Alle Artikel mit dem Schlagwort: Psalmen

Vertrauen lernen

Vertrauen lernen Auch wenn er strauchelt, stürzt er nicht hin, denn der Herr hält ihn fest an der Hand… Ps. 37,24 Als ich diesen Vers das erste Mal gelesen habe, hatte ich sofort ein Bild vor Augen: das kleine Mädchen, dass mit nach oben gestreckten Armen an den Händen ihres Vaters die ersten Schritte im Leben macht. Unsicher, ein bisschen unkoordiniert setzt es doch immer wieder einen Fuß vor den anderen … und mit diesem wunderbar strahlenden Lachen im Gesicht wie es eben Kinder können. Bis, ja genau bis dahin, wo es über die eigenen Füße stolpert und mehr oder weniger sanft auf dem Boden landet. Und dann: irritiert um sich schaut, warum denn das jetzt wohl passiert ist? So oder ähnlich wird das auch bei meinen ersten Schritten gewesen sein… und ich bin mir sehr sicher, was als nächstes passiert ist. Mein Vater wird hinter mir gestanden und gelacht haben. Aber nicht, weil er es lustig fand, dass sein kleines Mädchen hingefallen ist. Sondern weil er mir damit den Schrecken und die Unsicherheit nehmen …

Wunder Deines Wesens

Das Wunder Deines Wesens

Das Wunder Deines Wesens „Meine Sinne öffne mir, dass ich die Wirkung Deines Wesens wahrnehme“ Ps 119,18 Diesen Vers singen wir häufig in unserem Chorgebet. Vor kurzem erst ist mir aufgegangen, wie wichtig mir diese Bitte geworden ist. Wenn ich mich in Gedanken oder Gefühlen verliere, sind mir meine Sinne hilfreich, mich wieder zu finden. Die Umgebung und meinen Körper mit meinen Sinnen bewusst wahrzunehmen gibt mir Halt in der Unruhe meines Geistes. Die sinnliche Wahrnehmung verbindet mich mit meinem tiefen Grund. Wie ein Anker dem Boot Ruhe und Halt im unruhigen Meer gibt, schenkt mir das sinnliche Wahrnehmen einen Orientierungspunkt und Ruhepol im gedanklichen und emotionalen Chaos. Es gibt Situationen, in denen ich nur das Negative sehe und immer wieder gedankliche Schleifen um die herunterziehende Thematik ziehe. Meine Gedanken kreisen darum, wie ich hätte reagieren sollen, wenn ich von meiner Reaktion in einem Gespräch enttäuscht bin. Sie kreisen darum, wie ich dem anderen demnächst einmal deutlich die Meinung sagen könnte. Sie kreisen um Ängste, um das, was es noch alles zu tun gibt und …

Quelle des Wortes

Die Quelle des Wortes – über ein Gedicht von Ingeborg Bachmann

Die Quelle des Wortes – über ein Gedicht von Ingeborg Bachmann Ein etwas anderer Psalm: „In die Mulde meiner Stummheit leg ein Wort“ Mein Lieblingspsalm? Ein großartiges Gedicht von Ingeborg Bachmann, das den schlichten Titel trägt: „Psalm“. Die Lyrikerin greift auf die Lieder der Bibel zurück, die sie als „eine Bewegung aus Leiderfahrung“ bezeichnet. Lieder, die das schmerzliche Zerbrechen und die Grausamkeit des Lebens beklagen, aber auch die Verheißungen Gottes und den Dank für das Glück des Lebens ins Wort bringen. Psalmen haben etwas Poetisches, sie sind ein großer Gesang. Sie entstammen der jüdisch-christlichen Tradition, sind zugleich aber auch ein Weltkulturerbe der Menschheit. Darum stelle ich im Folgenden den etwas anderen Psalm von Bachmann vor, der auf die biblische Tradition antwortet. Bachmanns Psalm beginnt mit dem Aufruf: „Schweigt mit mir, wie alle Glocken schweigen!“ Damit setzt sie einen Kontrapunkt zum Psalm 117, der die Völker zum Lobpreis Gottes aufruft. Zugleich schließt sie an das biblische Schweigegebot an (vgl. Zef 1,7), das Gott wegen der Freveltaten der Menschen verhängt. In Bachmanns Psalm läutet das Verstummen der …

