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Weitere InformationenDemut – was für ein Wort. Vielleicht zuckst du innerlich erst einmal zusammen, wenn du es hörst, weil es heute oft so abschätzig gebraucht wird. Kaum jemand nutzt es noch für sich selbst, um damit etwas Kostbares oder Wertschätzendes zu beschreiben. Dabei geht es bei der Demut gar nicht darum, sich klein zu machen oder sich zu erniedrigen. Es ist vielmehr eine ganz eigene Qualität, die in uns entstehen kann, wenn wir uns ihr öffnen.
Das Anerkennen des Größeren
In der Regel des Ordensvaters Benedikt spielt Demut eine zentrale Rolle; er hat ihr das längste Kapitel gewidmet und darin zwölf Stufen aufgezeigt. Sicherlich ist manches davon heute schwere Kost und lässt sich aufgrund eines anderen Menschenbildes nicht eins zu eins in unsere Zeit übertragen. Aber der Kern bleibt bestehen: Demut ist für den spirituellen Weg von wesentlicher Bedeutung.
Sie entsteht in dem Moment, in dem du vor etwas stehst, das größer ist als du selbst, und dieses Größere anerkennst. Du wirst dadurch nicht deiner Würde beraubt. Du spürst einfach: Da ist etwas, das über mich hinausgeht. Das darf so sein, und es nimmt dir nichts von deinem eigenen Wert.
Wo uns Demut im Leben begegnet
Wenn du nach Beispielen suchst, denke an die Demut vor dem Leben selbst.
Betrachte, wie sich das Leben immer wieder neu erfindet.
Sieh die kleine Pflanze an, die sich kraftvoll durch den harten Asphalt kämpft.
Denke an Menschen, die trotz schwerster Schicksalsschläge eine tiefe Lebensfreude bewahren.
Erkenne, dass trotz aller Katastrophen der Menschheit am Ende immer wieder das Leben gewonnen hat.
Vor dieser unbändigen Kraft, dieser Geduld und der Schönheit des Daseins kann eine tiefe Demut in uns wachsen. Das gilt natürlich auch für die Erfahrung von Gott oder die Liebe, deren Geduld und Freude an der Schöpfung in allem spürbar ist. Wenn du diese Liebe in dich aufnimmst, kannst du wahre Demut empfinden. Sogar vor der menschlichen Seele kann man diese Qualität spüren, wenn man sieht, wie sie sich selbst in der Not immer wieder organisiert und einen Weg sucht.
Die Stärke des aufrechten Standes
Diese Form der Demut macht dich nicht klein. Sie erkennt lediglich an, dass da etwas Großes ist. Sie schenkt dir eine ganz bestimmte Kraft und Erdung. Im Lateinischen ist das Wort für Demut humilitas, was eng mit humus verbunden ist – der Erde. Es bedeutet, fest auf dem Boden zu stehen. Es ist eine heilsame Schwere, die dich gleichzeitig innerlich aufrichtet.
Sich zu verneigen ist ein freiwilliges Tun. Du kannst dich vor dem Großen beugen und gleichzeitig zutiefst aufrecht sein. Das ist etwas ganz anderes, als wenn du zu einer Geste gezwungen wirst. Demut lässt sich nicht befehlen; sie ist ein Geschenk, das in dir reift und dir eine neue Stärke verleiht. Sie stärkt dich, wenn du sie dem Richtigen schenkst: der Liebe, einer tiefen Wahrheit oder einer Qualität, die deinen Respekt wirklich verdient. Es ist ein erhabenes Gefühl, das uns hilft, wahrhaftig zu leben.
Vielleicht begegnet dir in der kommenden Woche eine Situation, in der du vor etwas Größerem stehst und spürst: Deine Größe macht mich nicht klein, sondern sie lädt mich ein, einfach da zu sein.

