Monate: Januar 2021

Spiritualität als Lernprozess

Während meiner Zeit auf der Fachhochschule gehörte das Studium Didaktischer Modelle zu einem wesentlichen Inhalt unseres Lernstoffs. Solche Modelle versuchen Bedingungen des Lernens zu beschreiben, die der Pädagoge zu berücksichtigen hat. Dazu gehört die Situation des Menschen, die Umstände, in denen das Lernen stattfindet, grundlegende Prozesse, Feedbackschleifen und vieles andere mehr. Ich habe es geliebt, mich in solche Modelle hineinzudenken, sie verstehen zu wollen, sie zu kritisieren und ggf. natürlich auch anzuwenden. Ich muss allerdings zugeben, dass in der Praxis dann solche Modelle eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Aber ich kann schon sagen, dass die Grundlagen meines pädagogischen Handelns durch die Beschäftigung mit diesen Modellen gelegt wurden.Spiritualität ist für mich auch eine Art pädagogischer Prozess, den ich selber gestalte. Wenn man Lernen so versteht, dass es stets um eine Verhaltensänderung geht (und das nicht nur im beobachtbaren Sinne), dann kann man meines Erachtens auch Spiritualität als einen Lern- oder Transformationsprozess beschreiben. Es geht um die Veränderung des Menschen in seiner Haltung, seinem Tun und letztlich darum, dass er sich weiterentwickelt. Was wiederum Ausdruck von Veränderung …

Unser Musiker am Sonntag: Bernardo Martinez

Bernardo MartinezKlavier Wie bist Du zur Musik gekommen?Meine Eltern suchten für den Kleinen eine sinnvolle Nachmittagsbeschäftigung; da sie selber kriegsbedingt keinen Musikunterricht genossen hatten, wurde es nun an mir verwirklicht.Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?Mein intensivster musikalischer Einfluss stammt aus der romantischen Orchestermusik.​Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?In der Cella zu spielen bedeutet für mich eine verstärkte spirituelle Komponente; die starke Anwesenheit des Göttlichen wirkt sich auf Stimmung und Zuhörer sehr viel prägender aus als in weltlichen Konzerten.Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?Gern hätte ich gegen 1890 den alten Brahms und den jungen Rachmaninoff kennengelernt…

Fröhlich schwebend

Die berühmte Wolke Sieben, auf der man so gut schweben können soll, ist gefühlt für die meisten Menschen im Moment sehr weit weg. Die Zeit ist dafür zu ernst. Trotzdem erleben sich viele Menschen in dieser Zeit als schwebend – in der Schwebe. Die Freizeitmöglichkeiten sind so stark eingeschränkt, dass darunter auch viele schöne Begegnungen leiden. Das Leben in den eigenen vier Wänden, ob alleine, mit Familie, im Kloster oder wie auch immer, fühlt sich durch den Lockdown oft fundamental anders an als noch vor einem Jahr. In Bezug auf die eigene Arbeit sind die Erfahrungen sehr unterschiedlich: Während die einen nicht arbeiten dürfen und oft um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, müssen die anderen mehr oder unter extremeren Bedingungen bis an die Grenzen ihrer eigenen Kraft arbeiten. Wie lange noch? Wie lange das noch so sein wird, scheint völlig in der Schwebe. Wissenschaftler und Politiker scheinen sich ebenso in der Schwebe zu fühlen, ihre Aussagen werden zunehmend vage. Ich lese, höre oder schaue gerne Nachrichten, aber mir wird immer deutlicher: Sicherheit und Klarheit lässt sich …

Unser Musiker am Sonntag: Leonhard Brandstetter

Wie bist Du zur Musik gekommen?Ich komme aus einer von der Kirchenmusik geprägten Familie. Mein Vater war Stadtkantor an der Marktkirche Hannover. Jeder sucht sich im Leben seinen ganz eigenen Weg und behält doch seine Wurzeln bei. So habe ich für mich ein ganz anderes Musikinstrument nämlich die Gitarre gefunden.Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?Das kann ich nur schwer beantworten. Musik ist für mich eine Sprache. Immer wenn ich Musik auf den Punkt gebracht erlebe, versuche ich diese „Worte“ in mein Repertoire aufzunehmen. Das kann eine kleine Verzierung oder eine interessante Artikulation sein…Was bedeutet es für Dich, in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?Der kirchliche Raum ist für mich einer der häufigsten Auftrittsorte. Ich erlebe dabei die Gitarre immer wieder als ein besonders meditatives Instrument, das die Andacht vertieft. In der Cella spiele ich schon seit vielen, vielen Jahren immer wieder gern, da hier Freiheit sehr groß geschrieben ist und ich mich „zuhause“ fühle.Stell dir vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?Musik ist für mich nicht …

