Alle Artikel in: Nikolaus

„Meinen Bogen setze ich in die Wolken.“

Vor einigen Wochen hat das Verbot der Glaubenskongregation, homosexuelle Paare zu segnen, vor allem in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Als Reaktion auf die Meldung aus Rom tauchten gleichsam als Protest an vielen Kirchen Regenbogenfahnen auf. Diese sind ja seit den 1970-er Jahren ein internationales schwul-lesbisches Symbol. Nicht wenige Engagierte der LGBT-Gemeinde sahen darin eine Vereinnahmung „ihrer“ Fahne. Der Regenbogen Gottes Wer vor dem Portal unserer Hauskirche steht, sieht über dem stilisierten Regenbogen, der sich über beide Seiten der Tür zieht, zunächst hebräische Buchstaben: das Schema Jisrael – „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.“ (Dtn 6,4). Und unter dem Regenbogen liest man: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und euch.“ (Gen 9,13). Dieses Bundeszeichen besiegelt nach der Sintflut den erneuten Bund Gottes mit den Menschen. So nimmt der Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen Mensch und Gott eine altorientalische Tradition auf, …

Da fehlt was

Am vergangenen  Wochenende haben wir das Triduum paschale, die drei österlichen Tage, gefeiert. Für unsere evangelischen Schwestern und Brüder ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Jahr, für uns Katholiken ist es der Ostertag. Zwischen beiden Tagen liegt dieser merkwürdige Karsamstag, ein „Nicht-Tag“ quasi, an dem es neben den Tagzeitgebeten keine weitere Liturgie gibt. Es ist der Tag, an dem dieser Jesus nicht da ist. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ – so beten und bekennen wir im Apostolicum. Was auch immer mit dem „Reich des Todes“ gemeint ist, Jesus ist den gleichen Weg gegangen, den auch jede und jeder einzelne von uns einmal gehen muss. Aber Jesus bleibt nicht in diesem Reich, sondern er ist „am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Da fehlt was! Im Evangelium der Osternacht beschreibt Markus, dass Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome frühmorgens, nachdem der Sabbat vorüber war, zum Grab gingen, …

„Auf ihn sollt ihr hören!“

Am vergangenen Sonntag wurde das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vorgetragen (Mk 9,2-10). Dieses Evangelium begründet ja auch das gleichnamige Fest der Verklärung des Herrn, das wir jedes Jahr am 6. August feiern. Man kann das Geschehen auf dem Berg Tabor, der in keinem der drei synoptischen Evangelien namentlich genannt wird, sogar zeitlich einordnen: Der Perikope geht auf die Frage Jesu, wofür ihn die Jünger hielten, zunächst das Christusbekenntnis des Petrus voraus. In der alten Einheitsübersetzung lautete es: „Du bist der Messias!“; in der revidierten Fassung nun genauer: „Du bist der Christus!“ (Mk 8,29). Darauf kündet Jesus zum ersten Mal sein Leiden und seine Auferstehung an. Gerade das Christusbekenntnis deutet eine bewusste Komposition der drei Synoptiker an; denn es verweist auf die Verbindung von Jom Kippur, dem großen Versöhnungsfest – bei dem der Hohepriester im Tempel feierlich den Namen Jahwes ausspricht – und dem jüdischen Sukkot, dem Laubhüttenfest, das als einwöchiges Erntefest gefeiert wird. In diesem zeitlichen Umfeld erzählen die ersten drei Evangelisten von der Verklärung Jesu: nach dem Christusbekenntnis und …

Der Weihnachtsbaum in der guten Stube

Im Februar ein Beitrag zum Weihnachtsbaum? Nun, am 2. Februar feiert die Liturgie das Fest der Darstellung des Herrn, ein von Weihnachten abhängiges Fest. Doch dazu weiter unten mehr… Mein Vater ist in einem Dorf in der Eifel, unweit der Abtei Maria Laach, aufgewachsen. Oft sind unsere Eltern mit uns dort hingefahren, um die Großmutter und die Familie einer Schwester meines Vaters zu besuchen. Das Haus war aus robusten Bruchsteinen errichtet. Das Plumsklo befand sich in einem Verschlag neben dem Haus. Ab und an hat mein Vater Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt. Das Familienleben fand gewöhnlich am Küchentisch statt, denn die gute Stube wurde nur zu ganz besonderen Anlässen benutzt. Und so war es, dass meine Großmutter in einem Jahr kurz vor Ostern diese herrichten wollte. Und in der Stube stand noch der Weihnachtsbaum – ziemlich skeletthaft, denn die Nadeln lagen alle auf der Erde. Die Weihnachtszeit endete am 2. Februar Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils endete die Weihnachtszeit am 2. Februar mit dem Fest der Darstellung des Herrn, im Volksmund auch gern …

