Monate: Februar 2017

Espresso – 27.2.2017

Am besten einsteigen. Jeden Tag fahren genug Züge und Busse an Dir vorbei – es sind Einladungen. Gewiss nicht nur gute. Da gibt es Busse, die wollen, dass Du Dich mitärgerst. Es gibt Bahnen, die fahren direkt vor die Wand. Andere führen in den Frust, das Beklagen, den Büroklatsch, die Verdächtigung, den Verrat, das ungute Wort. Alles Züge, die an Dir jeden Tag vorbeifahren, kurz anhalten und mit verlockend freundlicher Stimme Dich zum einsteigen auffordern. Hier sagst Du besser, nein Danke. Es gibt die anderen Züge, die Dich in die Dankbarkeit führen, wo Du anderen etwas Gutes tun kannst, wo ein Lächeln etwas Wert ist und verändert, wo Du in vollen Zügen genießen kannst. Wenn solche Züge und Busse bei Dir halten und Dich einladen einzusteigen, dann heißt es: Ja, gerne. Hab eine gesegnete Woche.

Wie bleibe ich innerlich unabhängig

Wie bleibe ich innerlich unabhängig?

Wie bleibe ich innerlich unabhängig?   Liebe Hildegard, bitte verzeih mir, dass ich Dir jetzt erst eine Antwort schreibe. Die letzten Wochen waren noch sehr davon geprägt, an Tristan, den verstorbenen Kater, zu denken. Er fehlt mir sehr! Außerdem hat mich Deine Frage: „Wie bleibe ich innerlich unabhängig?“ zum Nachdenken gebracht. Ich habe erst mal darüber nachgedacht, ob das stimmt, dass wir Katzen so unabhängig sind und wir uns nicht danach richten, was andere von uns erwarten. Und dann habe ich darüber nachgedacht, warum das so ist und was ich Dir antworten kann. Das ist eine ganze Menge für ein solch kleines Katzenköpfchen, kann ich Dir sagen. Ich habe also viel Zeit gebraucht und bin – ehrlich gesagt – manchmal darüber eingeschlafen. Nicht, weil es mich gelangweilt hätte, sondern weil es so anstrengend war. Katzen sind nicht nur unabhängig Du meinst wir seien so unabhängig? Ehrlich gesagt erlebe ich jeden Tag, wie abhängig ich von den Menschen bin. Ohne mein Herrchen bekomme ich weder Fressen noch etwas zu trinken. Und ich brauche natürlich auch meine Streicheleinheiten …

Klarer Standpunkt – in den Füßen

Klarer Standpunkt – in den Füßen

Klarer Standpunkt – in den Füßen Mein Fuß steht auf ebenem Grund.  (aus Psalm 26) Wenn ich auf einen Menschen mit einem klaren Standpunkt treffe, dann ist die Begegnung vielleicht nicht immer ganz einfach. Aber ich habe eine große Sympathie für klare Standpunkte und Respekt vor Menschen, die so sind. Und ich wünsche mir, selber ein solcher Mensch mit einem klaren Standpunkt zu sein. Während meiner Arbeit in der Stimmtherapie spreche ich oft mit Menschen über ihren Stand, über ihre Aufrichtung auf den Füßen. Und auch da erlebe ich sehr körperlich: Es gibt Menschen mit einem klaren Standpunkt. Da würde ich vielleicht eher von einem stabilen Standpunkt sprechen. Menschen, die fest mit beiden Beinen auf dem Boden verwurzelt sind, die nicht krumm sind und nicht leicht zu fallen drohen. Stabilität entsteht nicht durch Festigkeit Spannender ist es, mit Menschen körperlich diesen stabilen Standpunkt zu suchen – immer dann, wenn der Körper (aus welchen Gründen auch immer) aus dieser Stabilität heraus gekommen ist. Für unseren Körper ist dabei klar: Stabilität entsteht nicht durch Festigkeit der Muskeln, …

Espresso – 20.2.2017

What a time to be alive. Was für eine Zeit zu leben. Wer so sprechen kann, wer das ausruft, der ist zufrieden, der ist dankbar für das eigene Leben – ich gehe mal davon aus, dass der Satz positiv gemeint ist. Man kann ihn auch anders aussprechen. Was für eine Zeit zu leben. Irgendwie stimmt ja immer beides. Aber trotz aller Sorgen, der vielen schlechten Nachrichten – die Welt bietet Dir unendlich viel Schönes und Gutes. Behalte den Blick dafür, lass dich nicht in den negativen Strudel mitreißen. Angst macht aus Dir einen sehr guten Konsumenten – vergiss das nicht. Glückliche Menschen kaufen weniger. Vielleicht wird es Zeit, darüber einmal nachzudenken – das gilt auch für die Politik. Also: sag Dir am Morgen: was für eine Zeit zu leben! Gut, das ich jetzt lebe. Ja, es ist gut, sonst würdest Du gar nicht auf der Welt sein. Schön, dass Du jetzt lebst. Hab eine gesegnete Woche.

