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Reissalat mit Cashewnüssen

Dieser leckere Reissalat gehört mit zu meinen Favoriten. Er ist recht einfach herzustellen, man kann Reste von Reis gut damit verwerten, er schmeckt sehr lecker und kann gut für unterwegs als vollwertige Mahlzeit mitgenommen werden.

Zutaten

1 beutel Reis
1 rote Paprika
1 – 2 Tassen Cashewnüsse
1 Tüte Mandelblättchen
1 Tasse Rosinen oder Sultaninen
3 kleine Zwiebeln
1 Zitrone
Öl
5 Esslöffel Sojasauce
Agavendicksaft
1 – 2 Knoblauchzehen

Zubereitung

Reis nach Packungsbeilage kochen und erkalten lassen. Damit er später nicht pappt, kann man etwas Öl oder Butter unterziehen.
Paprika in Würfel schneiden.
Cashewkerne unter fließendem Wasser durchspülen und mit Küchentücher trocknen.
Mandeln in einer Pfanne ohne Fett leicht rösten (am besten die ganze Zeit die Mandeln umrühren).
Die Zitrone pressen und auf 1/8 l Flüssigkeit mit neutrales Öl (z.B. Sonnenblumenöl) auffüllen. Dann den Knoblauch pressen. Die Zwiebeln in Würfel schneiden und zusammen mit der Sojasauce und allen anderen Zutaten zu dem Reis geben.
Danach mit Agavendicksaft und ggf. mehr Sojasauce abschmecken.
Den Salat gut umrühren und eine Stunde ziehen lassen.

Lass es Dir schmecken!

Wer singt, lebt gesünder

Viele Menschen zieht es in die Klöster oder zumindest in die Gebetszeiten der Klöster, weil sie angerührt sind vom Gesang der Mönche oder der Nonnen. Auch in der Cella sind unsere Gebetszeiten zum überwiegenden Teil gesungen. Manchmal sind die Gesänge kunstvoll und ausgeschmückt, häufig aber auch in einer eher schlichten Form mit durchaus einfachen Melodien – wie beispielsweise in den regelmäßigen Stundengebeten. Aber: Warum singen wir? Wäre sprechen nicht viel einfacher? Wäre Stille nicht viel angemessener? Und könnten sich die Klöster nicht den mit dem Gesang verbundenen Aufwand sparen und etwas Sinnvolleres mit der Zeit tun?

Der Körper verändert sich durch Klang

Auch die gemeinsame Stille kann etwas zutiefst Faszinierendes haben, aber für die meisten Menschen hat der gemeinsame Gesang doch die höhere Anziehungskraft. Was macht das Singen so besonders?

In den letzten Jahrzehnten ist es vor allen Dingen die Medizin, die sich mit der heilenden Wirkung des Singens und des Tönens beschäftigt. Vieles lässt sich heute wissenschaftlich untersuchen, was besonders auch in den Klöstern über Jahrhunderte als intuitives Erfahrungswissen weitergegeben wurde. Der heilige Augustinus hatte es ganz einfach gesagt: „Wer singt, betet doppelt.“ In der nicht so frommen Variante werden oft zwei Verse aus einem Gedicht von Johann Gottfried Seume zitiert: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder.“ Singen tut gut und lohnt sich deshalb.

Über die Entspannung zum Wohlgefühl

Heute lässt sich nachweisen, wie einfache und sich wiederholende Klänge den Blutdruck und die Herzschlagfrequenz senken. Im Singen schüttet der Mensch eine gesteigerte Menge Stickoxide aus, was zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einer Entspannung führt. Weitere Forschungen weisen auf eine Verbesserung der Luftzirkulation und eine Erhöhung des Melatoninspiegels hin.

Es ist interessant, dass man gerade in jüngerer Zeit nahezu alle positiven Wirkungen des Singens, die wir als Erfahrungswissen oder als Redewendungen kennen, auch biochemisch nachweisen kann: Das gemeinsame Singen reduziert den Stress, es entspannt den Körper und es fördert die Zusammengehörigkeit und die Vertrautheit miteinander.

Allein und auch gemeinsam

Für die positive Gesundheitswirkung des Singens ist es nur von geringer Bedeutung, ob ich das alleine oder mit anderen tue. Natürlich macht es gemeinsam meistens mehr Spaß. Keine Bedeutung für eine heilende Wirkung des Singens hat es, ob ich die richtigen Töne treffe  – die MusikerInnen unter meinen LeserInnen mögen mir diesen Hinweis verzeihen.

Und so lade ich Euch ein, Euch im Alltag ein bisschen gesunder zu singen. Egal, ob  in der Badewanne oder unter der Dusche – gerne auch mit uns in der Cella in einer unserer Gebetszeit. Und wer sich darüber hinaus noch mehr für solche Fragen interessiert, der kann gerne einmal durch das Programm vom Klosterherbst schauen. (Das ist jetzt Schleichwerbung, gebe ich gerne zu. Herzliche Einladung!)

Impuls am Sonntag: Werner Seitzer

Werner Seitzer

ehem. GMD

am Theater für Niedersachsen in Hildesheim


Alter:
69 Jahre

Beruf (momentane Tätigkeit):
Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand vom offiziellen Amt gilt die lebenslange Berufsbezeichnung: MUSIKER

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Der Glaube scheint - mit einem musikalischen Begriff gesprochen - so etwas wie einen "Orgelpunkt" meines Lebens darzustellen:

Ein beständig erklingender oder wiederholter Grundton, der - wenn auch nicht immer gleich stark wahrnehmbar - doch ganz selbstverständlich einfach "da" ist
und über dem sich, scheinbar völlig frei und ungezwungen, alle Stimmen und Erscheinungen des Lebens bewegen.
Und doch bezieht sich alles, sogar und ganz besonders bis hin zur 'schreienden' Dissonanz, letzten Endes auf ihn...

