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Weitere InformationenFürchtest du dich im Dunkeln? Dunkelheit hat schnell etwas Bedrohliches. Wir sehen nicht, was um uns herum geschieht. Wir wissen nicht, ob da noch jemand ist. Und manchmal genügt dieses Nichtwissen, damit Angst entsteht.
Als Kind fiel es mir schwer, nachts ohne Licht einzuschlafen. Ich fühlte mich bedroht, obwohl ich gar nicht sagen konnte, wodurch. Ich war ein ängstliches Kind. Zugleich kenne ich aber auch eine ganz andere Erfahrung: Dunkelheit kann Geborgenheit und Schutz schenken.
Diese beiden Seiten gehören zusammen. Das Dunkle macht uns Angst, und es kann uns bergen. Es verbirgt etwas vor uns, und es kann ein Ort sein, an dem wir zu uns selbst finden.
Dunkelheit ist nicht nur bedrohlich
Wenn ich mich verstecken möchte, suche ich einen Ort, an dem mich niemand sieht. Im Dunkeln bin ich verborgen. Wo niemand etwas erkennen kann, bin auch ich nicht ohne Weiteres zu erkennen. Dieselbe Dunkelheit, die mich verunsichern kann, wird dann zu einem Schutzraum.
Lange war mir diese Seite der Dunkelheit nicht wirklich bewusst. Dabei habe ich das Dunkle immer wieder gesucht, auch in mir selbst. Ich habe es nicht nur als unangenehm erlebt, sondern auch als etwas Bergendes.
Das Dunkle ist außerdem das Geheimnisvolle. Wenn wir von einem Geheimnis sprechen, meinen wir etwas, das nicht vollständig ans Licht tritt. Etwas bleibt verborgen. Nicht alles zeigt sich sofort, nicht alles lässt sich auf den ersten Blick verstehen.
Wir alle bringen unterschiedliche Erfahrungen mit Dunkelheit mit. Deshalb lohnt es sich, nicht vorschnell zu entscheiden, dass sie nur etwas Schlechtes sein kann. Vielleicht kennen wir neben der Angst auch die Ruhe, den Schutz und die Geborgenheit, die sie uns gegeben hat.
Das Leben beginnt im Verborgenen
Wir sind selbst im Dunkeln geworden. Ein Kind wächst im Bauch der Mutter heran, verborgen vor den Blicken der Außenwelt. Dass es nicht zu sehen ist, bedeutet nicht, dass dort nichts geschieht.
Ähnlich ist es mit einem Samenkorn, das in die Erde fällt. Lange bleibt es im Dunkeln. Von außen lässt sich nicht erkennen, was sich entwickelt. Und doch beginnt dort etwas zu wachsen.
Verborgenheit ist also nicht dasselbe wie Leere. Sie kann ein Raum sein, in dem Leben entsteht und sich entfaltet, bevor es sichtbar wird. Vielleicht liegt gerade darin etwas von der positiven Bedeutung des Dunklen: Nicht alles muss schon hervortreten, um wirklich da zu sein.
Wenn ich Dunkelheit als angenehm oder geborgen empfinde, hat das auch mit dieser Erfahrung zu tun. Das Verborgene muss nicht bedrohlich sein. Es kann etwas schützen, das noch im Werden ist.
Was ist Dunkelheit eigentlich?
Zunächst hilft eine einfache Unterscheidung: Dunkelheit ist kein eigenständiges Etwas, das wir in einen Raum hineinbringen könnten. Sie bezeichnet die Abwesenheit von Licht.
Stell dir einen hell erleuchteten Raum vor. Damit es darin dunkel wird, musst du nicht die Tür öffnen und Dunkelheit hereinlassen. Du musst lediglich dafür sorgen, dass kein Licht mehr da ist.
Mit dem Licht verhält es sich anders. Du öffnest einen Fensterladen oder zündest eine Lampe an. Es kommt Licht hinzu. Dunkelheit dagegen weist darauf hin, dass etwas fehlt.
Wir haben also ein Wort für Dunkelheit und machen sehr konkrete Erfahrungen mit ihr. Aber sie ist kein eigenes Wesen, das irgendwo wartet, bis es eintreten darf. Wenn Licht erscheint, muss nichts Dunkles aus dem Raum hinausgetragen werden.
