er alles richtig gemacht hat – wenn ich es Weihnachten weiß, ob ich die Erwartungen in meinem Umfeld einigermaßen erfüllt habe, dann gerate ich in der Zeit bis dahin in einen Dauerstress. Aber vielleicht lächle ich einfach ein paar Erwartungen in dieser Adventszeit einmal an und sage ihnen: Nein, das erwarte ich doch gar nicht von mir. Und vielleicht auch noch nein, das erwarte bitte nicht von mir! Dann entsteht vielleicht ein bisschen Entspannung und das nötige Wohlgefühl, um wirklich auf den warten zu können, wegen dem es diese Adventszeit doch eigentlich überhaupt nur gibt.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir in diesem Adventstagen ergeht.

Unser Musiker am Zweiten Advent: Daniel Schindler

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Mein Opa starb, als ich vier Jahre alt war. Er spielte Violine in einem Berufslaienorchester und scheint mich frühkindlich so stark geprägt zu haben, dass der Wunsch, auch Violine zu erlernen, da bereits sehr groß war. Mit der Einschulung bekam ich dann endlich meinen ersten Unterricht.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Nach meinem Opa meine zweite Geigenlehrerin. Sie vermittelte mir die Musik auf eine sehr intrinsisch motivierende Art und Weise.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Da ich diesen Ort auch gerne nutze, um nach anstrengenden beruflichen Phasen wieder zu mir selbst zu finden, verknüpfe ich speziell mit der Hauskirche der Cella St. Benedikt eine meditative Atmosphäre. Es ist für mich ein zeitloser Ort.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Mich interessieren besonders die alten Hochkulturen. Eine Zeit, aus welcher nahezu keine musikalischen Überlieferungen in Form von Notenschrift existieren. Es wäre schon spannend zu wissen, wie es damals klang.

alte Bücher

Auf ein Neues!

Warum feiern wir Menschen eigentlich Jahrestage – etwa den eigenen Geburtstag oder den eines uns lieben Menschen? Warum feiern wir bestimmte Tage Jahr für Jahr neu – etwa Silvester-Neujahr?

Nun, ich glaube, dass wir Menschen Erinnerungen brauchen, die uns aus dem Alltagstrott herausreißen und innehalten lassen, so dass wir Rückschau, aber auch Ausschau halten können.

Das neue Kirchenjahr

Am vergangenen Samstag haben wir mit der ersten Vesper zum Ersten Advent das neue Kirchenjahr begonnen. Da erinnere ich immer eine Begebenheit, die schon etliche Jahre zurück liegt, die aber deutlich macht, dass wir in einem stets wiederkehrenden Kreislauf eingebunden sind:

Unser P. Michael hatte in der Abtei die Predigt am Ersten Advent. Es ging also zum Ambo, zeigte den Gottesdienstbesuchern sein Graduale, öffnete es, nahm ein Lesebändchen und platzierte es auf der ersten Seite. Es begleitet dies mit den Worten: „Gestern habe ich zum 35. Mal das Bändchen von hinten nach vorne gelegt.“

Er hatte damals einfach sehr banal formuliert, was wir Jahr für Jahr tun: Wir beginnen immer wieder am ersten Advent ein neues Kirchenjahr. Jahr für Jahr begehen wir Weihnachten. Jahr um Jahr feiern wir Ostern. Die Aufzählung ließe sich beliebig lang fortsetzen…

Das Kirchenjahr

Liturgiegeschichtlich hat sich zunächst der Festkreis um Ostern, später dann auch der Festkreis um Weihnachten allmählich zu einem Jahreszyklus vervollständigt. Der Begriff „Kirchenjahr“ taucht zum ersten Mal 1589 bei dem lutherischen Pastor Johannes Pomarius auf und macht deutlich, dass die nach der Reformation beginnende Trennung von christlich-sakraler und profaner Zeitgliederung und Kalenderordnung begonnen hatte.

Dabei fällt auf, dass das Kirchenjahr sich teilweise vom solaren Zyklus, teilweise aber auch vom lunaren Zyklus her bestimmen lässt. Vom fixen Sonnenjahr etwa ist das Datum des Weihnachtsfestes bestimmt, von den beweglichen Mondphasen her ändert sich der Termin des Osterfestes in jedem Jahr.