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?
Eine Sentenz aus Prediger 3:22, die Brahms für den ersten seiner "Vier ernsten Gesänge" ausgewählt hat:

Darum sahe ich, daß nichts bessers ist,
denn daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit,
denn das ist sein Teil.

Ein Satz, der einen dringlichen Kontrapunkt darstellt zum immer absoluter vertretenen "Fun-and-wellness" - Glaubensbekenntnis unserer derzeitigen Konsum-Gesellschaft und ihrem neuen Schlagwort der "Life-work-balance". 

Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?
Ein einzelnes Buch für einen Superlativ herauszugreifen fällt mir schwer. Zwei Bücher möchte ich aber nennen, die mich in den letzten Jahren zutiefst beeindruckt und berührt haben.
Sie sind, obwohl beide aus dem 20. Jahrhundert, von einer geradezu "alttestamentarischen Wucht":

HIOB von Joseph Roth

und

DER STREIT UM DEN SERGEANTEN GRISCHA von Arnold Zweig.

Beide zeigen auf ganz verschiedene und höchst eindringliche Weise den verschlungenen und hindernisreichen Weg ihrer Zentralgestalten zu Gott.

Wenn ich dabei von persönlicher Inspiration reden sollte, so wäre es die, einen mir vertrauten gemeinsamen "Orgelpunkt" plötzlich ganz deutlich zu hören...

Entdecke den Mönch / die Nonne in Dir…

In der Online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 9. Juli fand ich die Überschrift: „Zahl der Single-Haushalte in Hannover wächst“. Im Artikel selbst heißt es dann: „Hannover gilt als deutsche Single-Hauptstadt – und die Zahl der Einfamilienhaushalte wächst weiter. In mehr als der Hälfte (54,3 Prozent) der Haushalte lebt nur eine Person. In Mitte (65,1), Linden-Limmer (63,3) und Südstadt-Bult (62,0) sind es sogar mehr als 60 Prozent.“ – Auch ohne diese Zahlen zu kennen, hatten wir Brüder schon lange die Vermutung, dass dem so ist.

Die Menschen sind auf der Suche

Keine Vermutung hingegen ist, dass viele Menschen auf der Suche sind: auf der Suche nach Sinn; auf der Suche nach Heimat; auf der Suche nach Geborgenheit; auf der Suche nach Spiritualität – und diese Aufzählung ließe sich beinahe endlos fortsetzen.

Nicht zuletzt wegen dieser Suche klopfen viele Menschen an Klosterpforten, um als Kloster-auf-Zeit-Gäste neue Erfahrungen zu sammeln. Auch Wellness-Aufenthalte in Klöstern sind immer mehr gefragt. Seminare, die sich mit der Benediktsregel beschäftigen, sind oftmals ausgebucht. – Wie kommt das?

Ich glaube, es ist die archaische Lebensform der Mönche und Nonnen. Sein ganzes Leben auszurichten auf einen Mann, der vor zweitausend Jahren einen Gott verkündet hat, der sich aus Liebe, Barmherzigkeit und Zuneigung auf die Menschen zubewegt.

Archetyp Mönch

Bruder David hatte in einem Beitrag vor über zwei Jahren schon einmal darauf hingewiesen, dass der Archetyp Mönch / Nonne in jedem Menschen steckt. Er schrieb damals: „Jeder Mensch braucht Zeiten des Alleinseins, der Rückzugs, der Entbehrung, der Reduzierung eigener Bedürfnisse und der Öffnung hin zum Göttlichen. Gerade Singles können durch die Entdeckung des Mönchs als Archetypen im Alleinleben eine neue spirituelle Dimension entdecken. Auch Du solltest den Mönch in Dir entdecken und leben – egal ob Single oder nicht.“

14 intensive Tage

In der letzten September- und der ersten Oktoberwoche beleuchten wir während des Klosterherbstes mit verschiedenen Veranstaltungen das „Mönchische“: Drei Konzerte (darunter eine Auftragskomposition) führen in den Klang der Stille, die das klösterliche Dasein prägt. In einem Workshop wird Bruder Karl-Leo vor allem die heilenden Klänge der Mönche vorstellen.

Zwei Vorträge werden sich mehr auf intellektueller Ebene mit dem Mönch- und Nonne-Sein auseinandersetzen und diese Lebensform auch Menschen, die nicht in einem Kloster leben, aufschließen.

Workshops beleuchten die spirituellen Dimensionen des alltäglichen Lebens, aber auch besonderer Auszeiten. Und mit „Spiritualität auf der ganzen Linie“ – einer Entdeckungstour mit dem 121er-Bus – versuchen wir spirituelle Orte im säkularen Umfeld der Großstadt zu erschließen.

Genauere Informationen finden sich auf unserer Webseite: Klosterherbst

Vielleicht hast Du ja Interesse an der ein oder anderen Veranstaltung. In jedem Fall gilt: Du bist herzlich willkommen!

Unsere Musiker am Sonntag: Vocalensemble „Tu Solus“

  • Wie hat sich Euer Ensemble gegründet? Was hat Euch dazu bewogen?

Das ensemble tu solus ist aus dem „Harten Kern“ des Martinschors Beedenbostel, eines Dorfkirchenchors in der Südheide, hervorgegangen. Einige Jahre lang sind immer dieselben Sänger der Chorleiterin nach den Chorproben nach Hause gefolgt und haben dort weitergesungen; bei den ersten Auftritten als Vokalensemble nannte sich das Ensemble deshalb noch „der Harte Kern“. Später wählten sie den Namen ihres Lieblingsstücks, „tu solus“ von Josquin des Prez, als Ensemblenamen.

  •  Was ist Euer spezieller Style/Eure Besonderheit, worauf legt Ihr besonderen Wert?

