Alle Artikel in: Nikolaus

Wahrheit befreit

Wahrheit befreit Wir kennen das alle: Wenn es anscheinend unserm Vorteil zuträglicher war, haben wir schon einmal die Unwahrheit gesagt. Da ist oft kein großes Lügengespinst notwendig: einfach mal eben gesagt „Das habe ich nicht gemacht…“ – auch wenn es der Wahrheit nicht entspricht. Wir hoffen, dass Notlügen und kleine Unwahrheiten, uns vor Erklärungen schützen, die gegebenenfalls peinlich sein und uns in die Bredouille bringen können. Wenn dann irgendwann auffliegt, dass unsere Aussage falsch war, stehen wir nicht nur als Lügner dar, sondern haben auch das Vertrauen, das andere in uns gesetzt hatten, enttäuscht. Der Evangelist Johannes schildert ein Streitgespräch Jesu mit den Juden und zitiert: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8,31f) Lüge versus Wahrheit Am vergangenen Wochenende konnte man auf der Titelseite der Sonntagsbeilage „Sonntag“ zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einen Artikel lesen, der sich diesem Thema widmete. „Wenn die Lüge siegt“, lautete die Überschrift (hier nachzulesen: http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Fake-News-Wenn-die-Luege-siegt). Darin beschreibt der Autor, Dirk Schmaler, dass „Fake …

Den Sonntag zelebrieren

Den Sonntag zelebrieren Nach den Sonntagslaudes kauft einer von uns Brüdern Brötchen und anschließend nehmen wir uns Zeit, um in aller Ruhe zu frühstücken. Das erinnert mich immer daran, dass der Sonntag ein besonderer Tag ist. Gehen wir die Woche über direkt nach dem Frühstück an unsere Arbeit, so  genießen wir sonntags die gemeinsam Zeit mit viel Muße. Den Sabbat heiligen Am vergangenen Sonntag habe ich die Brötchen eingekauft, und auf dem kurzen Weg zum Bäcker gingen mir die Lesungstexte des Tages durch den Sinn, über die ich gut zwei Stunden später in der Pfarrkirche St. Joseph predigen sollte. Da sollte in der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Deuteronomium das Gottesgebot, den Sabbat zu heiligen, erklingen (vgl. Dtn 5,12-15). Und im Evangelium drangsalieren die Pharisäer Jesus, weil sie seine Jünger erwischt haben, als diese am Sabbat Ähren abrissen, was ja wegen des Sabbatgebots verboten war (Mk 2,23-3,6). Wie soll ich mich verhalten? Soll ich also sonntags keine Brötchen kaufen, weil ja andere für deren Herstellung arbeiten müssen? Ich könnte sie ja auch am Vortag besorgen …

Auferstehung

An die Auferstehung glauben: Wie geht das?

An die Auferstehung glauben: Wie geht das? Es gibt im Neuen Testament viele Belege dafür, dass Jesus auferstanden ist. Gerade die Evangelisten schildern immer wieder Begegnungen des Auferstandenen mit seinen (verängstigten) Jüngern. Vor allem aber die Apostelgeschichte schildert in mannigfachen Erzählungen, wie die Apostel für die Auferstehung Jesu unerschrocken Zeugnis ablegen, sei es bei Verhören durch die römische Gerichtsbarkeit beziehungsweise durch die Hohepriester (vgl. Apg 4,1-21), sei es bei Wunderheilungen vgl. Apg 3,1-11)… Eigentlich ist alles klar Wenn wir den Worten der Heiligen Schrift Glauben schenken, sollte eigentlich alles klar sein. Und dennoch haben viele Menschen große Zweifel. Woran liegt das? An die Auferstehung Jesu zu glauben, scheint nicht das Problem zu sein; vielmehr hinterfragen viele die Wirksamkeit – oder besser gesagt: die Wirkungslosigkeit des einmaligen Geschehens. Ist die Welt besser geworden? Hat die Auferstehung Jesu die Menschen verändert? Ist vielleicht sogar die Welt besser geworden? Die Antwort auf diese Fragen fällt eindeutig aus, wenn wir die in die vergangenen 2000 Jahre Menschheitsgeschichte schauen oder wenn wir auf die vielen Krisengebieten auf der Erde in …