Poesie des Lebens

Poesie des Lebens

Poesie des Lebens „Preiset, Ihr Seine Knechte, Preiset seinen Namen!“ Psalm 113 „Preiset seinen Namen!“ – Der Psalm fährt fort: „SEIN Name sei gesegnet von jetzt bis hin in die Zeit, vom Aufstrahlen der Sonne bis zu ihrer Heimkunft SEIN Name gepriesen!“ Ich habe für diesen Psalm die Übersetzung von Martin Buber (1878-1965) gewählt, dem chassidischen Philosophen des Dialogs zwischen Ich und Du, denn nur am Du werden wir zum Ich. Das dialogische Prinzip zeigt sich in der Offenheit des Hörens und in der Veränderung, die es in uns selbst bewirkt. Der Name Gottes hat mich fasziniert, so lange ich denken kann, so lange ich lebe. Was immer im Namen Gottes gesprochen wurde, hat Rückfragen ausgelöst: Woher weiß der andere das so genau? Mit welchem Recht beruft er sich auf den Namen Gottes? Ist hier nicht der Missbrauch des Denkens der Zwillingsbruder des Sprechens? Führt die Berufung auf Gottes Namen nicht immer wieder einmal zum Missbrauch von Macht? Um Antwort zu finden auf solche Fragen, studierte ich 1974-1979 Theologie, in einer Zeit, die nach Aufbruch …

„Es darf wieder ruhig werden in mir.“ Gedanken zu einem Psalmvers von Regina Bäumer

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut? Der Vers, der mich immer wieder beglückt ist Psalm 85,11 , ich zitiere aus der Einheitsübersetzung der Bibel „ Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.“ Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich? In anderen Übersetzungen finde ich statt „Huld“ auch „Erbarmen“ (Jerusalemer Bibel) oder „Gnade“ (Kurt Marti). Huld ist eher altertümlich und man versteht es schlecht, aber ich glaube, zusammen genommen zeigen die Übersetzungen, dass etwas gemeint ist wie: etwas das wir geschenkt bekommen und das es gut mit uns meint, was erkennt und versteht, auch die Schatten und die dunklen, unerlösten, ungewollten und ungemochten Seiten von uns. Und das begegnet der Treue, meint, die beiden verbinden sich, tun sich zusammen! So bekommt diese Zuwendung große Verläßlichkeit und wird zu einem beglückenden Geschenk! Ähnlich ist es mit Frieden und Gerechtigkeit – auch sie tun sich zusammen, sie werden quasi intim miteinander, zärtlich, sie verbinden sich mit einem Kuss, besiegeln die Verbindung! Darin …

Mit weitem Herzen…

Mit weitem Herzen… … schreibt der heilige Benedikt im 6. Jahrhundert seine Ordensregel, „die sich“, wie Papst Gregor der Große im Jahr 593 in seiner Lebensbeschreibung des Ordensgründers betont, „durch die Gabe der Unterscheidung (discretio) und durch die Leuchtkraft der Rede“ auszeichnet. Mit weitem Herzen ordnet Benedikt so das klösterliche Zusammenleben, nimmt gerade auf die Schwachen Rücksicht und sucht, keinen seiner Mönche zu überfordern. Auf das Vorwort folgen 73 kürzere und längere Kapitel unterschiedlichen Inhalts. Auffällig ist, dass Benedikt in fast einem Fünftel seiner Regel die verschiedenen Gottesdienste im Laufe des Tags regelt, und zwar bis in kleinste Kleinigkeiten. So gibt er genau vor, in welcher Gebetszeit welche Psalmen zu singen sind. Da ist nicht viel zu spüren von der Weite des Herzens – oder vielleicht doch? Keine starre Ordensregel, sondern viel Gestaltungsfreiheit Schauen wir in das 18. Kapitel seiner Regel: „Wir machen ausdrücklich auf folgendes aufmerksam: Wenn jemand mit dieser Psalmenordnung nicht einverstanden ist, stelle er eine andere auf, die er für besser hält. Doch achte er unter allen Umständen darauf, dass jede Woche …