Das ensemble tu solus ist auf Alte Musik spezialisiert, sie profitieren hierbei vor allem von der Berufserfahrung ihres Ensemblemitglieds Martin Praetorius, der ein entfernter Nachfahre des Komponisten Michael Praetorius und Experte für historische Stimmungen ist. Praetorius kopiert historische Holzblasinstrumente nach Originalinstrumenten und kennt die Musikrichtung, die auf ihnen gespielt wird. Das ensemble tu solus liebt Orte mit besonderer Akustik. Es ist unter anderem in der mittelalterlichen jüdischen Mikwe in Friedberg aufgetreten, einem riesigen unterirdischen Gewölbe mit mitschwingende Wasseroberfläche, in einer Bahnhofsunterführung in Stendal, aber auch in der ovalen, ja gewissermaßen eiförmigen barocken Kirche „San Antonio de los Alemanes“ in Madrid.

Sonnenblumen - Achtsamkeit

Christliche Achtsamkeit

Achtsamkeit – macht es Sinn, darüber noch einen Blogartikel zu schreiben? Hat nicht inzwischen jeder erkannt, dass Achtsamkeit wichtig ist: ein wenig den Atem spüren und schon ist man dabei und macht Achtsamkeit. Der Boom ist zwar noch nicht zuende, aber hat doch vermutlich seinen Zenit überschritten.
Ich will es mit einem Augenzwinkern einmal so formulieren: Wenn Themen bereits im VHS Programm angekommen sind, dann sind sie etabliert. Und Achtsamkeit ist definitiv dort angekommen – und nicht nur dort. Auch in Unternehmen und Betrieben kann man Kurse zur Achtsamkeit finden und die Krankenkassen entwickeln sogar eigene Apps dafür. Ganz schön modern, nicht wahr?
Okay, eigentlich ist also alles bereits geschrieben und gesagt worden.
Fast! Denn ich glaube, dass wir Achtsamkeit weiter fassen können und müssen. Es geht nicht nur um Stressreduktion, sondern Achtsamkeit hat ja ursprünglich einen spirituellen Hintergrund. Kabat Zinn, ein Therapeut aus den USA, hat in den 70er Jahren aus der buddhistischen Achtsamkeit alles Religiöse herausgenommen, um es als Gesundheitsprogramm für Stressgeplagte anbieten zu können. Das war offensichtlich sehr erfolgreich.
Es gab dennoch vielfach Kritik von christlichen Gemeinschaften und Kirchen, dass hier buddhistisches Gedankengut verbreitet wird. Und zugleich wurde von anderer Seite beklagt, dass es im christlichen Glauben keine solche Übung gibt und Achtsamkeit nichts Christliches ist.
Und ich glaube, dass das nicht stimmt. Wir haben lediglich einen ganz anderen Begriff dafür und betrachten die Sache etwas anders und leider nicht mit letzter Konsequenz. Wir sind im Christentum auf halbem Wege stehen geblieben.

Aber fangen wir grundsätzlicher an.

Primat der Wahrnehmung

Wenn wir Achtsamkeit weiter fassen wollen, dann müssen wir zunächst verstehen, was eigentlich hinter diesem Begriff steht. Denn Achtsamkeit bedeutet vor allem ein Primat der Wahrnehmung. Es geht darum, möglichst viel vorurteilsfrei wahrzunehmen und zu spüren. Dabei ist sehr wichtig, dass mir niemand vorgibt, was ich spüre. Jedes Gefühl und jedes Empfinden ist okay und darf wahrgenommen werden. Achtsamkeit funktioniert also nur, wenn sie nicht manipulativ benutzt wird.
Christliche Achtsamkeit als spirituelle Achtsamkeit heißt dann, dass es vor allem darum geht, den inneren spirituellen Raum zu spüren. Es geht also nicht in erster Linie darum, einen Glaubenssatz anzunehmen, sondern diesen inneren Bereich in unserem Bewusstsein. Oder ich gehe in eine Kirche hinein und erlaube mir Augenblicke des Spürens. Oder aber auch, ich gehe in eine bestimmte Kirche nicht, weil ich mich dort unwohl fühle.

Spüren, was ist

Im Kern kann man daher sagen, dass es darum geht zu spüren, was wirklich gerade passiert und dieses Spüren sehr ernst zu nehmen, zugleich auch als Weg der Erkenntnis.
Ich bin mit einem Freund zusammen und wir unterhalten uns und ich spüre eine Sorge in mir oder eine Angst. Dieses Erleben nehme ich ernst und versuche es ins Gespräch zu bringen. Vielleicht wird mir Angst beim Vorhaben des Freundes, vielleicht bekomme ich Sorge bei dem, was ihm passiert ist. Vielleicht scheint aber auch kein naheliegender Zusammenhang zu bestehen und erst, wenn ich meine Gefühle ausdrücke, erkennt der Freund, dass es ihm ähnlich geht. So zumindest funktioniert Achtsamkeit in der Beratung. Indem die Beraterin ihre Gefühle mitteilt, kommen beide zu neuen Erkenntnissen.
Aber so kann ich mich auch in Texte hineinspüren. Einfühlung nannte das Edith Stein. Ich spüre, was mich beim Hören eines Evangeliumstextes berührt, was mich abstößt, was mich bewegt. Und wenn ich diesen Gefühlen folge und sie ernst nehme, kann ich zu tiefen Erkenntnissen kommen.

Alles entwickelt sich

Das Statische ist im Christentum lange Zeit betont worden. Dafür wurden Dogmen gebildet, die etwas für immer und ewig festschreiben. Und es gibt Aufgaben in der Kirche, die sind für immer und ewig, selbst, wenn man sie nicht mehr will. Ein Priester bleibt immer Priester, selbst wenn er sich laisieren lässt. Und selbst die Taufe ist etwas, was irreversibel ist, selbst, wenn ich Buddhist werde oder aus der Kirche austrete.
Und auch die Ehe ist ja einmal und dann immer.