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst! So lautet der Titel eines Buchs von  Joseph Wittig, das von den Osterzeiten des Lebens erzählt und 1932 erschien. Wer war Joseph Wittig? Joseph Wittig, 1879 in Neusorge, Grafschaft Glatz, geboren, studierte Theologie, promovierte und habilitierte sich, wurde 1903 zum Priester geweiht und 1915 zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte, Patrologie und kirchliche Kunst an der Theologischen Fakultät der Universität Breslau ernannt. Im Jahr 1922 erregte sein Aufsatz „Die Erlösten“, in dem er die offizielle kirchliche Auslegung der Sünde und Beichte kritisierte, in ganz Deutschland Aufsehen und führte zu Protest der vorgesetzten kirchlichen Behörde. Sein „Herrgottswissen“, „Kirche im Waldwinkel“ und „Das Leben Jesu in Schlesien, Palästina und anderswo“ wurden trotzdem von katholischen und protestantischen Lesern begeistert aufgenommen. Aber die Auseinandersetzungen mit der Amtskirche führten schließlich zur Indizierung vieler seiner Schriften und nach der Beurlaubung an der Universität schließlich auch zur Exkommunikation im Jahre 1926. Trotz der Ausschließung aus der Kirchengemeinschaft, die zwanzig Jahre später wieder aufgehoben wurde, blieb er der katholischen Kirche treu. Seine theologische Tätigkeit drückte sich außer im schriftstellerischen …

Ein Hausputz hat etwas Befreiendes…

Ein Hausputz hat etwas Befreiendes… Beim samstäglichen Putzen können die Gedanken schweifen – und so erinnerte ich mich am Wochenende an meine Kindheit: Meine Eltern hatten einen Handwerksbetrieb, und meine Großmutter mütterlicherseits, die bei uns wohnte, führte den Haushalt. Da stand im Frühjahr immer der große Frühjahrsputz an; denn vor Ostern sollte der Schmutz, der sich den Winter über angesammelt hatte, nicht einem strahlenden Glanz, aber zumindest der Sauberkeit weichen… Als ich also am vergangenen Samstag an die „gute, alte Zeit“ dachte, kam mir der Gedanke, mal nachzuschauen, was im weltweiten Netz – nicht zuletzt dank „Dr. Google“ – zum Thema Hausputz zu finden ist. Ich gab halt in der Suchmaschine „Hausputz“ ein – und der erste Eintrag, der angezeigt wurde, lautete: „Ein Hausputz hat auch etwas Befreiende“. Der Hausputz für außen… Auf https://www.haushaltstipps.com/Hausputz/ wird in klaren und einfachen Begriffen erklärt, was man alles bedenken muss, wenn man den so wichtigen Frühjahrsputz veranstaltet: Etwa, dass man von oben nach unten arbeiten muss: „Also bitte nicht mit dem Boden beginnen und dann die Arbeitsflächen abwischen. Dabei …

Ab morgen bleibt alles beim Alten?!

Ab morgen bleibt alles beim Alten?! Es gibt immer wieder Gelegenheiten, gute Vorsätze zu fassen – etwa zum Jahresbeginn, zu Geburtstagen und anderen besonderen Anlässen. Aber wie sieht es in der Realität aus? Kaum sind die guten Vorsätze gefasst, verblassen sie schon wieder. Dies ist eine Erfahrung, die wir alle immer wieder machen. Vor allem dann, wenn diese Vorsätze mit Einschränkungen verbunden sind: „Ich bin mit meiner Figur unzufrieden und will meine Ernährung umstellen oder weniger essen…“ Aber spätestens, wenn meine Lieblingsspeise vor mir steht, werde ich schwach und kann nicht wiederstehen. Müssen Vorsätze immer wieder scheitern? Wenn Vorsätze von vornherein mit einer negativen Konnotation einhergehen, dann sind sie unweigerlich zum Scheitern verurteilt; denn wir Menschen sind nun einmal Gewohnheitstiere. Bei einem guten, positiven Vorsatz hingegen sind die Erfolgsaussichten weitaus größer. Dass ein guter Vorsatz gelingen kann, davon bin ich überzeugt! Von daher möchte ich Dir im Folgenden eine Idee vorstellen: Die Österliche Bußzeit – eine Zeit für gute Vorsätze In diesem Monat beginnt die Österliche Bußzeit, die Fastenzeit. Der heilige Benedikt schreibt im 49. …