Lebensgeschichte als Ressource

Deine Lebensgeschichte als Ressource – 8 Ideen

Deine Lebensgeschichte als Ressource Das Leben hält wahrlich viel für uns bereit. Im Laufe unseres Lebens kommen zahlreiche Erfahrungen auf uns zu. Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag und ein solcher Tag ist für mich immer Anlass, genau darüber nachzudenken. Was hat mir das Leben gebracht? Woraus lebe ich? Gibt mir mein bisheriges Leben Rückenwind oder nimmt es mir Kraft und Energie? Es sind Fragen, die man sich meistens nicht mit 16 oder 20 stellt. Erst wenn man beginnt, Geschichte zu haben bzw. wenn man sein bisheriges Leben als Geschichte erlebt und wahrnimmt, kommen solche Fragen und Gedanken. Eine Kindheit kann schlimm sein, dennoch! Viele Menschen hadern mit ihrem Leben. Vieles ist geschehen: miserable Kindheit, schlechte Eltern, üble Schulkollegen, unterdurchschnittliche Lehrer, einen Partner zum Weglaufen, der Arbeitsplatz zum übel werden, kein Geld, Krankheit, na, fehlt noch etwas? Vielleicht hast du nur einen Extrakt davon erlebt (ich hoffe es), aber viele haben genügend Gründe, die Vergangenheit als besonders dunkel und schlimm zu beschreiben. Ich will hier nichts wegwischen und schön reden: vieles ist schlimm gewesen …

Kritikfähigkeit

Von der Kritikfähigkeit

Von der Kritikfähigkeit Wie sehr wünschte ich mir, unser Ordensvater hätte in einem Kapitel seiner Regel Anregungen zu diesem Thema gegeben… Was ist Kritik? – Etymologisch gesehen, ist das Wort vorm altgriechischen Verb „krinein“ abgeleitet und bedeutet „(unter-)scheiden“, „trennen“. Objektiv betrachtet, bedeutet Kritik die Beurteilung einer Sache oder einer Handlung anhand von (eigenen) Maßstäben. Dabei unterscheidet man konstruktive, aufbauende von destruktiver, zerstörerischer Kritik. Vor der Letztgenannten warnt der heilige Benedikt immer wieder, wenn er mahnt, das „Murren“ zu unterlassen (z.B. RB 40,9 u.ö.). Wir wissen alle, dass Kritik – auch wohlgemeinte – verletzten kann. Gerade eine unbedachte, reflexhafte Antwort auf mir gegenüber geäußerte Kritik kann noch weitaus verletzender sein. Wie also gehe ich mit Kritik um? Martin Werlen OSB, der unserem Konvent im Januar die Jahresexerzitien gab, gab auf diese Frage eine praktische Antwort: „In der Regel schlafe ich eine Nacht darüber, bevor ich reagiere“, sagte er. Und er erzählte uns eine anschauliche Anekdote aus seiner Zeit, in der er Abt in Einsiedeln war: Er hatte einen Brief von einem „besorgten“ Katholiken erhalten, der ihm …

Espresso – 13.2.2017

Bleib neugierig, ja sei interessiert, entwickle Forschergeist. Neugier ist eine so wichtige Eigenschaft. Offen zu sein für das, was passiert. Zu stöbern, eigene kleine Forschungsprojekte zu starten, um etwas herauszufinden. Wer im Alter jung bleiben will, der behält sich seine Neugier. Neugier auf Menschen, auf neue Erfahrungen, neue Klänge, neues Gesehene. Wer neugierig ist, der geht nicht davon aus, dass alles immer beim alten bleibt, der weiß, Dinge können ganz anders sein und ich will es herausfinden. Kinder sind neugierig und eignen sich so die Welt an. Vielleicht ist es auch für Dich wieder Zeit, neugierig zu sein, immer eine Frage auf den Lippen zu haben und sich wirklich für etwas zu interessieren. Wir wünschen es Dir. Hab eine gesegnete Woche.

Sehnsucht aus Stoff und Faden

Sehnsucht in Stoff und Faden – Stadtmönche on air

Bisher dachte auch ich, dass eine Teddyklinik ein Ort nur für Kinder sei. Mein Besuch in der Bärenhöhle bei Frau Mahnke hat mich eines besseren belehrt. Teddybären sind weitaus mehr als nur eine Figur aus Stoff und Faden. Das sind sie auch, doch vor allem sind sie ein Produkt unserer Sehnsucht und Bedürftigkeit. So manchen Besitzer begleitet der Teddy durch Dick und Dünn – manchmal sogar bis ans Lebensende.

Andor Izsàk

Impuls am Sonntag: Prof. Andor Izsák

Prof. Andor Izsák Ehrenpräsident der Siegmund Seligmann-Stiftung und der Siegmund Seligmann-Gesellschaft Was bedeutet Ihnen Glaube? Der Glaube bedeutet mir meine Identität zu wissen und zu verstehen. Wie ein Navi in einem Auto, oder ein Kompass auf einem Schiff, führt mich der Glaube durch den unüberschaubaren und endlosen Routen des Lebens. Der Glaube zeigt mir meine exakte Position in einem unendlichen Koordinatensystem. Ohne ihn wüsste ich gar nicht, wer ich bin… Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig? Mir ist wichtig dieser Satz: Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.   Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration? Vielleicht die Schachnovelle von Stefan Zweig. Das Werk entstand in der aussichtslosesten Epoche der Zeitgeschichte, und lernt uns mit der totalen Hoffnungslosigkeit umzugehen. Ich kann dadurch verstehen, dass das Bild in meinem Kopf nicht unbedingt mit dem Bild in der Realität übereinstimmen muss. Ich habe diese Tatsache durch das Meisterwerk von Zweig verstanden. Villa Seligmann