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Wer singt, lebt gesünder

Viele Menschen zieht es in die Klöster oder zumindest in die Gebetszeiten der Klöster, weil sie angerührt sind vom Gesang der Mönche oder der Nonnen. Auch in der Cella sind unsere Gebetszeiten zum überwiegenden Teil gesungen. Manchmal sind die Gesänge kunstvoll und ausgeschmückt, häufig aber auch in einer eher schlichten Form mit durchaus einfachen Melodien – wie beispielsweise in den regelmäßigen Stundengebeten. Aber: Warum singen wir? Wäre sprechen nicht viel einfacher? Wäre Stille nicht viel angemessener? Und könnten sich die Klöster nicht den mit dem Gesang verbundenen Aufwand sparen und etwas Sinnvolleres mit der Zeit tun?

Der Körper verändert sich durch Klang

Auch die gemeinsame Stille kann etwas zutiefst Faszinierendes haben, aber für die meisten Menschen hat der gemeinsame Gesang doch die höhere Anziehungskraft. Was macht das Singen so besonders?

In den letzten Jahrzehnten ist es vor allen Dingen die Medizin, die sich mit der heilenden Wirkung des Singens und des Tönens beschäftigt. Vieles lässt sich heute wissenschaftlich untersuchen, was besonders auch in den Klöstern über Jahrhunderte als intuitives Erfahrungswissen weitergegeben wurde. Der heilige Augustinus hatte es ganz einfach gesagt: „Wer singt, betet doppelt.“ In der nicht so frommen Variante werden oft zwei Verse aus einem Gedicht von Johann Gottfried Seume zitiert: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder.“ Singen tut gut und lohnt sich deshalb.

Über die Entspannung zum Wohlgefühl

Heute lässt sich nachweisen, wie einfache und sich wiederholende Klänge den Blutdruck und die Herzschlagfrequenz senken. Im Singen schüttet der Mensch eine gesteigerte Menge Stickoxide aus, was zu einer Erweiterung der Blutgefäße und damit zu einer Entspannung führt. Weitere Forschungen weisen auf eine Verbesserung der Luftzirkulation und eine Erhöhung des Melatoninspiegels hin.

Es ist interessant, dass man gerade in jüngerer Zeit nahezu alle positiven Wirkungen des Singens, die wir als Erfahrungswissen oder als Redewendungen kennen, auch biochemisch nachweisen kann: Das gemeinsame Singen reduziert den Stress, es entspannt den Körper und es fördert die Zusammengehörigkeit und die Vertrautheit miteinander.

Allein und auch gemeinsam

Für die positive Gesundheitswirkung des Singens ist es nur von geringer Bedeutung, ob ich das alleine oder mit anderen tue. Natürlich macht es gemeinsam meistens mehr Spaß. Keine Bedeutung für eine heilende Wirkung des Singens hat es, ob ich die richtigen Töne treffe  – die MusikerInnen unter meinen LeserInnen mögen mir diesen Hinweis verzeihen.

Und so lade ich Euch ein, Euch im Alltag ein bisschen gesunder zu singen. Egal, ob  in der Badewanne oder unter der Dusche – gerne auch mit uns in der Cella in einer unserer Gebetszeit. Und wer sich darüber hinaus noch mehr für solche Fragen interessiert, der kann gerne einmal durch das Programm vom Klosterherbst schauen. (Das ist jetzt Schleichwerbung, gebe ich gerne zu. Herzliche Einladung!)

2 Kommentare

  1. Avatar
    Heike Krenzien sagt

    Ja, tatsächlich.
    Gestern hatte ich schon beim Aufwachen heftige Kopfschmerzen, die mich den ganzen Tag begleitet haben und kaum nachgelassen haben. Am Abend habe ich mich entschlossen, trotzdem des Schraubstocks an meinem Kopf zur Chorprobe zu gehen, weil ich gerade erst zweimal nicht da war.
    Als die Probe zu Ende war, war mein Kopf komplett schmerzfrei!

    • Bruder Karl-Leo
      Bruder Karl-Leo sagt

      Ähnliche Beobachtungen habe ich selber schon gemacht und auch meine PatientInnen in der Praxis haben mir häufig solche Erfahrungen erzählt…..

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