Was ich damit sagen will: Wir haben im Christentum keine gute Beziehung zur Entwicklung. Das Statische wird betont und nicht die Möglichkeit und Notwendigkeit, dass jemand oder etwas einen Weg zurücklegt, dass sich etwas verändert, an die Umwelt anpasst.
Achtsamkeit aber kennt das Statische nicht, sondern ist etwas, was im Fluss ist. Alles bewegt sich, was ich jetzt spüre, kann gleich vorbei sein. Natürlich gibt es im Fluss der Wahrnehmung auch das Kontinuum. Aber es ist stets möglich und nie verboten, dass sich hier etwas ändert.

Christliche Achtsamkeit

Ich habe lange nachgedacht, warum Achtsamkeit nicht im Christentum entstanden ist, zumal ich Jesus aus den Geschichten der Evangelien heraus als einen sehr achtsamen Menschen erlebe. Und irgendwann wurde es mir klar. Natürlich leitet uns Jesus zur Achtsamkeit an! Wie konnte ich das übersehen?
Nur sprechen wir im Christentum nicht von Achtsamkeit, sondern von Begegnung. Martin Buber hat es so vortrefflich formuliert “Der Mensch wird am Du zum ich” und “Alles wirkliche Leben ist Begegnung”.
Ich begegne meinem Atem und deshalb spüre ich ihn.
Ich begegne meinen Gefühlen, weshalb ich sie fühle. Der Begriff der Begegnung ist unser Begriff für Achtsamkeit. Und Jesus begegnete vielen Menschen und Dingen.
In einem Video habe ich schon mal davon erzählt, wie Jesus Erkenntnis erlangt hat. Auch da sprach ich im Grunde von Begegnung, von Achtsamkeit.
Mit anderen Worten: Willst Du christliche Achtsamkeit üben, dann gehe mit allen und allem in Begegnung. Begegne dem Türknauf, der Kaffeetasse, dem Hund, der Blume, dem Freund. Wirkliche Begegnung – ganz so, wie es Buber so schön beschrieben hat und wie es zu den Grundpfeilern seiner Philosophie gehört.
Und schau einmal im Evangelium nach. Suche Stellen, wo Jesus begegnet und wie er das tut. Du wirst überrascht sein und viele dieser Textstellen werden Dir in einem neuen Licht erscheinen.

Passt schon!

Seit fünf Wochen leben nun mit Bruder Cyprian und Bruder Victor zwei Brüder aus Tansania in der Cella und lernen fleißig Deutsch. Und ich lerne kräftig mit. Zum einen kann ich mein Englisch wieder aufpolieren, wenn es darum geht, manche Dinge und Absprachen zu treffen, die auf Deutsch noch nicht funktionieren. Aber ich lerne auch viel über meine eigene Muttersprache: Dinge, die mir erst auffallen, wenn ich sie erklären soll – und dann irgendwie gar nicht richtig erklären kann.

Passt schon! ist eine solche Wortverbindung, bei der man fast verzweifeln kann, wenn man einem nicht Muttersprachler den Sinn dieser Worte nahe bringen will. Bedeutungen wie: Habe ich doch gerne gemacht, bitte schön, kein Problem, nicht der Rede wert, aber auch: Lass mal gut sein, habe ich keine Lust mehr, darüber zu reden, mach da nicht so einen Aufstand draus, kann dieser Satz je nach Kontext bedeuten.

Wenn die Chemie stimmt

Noch vor gar nicht langer Zeit wurde die Aussage: „Das passt schon“eher für frisch Verliebte gebraucht, und zwar meistens von den Außenstehenden, die beobachtet hatten, dass da zwei Menschen gut zusammenpassen oder, wie wir dann zu sagen pflegen, bei zwei Menschen die Chemie stimmt. Aber: Was passt da, wenn es zwischen zwei Menschen passt – wenn zwischen zwei Menschen die Chemie stimmt? Und das erleben wir ja nicht nur auf der Ebene von Verliebtsein. Manchmal erleben wir die Zusammenarbeit mit Kollegen oder mit Freunden so, dass etwas wirklich passt und stimmt.

Hormone steuern Lust, Anziehung und Verbundenheit

Die Hirnforschung der letzten Jahrzehnte hatte nachgewiesen, wie richtig der Satz von der „stimmenden Chemie“ ist. Das Miteinander von uns Menschen, also alle Aspekte von Liebe und Zusammenhalt lassen sich auch mit hormonellen Reaktionen beschreiben.

Da ist zum einen die Lust oder das Verlangen nach sexueller Vereinigung, das insbesondere durch die Hormone Testosteron beim Mann und Östrogen bei der Frau gebunden ist.

Da ist zum zweiten die Anziehung, also die selektive Aufmerksamkeit für einem bevorzugten Menschen, die an einen höheren Dopaminspiegel und ein niedrigeren Serotoninspiegel gebunden ist.

Und da ist zum dritten die Verbundenheit, das Gefühl von Ruhesicherheit und gefühlsmäßig im Einssein, das vor allen Dingen auf den Hormonen Oxytocin und Vasopressin beruht.

Da, wo es „passt“, da, „wo die Chemie stimmt“, reagieren bei Menschen diese Hormone miteinander. Als alles nur Chemie? Können wir den Valentinstag nun abhaken, weil wir doch nur getriebene unsere Hormone sind? Zum Glück ist es nicht so. Die drei Gefühlssysteme sind im Lauf der Evolution zunehmend unabhängig voneinander geworden. Jedes der Gefühlssysteme lässt sich nicht nur, aber auch durch gute Gedanken anregen. Natürlich auch durch manche anderen Dinge, zu denen ich hier nicht einladen möchte.

