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Warten und Erwarten

Schon im November drehte sich auf dem Weihnachtsmarkt auf der Liste Meile das Kinderkarussell. Im Beat eines Disco Fox, unterlegt mit kräftigem Schlagzeug, dröhnte „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all“ aus den Boxen. Aber die Kinder kommen noch gar nicht. Vereinzelt ein paar genervte Mütter, die ihre Kinder ein paar Runden kreisen lassen in der Hoffnung, dass es dann mit weniger Geschrei weitergehen kann.

Advent – eine Zeit des Wartens? Dazu gibt es natürlich viel Frommes zu lesen und ich selbst bin mir natürlich der Bedeutung des Wartens auf die Ankunft Gottes durchaus bewusst. Aber wenn ich in diesen Tagen durch die Stadt gehe, entsteht in mir immer mehr die Frage: Auf was warten die Menschen eigentlich hier wirklich? Hat der vorweihnachtliche Stress, den viele von uns so beklagen, etwas mit „dem Warten“ zu tun?

Meine Erwartungen an mich selbst

Beim genaueren Nachspüren entdecke ich eher eine Zeit der Erwartungen als eine Zeit des Wartens. In den Tagen vor Weihnachten steigen bei ganz vielen Menschen die Erwartungen. Diese Erwartungen können ganz unterschiedlicher Art sein: die Erwartungen an schöne Geschenke, an ein harmonisches Fest in der Familie oder Partnerschaft, die Erwartungen an eine sinnvolle und sinnstiftende Zeit. Oft ist es schon schwer genug, die Erwartungen an sich selbst vor Weihnachten einigermaßen so zu erfüllen, dass man damit fröhlich ist. Noch viel schwieriger wird es, wenn man mit Erwartungen anderer konfrontiert ist, die man nicht erfüllen kann oder nur widerwillig erfüllt. Der Weihnachtsbraten und die selbstgebackenen Weihnachtskekse, aber auch der Weihnachtsbesuch bei der Familie mit gespielter „Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung“ kann manche in einen Stresslevel versetzen, der Kräfte raubt und uns manchmal sogar krank macht.

Wie werden aus Erwartungen Stress?

Aber warum Kosten diese Erwartungen so viele Kräfte? Weil unser Körper wie bei Gefahr reagiert. Diese Gewohnheit hat der Mensch seit vielen tausenden von Jahren erlernt und bewahrt. Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol werden ausgeschüttet, der Organismus geht in eine erhöhte Alarm- und Handlungsbereitschaft, die sich auf die Muskulatur, die Atmung und den Kreislauf auswirkt. Um das zu Leben zu retten, musste man früher fliehen, kämpfen oder sich tot stellen. Und so reagiert er heute noch immer. Der Blutfluss wird umverteilt und alle Funktionen, die im Augenblick als nicht lebensnotwendig erkannt werden, werden gehemmt. Auch höhere Hirnfunktionen werden vermeintlich nicht gebraucht und abgeschaltet, es entsteht ein Tunnelblick. Je bedrohlicher und stressiger eine Situation erlebt wird, umso weniger sind wir Menschen zu intelligenten, kreativen oder ethischen Lösungen in der Lage.

Gerade die Erwartung an eine besonders schöne und entspannte Zeit, an Glückseligkeit und Wohlgefühl in Partnerschaft, Familie oder dem Kloster entwickelt sich im Organismus schnell wie eine Gefahr. Das ist ausgesprochen schade, denn die Grundbotschaft des Adventes verkündet uns ja gerade, dass uns keinerlei Gefahr droht, sondern das unsere Erlösung nah ist.

Wie kommt nun der Körper wieder aus seinem Stress heraus? Der Hippocampus im Gehirn zügelt die Stresshormone des Körpers wieder und als Abbauprodukt entsteht körpereigenes Morphium – der Mensch fühlt sich wohl. Und er fühlt: Alles richtig gemacht. 

Mehr warten und weniger erwarten

Und genau hier entsteht unsere Herausforderung: Wenn ich bis Weihnachten abwarten muss, um meinem Körper zu melden, dass er alles richtig gemacht hat – wenn ich es Weihnachten weiß, ob ich die Erwartungen in meinem Umfeld einigermaßen erfüllt habe, dann gerate ich in der Zeit bis dahin in einen Dauerstress. Aber vielleicht lächle ich einfach ein paar Erwartungen in dieser Adventszeit einmal an und sage ihnen: Nein, das erwarte ich doch gar nicht von mir. Und vielleicht auch noch nein, das erwarte bitte nicht von mir! Dann entsteht vielleicht ein bisschen Entspannung und das nötige Wohlgefühl, um wirklich auf den warten zu können, wegen dem es diese Adventszeit doch eigentlich überhaupt nur gibt.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir in diesem Adventstagen ergeht.