Jährliche Erinnerung

Wenn wir also am Beginn eines neuen Kirchenjahres stehen und in großer Gewohnheit unsere christlichen Feste in der gleichen Reihenfolge wie alle Jahre zuvor wieder feiern, dann geht es darum, sich immer neu des Heilshandelns Gottes an uns zu vergewissern – das Heilshandeln Gottes, dass in Jesus Fleisch geworden ist.

Auf ein Neues…

Gerade der Advent, die Vorbereitungszeit auf Weihnachten hin, bietet die Chance, sich bewusst auf Weihnachten einzuschwingen. Wir sind eingeladen, in kindlicher Vorfreude auf Weihnachten zuzugehen, um dann an Weihnachten selbst mit aufgerissenen Augen und wach hörenden Ohren auf die Kindheitsgeschichte Jesu zu hören, wie sie der Evangelist Lukas so bildreich schildert, oder wie der Evangelist Johannes es im philosophisch-theologischem Prolog zu seinem Evangelium schreibt.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine besinnliche Adventszeit!

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Wie bei jedem Kind des Bildungsbürgertums lag eines schönen Tages eine Blockflöte unter dem Weihnachtsbaum, womit ich zunächst gar nichts anfangen konnte, später aber großen Gefallen an dem Instrument und der dazu gehörenden Musik fand. Nein, der Hauptgrund, daß ich Musik liebe und mache sind meine Eltern, die immer viel mit mir gesungen haben und mir alle Möglichkeiten eröffnet haben, mich auf diesem wunderbaren Feld zu tummeln. So kam ich in die Kinder-, später Jugend- und schlußendlich „große“ Kantorei, hatte Klavier-, Orgel, Blockflöten- und Kontrabaßunterricht und das große Glück, mich bei vielen Anlässen ausprobieren zu können.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Ich bin das Produkt vieler wunderbarer Lehrerpersönlichkeiten. An erster Stelle ist da der frühere Kantor meiner Heimatgemeinde Lengerich zu nennen, der mich nicht nur das Orgelspiel gelehrt hat, sondern auch den Respekt vor dem Raum, in dem wir musizieren dürfen und der letztlich „Schuld“ daran war, daß ich ein Kirchenmusikstudium absolviert habe. Später waren es dann Dozenten der beiden Hochschulen, die mich beeinflußt haben, so in Düsseldorf während des Kirchenmusikstudiums KMD Prof. Hartmut Schmidt, KMD a. d. Jürgen Schmeer, beide wichtige Persönlichkeiten im Bereich der Düsseldorfer Kirchenmusik.
Während des Gesangsstudiums in Köln waren es meine Professoren KS Edda Moser, Dietger Jacob und KS Kurt Moll. Es gibt unzählige Menschen, auch und gerade „außermusikalische“, die mich auf meinem musikalischen Weg beeinflußt haben, weil sie mir durch ihre Reaktionen auf meine Musik gezeigt haben, was Musik bewirken kann und soll.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu musizieren, bedeutet für mich, zu Hause zu sein, an dem Ort zu sein, an dem ich Musik „Soli Deo Gloria“, wie Bach seine Kompositionen überschrieben hat, machen kann. Und es ist für mich Erinnerung an ein einschneidendes Erlebnis meiner Jugend, als ich zum ersten Mal in unserer Stadtkirche in der Kantorei die Matthäus-Passion von Bach mitsingen durfte. Das Erleben, Teil dieser vielstimmigen, einen Stimme zu sein, zu erleben, wie der Klang, von uns ausgehend, sich durch das Kirchenschiff schwingt und zu uns zurückkommt.
Die Hauskirche der Cella ist für mich inzwischen, nach vielen wunderbaren Begegnungen und gemeinsamen Unternehmungen mit den Brüdern, auch zu einem geistigen Zuhause geworden, weil sie mir eine Geborgenheit vermittelt, die ich in einer großen Kathedrale oder Kirche nicht so stark empfinde. Und weil es gelungen ist, in der Cella einen so ästhetischen und spirituellen Raum zu schaffen.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Diese Frage ist für mich schwer zu beantworten, weil ich mich da eigentlich nicht wirklich entscheiden kann, ich schwanke zwischen der Renaissance und dem  Barock, der Renaissance wegen ihrer Gradlinigkeit, ja, nahezu geometrischen Genauigkeit, bezogen natürlich vor allem auf die Musik, aber letztlich auch auf die bildende Kunst, dem Barock wegen seiner Verspieltheit und seiner, ja, überbordenden Lebensfreude, die sich natürlich auch manches Mal in zügelloser Prasserei manifestierte.