Auf ein Neues – 2.0

Das neue Jahr ist nun schon in der zweiten Woche. Und doch ist alles ganz anders als in den vergangenen Jahren… Normalerweise wären wir Brüder an Neujahr in die Abtei gefahren und hätten dort mit unseren Brüdern zusammen unsere Jahresexerzitien begangen. Unsere Exerzitien sollte eine Schwester aus der Abtei St. Hildegard begleiten. Aber dort mussten die Schwestern alle in Quarantäne weil zwei Mitarbeitende auf Covid-19 getestet worden waren. Außerdem: unsere Cella in Hannover liegt bekanntlich in der Landeshauptstadt von Niedersachsen, unsere Abtei hingegen befindet sich in Nordrhein-Westfalen: Zwei unterschiedliche Bundesländer bedeutet auch zwei unterschiedliche Verordnungen Relativ früh war daher klar, dass in der Abtei die Exerzitien in diesem Jahr als „Stille Tage“ mit einigen spirituellen Angeboten durchgeführt werden. Wir haben uns dem angeschlossen und „Stille Tage“ in der Cella verbracht.GebetszeitenWährend dieser Tage haben wir unser Stundengebet hinter verschlossenen Türen gehalten, hatten jedoch immer im Hinterkopf, dass wir mit vielen Menschen verbunden sind, die sonst unser Beten und Arbeiten teilen. Da die Infektionszahlen nach wie vor sehr hoch sind, haben wir uns auch entschlossen, ab dem 7. Januar, an dem …

Auf ein Neues…

Am vergangenen Sonntag, oder genauer gesagt, am Samstagabend mit der ersten Vesper hat ein neues Kirchenjahr begonnen. Das vergangene stand größtenteils unter dem Schatten des Corona-Virus und hat uns im ersten Lockdown ja selbst Kirchen ohne Gottesdienste erleben lassen. Vor allem das höchste Fest, Ostern, war für viele eine eigenartige Erfahrung: Eine Mitfeier der Kar- und Ostertage war, wenn überhaupt, nur per Livestream möglich. Sehr eindrücklich stehen mir noch die Bilder vom Karfreitag vor Augen, als Papst Franziskus einsam auf dem Peterplatz vor dem „Pestkreuz“ steht – im Regen. Nun können wir zwar schon eine geraume Zeit wieder Gottesdienste miteinander feiern, aber es ist so ganz anders als vorher… Auf dem Weg zur Freiheit Mit dem ersten Advent wechselt auf das Evangelium. Haben wir im vergangenen Jahr an den meisten Sonntagen Abschnitte aus dem Matthäusevangelium gehört, lesen wir in diesem Jahr in erster Linie Abschnitte aus dem Markusevangelium. Anselm Grün hat seine Auslegung des Markusevangeliums „Jesus – Weg zur Freiheit“ überschrieben. In der Einleitung schreibt er: „Das ganze Matthäusevangelium ist durchzogen von der Auseinandersetzung Jesu …