Gedanken stärken auch die Hormone

Bleiben wir für jetzt bei den guten Gedanken an die Lust, die Anziehung und die Verbundenheit. Vom heiligen Valentin wird in der Legende erzählt, dass er Liebespaare gesegnet hat. Er hat mit guten Gedanken, mit guten Segensworten diese drei Aspekte der Liebe gestärkt, damit es passt fürs Leben.

Und nicht immer muss es sofort um Heiraten und Partnerschaft im engen Sinne gehen, im Miteinander gibt es viele Dinge, die durch die guten Gedanken einfach noch ein bisschen besser passen: auf der Arbeit, in der Schule, mit Freunden – aber durchaus auch in der Familie mit Eltern, Kindern oder Geschwistern. Und so lade ich Dich ein, besonders an die Dinge zu denken, für die ganz besonders gilt:  Das passt, da stimmt die Chemie.

Heilende Berührung

Heilende Berührung

Wenn es mir nicht so gut geht, dann ist es manchmal schön, wenn mich ein lieber Mensch berührt: mir eine Hand auf den Bauch legt, wenn es da bei mir rumort, oder eine Hand auf die Schultern legt,  wenn sie verspannt sind. Bei den Schultern ist das manchmal mit ein bisschen kneten und bewegen verbunden, aber eigentlich reicht oft einfache die Hand, die liebevoll und zugleich so intensiv auf einem Körperteil liegt. Manche Bauchschmerzen lassen sich damit bestens vertreiben.

Wer traut sich zu heilender Berührung?

Allerdings hat die liegende, die ruhende Hand auf dem Körper fast etwas Intimes. Wir trauen uns kaum, jemanden außer dem festen Partner so zu berühren. Sogar wenn wir einen Kranken besuchen, bleibt das oft ein Tabuthema, selbst wenn in uns das Gefühl aufsteigt, dass eine Berührung ganz wohltuend wäre. Die Vorstellungen der klassischen Heilkunst und unseres Gesundheitswesens gehen eher auf klare Medikamente oder aber richtige therapeutische Techniken.

Die heilende Berührung durch Hände hat leicht den Geschmack des Esoterischen oder gar des Unseriösen. In meiner Praxis treffe ich aber immer wieder auf Menschen, die mir zunächst ganz verschämt und vorsichtig erzählen, dass sie mit manchen Krankheiten zum Handauflegen gegen und es doch geholfen hat. So, als müssten sich dafür entschuldigen, dass sie so etwas gemacht haben und dass es ihnen sogar geholfen hat. Manche sind überrascht, dass sie sich bei mir nicht für ihre Erfahrungen der heilenden Berührung entschuldigen müssen.

Zwischen Heilströmen und reiner Lebensernergie

Bücher gibt es viele, Beschreibung und Erfahrungen noch viel mehr. Da liest man von Heilströmen und Energieströmen, von hoher Konzentration in den Fingerspitzen und von reiner Lebensenergie. Verbunden mit teuren Kurse zum Erlenen genauer Anleitungen für die richtigen Berührungsorte und Streichrichtungen der Hände. Mir verstellen solche Beschreibungen manchmal den Blick für meine eigenen Erfahrungen. Ich bleibe da lieber bei dem, was ich an mir und in meinem Körper erfahren kann.

Wenn sich meine Handflächen berühren, aber auch noch, wenn ich dann meine Handflächen ein wenig auseinander bewege, spüre ich einen Energiefluß, meine Energie. Und wenn ich mit meiner Hand einen anderen Menschen berühre, spüre ich, wie diese Energie weiterströmt in den Körper des anderen Menschen. Auch umgekehrt erlebe ich es, wenn mich ein Mensch so berührt. Ganz besonders wohltuend ist das an Stellen im Körper, die schmerzen oder erkrankt sind.

Aber wann macht eine Berührung heil? Tatsächlich ist der Gebrauch dieses Wortes mit vielen Erfahrungen belegt: Wir sprechen von heilen, wenn jemand gesund gemacht wird oder wenn eine Krankheit beseitigt werden kann. Eine Wunde heilt vielleicht von ganz alleine. Aber oft werden auch schon Prozesse auf dem Weg zum gesund Werden als Heilung bezeichnet. Was könnte also passieren, was müsste ich erfahren, wenn ich durch eine Berührung heil werde, wenn ich eine heilende Berührung erfahren?

Heilende Berührung und die kleinen Spuren des Heilwerdens

Der erste Schritt ist für mich eine körperliche und muskuläre Integrität. Damit meine ich vor allen Dingen, dass muskulär unterschiedliche Spannungen sich angleichen und annähern. In den letzten Monaten habe ich viel über diese unterschiedlichen muskulären Zustände geschrieben und über unterschiedliche Wege, diese muskulären Spannungen wahrzunehmen und sie auszubalancieren. Eine heilende Berührung ist für mich eine Berührung, die mir hilft, diese unterschiedlichen Spannungen in meinem Körper zu reduzieren und im günstigsten Fall zu einem Ausgleich zu führen. Jenseits einer objektivierbaren wissenschaftlichen Erkenntnis hat fast jeder Erfahrungen gemacht mit heilender und wohltuender Berührung.

In der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest erleben viele Menschen Stress und muskuläre Verspannungen. Die Integrität der Muskeln und des Muskeltonus ist in besonderer Weise gefährdet. Ich möchte Dir heute Mut machen, Dich an Erfahrungen von heilender Berührung und muskuläre Integrität zu erinnern. Das erhöht auch die Bereitschaft, heilender Berührung zu empfangen und zu schenken. Und vielleicht ergibt sich ja in diesen Weihnachtstagen für Dich die Möglichkeit zu heilender Berührung mit einem lieben Menschen. Weihnachten wird manchmal „das Fest der Liebe“ genannt, eine schöne Beschreibung. Denn neben der heilenden Berührung durch menschliche Hände erfahren wir an diesem Fest ja auch noch die heilende Berührung in der Gegenwart Gottes.
Ich wünsche Dir, dass diese Tage zu einem wunderschönen Fest der heilenden Berührung mit Gott und den Menschen werden.