Unser Musiker am Zweiten Advent: Daniel Schindler

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Mein Opa starb, als ich vier Jahre alt war. Er spielte Violine in einem Berufslaienorchester und scheint mich frühkindlich so stark geprägt zu haben, dass der Wunsch, auch Violine zu erlernen, da bereits sehr groß war. Mit der Einschulung bekam ich dann endlich meinen ersten Unterricht.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Nach meinem Opa meine zweite Geigenlehrerin. Sie vermittelte mir die Musik auf eine sehr intrinsisch motivierende Art und Weise.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

Da ich diesen Ort auch gerne nutze, um nach anstrengenden beruflichen Phasen wieder zu mir selbst zu finden, verknüpfe ich speziell mit der Hauskirche der Cella St. Benedikt eine meditative Atmosphäre. Es ist für mich ein zeitloser Ort.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Mich interessieren besonders die alten Hochkulturen. Eine Zeit, aus welcher nahezu keine musikalischen Überlieferungen in Form von Notenschrift existieren. Es wäre schon spannend zu wissen, wie es damals klang.

alte Bücher

Auf ein Neues!

Warum feiern wir Menschen eigentlich Jahrestage – etwa den eigenen Geburtstag oder den eines uns lieben Menschen? Warum feiern wir bestimmte Tage Jahr für Jahr neu – etwa Silvester-Neujahr?

Nun, ich glaube, dass wir Menschen Erinnerungen brauchen, die uns aus dem Alltagstrott herausreißen und innehalten lassen, so dass wir Rückschau, aber auch Ausschau halten können.

Das neue Kirchenjahr

Am vergangenen Samstag haben wir mit der ersten Vesper zum Ersten Advent das neue Kirchenjahr begonnen. Da erinnere ich immer eine Begebenheit, die schon etliche Jahre zurück liegt, die aber deutlich macht, dass wir in einem stets wiederkehrenden Kreislauf eingebunden sind:

Unser P. Michael hatte in der Abtei die Predigt am Ersten Advent. Es ging also zum Ambo, zeigte den Gottesdienstbesuchern sein Graduale, öffnete es, nahm ein Lesebändchen und platzierte es auf der ersten Seite. Es begleitet dies mit den Worten: „Gestern habe ich zum 35. Mal das Bändchen von hinten nach vorne gelegt.“

Er hatte damals einfach sehr banal formuliert, was wir Jahr für Jahr tun: Wir beginnen immer wieder am ersten Advent ein neues Kirchenjahr. Jahr für Jahr begehen wir Weihnachten. Jahr um Jahr feiern wir Ostern. Die Aufzählung ließe sich beliebig lang fortsetzen…

Das Kirchenjahr

Liturgiegeschichtlich hat sich zunächst der Festkreis um Ostern, später dann auch der Festkreis um Weihnachten allmählich zu einem Jahreszyklus vervollständigt. Der Begriff „Kirchenjahr“ taucht zum ersten Mal 1589 bei dem lutherischen Pastor Johannes Pomarius auf und macht deutlich, dass die nach der Reformation beginnende Trennung von christlich-sakraler und profaner Zeitgliederung und Kalenderordnung begonnen hatte.

Dabei fällt auf, dass das Kirchenjahr sich teilweise vom solaren Zyklus, teilweise aber auch vom lunaren Zyklus her bestimmen lässt. Vom fixen Sonnenjahr etwa ist das Datum des Weihnachtsfestes bestimmt, von den beweglichen Mondphasen her ändert sich der Termin des Osterfestes in jedem Jahr.

Jährliche Erinnerung

Wenn wir also am Beginn eines neuen Kirchenjahres stehen und in großer Gewohnheit unsere christlichen Feste in der gleichen Reihenfolge wie alle Jahre zuvor wieder feiern, dann geht es darum, sich immer neu des Heilshandelns Gottes an uns zu vergewissern – das Heilshandeln Gottes, dass in Jesus Fleisch geworden ist.

