Alle Artikel in: Nikolaus

Auf ein Neues!

Auf ein Neues! Oder: alle Jahre wieder. Zum sechsunddreißigsten Mal – seit ich im Kloster bin – habe ich in der vergangenen Woche die Bändchen in meinen liturgischen Büchern von hinten nach vorne gelegt; denn mit dem Ersten Advent hat ja wieder einmal ein neue Kirchenjahr begonnen. Dabei kündigt sich die Advents- und nahende Weihnachtszeit schon seit Wochen an: die Gänge in den Supermärkten sind enger als sonst, weil viele zusätzliche Regalelemente ausgestellt sind, die Gebäck, Printen, Christstollen und Adventskalender enthalten. Und die Weihnachtsmärkte haben auch schon geöffnet… Was feiern wir eigentlich im Advent? Liturgie-theologisch ist der Advent eine Vorbereitungszeit in doppelter Hinsicht: Vom ersten Adventssonntag bis zum 16. Dezember hören wir in der Liturgie endzeitliche Texte, zum Beispiel von alttestamentlichen Propheten und Texte über Johannes den Täufer mit seinen Mahnungen zur Umkehr und Buße. Vom 17. bis 24. Dezember wird dagegen der Blick auf die Verheißung der Geburt Christi gelenkt und auf Maria und Josef. Die Vermischung der beiden Bedeutungen der „Ankunft Christi“ erklärt sich aus unterschiedlichen Traditionen im Lauf der Jahrhunderte: So gab …

Trauer

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) „Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) Das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja findet sich so nicht in der Einheitsübersetzung, wohl aber in der Lutherbibel. Es passt, so denke ich, sehr gut als Motto für den Monat November, der dem Totengedenken gewidmet ist. In der Liturgie der katholischen Kirche stehen mit Allerheiligen und Allerseelen zwei Gedenktage am Beginn des Monats, die an unsere Toten erinnern. In der evangelischen Kirche ist es vor allem der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt und am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen wird. Danklied des Hiskija Hiskija hat von etwa 750 bis 796 v.Chr. gelebt und war 29 Jahre lang König von Juda. Als ihn eine lebensbedrohende Krankheit befiel, wurde er durch die Vermittlung des Propheten Jesaja geheilt. Nach seiner Genesung, dankte er Jahwe für seine Gesundheit mit einem Lied: „Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Ich darf den HERRN …

Das Auge betet mit

Das Auge betet mit

Das Auge betet mit … so lautet der Titel eines Buches, an dem ich – zusammen mit drei weiteren Autoren – momentan in der Endphase arbeite. Dabei handelt es sich um ein Werkbuch für die Blumengestaltung von Sakralräumen im Kirchenjahr. Aus der Arbeit mit dem Buch, das viele Fotobeispiele zeigt, entstand die Idee, eine Küsterfortbildung im Bistum Münster zu diesem Thema zu machen. Und so war ich in der vergangenen Woche in einem katholischen Bildungshaus in Nordrhein-Westfalen, um mit etwa 70 Küsterinnen und Küstern zu arbeiten. Sakralräume erleichtern oder erschweren das Beten Im Park des Tagungshauses wurde nach 1960 eine Kapelle in Beton-/Glasbautechnik errichtet. Als ich diesen Sakralraum vergangenen Montag betrat, war ich – um es vorsichtig zu formulieren – nicht sehr angetan: ein dunkler, von Lampen nicht richtig ausgeleuchteter Raum. Eine recht große Glaswand in blauen und grauen Farbschattierungen gehalten, ließ ebenfalls kein richtiges Licht herein. Der Alter wirkte ein wenig lieb- und lustlos aufgestellt (und wackelte auch noch, wie ich bei einem Gottesdienst feststellte). Der Ambo stand mit der Pultseite an die Wand …

Was ist Populismus?

Was ist Populismus? In der dritten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche (1993-2001) sucht man vergeblich nach dem Schlagwort „Populismus“. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1977 aber wird man fündig. Hier wird Populismus als eine französiche literarische Richtung beschrieben, die Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgekommen ist. Dort heißt es: „ Der Populismus wandte sich sowohl gegen den Intellektualismus und Psychologismus einer im Grunde realitätsfremden bürgerlichen Literatur …  als auch gegen den sozialen Extremismus des Naturalismus.“ Populismus ist momentan in aller Munde Im Zusammenhang mit den Chemnitzer Demonstrationen der vergangenen Woche ist das Schlagwort in aller Munde. Aber in Chemnitz geht es doch wohl kaum um Literatur!? Laut Duden ist Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik mit dem Ziel, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen“. Tatsächlich betonen Populisten häufig den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Regierung“ beziehungsweiser der „Elite“ und versuchen den Eindruck zu erwecken, sie stünden auf der Seite des einfachen Volkes. (Lesenswerte Beiträge zum Thema finden sich auf der Seite der …

