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Weitere InformationenDunkelheit hat für mich immer etwas Geborgenes gehabt. Ich habe mich in ihr wohlgefühlt. Sie war nicht nur etwas Bedrohliches oder Schweres, sondern auch ein Raum von Tiefe und Schutz. Umso überraschender ist für mich die Erkenntnis: Es wird Zeit, ins Licht zu treten.
Das klingt vielleicht nach einem einfachen, schönen Schritt. Für mich ist es das nicht. Denn wenn die Dunkelheit lange ein vertrauter Ort gewesen ist, kann das Licht zunächst fremd wirken. Nicht wie eine Einladung, sondern wie ein Herausgerissenwerden aus der eigenen Deckung.
Die Dunkelheit als Ort von Tiefe
Während meines Studiums habe ich regelmäßig an einer Gruppe teilgenommen, in der wir Aquarellbilder malten. Dabei ging es nicht um künstlerische Leistung, sondern um Selbsterfahrung. Wir arbeiteten mit der Nass-in-Nass-Technik. Das ist für diese Erinnerung wichtig, denn solche Bilder verändern sich beim Trocknen.
Am Ende des Malens waren meine Bilder oft vollkommen schwarz. Ich empfand das überhaupt nicht als schlimm oder depressiv. Im Gegenteil: Ich spürte darin eine unglaubliche Tiefe. Schwarz kann diese Tiefe haben, auch wenn sie schnell etwas Abgründiges bekommen kann.
Wenn ich zwei Wochen später wiederkam und mein inzwischen getrocknetes Bild anschaute, war darin plötzlich ganz viel Licht. Was zunächst nur dunkel gewirkt hatte, zeigte nun etwas anderes.
Diese Erfahrung begleitet mich noch heute. Lange habe ich mich vor allem mit der Dunkelheit identifiziert. Ihre Geborgenheit war mir wichtig. Doch inzwischen merke ich, dass etwas in mir weitergehen möchte.
Warum der Schritt ins Licht schwer sein kann
Ich habe genug Dunkelheit in meinem Leben gehabt, im sprichwörtlichen Sinne, aber auch als einen Raum, dessen positive Seiten ich geschätzt habe. Jetzt entsteht der Wunsch, aus ihr herauszutreten.
Die Symbolik des Lichts kenne ich natürlich. Ich kann sie verstehen und rational nachvollziehen. Aber es ist etwas ganz anderes, mich selbst in einem inneren Bild ins Licht zu stellen: ins Sonnenlicht oder ins göttliche Licht.
Da fühle ich mich plötzlich nicht wohl. Ich fühle mich entblößt, sichtbar und aus meinem geschützten Raum herausgerissen. Mein bisheriges Bild vom Licht war eng mit Verwundbarkeit verbunden:
- Wenn ich im Licht stehe, kann man mich sehen.
- Ich bin nicht mehr in Deckung.
- Wer mich sieht, kann mich auch treffen.
Ins Licht zu gehen bedeutet für mich deshalb auch, mich zu zeigen. Und genau darin liegt die Schwierigkeit. Dennoch spüre ich, dass dieser Schritt wichtig ist.
Das bedeutet nicht, die Dunkelheit abzuwerten oder ihre Tiefe hinter mir auszulöschen. Sie darf eine Zeit lang da sein. Sie gehört zu mir, und ich werde sie nicht ganz weglassen. Aber sie muss nicht der einzige Ort bleiben, an dem ich mich geborgen fühlen kann.
Ein neues Bild: Auch Licht kann schützen
Erst später ist mir aufgefallen, dass ich nicht nur einen Schritt ins Licht brauche, sondern auch ein anderes Bild von Licht. Warum sollte es mich ausschließlich entblößen? Warum sollte ich nicht auch im Licht geschützt sein können?
Dabei musste ich an eine Meditation denken, die mit dem Bild einer Lichtdusche arbeitet. Licht strömt von oben herab, hüllt mich ein, durchdringt und nährt mich.
In diesem Bild ist das göttliche Licht nichts Indiskretes. Es stellt mich nicht bloß. Es ist ein diskretes Licht, das mich umgibt und schützt.
Welche Farbe hat mein inneres Licht?
Es macht einen Unterschied, wie ich mir dieses Licht vorstelle. Ist es grell und beißend, wie ein Neonlicht? Oder ist es sanft, warm, vielleicht rötlich oder orange?
Das Licht muss kein Laser sein. Es kann mich behutsam umhüllen und durchdringen, in dem Tempo, zu dem ich bereit bin. Nicht schneller, als es für mich gut ist.
Daran merke ich, wie sehr innere Bilder auch Festlegungen sein können. Wenn Licht für mich immer nur bedeutet hat, schutzlos sichtbar zu sein, dann prägt dieses Bild mein Empfinden. Aber eine solche Festlegung lässt sich lösen. Ich darf entdecken, dass Sichtbarkeit und Geborgenheit einander nicht ausschließen müssen.
Die Wärme des Lichts zulassen
Ins Licht zu gehen hat eine eigene Kraft. Auch das habe ich bemerkt. In der Dunkelheit bleibt für mich immer etwas Kühles. Das Licht dagegen bringt Wärme mit sich, eine innere Wärme.
Deshalb ist es mir wichtig geworden, diesen Schritt zu üben. Nicht, indem ich mich in ein grelles Licht zwinge. Sondern indem ich zulasse, dass Licht auch sanft sein kann, schützend und nährend.
Vielleicht ist dieser Gedanke auch für dich hilfreich: Du musst nicht schutzlos werden, um ins Licht zu treten. Vielleicht darf sich zuerst dein Bild vom Licht verändern. Die Tiefe der Dunkelheit kann bleiben, während du dich zugleich für etwas Warmes öffnest.