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt!

Mach mehr aus Deinem Leben – jetzt!

Von jeher ist das Leben die größte Herausforderung überhaupt. Ständig stehen wir vor neuen Fragen, wir entwickeln uns weiter und das geht zumeist mit Problemen und Krisen einher. Das Leben ist zudem endlich und stellt von daher genügend Fragen, für die ein Leben gar nicht ausreicht, um alle Antworten zu finden.
Wie also gestalte ich mein Leben – egal an welchem Punkt des Lebens ich stehe? Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollte ich einüben, damit mir mein Leben einigermaßen oder, was natürlich noch schöner wäre, sehr gut gelingt?
Solche Fragen stellen nicht nur wir Heutigen. Es sind Fragen, die mit dem Menschsein verknüpft sind – unmittelbar. Vielleicht sind diese Fragen ein Teil dessen, was uns zu Menschen macht. Ich habe zumindest nicht den Eindruck, dass meine Katzen über ihr Katzesein nachdenken. Aber wer weiß – vielleicht bekomme ich es einfach nicht mit.
Die Griechen haben sich viele Gedanken dazu gemacht, zumindest diejenigen, die es sich leisten konnten. Denn solche Fragen stell ich mir meistens erst dann, wenn ich über Essen und Trinken, den Schlaf und die eigene Sicherheit keine Gedanken mehr machen muss, wenn also das pure Überleben gesichert ist.
Dann aber werden solche Fragen immer virulenter. Und vielleicht zählen sie überhaupt zu den Gründen und Ursachen, warum sich die Menschheit Religion angeeignet hat. Denn auch und gerade Religion hat schon immer eine Definition abgegeben und abgeben wollen, was ein gutes Leben sei. Gottgefällig zu leben, im Einklang mit den Ahnen, ohne Sünde, in Achtsamkeit und manches andere gehört dazu.

Und nun komme ich und will auch noch etwas dazu sagen? Ja, genau, das will ich. Das tue ich aus meiner Eigenschaft als Mensch heraus. Denn auch ich frage mich die o.a. Fragen und versuche, Antworten zu finden und ein Kloster mit seinen Regeln versucht erst recht, ganz eigene Antworten zu geben.
Ich möchte mich hier allerdings nicht auf die Klosterregel beziehen, um eine Antwort darauf zu geben, was ich für ein gutes Leben tun kann. Ich will mich auf meine Erfahrung beziehen und wie ich ein gutes Leben auffasse.
Nämlich wie?
Darauf geben nun meine Tipps und Hinweise Antworten und Du wirst schnell erkennen, worum es geht.
Okay, genug der Vorrede und des Bedenkens, werden wir konkret.
Hier meine Tipps und Hinweise:

1. Spüre Dich

Alles, und ich wiederhole es gerne, alles beginnt damit, dass Du Dich spürst. Wenn Du Dich nicht spüren kannst, wenn Du nicht spürst, was Du willst, was Du brauchst, wenn Du das Gefühl nicht bemerkst, das entsteht, wenn Du eine dieser wunderbaren Kathedralen der Gotik oder einen Dom der Romanik betrittst, wenn Du das Existentielle eines Friedhofes nicht spürst, wenn Du die Gegenwart eines Menschen nicht wahrnehmen kannst und die unterschiedlichen Nuancen des Fühlens nicht wahrnimmst, dann fehlt Dir etwas Ungeheuerliches.
Spüre Dich, beschreibe, was Du spürst, finde Wörter dafür, erfinde Wörter, um immer genauer zu beschreiben, was Du jetzt, in diesem Augenblick spürst.
Wer nichts spürt, kann nicht spirituell sein, kann nicht lieben, hat keine Leidenschaft und keine Hingabe, kein Vertrauen und keine Freude. Natürlich gibt es vermutlich niemanden, der nichts spürt, aber genügend Menschen, die wenig spüren und zu wenig differenziert.
Viele psychische Krankheiten haben unter anderem damit zu tun, dass die Menschen nicht mehr spüren, was gut für sie ist und was sie wollen und sie müssen das dann mühsam erlernen.

Aber auch das gehört dazu: Kehre immer wieder zu Dir zurück, zu Deinem spüren. So viel lenkt uns ab, zu viel kommt auf uns zu und vermag uns zu bedrohen. Kehre heim, komme zu Dir zurück. Wer, wenn nicht Du, sollte bei Dir zu Hause sein?

2. Verweile

Zu oft wird von uns verlangt, schnell zu sein und von einer Sache zur anderen zu wechseln. Die kurzen Schnitte aktueller Filme zum Beispiel. Sie fordern es ständig heraus, dass wir immer Neues sehen, dass unsere Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird und wir viel schneller Langeweile empfinden.
Dabei ist Verweilen so unendlich wichtig. Bei einer Sache bleiben für eine Zeit lang. Ja, auch loslassen ist wichtig, wird aber schon langsam zu einer dogmatischen Forderung und zu einer Floskel. Kein spirituelles Buch, in dem das nicht gefordert wird. Kein spiritueller Meister oder keine spirituelle Meisterin, die das nicht mit Nachdruck empfiehlt. Ja, ihr habt ja recht. Dennoch: wir müssen lernen zu verweilen. Wir gehen ins Museum und sehen uns all die Bilder an. Doch besser wäre es, Du schaust Dir nur ein Bild an und verweilst eine Zeit lang davor. Lass es einfach auf Dich wirken.
Oder Du beginnst den Tag mit einem Augenblick des Verweilens oder beendest den Tag damit.
Zwischendrin kann man immer wieder verweilen. Verweilen ist die Möglichkeit, dem Augenblick ein Kontinuum zu geben, eine neue Länge, die mir hilft, wirklich darin zu Hause zu sein, darin anzukommen.
Oder in Gesprächen sind wir oft bemüht, schnell etwas zu sagen, eine Antwort auf Lager zu haben oder eine Gegendarstellung. Viel wichtiger wäre es doch, einfach mal zu verweilen, nichts zu sagen und das Jetzt wirken zu lassen, bis ein neuer Impuls und ein neuer Gedanke in uns Raum gewinnt.