Auf ein Neues…

Gerade der Advent, die Vorbereitungszeit auf Weihnachten hin, bietet die Chance, sich bewusst auf Weihnachten einzuschwingen. Wir sind eingeladen, in kindlicher Vorfreude auf Weihnachten zuzugehen, um dann an Weihnachten selbst mit aufgerissenen Augen und wach hörenden Ohren auf die Kindheitsgeschichte Jesu zu hören, wie sie der Evangelist Lukas so bildreich schildert, oder wie der Evangelist Johannes es im philosophisch-theologischem Prolog zu seinem Evangelium schreibt.

In diesem Sinne wünsche ich Dir eine besinnliche Adventszeit!

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Unser Musiker am Sonntag: Stefan Adam

Wie bist Du zur Musik gekommen?

Wie bei jedem Kind des Bildungsbürgertums lag eines schönen Tages eine Blockflöte unter dem Weihnachtsbaum, womit ich zunächst gar nichts anfangen konnte, später aber großen Gefallen an dem Instrument und der dazu gehörenden Musik fand. Nein, der Hauptgrund, daß ich Musik liebe und mache sind meine Eltern, die immer viel mit mir gesungen haben und mir alle Möglichkeiten eröffnet haben, mich auf diesem wunderbaren Feld zu tummeln. So kam ich in die Kinder-, später Jugend- und schlußendlich „große“ Kantorei, hatte Klavier-, Orgel, Blockflöten- und Kontrabaßunterricht und das große Glück, mich bei vielen Anlässen ausprobieren zu können.

Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?

Ich bin das Produkt vieler wunderbarer Lehrerpersönlichkeiten. An erster Stelle ist da der frühere Kantor meiner Heimatgemeinde Lengerich zu nennen, der mich nicht nur das Orgelspiel gelehrt hat, sondern auch den Respekt vor dem Raum, in dem wir musizieren dürfen und der letztlich „Schuld“ daran war, daß ich ein Kirchenmusikstudium absolviert habe. Später waren es dann Dozenten der beiden Hochschulen, die mich beeinflußt haben, so in Düsseldorf während des Kirchenmusikstudiums KMD Prof. Hartmut Schmidt, KMD a. d. Jürgen Schmeer, beide wichtige Persönlichkeiten im Bereich der Düsseldorfer Kirchenmusik.
Während des Gesangsstudiums in Köln waren es meine Professoren KS Edda Moser, Dietger Jacob und KS Kurt Moll. Es gibt unzählige Menschen, auch und gerade „außermusikalische“, die mich auf meinem musikalischen Weg beeinflußt haben, weil sie mir durch ihre Reaktionen auf meine Musik gezeigt haben, was Musik bewirken kann und soll.

Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?

In einer Kirche zu musizieren, bedeutet für mich, zu Hause zu sein, an dem Ort zu sein, an dem ich Musik „Soli Deo Gloria“, wie Bach seine Kompositionen überschrieben hat, machen kann. Und es ist für mich Erinnerung an ein einschneidendes Erlebnis meiner Jugend, als ich zum ersten Mal in unserer Stadtkirche in der Kantorei die Matthäus-Passion von Bach mitsingen durfte. Das Erleben, Teil dieser vielstimmigen, einen Stimme zu sein, zu erleben, wie der Klang, von uns ausgehend, sich durch das Kirchenschiff schwingt und zu uns zurückkommt.
Die Hauskirche der Cella ist für mich inzwischen, nach vielen wunderbaren Begegnungen und gemeinsamen Unternehmungen mit den Brüdern, auch zu einem geistigen Zuhause geworden, weil sie mir eine Geborgenheit vermittelt, die ich in einer großen Kathedrale oder Kirche nicht so stark empfinde. Und weil es gelungen ist, in der Cella einen so ästhetischen und spirituellen Raum zu schaffen.

Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?

Diese Frage ist für mich schwer zu beantworten, weil ich mich da eigentlich nicht wirklich entscheiden kann, ich schwanke zwischen der Renaissance und dem  Barock, der Renaissance wegen ihrer Gradlinigkeit, ja, nahezu geometrischen Genauigkeit, bezogen natürlich vor allem auf die Musik, aber letztlich auch auf die bildende Kunst, dem Barock wegen seiner Verspieltheit und seiner, ja, überbordenden Lebensfreude, die sich natürlich auch manches Mal in zügelloser Prasserei manifestierte.

