Alle Artikel mit dem Schlagwort: Barmherzigkeit

Ich besuche Dich!

„Ich besuche Dich! Anfang der 90er Jahre habe ich für ein halbes Jahr in einem Krankenhaus gearbeitet. Es war ein Praktikum und meine Aufgabe war es, den Aufenthalt der Patienten auf der orthopädischen Station des Uni-Klinikums Münster angenehmer zu gestalten. Dazu gehörte gemeinsames das Begleiten zu Untersuchungen, das Trösten und Ermutigen, das Ablenken und Besänftigen. Die Patienten kamen aus ganz Deutschland und aus dem Ausland – manche auch aus Arabien. Viele waren alleine dort. Andere wurden mit Besuch überschüttet – meistens aber punktuell. Da waren plötzlich 10 bis 15 Leute im Krankenzimmer und dann tagelang niemand. Besuch spielt im Krankenhaus eine ganz besondere Rolle – ähnlich wie im Altenheim. Nach dem Mittagessen beginnt das Warten: Kommt heute jemand? Wer kommt jetzt durch die Tür, die sich gerade öffnet? Und was mache ich, wenn niemand kommt, wenn wieder niemand kommt? Wie gehe ich mit Enttäuschung und Traurigkeit um? Ähnlich wird es auch im Gefängnis sein. Dort wird man zwar nicht jeden Tag warten, denn Besuche dort brauchen eine Ankündigung. Aber dennoch ist das Alleinsein, die Hoffnung, …

Werke der Barmherzigkeit – Ich teile mit Dir!

Werke der Barmherzigkeit: Ich teile mit Dir! Kaum zu glauben, aber Teilen hat Hochkonjunktur – nicht nur zur Advents- und Weihnachtszeit – , es ist geradezu in, up to date. Zwar behält man gerne die eigenen Sachen für sich und auch ich bin immer wieder hin und her gerissen, wenn ich vor Kaufhof oder am Kröpcke wegen eines Euros angesprochen werde, aber dennoch sage ich: Teilen kommt gut an. Seit einiger Zeit beschäftige ich mich wieder mit Online-Medien und digitaler Zukunft, mit Facebook und Twitter, mit SEO und Netzwerken und ich kann es nur wiederholen: Teilen ist in. Denn dieser inzwischen so wichtige Teil unseres Lebens – ob wir es wollen oder nicht – lebt davon, dass wir teilen, dass wir Dinge ganz wunderbar finden und anderen davon mitteilen, dass wir einen ganz bezaubernden Text gefunden haben und alle Welt daran teilhaben lassen, dass wir gerade im Restaurant sitzen und die Vorspeise exquisit war und wir es nicht lassen könne, unsere Freunde in aller Welt daran teilhaben zu lassen. Das Internet würde zwar nicht sterben, aber …

Werke der Barmherzigkeit – “Ich höre Dir zu!“

Werke der Barmherzigkeit: “Ich höre Dir zu!“ Im Nachgehen dieses Satzes der Werke der Barmherzigkeit ist mir klar geworden, dass er eigentlich nicht das aussagt, was er wirklich meint. Wenn ich jemandem etwas sage oder erzähle und er mir zuhört, dann reicht mir das in der Regel nicht. Ein Computer kann mir auch zuhören und ein Haustier auch und dennoch erlebe ich die Art des Zuhörens anders als wenn mir ein Mensch sein Ohr leiht. Aber auch unter Menschen gilt: Zuhören ist nicht gleich zuhören. Es ist ja nicht genug, dass jemand schweigt während ich rede und meine Worte in seiner Sprache, die auch meine ist, versteht. Es geht nicht darum, dass meine Worte in etwa in der gleichen Bedeutung verstanden werden wie ich sie gesendet habe. Das kann, wie gesagt, auch ein Computer. Und erste Programme wie Siri von Apple erledigen das ja auch schon recht gut. Worum geht es also, wenn es nicht um das reine Hören als solches geht? Ich glaube, dass es um das tiefere Verstehen geht. Jeder und jede möchte …

„Ich bete für Dich.“ – Menschwerdung der Barmherzigkeit

„Ich bete für Dich!“ Wer in den vergangenen Wochen unterwegs Kirchen besucht hat, wird sich nicht nur an der schönen, zu Gottes Ehren gestalteten Architektur erfreut haben, sondern in diesen Kirchen auch oft ein sogenanntes Fürbittbuch vorgefunden haben. Diese Bücher, in denen Bitten und Anliegen von vie-len Menschen aufgeschrieben werden, ziehen mich immer wieder an: Darin sind die Nöte und Ängste, aber auch die Freude und der Jubel der Menschen nachzulesen. So haben diese „Gebetbücher“, die auszugsweise auch in die Fürbitten der Ortsgemeinde miteinbezogen werden, viel mit dem alttestamentli-chen Buch der Psalmen gemein. Im Psalter sind alle menschlichen Empfindungen und Regungen enthalten – ebenso in den Fürbittbüchern. Warum schreiben Menschen Ihre Bitten und Anliegen auf? Vielleicht, weil sie auf das stellvertretende Gebet vertrauen: Das, worum ich bete, lesen andere Menschen und nehmen es mit in ihr Gebet hinein.Füreinander zu beten ist eine Jahrhunderte lang ge-übte, benediktinische Tradition, die der heilige Benedikt im 67. Kapitel seiner Regel grundgelegt hat, wenn er schreibt, dass beim letzten Gebet des Gottesdienstes immer aller Abwesender gedacht werden solle (RB 67,2). Impliziert …

Werke der Barmherzigkeit: Ich gehe ein Stück mit Dir!

Unwillkürlich muss ich bei diesem Satz an eine kleine Begegnung in den Tagen nach Ostern denken. Mit der knapp dreijährigen Josephine bin ich auf den Spielplätzen in unserem Stadtteil unterwegs. Ich gehe ein Stück mit ihr und das ist für uns beide schön. Trotzdem ist ihr wichtigstes Wort an diesem Tag: „alleine“ – „kann ich alleine“. Alles, was sie schon irgendwie alleine kann, will sie auch alleine tun. Ich übe mich bei diesem Spaziergang ein, gut zu entscheiden, wann sie alleine darf und wann ich es wichtig finde, sie an die Hand zu nehmen. Das tue ich zum Beispiel immer dann, wenn wir eine Straße überqueren. Allerdings passierte unterwegs auch das Umgekehrte. Da blieb sie einfach stehen und sagte zu mir: „hoch“. Und jetzt wusste ich: sie wollte getragen werden.Es wird nur noch wenige Jahre dauern, dann wird für sie das „Allein“ das Normale sein. Und vielleicht wächst dann der Wunsch danach, manchmal nicht alleine zu sein, manchmal nicht alleine gehen zu müssen. Ich denke natürlich auch an meine Arbeit in der Praxis. Menschen kommen …