3. Bewege Dich in der Liebe

Ach ja, die Liebe! Sie gehört zum Leben und macht es erst wirklich tief und reich. Ich spreche hier nicht über das Verliebtsein mit seinen großen Emotionen und Verrücktheiten. Das ist eine wunderbar schöne Phase im Leben. Doch sie kann schnell enden und dann erschrickt man, was noch übrig bleibt. Schnell wähnt man sich zunächst im siebten Himmel und wittert Ewigkeit. Doch wie trügerisch das sein kann, das merkt man später.
Liebe ist anders, weniger aufbrausend, manchmal fast still und leise. Manchmal kann Liebe aber auch stark und deutlich sein. Aber auf alle Fälle ist sie weit entfernt vom Schwärmerischen.
Sein ein Mensch, der sich in der Liebe bewegt, der sich also ständig in einem Raum der Liebe wiederfindet. Das kannst Du tun, indem Du Dir das ganz bildlich vorstellst, Dich in diesen imaginären Raum hinein begibst. Manchen gelingt das auch durch das Beten oder Meditieren. Auf alle Fälle gehört dazu, immer wieder bewusst Kontakt zu dieser Liebe aufzunehmen. Die Welt führt Dich nicht von selbst dorthin, es ist Deine Aufgabe, das zu tun und zu fördern.
Versuche also immer neu den Kontakt zur Liebe aufzunehmen, der Liebe immer neu nahe zu kommen und ihr Raum zu geben in Deinem Leben. Schau, wo sie Dir begegnet, wo sie Dich antrifft und dann folge ihr.
Liebe, was Du willst! Aber: Liebe!
Und dann gilt das Wort Augustinus’: Liebe und tu’, was Du willst!

4. Pflege Deine Freude

Warum eigentlich wird unsere Freude so wenig in christlich spirituellen Kreisen behandelt – ist zumindest mein Eindruck. Dabei kann es doch nur darum gehen, sich zu freuen und tiefe innere Freude in sich zu spüren. Freude, dieses wunderbare Wort und erfrischende Gefühl! Wer könnte davon genug haben, welche Gefahr könnte davon ausgehen? Nein, Freude ist wichtig im Leben.
Hast Du genug wirkliche Freude? Also Freude, die aus der Tiefe Deines Daseins aufsteigt, Dich nach und nach erfüllt und danach aus all Deinen Poren herausquillt? Das ist die ansteckende Freude! Sie wirkt wie ein Virus und richtet Großartiges an.
Schau in Dein Leben! Was bringt Dir wirkliche Freude? Woran kannst Du Dich erfreuen?
Für sehr viele Menschen gehört das wirklich Schöne dazu. Schöne Musik, die mich innerlich trifft. Schöne Handlungen von Menschen, denen ich gerne zuschaue und die Gutes bewirken.
Schöne Texte und Worte, Blumen, Landschaften. Hast Du davon genug in Deinem Leben, so dass Du Dir Freude schaffen kannst, wann immer Du es willst?
Wenn nicht, dann gehe heute noch los und hol Dir Freude ins Leben. Du brauchst es ganz bestimmt!

5. Genieße den Augenblick

Der Augenblick wird ja oft hochgeschätzt. Man sagt, es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft, sondern nur diesen einen Augenblick. Ist sicherlich wahr!
Wir sollen auch ganz im Augenblick leben! Wer könnte dem widersprechen?
Genießen wir den Augenblick, schätzen wir ihn Wert. Er ist das jetzt Gegebene, das Geschenk in diesem Augenblick, das Ereignis Leben jetzt. Du wirst schon unendlich viele Augenblicke nicht bewusst wahrgenommen haben. Versuche es mit dem nächsten Augenblick!
Jetzt,
jetzt
und jetzt!
Spürst Du den Augenblick? Du kannst Augenblicke spüren – in Dir. Ich spüre ihn manchmal wie eine innere Vibration, wie zur sonntäglichen Mittagszeit an einem heißen Sommertag. Da ist etwas zum Stillstand gekommen, als würde nichts passieren, als hätte jemand die Welt angehalten. Das sind Augenblicke für diese innere Vibration, die ich so sehr liebe.
Ich empfehle Dir, dem Augenblick nahe zu sein, nahe wie einem guten Freund. Einfach zwischendrin nachschauen, ob es den Augenblick noch gibt und ob es ihm gut geht. Und schon bist Du im Augenblick und kannst ihn genießen.
Sei Hüterin und Hüter Deiner Augenblicke. In der Summe sind sie Dein Leben.