„Du bist da“ – Gedanken von Bruder Christophorus Goedereis

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung? Mein Lieblingsvers ist Psalm 139, 9-10: „Nehme ich die Flügel des Morgenrots / und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen.“ Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich? Eigentlich will ich ihn gar nicht in meiner eigenen Sprache formulieren. Der Inhalt würde dadurch nur verdünnt werden. Wenn ich es aber denn trotzdem müsste, würde ich vielleicht salopp übersetzen: „Egal, was ist, DU bist da!“ Ich habe diesen Vers als Jugendlicher auf einem Poster in einem Jugendbildungshaus der Kapuziner gesehen. Im Hintergrund auf dem Poster: ein wunderschönes Motiv von einem Mädchen am Meer. Und ich dachte nur: Wow, warum steht so etwas nicht in der Bibel? Am selben Tag nahm ich an der Vesper, also am Abendgebet der Ordensbrüder teil. Und siehe da: Genau dieser Vers taucht im Chorgebet der Mönche auf. Mich hätte es fast vom Stuhl gehauen. …

Introitus statt Exitus

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung? ….und sollte ich wandeln im finsteren Tal,so fürchte ich kein Unheil.denn Du bist bei mir…. (Ps. 23,4) Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich? …und wenn die Angst und wenn der Tod in mein Leben fällt, so erinnert mich daran, ich bin nicht allein. das finstere Tal ist nicht das Ende, sondern fährt zum Licht. Nein, ich lass dich nicht allein ich bin bei Dir!! Nada te turbe, nada te falta.. Und dann hört das Lied von Reinhard Mey-„Nein, ich lass dich nicht allein…“ In welcher Lebenssituation könnte man diesen Vers jemandem an die Hand geben? Wenn der Arzt sagt „EXITUS“ sagt der Gläubige: „INTROITUS“ Angenommen, der Vers wäre der Titel eines Filmes – wovon würde der Film handeln? Ein Mensch – Er zweifelt er schreit! Ich bin so allein, ich bin so furchtbar allein!!! („Draussen vor der Tür“; Wolfgang Borchert) Ein Mensch ein Galgenvogel, hängt am entsetzlichen Folterinstrument KREUZ. …

Psalmen

Du gibst mir Heimstatt

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung?   „Selbst wenn mich Vater und Mutter verlassen, der Herr gibt mir Heimstatt.“ (Ps 27,10) Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich? Ich mag die Sprache dieses Verses! So singen ihn die Brüder in Hannover und in Königsmünster freitags in der Vesper. Ich war sechs Jahre zu Hause in der Abtei, ich bin es immer noch, wenn auch anders. Vielleicht würde ich statt „Herr“ lieber „Gott“ sagen. Aber an das womöglich etwas ältlich klingende „Heimstatt“ würde ich nicht rühren! Ich höre darin gerade deshalb etwas zutiefst Bewährtes, Unumstößliches – und genau das passt. Der Vers ist eines der ersten Psalmzitate, an das ich mich erinnern kann. Ich war 15 und zum ersten Mal im Kloster. Der Pater erzählte von Gottvertrauen – und da kam dieser Vers. Ich fühlte, nein: ich wusste mich bis in meinem Kern aufgehoben. Und ich wusste: Das wird für immer bleiben. Seit einigen Tagen bin ich 50. Vor knapp vier Jahren starb meine Mutter. Mein Vater ist sehr …

Du bist gehalten!

Du bist gehalten

Meine Seele hängt an Dir, Deine rechte Hand hält mich fest (Psalm 63,9) Seit meiner Jugend begleitet mich dieser Vers. Immer wieder habe ich mir die Frage gestellt, ob nicht auch ein geistlicher Weg für mich eine Option wäre. Freilich gesellte sich zu diesen Fragen Unsicherheit und Angst: Kann ich mich für mein Leben binden? Kann ich diesen Weg ein Leben lang durchhalten? Die Sehnsucht Manchmal habe ich mich sogar darüber geärgert, dass mich diese Gedanken nicht los ließen und ich nicht wie andere junge Menschen an die Zukunft dachte, sondern dass diese Fragen auch während einer freundschaftlichen Beziehung zu einem Mädchen vorhanden waren. Irgendwie sah ich darin ein Zeichen, dass Gott mit mir etwas vor hat und mich nicht loslässt, bzw. dass mein Innerstes sich nach einer tiefen Gottesbeziehung sehnt und an diesem Lebensprogramm zutiefst hängt. Hand in Hand Später dann, als ich den ersten Schritt ins Kloster gewagt hatte, war mir der Vers Trost und Ermutigung, spürte ich doch in manchen Krisen, dass ich von einem anderen gehalten werde. ER lässt nicht los …