Heilige des Advents

Heilige des Advents Ich erinnere mich noch an gut an die Adventszeiten in meiner Kindheit, schließlich hatten meine Schwester Barbara und ich da Namenstag. Und diese Tage wurden bei uns zu Hause wirklich zelebriert: Am Barbaratag fanden meine Geschwister und ich morgens je einen großen Teller mit Gebäck und Apfelsinen und es wurden Barbarazweige in eine Vase gestellt, die an Weihnachten blühten. Am Nikolaustag waren die Stiefel, die wir am Tag zuvor geputzt und vor die Schlafzimmertür gestellt hatten, morgens mit Süßigkeiten und Gebäck gefüllt. Die heilige Barbara und der heilige Nikolaus, neben der heiligen Lucia und (für Missionsbenediktiner selbstverständlich) die heilige Odilia: allesamt große Gestalten des Advents! Die Wahrheit der Legenden 1984 haben Gertrude und Thomas Satorius ein Taschenbuch veröffentlicht, das den Titel trug: „Der Heilige Nikolaus – Die Wahrheit der Legende“. Tatsächlich sieht die heutige Forschung in der heiligen Barbara wohl eher eine legendenhafte Person, die nie gelebt hat. Anders verhält es sich beim heiligen Nikolaus: Wahrscheinlich zwischen 280 und 286 in Patara (in der Nähe von Antalya) geboren, unterschied er sich angeblich …

„… sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“

„… sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ Woche für Woche singen wir dienstags in den Laudes diesen Vers: „Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ ( Ps 90,10) – Gerade November mit seinen katholischen Gedenk- und Feiertagen Allerheiligen, Allerseelen, mit dem Ewigkeitssonntag, den unsere protestantischen Schwestern und Brüder begehen, steht das Totengedenken im Mittelpunkt: Wir denken an liebe Freunde, die viel zu früh gestorben sind; wir denken an Verwandte, eventuell unsere Eltern, die uns lange Zeit geleitet und begleitet haben, aber nun nicht mehr auf Erden sind. Dabei mahnt der heilige Benedikt in seiner Ordensregel im Kapitel über „die Werkzeuge der geistlichen Kunst“, sich den drohenden Tod täglich vor Augen zu halten (vgl. RB 4,47), also ständig und immer an den Tod zu denken. Was ist der Sinn des Totengedenkens? Was ist der Sinn, sich den drohenden eigenen Tod vorzustellen? Nun, Psalm 90, aus dem der eingangs zitierte Satz stammt, gibt zwei Verse später die Antwort: „Unsere Tage lehre uns zählen! Dann erlangen wir ein weises Herz.“ …

Kann ich mich beschenken lassen

Kann ich mich beschenken lassen? – reloaded

Kann ich mich beschenken lassen? Als ich noch nicht lange im Kloster war, war es mir oftmals unangenehm: Ich bekam etwas geschenkt – und ich konnte nichts zurückschenken, weil ich ja kein eigenes Geld besaß… Im Laufe meines Klosterlebens hat sich meine Einstellung zum Beschenkt-Werden jedoch geändert. Heute freue ich mich, wenn ich etwas geschenkt bekomme, weil ich weiß, dass der Schenkende mir gegenüber damit seine Wertschätzung ausdrücken will – ohne den Hintergedanken, dass er dafür etwas Materielles zurückerhalte. Gerade die Beschäftigung mit der Bibel bestätigt dies. Die Botschaft Jesu Der Evangelist Lukas berichtet im 14. Kapitel seines Evangeliums, dass Jesus bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen war: „Er sagte zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird …

Wir müssen noch viel lernen…

Wir müssen noch viel lernen… Bei der Lektüre des Buchs „Heute im Blick. Provokationen für eine Kirche, die mit den Menschen geht“ von Martin Werlen, der von 2001-2013 der 58. Abt des Klosters Einsiedeln in der Schweiz war, und der unseren Konvent von Königsmünster am Beginn dieses Jahres als Exerzitienmeister begleitet hat, fand ich ein bemerkenswertes Interview. Der honduranische Kardinal Rodriguez, von Papst Franziskus 2013 zum Koordinator eines achtköpfigen Kardinalsrates, das den Papst in weltkirchlichen Fragen beraten soll, ernannt, hat dem Kölner Stadtanzeiger am 17. Januar 2014 ein Interview gegeben, bei dem er über den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, gesagt hat: „In seiner Mentalität gibt es nur richtig oder falsch, das war’s. Aber ich sage: Die Welt, mein Bruder, die Welt ist nicht so. Du solltest ein wenig flexibel sein, wenn du andere Stimmen hörst, damit du nicht nur zuhörst und sagst: Nein, hier ist die Wand. Er hat noch viel zu lernen.“ Ich muss noch viel lernen… Da ist Kardinal Müller wohl nicht allein. Abgesehen davon, dass er nicht mehr …