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Es gibt eine grundlegende Gewissheit, die mich bewegt. Wir leben in einer zutiefst überstimulierten Gesellschaft. Diese fortwährende Reizflut bringt uns beinahe zwangsläufig dazu, uns abzugrenzen und innere Schutzmauern hochzuziehen. Genau darin liegt eines Erachtens einer der Gründe, warum lebendiger Glaube und tiefe Spiritualität in unserer Zeit immer weniger Anklang finden: Sie dringen schlicht nicht mehr durch den dichten Schutzpanzer hindurch.
Im Alltag bist du permanent von unzähligen Impulsen umgeben. Das Internet und die sozialen Medien haben diese Dynamik um ein Vielfaches verstärkt. Unser Inneres ist angefüllt mit Eindrücken, mit Dingen, die wir hören und sehen, die unablässig auf uns einströmen und digital aufploppen. Es ist eine ständige Gegenwart des Lauten. Findest du darin überhaupt noch einen Moment der echten Einkehr?


Die unsichtbaren Wunden und der psychologische Schutz

Gleichzeitig beginnen wir heute erst wirklich zu verstehen, was Trauma eigentlich bedeutet. Viele denken bei diesem Begriff sofort an die großen Dramen der Kindheit, an Gewalt und Missbrauch – das gehört zweifellos dazu. Doch Trauma zeigt sich oft viel subtiler, etwa darin, dass deine eigenen Grenzen in der Kindheit nicht geachtet wurden. Oder, dass deine ureigene Bedürftigkeit nach Halt, Liebe und Zuwendung ungesehen blieb. Kannst du dich an Situationen erinnern, in denen dir genau dieser Halt gefehlt hat? Die Folge solcher Erfahrungen ist häufig ein unwillkürlicher Schutzmechanismus: Wir grenzen uns ab und lassen das Außen nicht mehr wirklich an uns heran. Sowohl bei Überstimulation als auch bei frühen Verletzungen ergibt dieser Schutz psychologisch absolut Sinn. Und doch wird dabei oft das Kind mit dem Bade
ausgeschüttet.

Denn durch diese dichten Schutzmauern kann das sehr Feine nicht mehr in uns hineinfließen – und die göttliche Liebe ist von einer unendlich feinen Qualität. Der Zugang geht verloren.

Das führt meines Erachtens dazu, dass viele Menschen diese Dimension gar nicht mehr spüren und sie folglich auch nicht vermissen, weil sie ihnen völlig fremd geworden ist. Genau aus diesem Grund ist es für uns alle von zentraler Bedeutung zu lernen, wie wir aus dieser Überstimulation und der daraus entstehenden inneren
Übererregung wieder herausfinden.


Wege aus der Dauererregung

Die ständige Konfrontation mit Verlockungen, Verkaufsangeboten und Reizen, die uns in Erregungszustände versetzen wollen, erschöpft unser System. Wenn wir in dieser Dauererregung gefangen sind, brauchen wir Wege, um herunterzufahren. Wir müssen Abstand gewinnen und heilsame Formen finden, mit dieser inneren
Unruhe umzugehen. Wie gelingt dir das im Moment? Dazu braucht es Räume der Stille. Einfache Zeiten, in denen du dich ganz dem Schweigen überlässt. Still sein.
Nichts Besonderes betrachten, nichts verändern, nichts leisten. Einfach dasein und das eigene Sein spüren. Still sein bedeutet auch, bewusster auszuwählen, was wir sehen und hören, anstatt unruhig von einem zum nächsten zu zappen – immer auf der Suche nach dem idealen Film, den es so ohnehin nicht gibt. Darüber hinaus braucht es eine wirkliche, tiefe Entspannung, in der das gesamte Nervensystem herunterfahren
kann. Eine kurze Pause reicht dafür meist nicht aus. Es darf einer intensiveren, regelmäßigen Praxis, die über längere Zeit Raum bekommt, bedürfen, damit echte innere Ruhe einkehren kann und die Zappeligkeit allmählich weicht.


Die Achtsamkeit für das Schöne

Und noch ein Letztes: Umgib dich bewusst mit feinen Dingen, mit schönen Qualitäten, mit Düften, die dir wohltun, mit Blumen oder mit Kunst. Es muss nicht alles auf einmal sein. Wähle einfach das aus, was dir guttut, was fein ist und eine gewisse Zärtlichkeit ausstrahlt.
Diese Achtsamkeit für das Schöne wird dir helfen, den feinen Kanal in deinem Inneren wieder zu weiten, zu öffnen und offen zu halten. Und das ist doch ein ganz schönes Vorhaben vielleicht für diese Woche, sich damit zu beschäftigen, zu schauen: Was ist es, was ist das Feine, das dich berührt und trägt? Wie kommst du stärker noch zur Ruhe, damit du wirklich, wirklich aus dieser Überstimulation herauskommst?

David Damberg


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