Dieser Gedanke eröffnet auch einen anderen Blick auf unsere inneren Dunkelheiten. Vielleicht sind sie nicht einfach etwas Fremdes, das wir vertreiben müssen. Vielleicht gibt es dort etwas, das wir noch nicht erkannt haben.
Die innere Dunkelheit als noch unerkanntes Licht
In einem inneren, spirituellen Sinn lässt sich Dunkelheit auch so verstehen: Sie ist Licht, das sich selbst noch nicht erkannt hat. Das ist kein physikalischer Satz, sondern ein Bild für das, was in uns verborgen bleibt.
Eine Erfahrung bleibt für mich dunkel, solange ich sie nicht erkannt habe. Solange ich ihr nicht mit meiner Aufmerksamkeit, meiner Wahrnehmung und vielleicht sogar mit meiner Liebe begegnet bin.
Wenn ich mich ihr wirklich zuwende, kann sich darin etwas zeigen, das vorher verborgen war. Auch in einem Schmerz kann Licht liegen. Auch eine tiefe, bittere Erfahrung kann etwas enthalten, das später zu einer Kraftquelle wird.
Manchmal ist dieses Licht sehr klein. Es macht nicht plötzlich alles hell. Aber es kann sichtbar werden. Dann erkenne ich, dass die schwierige Erfahrung nicht ausschließlich aus Dunkelheit besteht.
Das bedeutet nicht, dass ich Schmerz schönreden muss. Es bedeutet auch nicht, dass jede Dunkelheit sofort verschwindet, sobald ich genauer hinsehe. Es geht vielmehr darum, wahrzunehmen, ob inmitten des Schweren etwas liegt, das mir hilft, mich selbst und das Leben besser zu verstehen.
Wenn eine schmerzhafte Erfahrung zur Kraftquelle wird
Stell dir vor, du hast früher etwas sehr Bitteres erlebt. Lange war diese Erinnerung vor allem mit Schmerz verbunden. Irgendwann erkennst du jedoch: Diese Erfahrung hat mich etwas unglaublich Wertvolles über mich oder über das Leben gelehrt. Etwas, das mir geholfen hat.
Die Vergangenheit ändert sich dadurch nicht. Was schmerzhaft war, bleibt schmerzhaft. Aber die Erfahrung bekommt mehr Licht.
Nun ist da nicht nur die Verletzung. Da ist auch eine Erkenntnis. Vielleicht ist daraus eine Kraft entstanden, die du vorher nicht sehen konntest. Der Schmerz bleibt, aber er ist nicht mehr alles, was diese Erfahrung ausmacht.
Das meine ich damit, dass das Licht sich selbst findet. Das Helle in einer schwierigen Erfahrung wird erkennbar, ohne vollständig von der Dunkelheit aufgesogen zu werden, die ebenfalls da ist.
Es muss nicht gleich die ganze Dunkelheit verschwinden. Wenn etwas von diesem Licht sichtbar wird, ist es dennoch heller geworden.
Die dunkle Nacht in Spiritualität und Glauben
Auch im Glauben und in der Spiritualität gibt es Dunkelheit. Solche Zeiten können schwer sein, und zugleich können sie fruchtbar werden.
Ein eindrückliches Beispiel ist Johannes vom Kreuz, der mit seinem Gedicht von der dunklen Nacht einen Begriff und eine Erfahrung über Generationen hinweg geprägt hat.
Die dunkle Nacht steht hier für eine Erfahrung, in der sich mitten im Dunkeln Licht zeigen kann. Ein Mensch findet zu sich selbst. Etwas wird erkennbar, das zuvor verborgen war.
Damit kehrt die Frage zu uns zurück: Kannst du dich selbst auch in der Dunkelheit finden? Nicht erst dann, wenn alles geklärt ist und das Leben wieder hell erscheint, sondern auch dort, wo du noch nicht verstehst, was in dir geschieht?
Das ist kein leichtes Thema. Aber es ist ein wichtiges. Denn Dunkelheit ist nicht nur der Ort unserer Angst. Sie kann auch Schutzraum, Raum des Werdens und ein Ort der Selbsterkenntnis sein.
Vielleicht verschwindet nicht alles Dunkle. Vielleicht zeigt sich zunächst nur ein kleines Licht. Doch auch dieses kleine Licht darf erkannt werden.