Weihnachtsbrief der Cella

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Bär schäft - Zeit für den Winterschlaf

Zeit für den Winterschlaf

Jetzt ein paar Wochen Winterschlaf und dann geht es im Frühjahr fröhlich weiter. Ja, ich kenne die Sehnsucht, der Winter, vor allem der November und Dezember mögen schnell vergehen, gerne auch mit einem Winterschlaf, wie bei manchen Tieren.

Der Terminkalender ist in dieser Zeit fast immer zu voll. Wenn ich ehrlich vor mir bin, spüre ich, wie schwierig es ist, die Vorfreude auf die Geburt Christi – über die ich natürlich viele schöne Dinge sagen kann, die ich auch selber glaube  – in meinem Alltag auch wirklich zu spüren.

Keine Lust auf Winterblues

Aber woran liegt dieser „Winterblues“ – und vor allem: Lässt er sich irgendwie verändern?

Wenn das Wetter kühler und damit oft auch „schmuddeliger“ wird, verliere ich als erstes die Lust, mich an der frischen Luft zu bewegen. Im Sommer fahre ich gerne und viel mit dem Fahrrad und nutze die freie Zeit für Touren. Im Herbst ist mir dann das Wetter zu schlecht und je weniger ich fahre, umso weniger Lust habe ich auch auf die Bewegung und das Fahrradfahren. In den letzten Jahren konnte ich an mir selber beobachten, wie es vor allen Dingen der Herbst ist, in dem ich die Weichen für mein „Wintergefühl“ stelle.

…wenn ich erst einmal vor der Türe bin

Gelingt es mir, gut in den Herbst zu gehen, dann wird mein Winter froher. Meine Zutaten dazu sind relativ einfach. Es beginnt tatsächlich mit der Bewegung an der frischen Luft. Und wenn es am Abend nur die kleine Runde im Stadtteil ist, hilft sie mir sehr, den Kopf freizubekommen. Und meistens merke ich auch: Wenn ich erst einmal vor der Türe bin und auch die passende Kleidung anhabe, ist das Wetter ja gar nicht so schlimm, wie es beim Blick durch die Fensterscheibe noch gewirkt hatte.

Im Winter braucht der Körper Licht, darüber habe ich ja im letzten Monat geschrieben. Und so ist es nicht erstaunlich, wenn der Körper in den Zeiten, in denen er ganz natürlich weniger Licht bekommt, auch müder ist, genauer gesagt: ein größeres Schlafbedürfnis hat. Und so übe ich mich ein, im Winter wirklich auch früher schlafen zu gehen, um so den Körper eine Möglichkeit für sein Schlafbedürfnis zu geben (Da die Zeit für unser Morgengebet im Sommer und Winter gleichbleibt, bleibt mir da eher der Abend, um das Schlafbedürfnis einzubeziehen).

Gutes für Körper und Seele

Und für mich gehört im Winter die Kanne Tee dazu. Für echte Tee-Trinker ist das keine korrekte Beschreibung des Getränkes. Es ist ein Gemisch von Kräutertee, frischem Ingwer, etwas Orangensaft und einem Schuss Holundersaft oder Johannisbeerlikör. Br. Victor konnte ich von diesem Trank auch schon überzeugen – aber eigentlich geht es nicht um das Rezept. Es geht um das „Winter-Lieblingsgetränk“, um das wohlig-wärmend Getränk, das Körper und Seele gleichermaßen guttut und wärmt. Während ich im Sommer eher einmal Durst habe und schon deshalb zum Getränk greife, brauche ich im Winter die gute Gewohnheit.

Aber das gilt natürlich nicht nur für ein Getränk. Der Seele und dem Körper etwas Gutes zu tun, das braucht es vor allem im Winter. Schöne und beglückende Momente beleben oft nicht nur für den Tag. Manches lässt sich davon einplanen. Und je älter ich werde, umso mehr schätze ich auch die geplanten Momente zum Glücklichsein.

Und ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie Du fröhlich in und durch den Winter gehst …

Wie kann man Einsamkeit überwinden?

​Es kann schnell passieren. Ein neuer Job steht an, der alte passte einfach nicht mehr, oder der Arbeitgeber hat sich von Dir getrennt. Nun denn, es geht auf in eine neue Stadt, wo Du niemanden kennst, wirklich niemanden. Irgendwie landest Du in einem Häuserblock - es ist schwierig genug, eine Wohnung zu finden. Also gut, dann halt hier, wo tausende anderer in einem großen Block wohnen, muss ja nicht für immer sein. Und da sitzt Du dann, alleine - wirklich alleine. Zwar hörst Du den Fernseher von nebenan, irgendwo weint ein Kind und bellt ein Hund, dann und wann das leise Schnurren des Aufzugs und das Schlagen der Kabinentür. Das war es dann auch schon.

