Allgemein, Cella
Schreibe einen Kommentar

Klosterherbst – Eine Nachlese

Cella Schattenbild Klosterherbst

Vom 20. September bis zum 06. Oktober 2019 haben wir in der Cella das Festival der klösterlichen Lebenskultur gefeiert: 17 Tage gefüllt mit den unterschiedlichsten Angeboten rund um das Thema der klösterlichen Lebenskultur.

Bereits in der Ankündigungsphase hatte ich mich entschieden, an allen Veranstaltungen und Angeboten des Klosterherbstes teilzunehmen, was auch tatsächlich bis auf einen Termin geklappt hat: An der Kirchführung konnte ich auf Grund der Terminüberschneidung an diesem Tag nicht teilnehmen. Ein Trost: Da die Cella seit 15 Jahren „mein“ Kirch- und Gebetsort ist, sind mir der Raum und seine Gestaltung nicht fremd.

Ein bunter Herbstwald

Als ich die Entscheidung traf, den kompletten Klosterherbst zu buchen, ahnte ich nicht, dass auf mich eine sehr intensive Zeit zukommt: Im Rückblick waren es Exerzitien im Alltag, die das Spektrum eines bunten Herbstwaldes hatten: von unterschiedlichster Musik über gutes Essen zum kontemplativen Handauflegen, von Stundengebet über eine japanische Teezeremonie zur Spiritualität einer hannoverschen Buslinie, vom Überdenken des eigenen Bewusstseins über urbane Mystik zum Kloster im eigenen Leben – Körper, Geist und Seele wurden in hohem Maße gefordert und bedient über alle Sinne. So abwechslungsreich wie die Inhalte waren auch die Medien und Formen: vom klassischen Stundengebet über die Feier des Gottesdienstes bis hin zum Beobachten eines ungewohnten Rituals; vom Vortrag über den Onlinekongress bis hin zum Workshop und eigenem Erleben in der Stadt.

Begegnung mit den heilenden Klängen

Eröffnet wurde der Klosterherbst am Freitag „im Klang der Stille“ mit Gregorianik, früher vokaler Mehrstimmigkeit sowie mittelalterlicher und moderner Harfenmusik: ankommen, den Alltag hinter sich lassen und der Stile lauschen – ein gelungener Einstieg. Passend dazu gab es am nächsten Tag einen Workshop zu den heilenden Klängen der Mönche: Das Einschwingen in den Atemrhythmus der gesungenen Psalmen will geübt sein und wirkt sich tatsächlich auf dem Körper aus. Am Sonntag wurde dann der Geist gefordert: 12 Bewusstseinsebenen auf dem Weg zu Gott wollten rational erfasst und dann in einer Imaginationsübung auf das eigene Leben übertragen werden: ein interessanter und herausfordernder Workshop.

Nach zwei Tagen Pause, um das Erlebte und Erfahrene sacken zu lassen, folgte ein Vortrag über Urbane Mystiker. Dahinter steckte die Frage, wie jeder einzelne Mensch in seiner je eigenen Lebenslage und Umgebung mönchisch leben kann. Die Antwort war in diesem Fall eine sehr persönliche, von der eigenen Lebenssituation stark geprägte. An viele Punkte konnte ich leicht andocken, weil sie sich mit meinem Weg kreuzten. So habe ich mehr Klarheit finden können, was für mich stimmt und was eben auch nicht.

Speisen bei den Mönchen

Am Donnerstagabend wurde die Cella kulinarisch. Zusammen mit Manufactum konnten wir ein wahres Festmahl genießen: Empfangen wurden wir mit Häppchen und Sekt, wobei die Häppchen bereits ein mehr als ausreichendes Abendessen darstellten. Danach ging es dann eine Etage höher ins Refektorium der Cella, wo es Maultaschen mit einem leckeren Gratin als Hauptspeise gab, dazu natürlich Klosterwein, und auch ein leckerer Nachtisch fehlte nicht. Die zwischen den Gängen erzählten Begebenheiten rund um die Klosterküche dienten nicht ausschließlich der Spiritualität, die etwas längere Pause vor dem nächsten Gang tat auch dem Körper gut. Ein gelungenes und großzügiges Mahl einfach mal so mitten in der Woche.

