Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Träumen liegt mir sehr am Herzen, besonders die nächtlichen Träume. Oft erlebe ich sie so intensiv und bedeutungsschwer, dass ich das Gefühl habe, ganze Romane zu durchleben. Dafür empfinde ich eine tiefe Dankbarkeit.

Sigmund Freud hat sich intensiv mit diesen nächtlichen Bildern auseinandergesetzt und sie als Ausdruck unseres Unbewussten gedeutet. Es handelt sich dabei um jene verborgenen Schichten in uns, in denen Erfahrungen sicher verwahrt sind, damit sie uns im Alltag nicht durch unvermittelten Schmerz beeinträchtigen. Die Nachtträume dienen hier als wichtiges Ventil. Sie erlauben dem, was sonst keinen Zugang zum Tagesbewusstsein findet, an die Oberfläche zu treten. Jeder von uns trägt dieses große Reservoir an gespeicherten Lebenserfahrungen in sich.


Die Entdeckung einer neuen Dimension

Doch es gibt noch eine andere Dimension in dir: das Noch-Nicht-Bewusste. Ernst Bloch hat diesem Konzept ein umfassendes Werk gewidmet. Während das Unbewusste Inhalte birgt, die wir einst erlebt und später verdrängt haben, verhält es sich beim Noch-Nicht-Bewussten ganz anders. Hierbei handelt es sich nicht um das, was war und woran du dich vielleicht mühsam erinnern musst. Es handelt sich um das, was noch gar nicht geschehen ist. Es ist das, was erst in dein Bewusstsein hineinwachsen will.

Das Noch-Nicht-Bewusste gleicht einem Gewächshaus. Es ist das, was in uns heranreift, ohne bisher eine feste Form oder Sprache gefunden zu haben. Kennst du dieses Gefühl? Es zeigt sich vielleicht nur vage, als eine Ahnung, für die ich noch keinen Namen, keinen Begriff und kein Bild habe. Ich spüre lediglich, dass da etwas entsteht. Das ist die psychische Repräsentanz dessen, was in der Welt und in uns selbst im Werden ist. Es ist noch keine konkrete Idee. Wenn es das wäre, dann wäre es bereits bewusst. Es ist eben noch nicht bewusst.

Wenn das Unbewusste uns zeigt, wer wir waren, dann weist uns das Noch-Nicht-Bewusste darauf hin, wer wir werden könnten.


Wie Tagträume uns den Weg weisen

Genau an dieser Stelle spielen deine Tagträume eine entscheidende Rolle. Sie richten sich nach vorn. Sie sind oft angstfreier, schöpferischer und zeigen uns im Kern, was wir in der Tiefe ersehnen. Sie bilden den direktesten Kanal zu diesem Noch-Nicht-Bewussten. Wenn wir jenes unbestimmte Gefühl ernst nehmen, dass der aktuelle Stand der Dinge nicht alles sein kann, tasten wir uns Schritt für Schritt an dieses Noch-Nicht-Bewusste heran.

Auch in der Kunst spielt dieses Phänomen eine zentrale Rolle. Künstler nehmen oft das auf, was in der Luft liegt, was erahnbar ist und heraufdämmert – noch bevor wir es intellektuell in Worte fassen können. Dies führt zu einer wunderbaren, produktiven Unzufriedenheit. Was passiert, wenn wir uns erlauben, diesen Zustand zuzulassen? Sich zu erlauben, einen Mangel zu spüren, öffnet den Raum für das Noch-Nicht-Bewusste. So befreien wir uns davon, nur als Produkt unserer Vergangenheit oder unseres verdrängten Unbewussten gesehen zu werden.


Empfänglich für das Morgen

Im Hier und Jetzt zu leben bedeutet nicht, die Augen vor der Zukunft zu verschließen. Es bedeutet vielmehr, im gegenwärtigen Moment empfänglich für das zu sein, was dämmert und sich zeigen möchte. Das ist die Hoffnung, die uns trägt.

Selbst in schwierigen Zeiten, in denen wir uns gesellschaftlich weltweit befinden, ist es wichtig, sich zu erlauben, dass etwas Neues in uns aufsteigen kann. Es kann etwas Großartiges und Gutes entstehen, wenn wir diesen Raum in uns öffnen.

David Damberg


das könnte Dich auch interessieren:

Kommentare

{"email":"Email address invalid","url":"Website address invalid","required":"Required field missing"}

Abonniere unseren Klosterbrief!

Der Klosterbrief kommt zweimal im Monat heraus und infromiert über unsere Klostergemeinschaft, unsere Veranstaltungen, Gottesdienste und gibt Impulse zum spirituellen Leben.
Datenschutzerklärung

>