Wen würde dann nicht das Gefühl von Einsamkeit durchfluten. Und wenn eine solche Situation dann auch noch Monate, ja, Jahre andauert, dann wird Einsamkeit mehr als real, sie frisst sich in unser Inneres ein.

Ministerium gegen Einsamkeit

Man hat Einsamkeit als eine der größten Gesundheitsbedrohungen erkannt. So wurde im Jahre 2018 erstmals in Großbritannien in einem Ministerium ein Departement für Einsamkeit gegründet.

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Einsamkeit den Blutdruck erhöht. Und natürlich gehören auch Auswirkungen auf unsere Psyche dazu: bei Persönlichkeitsstörungen und Psychosen wurde ein Zusammenhang zu Einsamkeit gefunden. Es wird sogar vermutet, dass Einsamkeit eine Auswirkung auf spätere Alzheimer-Erkrankungen hat. Natürlich braucht es für solche gesundheitlichen Konsequenzen das Gefühl von Einsamkeit über lange Zeit verbunden mit einem intensiven Erleben.

Denn auch das sollte man wissen: Einsamkeit ist Teil des Lebens und jeder Mensch fühlt sich im Laufe seines Lebens irgendwann und vermutlich immer wieder mal einsam. Und da spielt es tatsächlich keine Rolle, ob ich alleine in meiner Wohnung sitze oder mitten im Getümmel von Freunden und Familie. Wer sich einsam fühlt, muss nicht auch gleichzeitig alleine sein.

Alleinsein oder Einsamkeit?

Denn nicht jedes Alleinsein muss auch von Einsamkeit geprägt sein. Alleinsein ist ein objektiver Zustand, sozusagen zählbar. Du bist alleine in einem Raum - das kann man von außen beobachten. Ob Du zugleich einsam bist, kann ich nicht wirklich von außen erkennen. Einsamkeit ist ein Gefühl.

Dieses Gefühl stellt sich zu sehr unterschiedlichen Lebenssituationen ein. Der Umzug, wie ich ihn oben beschrieben habe, ist nur eine von vielen Möglichkeiten. Die Trennung von einem Partner oder Partnerin, der Verlust der Arbeit, Krankheit und das Älterwerden sind weitere Lebensereignisse, die uns nicht nur mehr allein sein lassen, sondern in denen wir uns schnell einsam fühlen.

Dabei unterstützen bestimmte Einstellungen zu sich selber das Gefühl der Einsamkeit. Wer sich nicht liebenswert findet, wird schneller das Gefühl von Einsamkeit entwickeln. Oder wer meint, unbedingt einen Partner oder eine Partnerin zu brauchen.

“Du musst mehr raus gehen!” sagen dann ehemalige Freunde. Schöner Satz, gut gesagt, jetzt wissen wir endlich, was zu tun ist. Als wären wir nicht selber darauf gekommen Doch rausgehen alleine bringt es noch nicht. Und wenn man nicht der Typ Mensch ist, der in einen Supermarkt geht und sofort fünf neue Leute kennenlernt und mit Namen ansprechen kann, dann wird es wirklich schwer.

Einsamkeit: 6 Hinweise

Wie kann man mit Einsamkeit umgehen? Was kann man machen? In einem solchen Artikel kann man kaum sehr komplexe Hinweise geben.
Natürlich hat Einsamkeit oft einen psychischen Hintergrund und braucht nicht selten eine fachgerechte Behandlung. Dennoch will ich es wagen, Hinweise mitzugeben (keine Ratschläge), an denen weiter zu denken es sich lohnen würde.

“All unser Übel kommt daher, dass wir nicht allein sein können.”