Bär schäft - Zeit für den Winterschlaf

Zeit für den Winterschlaf

Jetzt ein paar Wochen Winterschlaf und dann geht es im Frühjahr fröhlich weiter. Ja, ich kenne die Sehnsucht, der Winter, vor allem der November und Dezember mögen schnell vergehen, gerne auch mit einem Winterschlaf, wie bei manchen Tieren.

Der Terminkalender ist in dieser Zeit fast immer zu voll. Wenn ich ehrlich vor mir bin, spüre ich, wie schwierig es ist, die Vorfreude auf die Geburt Christi – über die ich natürlich viele schöne Dinge sagen kann, die ich auch selber glaube  – in meinem Alltag auch wirklich zu spüren.

Keine Lust auf Winterblues

Aber woran liegt dieser „Winterblues“ – und vor allem: Lässt er sich irgendwie verändern?

Wenn das Wetter kühler und damit oft auch „schmuddeliger“ wird, verliere ich als erstes die Lust, mich an der frischen Luft zu bewegen. Im Sommer fahre ich gerne und viel mit dem Fahrrad und nutze die freie Zeit für Touren. Im Herbst ist mir dann das Wetter zu schlecht und je weniger ich fahre, umso weniger Lust habe ich auch auf die Bewegung und das Fahrradfahren. In den letzten Jahren konnte ich an mir selber beobachten, wie es vor allen Dingen der Herbst ist, in dem ich die Weichen für mein „Wintergefühl“ stelle.

…wenn ich erst einmal vor der Türe bin

Gelingt es mir, gut in den Herbst zu gehen, dann wird mein Winter froher. Meine Zutaten dazu sind relativ einfach. Es beginnt tatsächlich mit der Bewegung an der frischen Luft. Und wenn es am Abend nur die kleine Runde im Stadtteil ist, hilft sie mir sehr, den Kopf freizubekommen. Und meistens merke ich auch: Wenn ich erst einmal vor der Türe bin und auch die passende Kleidung anhabe, ist das Wetter ja gar nicht so schlimm, wie es beim Blick durch die Fensterscheibe noch gewirkt hatte.

Im Winter braucht der Körper Licht, darüber habe ich ja im letzten Monat geschrieben. Und so ist es nicht erstaunlich, wenn der Körper in den Zeiten, in denen er ganz natürlich weniger Licht bekommt, auch müder ist, genauer gesagt: ein größeres Schlafbedürfnis hat. Und so übe ich mich ein, im Winter wirklich auch früher schlafen zu gehen, um so den Körper eine Möglichkeit für sein Schlafbedürfnis zu geben (Da die Zeit für unser Morgengebet im Sommer und Winter gleichbleibt, bleibt mir da eher der Abend, um das Schlafbedürfnis einzubeziehen).

Gutes für Körper und Seele

Und für mich gehört im Winter die Kanne Tee dazu. Für echte Tee-Trinker ist das keine korrekte Beschreibung des Getränkes. Es ist ein Gemisch von Kräutertee, frischem Ingwer, etwas Orangensaft und einem Schuss Holundersaft oder Johannisbeerlikör. Br. Victor konnte ich von diesem Trank auch schon überzeugen – aber eigentlich geht es nicht um das Rezept. Es geht um das „Winter-Lieblingsgetränk“, um das wohlig-wärmend Getränk, das Körper und Seele gleichermaßen guttut und wärmt. Während ich im Sommer eher einmal Durst habe und schon deshalb zum Getränk greife, brauche ich im Winter die gute Gewohnheit.

Aber das gilt natürlich nicht nur für ein Getränk. Der Seele und dem Körper etwas Gutes zu tun, das braucht es vor allem im Winter. Schöne und beglückende Momente beleben oft nicht nur für den Tag. Manches lässt sich davon einplanen. Und je älter ich werde, umso mehr schätze ich auch die geplanten Momente zum Glücklichsein.

Und ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie Du fröhlich in und durch den Winter gehst …