Tod und Vergehen waltet in allem

Aufgrund zahlreicher Anlässe des Totengedenkens wird der November auch als Toten- oder Trauermonat bezeichnet. Da folgen in der katholischen Tradition am Tag nach Allerheiligen das Totengedenken und die Gräbersegnung an Allerseelen. In der evangelischen Tradition wird das Totengedenken am letzten Sonntag im Jahreskreis begangen, weshalb dieser Tag dort Toten- oder Ewigkeitssonntag genannt wird. Ein Hymnus aus der Totenliturgie 1978 dichte P. Polykarp Ühlein, der 1963 von Münsterschwarzach aus in die Abtei Ndanda, Tansania, gesandt wurde, diesen Hymnus für die Laudes beim Totenoffizium: Tod und Vergehen waltet in allem,steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,Sternbild und Zeit. Du hast ins Leben alles gerufen.Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:Hole sie heim! Schenke im Ende auch die Vollendung!Nicht in die Leere falle die Vielfaltirdischen Seins. Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel. –Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,ewigen Gott. Amen. Die gesamte Schöpfung ist dem Tod anheimgegeben Der Text der ersten Strophe verdeutlicht, dass die gesamte Schöpfung dem Tod anheimgegeben ist. Ein Aussage, die uns unsere eigene Endlichkeit – und die der ganzen Schöpfung – vor Augen stellt. …

Erntedank

Am vergangenen Sonntag wurde, wie in jedem Jahr am ersten Sonntag im Oktober, in vielen Gemeinden Erntedank gefeiert. In ländlichen Gegenden, in denen die Menschen stärker mit der Natur verbunden sind als die Menschen in der Großstadt, liegt es nahe, Erntekränze zu flechten, Kürbisse und Obst, Kohl und ähnliches in der Kirche zu drapieren und damit deutlich zu machen, dass die Gaben der Natur Geschenke Gottes sind. Dank für die Ernte Der Dank für die Ernte wird wohl in allen Religionen rituell begangenen. Unsere jüdischen Geschwister danken bei unterschiedlichen Feiern für die Ernte: an Mazzot, dem Fest der ungesäuerten Brote; an Schavuot, dem Wochenfest; und schließlich an Sukkot, dem Laubhüttenfest. – Im Christentum ist das Erntedankfest seit dem dritten Jahrhundert bekannt. Im Buch Genesis heißt es im ersten Schöpfungsbericht: „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ Ältere Übersetzungen lauten: „Macht Euch die Erde untertan.“ Nirgends aber ist davon die Rede, …

„Hast Du ‘ne Macke, dann sei froh!“

In den vergangenen drei Wochen habe ich in der „Gastpriesterwohnung“ der Pfarrei St. Ludgerus auf Norderney meine Ferien verbracht und im Gegenzug die Eucharistiefeiern und einige Gesprächsangebote übernommen. Da ich mich für Architektur interessiere, ist die katholische Pfarrei hier auf der Insel schon etwas Besonderes; denn sie hat zwei Kirchorte, die nur etwa 150 Meter voneinander entfernt sind: die neugotische Kirche St. Ludgerus von 1884 und die Bauhaus-Kirche Stella Maris, die 1930/31 nach den Plänen eines der großen Kirchenbaumeister der zwanzigsten Jahrhunderts, Dominicus Böhm, gebaut wurde und (nebenbei gesagt) die größte Kirche Ostfrieslands ist. Der Altar mit der Macke Während meines Aufenthalts auf der Insel lud Markus Fuhrmann, ständiger Diakon und Pfarrbeauftragter für Norderney, wöchentlich zu Kirchführungen in Stella Maris mit dem Titel „Bauhaus auf Norderney“ ein. Dabei erzählte er unter anderem von der Umgestaltung der Kirche in den Jahren von 2006 bis 2008 durch den Düsseldorfer Architekten Bruno Braun. Dieser hatte auf die ersten Entwürfe Dominicus Böhms zurückgegriffen und die „Prinzipalstücke“ – Stele für den Tabernakel, Ambo mit Osterleuchter, Vorstehersitz und Altar – in …

Wie wollen wir leben? 11

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren. Wie wollen wir uns künftig als Menschen selbst verstehen? Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig. Bibel:Gott war es, der in Christus den ganzen Kosmos, alles Geschaffene, mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Aufgabe machte. (2 Korintherbrief 5,19) Anstöße für ein betendes Nachsinnen:Zeit zum Träumen: Wie wäre es, was würde sich ändern, wenn wir Menschen uns selbst nicht mehr von den Unterschieden untereinander, zu den Tieren und allem Geschaffenen her beschreiben, sondern von unserer Einbindung in ökologische Kreisläufe, von der Verbundenheit mit allem Lebendigen und unserer Funktion für das Ganze des gemeinsamen Hauses Erde? Versöhnung ist das Wesen der Schöpfung. Versöhnung: …