Arthur Schopenhauer

1. Bist Du wirklich einsam?

Ich finde diese Frage mehr als legitim. Frage Dich, ob Du wirklich einsam bist. Denn es kann sein, dass wir uns einsam fühlen, weil wir meinen, man müsste ein viel geliebtes Mitglied der Gesellschaft sein, ein Sunnyboy in den Straßen der Stadt. Vielleicht bist Du einfach ein Mensch, der mit wenigen Kontakten auskommt und sich damit wohl fühlt. Aber Du meinst, es müsste anders sein, weil man es Dir sagte, weil es so üblich ist. Und so entsteht ein Problem, das eigentlich nicht da ist. Daher lohnt es sich darüber nachzudenken, wie viele Kontakte Du wirklich brauchst.
Menschen mit Hypersensibilität können es beispielsweise gar nicht ertragen, ständig und zu oft und zu lange mit vielen Menschen zusammen zu sein. Sie brauchen immer wieder Rückzugsmöglichkeiten, weil für sie die vielen Kontakte besonders viel Energie kosten.
Wenn Du wissen willst, ob Du eine hypersensible Persönlichkeit bist, kannst Du hier einen Test dazu machen:
Hochsensibel

2. Lerne, alleine zu sein

Wenn Du alleine bist, dann wirkt dieser Hinweis zynisch - dann bitte ich Dich, zum nächsten Punkt zu wechseln. Bist Du aber derzeit nicht alleine und einsam, dann beginnt jetzt deine “Trainingsphase”. Lerne mit Dir umzugehen, lerne ohne andere auszukommen, einfach für Dich zu sein ohne Whatsapp, ohne Facebook und Co. Geh nach draußen in den Wald, bleibe einfach mal am Samstagabend in Deiner Wohnung und unternehme am Sonntag nichts. Man kann das Alleinsein ohne Einsamkeit lernen.
Wenn Dir das gelingt, dann hast Du einen großen Schritt hin zu mehr Resilienz gemacht.

3. Kultiviere Dein Alleinsein

Dieser Punkt ist die Ergänzung von Punkt 2. Es geht darum, Formen des Alleinseins zu haben. Den Tisch zu decken, wenn man essen will, für sich zu kochen, alleine ins Kino zu gehen, alleine essen zu gehen, es sich schön zu machen, aufzuräumen, dem Tag eine Struktur zu geben, mit sich spazieren zu gehen...schaffe Dir eine eigene Lebenskultur, die auch ohne andere Menschen auskommt und dennoch Raum lässt für neue Bekanntschaften.
Ich glaube, dass Alleinsein oft mit Passivität zu tun hat, weil wir es nicht gelernt haben, es uns schön zu machen und die Zeit mit sich alleine liebevoll zu gestalten. Aber genau darum geht es und dafür ist eine Lebenskultur da. Sie gibt Dir eine Form, mit solchen Zeiten umzugehen und in der Rolle der Gestalterin/des Gestalters zu bleiben.
Das ist übrigens ein Hinweis, der für alle Lebenssituationen wichtig ist. Wer keine Selbstwirksamkeit mehr hat, fühlt sich ohnmächtig und erfolglos.

4. Engagiere Dich

Wenn ich irgendwo alleine in eine Stadt ziehen würde, dann wäre das etwas, was ich sofort täte. Als ich vor 10 Jahren für eine Auszeit in Münster war, war mir klar, ich brauche schnell Kontakte, damit ich nicht einsam werde. Zwar lebte ich damals bei den Kapuzinern und war daher sozial gut versorgt. Aber dennoch würde ich ohne eine Aufgabe ständig alleine in meinem Zimmer hocken. So habe ich bei Oxfam und bei der Aids-Hilfe in Münster angefragt und fand dort nicht nur eine erfüllende Aufgabe, sondern auch Kolleginnen und Kollegen sowie Hauptamtliche und damit eine Fülle von Kontakten. Dazu viele Kunden und Gäste. Ich denke gerne an meine Arbeit dort zurück.
Und genau das rate ich Dir auch. In jeder größeren Stadt gibt es Freiwilligenagenturen, die eine lange Liste mit Möglichkeiten für Dich bereithalten. Du kannst im Netz danach suchen und wirst eine solche Vielzahl an Möglichkeiten finden, dass mit Sicherheit etwas dabei ist, was Dir und Deinen Fähigkeiten entspricht.