6. Suche den Frieden

Ich frage mich, warum ich diesen Punkt nicht zuerst genannt habe? Er ist so wichtig und ich bete jeden Tag darum, Frieden zu finden. Nicht, dass ich so ein kriegerischer Mensch bin, aber ich spüre dennoch immer auch Unruhe in mir, Missmut, Ärger und Unzufriedenheit. Geht es jemandem anders? Dann lies am besten gleich bei Punkt sieben weiter. Ich aber werde mich noch mit dem Frieden hier beschäftigen.
Ja, ich suche Frieden, inneren Frieden. Und was heißt das?
Es heißt für mich zunächst, keinem Gefühl die Existenz abzusprechen. Wut, Ärger und Freude dürfen alle sein. Wenn ich beginne, gegen Ärger und Wut anzukämpfen, wie will ich denn da je Frieden finden? Friede ist ein Sein ohne Kampf, ohne Wut gegen die Wut und ohne Ärger auf den Ärger. Ich lasse meine Gefühle sein, ich lasse zu, dass in mir Wut ist und Ärger, ich gebe solchen Gefühlen ein gutes und heilendes Zuhause. Das ist das, was ich für solche Gefühle tun kann.
Und dann geht es weiter. Ich lasse es zu, dass andere anders sind, anders denken, andere Erfahrungen machen. Und ich will lernen, andere anders handeln zu lassen. Ich will sogar aufgeben zu meinen, was jemand tun sollte. Das fällt mir noch schwer, aber es ist wichtig. Jeder darf tun, was er oder sie will und ich auch. Es gibt kein Du musst und es gibt kein ich muss. Jeder darf so handeln, wie er will und tut es ja auch. Ja, auch der Schurke darf so handeln. Damit meine ich nicht, dass es gut ist oder dass ich das für gut heiße. Es sagt nur, dass ich letztlich niemanden davon abhalten kann, gemein zu sein. Und es befreit mich vor Bevormundung, Rechthaberei, Moralismus, Besserwisserei und vielem anderen mehr.
Zugleich gilt auch, dass ich das Recht habe mich zu wehren und in Sicherheit zu bringen und anderen zu helfen.
Dazu muss ich lernen auszuhalten oder vielleicht sollte ich besser sagen: etwas zu halten. Die Wut in unserer Welt, der Hass, der Neid und alles, was Unfrieden birgt. Es nicht zu ignorieren, ihm keine Macht über uns zu geben, sondern es zu halten und zu umfassen, als eine Realisierung menschlichen Seins. Ich möchte aufhören, gegen Hass zu kämpfen und beginnen, für Frieden zu arbeiten.

7. Schaffe Stille

Ich will nicht einstimmen in den Chor derjenigen, die die Welt zu laut finden (auch wenn sie Recht haben). Aber ich will dennoch für Stille plädieren und werben. Einfach mal nichts sagen! Einfach mal keine Musik hören! Einfach mal schweigen! Und warum? Weil dann etwas passiert in unserem Inneren, weil wir uns dann eine Lücke schaffen, und wir uns innerlich sortieren können, in der wir Ordnung schaffen und noch neue Impulse nachschütten. In der Stille kann zudem etwas in mir entstehen. Eigene Impulse und Erkenntnisse, geboren aus dem, was ich erlebt und erfahren habe.
Wer will nicht aus dem eigenen Leben lernen?
Viel wird ja von Tiefe gesprochen und geschrieben! Was ist denn Tiefe? Gibt es das überhaupt? Mit Tiefe verhält es sich wie mit dem Unterbewusstsein. Beides ist so nicht existent. Denn worunter sollte sich das Unterbewusstsein denn befinden und in welcher Tiefe könnte eine Tiefe sein.
Und doch hat das Ort Tiefe seine Relevanz und seine Berechtigung. Wenn ich jemanden erkenne, der Tiefe hat oder einen Text mit Tiefe erkenne, dann spüre ich ein Wissen, das nicht nur erdacht ist und wohlfeil formuliert. Ich erkenne ein Wissen und eine Erkenntnisstufe, die alle Erkenntnisstufen beinhaltet. Unser Gehirn hat viele Stufen und viele Formen der Erkenntnis sind möglich. Von Tiefe spreche ich, wenn meine Erkenntnis und meine Erkenntnisstufe nicht nur aus der oberen Schicht des Gehirns kommen, sondern ihren Weg durch alle unteren bis nach oben genommen haben und alle Abschnitte des Weges haben etwas zur Erkenntnis beigetragen.
Stille ist der Rahmen, der es mir ermöglicht, dass dieser Weg gegangen werden kann.
Gehe ihn!

Ach ja, ich könnte noch viel ergänzen. Es soll mit diesen sieben Aspekten gut sein. Möge es Dich für ganz eigene Aspekte für ein gutes und gelungenes Leben inspirieren, das wäre viel schöner, als einfach allem zuzustimmen.

Impuls am Sonntag: Dr. Carmen Diller

Dr. Carmen Diller


Alter: 
46 Jahre

Beruf (momentane Tätigkeit):

Ich arbeite in der Hauptabteilung Pastoral im Bischöflichen Generalvikariat Hildesheim als Referentin für theologische Grundfragen und lokale Kirchenentwicklung.

Was bedeutet Ihnen Glaube?

Glaube heißt für mich, darauf zu vertrauen, dass ich niemals im Leben allein bin, sondern dass da einer ist, der mich durch alle Höhen und Tiefen des Lebens begleitet und möchte, dass es mir gut geht: Gott.

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden (Reinhold Niebuhr)

Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration? 

Die Bibel, und hier insbesondere das Alte Testament. Es zeigt, wie sich Menschen über viele Jahrhunderte hinweg darum bemüht haben, Gott und sein (Heils)Handeln in der Welt immer besser zu verstehen. Es erzählt von Menschen, die in der Weisung Gottes Halt für ihr Leben und im Gebet der Psalmen Trost und Hoffnung finden; es berichtet von Menschen, denen das Schicksal übel mitspielt, die aber trotzdem ihren Glauben nicht verlieren;  und es erinnert an Menschen, die trotz Anfeindung von außen an dem einen Gott und seine befreiende Botschaft festgehalten haben. In unserer Zeit, in der Vieles in unserer Kirche nicht mehr selbstverständlich ist und Christsein gesellschaftlich kaum noch eine Rolle spielt, empfinde ich die Menschen, von denen uns die Bibel erzählt, als Vorbilder dafür, wie wir Christen mit unserer neuen Situation kreativ umgehen und durch unser aktives Eintreten für unseren Glauben dazu beitragen können, am Reich Gottes mitzubauen. Diese Faszination für die Bibel hat mich dazu bewegt, Theologie zu studieren und im Fach Alttestamentliche Literatur und Exegese meine Doktorarbeit zu schreiben und zu habilitieren.