Auf ein Neues – 2.0

Das neue Jahr ist nun schon in der zweiten Woche. Und doch ist alles ganz anders als in den vergangenen Jahren… Normalerweise wären wir Brüder an Neujahr in die Abtei gefahren und hätten dort mit unseren Brüdern zusammen unsere Jahresexerzitien begangen. Unsere Exerzitien sollte eine Schwester aus der Abtei St. Hildegard begleiten. Aber dort mussten die Schwestern alle in Quarantäne weil zwei Mitarbeitende auf Covid-19 getestet worden waren. Außerdem: unsere Cella in Hannover liegt bekanntlich in der Landeshauptstadt von Niedersachsen, unsere Abtei hingegen befindet sich in Nordrhein-Westfalen: Zwei unterschiedliche Bundesländer bedeutet auch zwei unterschiedliche Verordnungen Relativ früh war daher klar, dass in der Abtei die Exerzitien in diesem Jahr als „Stille Tage“ mit einigen spirituellen Angeboten durchgeführt werden. Wir haben uns dem angeschlossen und „Stille Tage“ in der Cella verbracht.GebetszeitenWährend dieser Tage haben wir unser Stundengebet hinter verschlossenen Türen gehalten, hatten jedoch immer im Hinterkopf, dass wir mit vielen Menschen verbunden sind, die sonst unser Beten und Arbeiten teilen. Da die Infektionszahlen nach wie vor sehr hoch sind, haben wir uns auch entschlossen, ab dem 7. Januar, an dem …

Cella bleibt geschlossen

Mindestens bis Ende dieses Monats werden wir zu unseren Gottesdiensten keine Besucher zulassen können. Die Meditation am Dienstag entfällt ganz. Statt des Besuchs unserer Gottesdienste kannst Du wieder im Livestream unseren Vespern und Eucharistiefeiern jeweils um 18.00 Uhr (außer montags) folgen: zum Livestream

Unser Musiker am Sonntag: Roland Baumgarte

Wie bist Du zur Musik gekommen?Im Grunde durch meine Eltern. Wir hatten zwar keinen Fernseher zuhause, aber eine große Schallplattensammlung mit klassischer Musik. Meine Eltern waren Abonnenten im Opernhaus, gelegentlich durfte ich mitkommen, ebenso in Konzerte. Weitere Förderung erhielt ich durch die Musikschule Hannover und Heinz-Christian Schaper, den Musiklehrer am Ratsgymnasium.Wer hat Dich musikalisch am meisten beeinflusst?Natürlich die legendären Großmeister Casals und Rostropowitsch, meine Lehrer Eckart Schramm, Horst Beckedorf und Prof. Rudolf Metzmacher, im Bereich Kammermusik Prof. Vladislav Markovic (Innsbruck).Was bedeutet es für Dich in einer Kirche und insbesondere in unserer Hauskirche zu spielen?Als Kirchenchorleiter ist der Kirchenraum als Auftrittsort nicht ungewohnt, manchmal sogar ein quasi heimatlicher Ort. Als Cellist schätze ich die Akustik, als Christ die Darstellungsvielfalt von Glaubensinhalten. Die Hauskirche habe ich neulich zum ersten Mal besucht, war sehr beeindruckt und bin gespannt, wie mein Cello darauf reagiert…Stell dir sich vor, Zeitreisen sind möglich: In welcher musikalischen Epoche möchtest Du einmal eintauchen?Das ist schwierig zu beantworten, weil meine Interessen da vielfältig wären: gerne würde ich Mozart in Wien besuchen, mit Haydn nach London …