5. Nutze das Internet

Gerade die Möglichkeiten im Netz sind für Einsame vielseitig. Es gibt bei Facebook Gruppen für so viele Interessen und Fragen. Wenn Du neu in einer Stadt bist, dann schau einmal nach, es gibt extra Gruppe für neue Stadtbürger. Dort werden Einladungen ausgesprochen, jemand sucht jemand für einen Spaziergang, ein Kinoabend wird angeboten, der Besuch des örtlichen Schützenfestes oder der Kirmes. Du kannst auch nach Veranstaltungen oder in Communities gezielt nach Leuten aus Deiner Stadt suchen und Kontakt aufnehmen. Und das gilt nicht nur für Studenten oder Azubis, sondern auch für Senioren. Es gibt zahlreiche Communities nur für Senioren und auch, wenn man nicht gleich jemand um die Ecke findet und vielleicht nicht gleich die Sehnsucht nach Gemeinsamkeit in Erfüllung geht. Wichtig ist, dass ein Anfang gemacht ist, der es auch schüchterneren Menschen ermöglicht, schnell Kontakt aufzunehmen. Und wenn die Person nicht in der eigenen Stadt ist? Warum nicht über das Tool Zoom (kostenlos für zwei Personen) ein Video-Livegespräch beginnen?

Seniorenportal
50plus Treffen
Zoom

6. Haustier anschaffen

Ein Haustier kann trübe Tage und einsame Zeiten gut überbrücken. Gerade Beziehungstiere, wie Katzen oder Hunde, helfen, aktiv zu sein, motivieren Dich, morgens aus dem Bett zu kommen und strukturieren Deinen Tag. Sie kommen aktiv auf Dich zu, wenn sie etwas wollen. Sie reißen Dich aus Deinem eigene Trott heraus.
Hundebesitzer haben zudem die Chance, über die Tiere neue Menschen kennen zu lernen. Wenn Du mit Deinem Hund Gassi gehst, dann kommst Du mit Hundebesitzern sehr schnell ins Gespräch. 
Zudem sprechen Tierbesitzer mit dem Tier und die Tiere antworten auch auf ihre Weise. Es ist diese Art von Reaktion, von wirksamer Kommunikation, die in einsamen Zeiten so gut tun kann.
Ich weiß, wovon ich spreche, da ich selber drei Katzen habe. Wir teilen unser Leben und bilden so eine kleine, vielleicht etwas ungewöhnliche Gemeinschaft.
Und wenn Du keinen Hund halten möchtest, aber Hunde magst oder Du einfach kein Tier auf Dauer in Deiner Wohnung haben willst: Es gibt Portale, wo man sich als Catsitter oder Gassi-Geher melden kann.

Tiere betreuen

Und jetzt Du!

Das sind jetzt meine sechs Hinweise für einsame Zeiten und was Du tun kannst. Nicht jeder Punkt ist für jeden. Aber jeder Punkt ließe sich weiter denken, um ihn für sich anzupassen.

Ich denke das Problem ist, dass man als einsamer Mensch oft so sehr von der Einsamkeit und den Gefühlen in Beschlag genommen wird, dass man nicht mehr frei ist, die eigene Phantasie einzuschalten, um auf gute Ideen zu kommen. Probleme haben die Angewohnheit, die Phantasie und die Kreativität einzuschränken.

Daher würde mich sehr interessieren, was Du vorschlagen kannst. Was können weitere Hinweise für einsame Menschen sein? Was hast Du gemacht, um einsame Zeiten zu überstehen?

Lass uns hier eine kleine Sammlung als Hilfe für einsame Menschen beginnen.

Niemand ist vergessen

Wir laden ein zu einem gemeinsamen Gedenken an die Verstorbenen,
die uns nahe waren,
an die niemand mehr denkt,
die wir vermissen und die uns Gutes getan haben.

Innerhalb dieser Feier werden die Namen der Toten, die uns bis dahin genannt worden sind in die Nacht hinein gesungen – so erklingen ihre Namen noch einmal und werden so gewürdigt.
Wir werden erstmals diesen Gottesdienst live auf unserer Webseite übertragen.

Vigilfeier für unsere Verstorbenen
23.11.2019
20.00 Uhr

Wenn Du uns Namen von Verstorbenen nennen möchtest, die an diesem Abend gesungen werden sollen, dann kannst Du sie uns über dieses Formular zusenden.