Wahrheit befreit

Wahrheit befreit Wir kennen das alle: Wenn es anscheinend unserm Vorteil zuträglicher war, haben wir schon einmal die Unwahrheit gesagt. Da ist oft kein großes Lügengespinst notwendig: einfach mal eben gesagt „Das habe ich nicht gemacht…“ – auch wenn es der Wahrheit nicht entspricht. Wir hoffen, dass Notlügen und kleine Unwahrheiten, uns vor Erklärungen schützen, die gegebenenfalls peinlich sein und uns in die Bredouille bringen können. Wenn dann irgendwann auffliegt, dass unsere Aussage falsch war, stehen wir nicht nur als Lügner dar, sondern haben auch das Vertrauen, das andere in uns gesetzt hatten, enttäuscht. Der Evangelist Johannes schildert ein Streitgespräch Jesu mit den Juden und zitiert: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8,31f) Lüge versus Wahrheit Am vergangenen Wochenende konnte man auf der Titelseite der Sonntagsbeilage „Sonntag“ zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einen Artikel lesen, der sich diesem Thema widmete. „Wenn die Lüge siegt“, lautete die Überschrift (hier nachzulesen: http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Fake-News-Wenn-die-Luege-siegt). Darin beschreibt der Autor, Dirk Schmaler, dass „Fake …

Den Sonntag zelebrieren

Den Sonntag zelebrieren Nach den Sonntagslaudes kauft einer von uns Brüdern Brötchen und anschließend nehmen wir uns Zeit, um in aller Ruhe zu frühstücken. Das erinnert mich immer daran, dass der Sonntag ein besonderer Tag ist. Gehen wir die Woche über direkt nach dem Frühstück an unsere Arbeit, so  genießen wir sonntags die gemeinsam Zeit mit viel Muße. Den Sabbat heiligen Am vergangenen Sonntag habe ich die Brötchen eingekauft, und auf dem kurzen Weg zum Bäcker gingen mir die Lesungstexte des Tages durch den Sinn, über die ich gut zwei Stunden später in der Pfarrkirche St. Joseph predigen sollte. Da sollte in der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch Deuteronomium das Gottesgebot, den Sabbat zu heiligen, erklingen (vgl. Dtn 5,12-15). Und im Evangelium drangsalieren die Pharisäer Jesus, weil sie seine Jünger erwischt haben, als diese am Sabbat Ähren abrissen, was ja wegen des Sabbatgebots verboten war (Mk 2,23-3,6). Wie soll ich mich verhalten? Soll ich also sonntags keine Brötchen kaufen, weil ja andere für deren Herstellung arbeiten müssen? Ich könnte sie ja auch am Vortag besorgen …

Auferstehung

An die Auferstehung glauben: Wie geht das?

An die Auferstehung glauben: Wie geht das? Es gibt im Neuen Testament viele Belege dafür, dass Jesus auferstanden ist. Gerade die Evangelisten schildern immer wieder Begegnungen des Auferstandenen mit seinen (verängstigten) Jüngern. Vor allem aber die Apostelgeschichte schildert in mannigfachen Erzählungen, wie die Apostel für die Auferstehung Jesu unerschrocken Zeugnis ablegen, sei es bei Verhören durch die römische Gerichtsbarkeit beziehungsweise durch die Hohepriester (vgl. Apg 4,1-21), sei es bei Wunderheilungen vgl. Apg 3,1-11)… Eigentlich ist alles klar Wenn wir den Worten der Heiligen Schrift Glauben schenken, sollte eigentlich alles klar sein. Und dennoch haben viele Menschen große Zweifel. Woran liegt das? An die Auferstehung Jesu zu glauben, scheint nicht das Problem zu sein; vielmehr hinterfragen viele die Wirksamkeit – oder besser gesagt: die Wirkungslosigkeit des einmaligen Geschehens. Ist die Welt besser geworden? Hat die Auferstehung Jesu die Menschen verändert? Ist vielleicht sogar die Welt besser geworden? Die Antwort auf diese Fragen fällt eindeutig aus, wenn wir die in die vergangenen 2000 Jahre Menschheitsgeschichte schauen oder wenn wir auf die vielen Krisengebieten auf der Erde in …

