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Weitere InformationenEs ist erstaunlich, wenn man sich das einmal ganz in Ruhe klar macht. Wir leben in einer Zeit, in der wir theoretisch alles wissen könnten. Wir haben einen Zugang zu Informationen, zu Daten und zu Fakten, der für jede Generation vor uns absolut undenkbar gewesen wäre. Es ist nicht nur das, was wir wissen, sondern vor allem diese unfassbare Menge des Wissens, die uns jederzeit zur Verfügung steht.
Ich merke das hier an mir selbst. Ich arbeite viel mit künstlicher Intelligenz und ich finde es wirklich großartig. Es ist ein Geschenk, wie leicht ich heute Zugang zu ganz bestimmtem Wissen habe. Ich kann mir komplizierte Dinge, für die ich früher vielleicht wochenlang dicke Bücher hätte wälzen müssen, so aufbereiten lassen, dass ich sie wirklich verstehe und aufnehmen kann. Früher habe ich nach dem dritten Kapitel eines Fachbuchs vielleicht frustriert aufgegeben. Heute wird mir das Wissen so serviert, dass es „klick“ macht. Das ist eine enorme Stärke unserer Zeit und ich sehe darin eine riesige Chance. Ich weiß natürlich um die Begrenzung, ich kenne die Schattenseiten der KI, aber das ändert nichts daran, dass dieser leichte Zugang zu Bildung und Information erst einmal etwas Wunderbares ist.
Die Allgegenwart des spirituellen Wissens
Das gilt übrigens auch für den religiösen und spirituellen Bereich. Wenn wir einmal zurückschauen: Wie viele Millionen Menschen sind in den letzten Jahrzehnten durch den Religionsunterricht gegangen? Fast ein ganzes Jahrhundert lang wurde dieses Wissen vermittelt. Das Wissen über Gott, über Tradition, über Spiritualität ist eigentlich allgegenwärtig. Wir haben ein so hohes Maß an theoretischem Wissen über dieses Thema, wie wahrscheinlich nie zuvor.
Es wird ja auch weiterhin viel gelesen. Vielleicht sind es heute weniger die schweren theologischen Wälzer, aber spirituelle Ratgeber und Lebenshilfebücher sind nach wie vor Bestseller. Wenn ich mir die YouTube-Szene anschaue, diese spirituellen Meister und Meisterinnen, die dort auftreten – das sind oft großartige Speaker. Sie haben Hunderttausende Follower, sie erreichen die Menschen, und das ist erst einmal wahnsinnig toll. Das alles ist wahr und das alles ist gut.
Der Punkt, an dem Wissen allein nicht mehr reicht
Aber, und hier kommt der Punkt, an dem ich heute mit dir ansetzen möchte: All dieses Wissen, all diese klugen Sätze und all die konsumierten Videos ersetzen nicht deine eigene Erfahrung. Sie ersetzen nicht dein ureigenstes inneres Erleben von spirituellen Qualitäten. Wir sehen das noch immer ganz deutlich: Trotz all dem Religionsunterricht verlassen die Menschen die Kirchen. Sie sitzen im Gottesdienst und verstehen oft gar nicht mehr, was da eigentlich gefeiert wird, obwohl sie es rein intellektuell doch wissen müssten.
- Sie haben die Fakten im Kopf, aber haben sie auch eine Verbindung dazu in ihrem Herzen?
- Sie lesen viele Bücher, aber laufen am Ende doch in eine Richtung, die fragwürdig und zweifelhaft ist.
Warum ist das so? Meiner Einsicht nach fehlt oft die tiefe Erfahrung des inneren Erlebens, das echte Bezogensein auf das, was in uns vorgeht. Wir haben verlernt, die feinen Nuancen der inneren spirituellen Erfahrung wirklich wahrzunehmen. Es geht darum, diese Bewegung in sich zu spüren, sie vielleicht sogar benennen zu können oder vor allem unterscheiden zu lernen, was sich da in der Tiefe der Seele eigentlich tut.
Erfahrung lässt sich nicht konsumieren
Das ist das Problem: Das kann man nicht lehren. Man kann es nicht im Unterricht lernen, man kann es nicht einfach aus einem Buch konsumieren. Man kann es nur erfahren. Man muss selbst hineingehen.
Natürlich ist es hilfreich, wenn da jemand ist, der einem dabei hilft, das Erlebte zu verstehen. Jemand, der einem Wörter anbietet, damit man die eigene Erfahrung besser differenzieren kann. Aber am Ende bleibt dir nichts anderes übrig, als selbst in diese Erfahrung einzutauchen. Ich sage das ganz offen: Es reicht meines Erachtens auch nicht aus, Menschen einfach nur in einen Gottesdienst zu schicken. Das kann ein wertvoller Moment sein, das kann berührend sein, aber es reicht oft nicht aus, um dieses feine innere Sensorium wirklich zu entwickeln.
Dafür braucht es mehr. Es braucht mehr Selbstgefühl. Eine echte Erfahrung mit dir selbst, eine Erfahrung mit den inneren Bewegungen, die in dir aufsteigen.
Was am Ende wirklich zählt
Versteh mich nicht falsch: Die intellektuelle Auseinandersetzung ist wichtig. Ich mag das auch sehr, mich tief in Dinge hineinzudenken und mich theoretisch mit Themen zu beschäftigen. Aber biblisch gesprochen ist das am Ende alles nur ein Windhauch, wenn die Erfahrung fehlt. Denn das Einzige, was letztlich und am Ende deines Weges wirklich zählt, ist das, was du selbst erfahren hast. Das, was du wirklich erlebt und in dir durchdrungen hast.
Es gibt so viele Menschen, die haben unzählige Erlebnisse, auch spirituelle Erlebnisse. Aber nur die wenigsten machen daraus auch eine echte Erfahrung. Und das ist der entscheidende Unterschied. Nur aus der echten Erfahrung erwächst am Ende so etwas wie Weisheit.
Wenn du in deinem Leben weiter fortschreitest, wenn du älter wirst, dann wirst du diese Erfahrung immer mehr zu schätzen wissen. Du wirst wahrscheinlich jetzt schon erahnen, dass dein ganzes angehäuftes Wissen, deine reine Intellektualität, dir in den wirklich entscheidenden Momenten nicht so viel hilft.
- Wissen ist manchmal ganz praktisch, um den Alltag zu organisieren und ein Problem zu lösen.
- Aber die Erfahrung ist es, die dich trägt.
Vor allem die innere Erfahrung ist das Fundament, auf dem du stehst. Und das ist tatsächlich Arbeit. Es ist eine innere Arbeit, sich diesen Erfahrungen zu stellen und sie in sich reifen zu lassen. Aber genau das ist es, was dir Substanz gibt. Besonders wenn das Leben herausfordernder wird oder wenn du älter wirst. Es gibt dir eine Tiefe, die durch kein Buch der Welt ersetzt werden kann.
Eine Einladung für deine Woche
Denken ist gut, Denken ist wichtig, aber Denken heißt eben nicht Fühlen. Denken heißt nicht Erfahren.
Ich möchte dich einladen, in dieser kommenden Woche vielleicht einmal weniger zu lesen oder weniger zu konsumieren und stattdessen mehr darauf zu achten, dass du in dir spürst. Welche Feinregungen sind da? Was erlebst du gerade wirklich, jenseits der Gedanken darüber?
Tauche ein in dieses eigene Erleben, trau dich dorthin zu schauen. Ich wünsche dir, dass du in den nächsten Tagen solche Momente findest, in denen aus einem bloßen Gedanken eine echte tragfähige Erfahrung wird.