Wir bitten zu beachten:
Bitte gib uns auf alle Fälle den Vor- und Nachnamen an. Und um es möglichst vielen zu ermöglichen, uns ihre Namen zu sagen und sie im Gottesdienst zu singen möchten wir Dich bitten, uns nicht mehr als drei Namen zu nennen. Die Meldung der Namen brauchen wir bis zum 22.11.2019.
Zudem wäre es natürlich schön, wenn Du an dem Gebet auch teilnehmen kannst oder ihn eben über Livestream verfolgst:

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Namen der Verstorbenen:

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Impuls am Sonntag: Thomas Schwark

Thomas Schwark

Museumsdirektor



Alter

63 Jahre

Beruf
Ich arbeite als Museumsdirektor und bin verantwortlich für das Kestner-Museum, das Historische Museum sowie das Museum im Schloss Herrenhausen

Was bedeutet Ihnen Glaube?
Die Frage nach der Bedeutung des Glaubens für mich beantworte ich mit Heb 11,1:

"Glaube aber ist: Grundlage dessen, was man erhofft, ein Zutagetreten von Tatsachen, die man nicht sieht."

Welcher Satz (Zitat, Weisheit...) ist Ihnen wichtig?
Besonders wichtig war und ist für mich Mt 7,12:

"Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten."

bzw. Lk 6,31:
"Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut auch ihr ihnen!"


Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration?

​In meinem langen Leben gab es viele Bücher, die mich inspiriert haben. In jüngster Zeit bewegen mich die kurzen Texte der Anthologie „Kopfsteinpflaster“ – „Verborgenes, Verdrängtes und Vergessenes“ aus meiner Heimatstadt Lübeck; dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund von Thomas Manns Bekenntnis „Lübeck als geistige Lebensform“.

November – der Trauer- und Totenmonat

Im November finden an verschiedenen Tagen besondere Totengedenken und -ehrungen statt: Da ist direkt nach Allerheiligen der Allerseelentag, bei dem die römisch-katholische Kirche der Verstorbenen gedenkt. Die evangelische Kirche gedenkt der Verstorbenen am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Totensonntag. Und gesellschaftlich wird zwei Sonntage vor dem 1. Advent – am Volkstrauertag – der Gefallenen der beiden Weltkriege gedacht. Ebenfalls im November liegt der Buß- und Bettag, an dem die evangelische Kirche die Gläubigen einlädt, sich wieder neu Gott zuzuwenden.

All das ruft in mir einen Satz des Apostels Paulus in Erinnerung: „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,13). – Gerade im Totengedenken und in der  Neuausrichtung auf Gott manifestiert sich die Liebe. Darum hat der österreichische Redemptorist, P. Hans Hüter CSSR, die Schlussfolgerung gezogen: Weil ich liebe, hoffe ich und glaube ich.

Weil ich liebe…

Keiner von uns weiß, ob und wie es nach dem Tod weitergeht. Und dennoch gehen wir immer wieder auf die Friedhöfe zu den Gräbern unserer Angehörigen und Freunde. Zum einen weil wir einen Ort der Trauer brauchen, zum anderen weil wir uns gerne an viel Schönes und Gutes, aber auch an manches Schwere, das wir mit unseren Lieben erlebt haben, erinnern.

… hoffe ich…

Und hier kommt die Hoffnung ins Spiele: Weil ich meine verstorbenen Angehörigen und Freunde liebe, hoffe ich, dass es das neue, für uns unvorstellbare Leben nach dem Tod tatsächlich gibt, dass sie an Gottes ewigem Ostern teilhaben. Dies legt zumindest Jesu Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus nahe (vgl Lk 16,19-31).

Das ist unsere christliche Hoffnung, die auch in vielen anderen Bildern und Gleichnissen Jesu aufleuchtet. Das ist unsere christliche Hoffnung, die aus der Apostelgeschichte und den neutestamentlichen Briefen aufstrahlt. Und diese Hoffnung unterscheidet uns Christen von denen, die keine Hoffnung haben (vgl. 1 Thess 4,13).

… und glaube ich

Ich glaube an das, was im Neuen Testament an so vielen Stellen über das Reich Gottes geschrieben steht (vgl. Mk 4,26 u.ö.). Ich danke den Menschen, die mir von der Liebe Gottes erzählt haben – einer Liebe, die so stark war, dass sie seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern ihn auferweckt hat. Und ich bin überzeugt: die Liebe Gottes ist so übergroß, dass sich keiner, der ihm gegenübersteht, verschließen wird.

Was kein Auge gesehen…

Tatsächlich entzieht sich das Leben bei Gott – nach unserem irdischen Tod – unserer Vorstellungsvermögen. Aber der Apostel Paulus hat gesagt: „Wir verkünden, wie es in der Schrift steht, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was in keines Menschen Herz gedrungen ist, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ (vgl. 1 Kor 2,9).