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst! So lautet der Titel eines Buchs von  Joseph Wittig, das von den Osterzeiten des Lebens erzählt und 1932 erschien. Wer war Joseph Wittig? Joseph Wittig, 1879 in Neusorge, Grafschaft Glatz, geboren, studierte Theologie, promovierte und habilitierte sich, wurde 1903 zum Priester geweiht und 1915 zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte, Patrologie und kirchliche Kunst an der Theologischen Fakultät der Universität Breslau ernannt. Im Jahr 1922 erregte sein Aufsatz „Die Erlösten“, in dem er die offizielle kirchliche Auslegung der Sünde und Beichte kritisierte, in ganz Deutschland Aufsehen und führte zu Protest der vorgesetzten kirchlichen Behörde. Sein „Herrgottswissen“, „Kirche im Waldwinkel“ und „Das Leben Jesu in Schlesien, Palästina und anderswo“ wurden trotzdem von katholischen und protestantischen Lesern begeistert aufgenommen. Aber die Auseinandersetzungen mit der Amtskirche führten schließlich zur Indizierung vieler seiner Schriften und nach der Beurlaubung an der Universität schließlich auch zur Exkommunikation im Jahre 1926. Trotz der Ausschließung aus der Kirchengemeinschaft, die zwanzig Jahre später wieder aufgehoben wurde, blieb er der katholischen Kirche treu. Seine theologische Tätigkeit drückte sich außer im schriftstellerischen …

Ein Hausputz hat etwas Befreiendes…

Ein Hausputz hat etwas Befreiendes… Beim samstäglichen Putzen können die Gedanken schweifen – und so erinnerte ich mich am Wochenende an meine Kindheit: Meine Eltern hatten einen Handwerksbetrieb, und meine Großmutter mütterlicherseits, die bei uns wohnte, führte den Haushalt. Da stand im Frühjahr immer der große Frühjahrsputz an; denn vor Ostern sollte der Schmutz, der sich den Winter über angesammelt hatte, nicht einem strahlenden Glanz, aber zumindest der Sauberkeit weichen… Als ich also am vergangenen Samstag an die „gute, alte Zeit“ dachte, kam mir der Gedanke, mal nachzuschauen, was im weltweiten Netz – nicht zuletzt dank „Dr. Google“ – zum Thema Hausputz zu finden ist. Ich gab halt in der Suchmaschine „Hausputz“ ein – und der erste Eintrag, der angezeigt wurde, lautete: „Ein Hausputz hat auch etwas Befreiende“. Der Hausputz für außen… Auf https://www.haushaltstipps.com/Hausputz/ wird in klaren und einfachen Begriffen erklärt, was man alles bedenken muss, wenn man den so wichtigen Frühjahrsputz veranstaltet: Etwa, dass man von oben nach unten arbeiten muss: „Also bitte nicht mit dem Boden beginnen und dann die Arbeitsflächen abwischen. Dabei …

Ab morgen bleibt alles beim Alten?!

Ab morgen bleibt alles beim Alten?! Es gibt immer wieder Gelegenheiten, gute Vorsätze zu fassen – etwa zum Jahresbeginn, zu Geburtstagen und anderen besonderen Anlässen. Aber wie sieht es in der Realität aus? Kaum sind die guten Vorsätze gefasst, verblassen sie schon wieder. Dies ist eine Erfahrung, die wir alle immer wieder machen. Vor allem dann, wenn diese Vorsätze mit Einschränkungen verbunden sind: „Ich bin mit meiner Figur unzufrieden und will meine Ernährung umstellen oder weniger essen…“ Aber spätestens, wenn meine Lieblingsspeise vor mir steht, werde ich schwach und kann nicht wiederstehen. Müssen Vorsätze immer wieder scheitern? Wenn Vorsätze von vornherein mit einer negativen Konnotation einhergehen, dann sind sie unweigerlich zum Scheitern verurteilt; denn wir Menschen sind nun einmal Gewohnheitstiere. Bei einem guten, positiven Vorsatz hingegen sind die Erfolgsaussichten weitaus größer. Dass ein guter Vorsatz gelingen kann, davon bin ich überzeugt! Von daher möchte ich Dir im Folgenden eine Idee vorstellen: Die Österliche Bußzeit – eine Zeit für gute Vorsätze In diesem Monat beginnt die Österliche Bußzeit, die Fastenzeit. Der heilige Benedikt schreibt im 49. …