Der Höhepunkt als musikalischer Genuss

Am Samstag stand dann der Höhepunkt des Festivals auf dem Programm: Die Uraufführung der Auftragskomposition für die Hauskirche der Cella „ascendo -> sin(p)“ von Franz Danksagmüller. Für mich als Musikerin war es besonders spannend, eine Uraufführung zu erleben, bei der ich auch noch mitwirken durfte, indem ich auf ein akustisches Zeichen hin eine Audiodatei über mein Smartphone starten sollte und so mit anderen einen Klangteppich aus Sinustönen erzeugt habe. Beeindruckend war, wie diese Musik in den mir so vertrauten Raum passte. Auch die anderen Werke, die das Vokalensemble vortrug, waren ein musikalischer Genuss.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen des Körpers: ein Workshop zum kontemplativen Handauflegen. Diese Form der Begegnung war für mich eher ungewohnt, weil mein beruflicher Alltag sehr von der Prävention geprägt ist und von daher körperliche Berührung nicht möglich ist. Der Workshop hat die Körperwahrnehmung gestärkt.

Vertrautes und Fremdes

Nach weiteren zwei Tagen Pause folgte ein sehr munterer und anregender Vortrag mit dem Thema „Das Kloster im eigenen Leben entdecken“, der sehr schön zeigte, wie nah unsere Lebensformen beieinander liegen und wie viel wir immer wieder voneinander lernen können. Der Referent, ein niederländischer Benediktiner, beendete seinen Vortrag mit dem Lied „Blowing in the Wind“, das alle auswendig sangen und er selbst auf der Mundharmonika begleitete – und schon fühlte ich mich zurückgesetzt in Jugendzeiten…

Ganz anders war dann die Vorführung der japanischen Teezeremonie, der ich am nächsten Tag beiwohnen durfte. Wie ich gelernt habe, ist das eine Meditation in Bewegung. Und genau das hat mich ziemlich herausgefordert: Die unendliche Langsamkeit und Bedachtheit der Bewegungen – um dann für mich zu der Erkenntnis zu kommen, so viel anders als unsere katholische Eucharistiefeier ist das nun auch wieder nicht, mit dem Unterschied, dass mir die eine Form vertraut und die andere fremd ist.

Die Stadt als spiritueller Ort

Am vorletzten Tag des Klosterherbstes ging es mit dem 121er Bus auf die Suche nach der Spiritualität in der Stadt. Für mich war das besonders, weil diese Route meinen täglichen Weg zur Schule mit einschloss, den ich sonst eher nicht spirituell wahrnehme.

Am Abend war das Abschlusskonzert mit dem weiterführenden Titel „Der unendliche Durst nach Glück“ – Texte von Ernesto Cardenal wurden umrahmt von schöner Blockflötenmusik.

Und – wie nach jedem Konzert und Vortrag und den Gottesdiensten am Sonntagabend – rundeten viele gute und interessante Begegnungen mit bekannten und unbekannten Menschen bei einem Glas Wein und Brot den Abend ab.

Der Gottesdienst am Sonntagabend beschloss den Klosterherbst und spannte einen musikalischen Bogen von der Harfe des Eröffnungskonzertes zur Blockflöte des Abschlusskonzertes.

Fazit: Zwei Wochen, die ich genossen habe

Es waren 17 Tage, in denen viel bewegt wurde und die Vieles bewegt haben. Zum Glück waren nach diesen Tagen die Herbstferien, so dass der Klosterherbst noch weiter wirken konnte und ich die ein oder andere Anregung in die Tat umsetzen konnte, sei es im Außen oder im Inneren. Meine Entscheidung, den gesamten Klosterherbst mitzumachen, habe ich nicht bereut, sondern in vollen Zügen genossen, und so kann ich jetzt nur danke sagen für das, was die kleine Gemeinschaft der Cella auf die Beine gestellt hat.

Hoffentlich ist es wie im Jahreskreis: Jetzt folgen Winter, Frühling und Sommer – und dann gibt es wieder (einmal) einen (Kloster-)Herbst.

Autorin:
Erdmuthe Lüttig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich habe die Datenschutzerklärung zur Kenntnis genommen und stimme ihr zu.