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Die Zukunft des Christentums muss eigentlich eine viel weiblichere sein. Wenn wir auf 2000 Jahre Kirchengeschichte zurückblicken, wird schnell deutlich: Diese Zeit wurde vor allem von Männern geprägt. Dafür gab es natürlich verschiedene kulturelle Hintergründe. Es geht dabei jedoch nicht nur darum, dass Männer die Theologie und damit den Lauf der Kirche bestimmt haben. Es geht auch darum, dass das Gesamte in seiner Form sehr männlich gestaltet ist.

Vieles im Christentum ist rein mental und kognitiv angelegt. Es steckt schlichtweg viel zu viel Kopf darin. Vieles ist im Laufe der Zeit zu komplex und zu kompliziert geworden. Dass Theologen die Dinge immer tiefer ergründen wollen und dadurch zu immer komplexeren Modellen gelangen, ist verständlich. Es gehört gewissermaßen zu jeder Wissenschaft dazu. Aber auch für ganz normale Gläubige wurde das gesamte System so komplex und verwirrend, dass Glaube inzwischen im Wesentlichen als ein mentaler Vorgang erscheint.

Wer glaubt und was Glaube überhaupt ist, wird in unserer Kultur vor allem als etwas Kognitives verstanden. Wir glauben nicht mit dem Körper. Wir vertrauen nicht unserer Intuition. Wir vertrauen nicht unserem Spüren. Stattdessen ist für uns das, was geschrieben steht, oft viel wichtiger. Das, was wir in möglichst dicken Büchern nachlesen können – am besten noch auf Latein, sodass wir es kaum verstehen.

Das soll übrigens nicht heißen, dass das alles falsch wäre. Es bedeutet auch nicht, dass daraus nicht viele wunderbare Dinge hervorgegangen sind. Doch an diesem Punkt, an dem wir vielleicht schon seit sehr langer Zeit stehen, geht es nun darum, den anderen Bereich hinzuzunehmen.

Im Glauben braucht es auch Intuition. Es braucht den Körper und das Erspüren. Es geht nicht nur um Exaktheit. Es geht nicht nur um Falsch oder Richtig oder um das bloße Einhalten von Dogmen. Es geht um das Erspüren des Göttlichen. Gemeint ist das Erspüren eines göttlichen Raumes oder Feldes – wie immer du es persönlich benennen möchtest –, in dem wir uns aufhalten, in dem wir sind und leben, und das uns begleitet, umgibt und durchdringt. Es geht darum zu erkennen, dass es mehr zwischen Himmel und Erde gibt als das, was wir mit dem Verstand begreifen können. Und es geht darum, diese Erkenntnis ernst zu nehmen.

Jeder und jede von uns kann Träger dieser Erkenntnis sein, und vermutlich sollen wir es auch sein. Das bedeutet, der eigenen Intuition zu trauen. Selbst dann, wenn man damit vielleicht intellektuell falsch liegt oder sich irgendwann korrigieren muss. Das ist nichts Schlimmes. Es ist völlig in Ordnung zu sagen: „Da habe ich mich geirrt, da lag ich falsch.“ Entscheidend ist, nicht von vornherein zu behaupten: „Was ich sage, gilt für alle und für immer und ewig.“ Entscheidend ist, eher zu sagen: „So sehe ich es jetzt. Das ist meine Erfahrung.“

All das verbindet sich mit einer weiblichen Spiritualität. Und weiblich heißt hier natürlich nicht einfach fraulich. Es geht nicht allein darum, das Frauliche zu stärken – das gerne auch, klar. Es geht um das Weibliche, das in uns allen präsent ist. Das, was in der Psychologie auch als Anima bezeichnet wird. Es geht um einen anderen Zugang zum Göttlichen, um einen neuen Zugang zur Welt. Genau das gilt es, in uns zu befreien. Im eigenen Körper, in den Männern ebenso wie in den Frauen. Es gilt, eine neue Weiblichkeit in uns zu finden.

Es ist ein Weg, in der kommenden Zeit achtsam wahrzunehmen, was uns anspricht, was dich anspricht, was diese weibliche Intuition, dieser ganz andere Zugang zur Welt und zu Gott spürbar werden lässt.

Vielleicht versuchst du es mal in der kommenden Woche. Versuche, das zu erspüren, deine eigene Weiblichkeit zu ergründen und zu entdecken. Verbinde das mit deiner Spiritualität, indem du mehr zum Spüren kommst, mehr deiner Intuition traust und mehr deinem eigenen Weg traust. Du musst das andere, das Offizielle, damit nicht abwerten oder ablehnen. Stell es einfach daneben.

David Damberg


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