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Es ist nicht nur die Kirche, die Mitglieder verliert. Die Gewerkschaften verlieren Mitglieder, die Parteien verlieren Mitglieder. Man könnte fast sagen, dass selbst der Staat seine Bindekraft verliert. Die Menschen wenden sich ab, versuchen eigene Staatsgebilde aufzubauen, auch wenn das mitunter abstrus wirkt.

Hinter der Idee verwirrter Männer und Frauen, die plötzlich ein Königreich oder Kaiserreich wiedererrichten wollen, lässt sich ein tiefes Misstrauen erkennen. Wir vertrauen den großen alten Institutionen nicht mehr, die unsere Gesellschaft über Jahrhunderte und Jahrtausende getragen haben. Auch den großen Staatsgebilden, die versuchen, alles mehr schlecht als recht zusammenzuhalten, wird nicht mehr geglaubt.

Im Grunde müssen Staaten selbst an etwas glauben und darauf vertrauen und nicht nur einzelne Menschen – etwa an die UN oder die Europäische Union. Das bedeutet nicht, alles gut zu finden oder anzunehmen, dass alles richtig läuft. Es bedeutet zunächst anzuerkennen, dass diese Strukturen wichtig sind und nicht einfach vor die Wand gefahren werden sollten. Doch auch hier ist der Glaube an die Fundamente, an das, was organisatorisch trägt, vielerorts verloren gegangen.

Bleiben wir bei uns selbst: Wir vertrauen den großen Institutionen nicht mehr. Aber wem vertrauen wir dann noch? Hast du eine Antwort darauf für dein eigenes Leben?


Der vergebliche Versuch der Absicherung

Wir können nicht ohne Vertrauen leben. Ein Leben ohne Vertrauen ist ungleich schwerer, fast unglücklich. Es ist bitter. Man versucht sich abzusichern, einen eigenen Weg zu gehen, Schutz zu finden – wie auch immer du das in deinem Alltag gestaltest. Doch das ist kein Vertrauen. Es ist ein hilfloser Versuch, sich durch das Misstrauen zu navigieren. Dabei ist es wichtig, dass wir vertrauen können, auch angesichts unserer Endlichkeit.

Letztlich können wir selbst dem Leben nicht sicher trauen, denn es endet gewiss. Für jeden von uns. Auch für dich. Worauf also vertrauen wir?

Man könnte nun meinen, bei einem Podcast aus dem Kloster müsse zwangsläufig Gott ins Spiel kommen. Aber vielleicht ist es so, dass wir selbst Gott nicht mehr vertrauen. Vielleicht ist auch Gott zu einer Institution geworden, der wir den Glauben entzogen haben. Viele Menschen glauben nicht mehr an Gott – und die Statistiken zeigen, dass es mehr werden. Auch Gott ist eine Instanz, die das Vertrauen verloren hat. Was bleibt dann noch? Worauf können wir vertrauen, wenn wir all das ernst nehmen?


Drei Pfade des Vertrauens

Ich glaube, es gibt drei Arten des Vertrauens, die uns bleiben. Drei Fundamente, die abseits der Institutionen tragen können.

Als Erstes das Vertrauen in die Schönheit. Das Schöne rührt uns an, es ist da, es entfaltet sich immer wieder und überall. Selbst im Zerbrochenen kann Schönes entstehen. Dagegen offen zu sein, sich davon berühren zu lassen – darauf kannst du vertrauen. Ob das reicht, weiß ich nicht.

Das Nächste ist das Gute. Das Gute zeigt sich überall. Selbst an den schrecklichsten Orten, die man sich auf Erden vorstellen kann, offenbart sich manchmal das Gute. Auch davon können wir uns berühren lassen, weil wir es sehen, weil es uns immer wieder begegnet – in kleinen wie in großen Zeichen. Wir können darauf vertrauen, dass das Gute immer wiederkehrt. Kannst du es in deinem Umfeld wahrnehmen?

Schließlich das Wahre. Das Wahre offenbart sich; die Wahrheit kommt irgendwann ans Licht. Vielleicht erleben wir es nicht mehr, sondern erst Generationen nach uns. Die Wahrheit über diese Zeit, in der wir leben, über das, was wirklich geschieht und geschah. Aber die Wahrheit findet ihr Ziel. Darauf dürfen wir vertrauen.

Wir können nicht unbedingt darauf bauen, dass wir es noch als die Menschen erleben werden, die wir jetzt hier auf Erden sind. Aber du darfst darauf vertrauen, dass die Wahrheit sich offenbaren will. Sie hat die Dynamik, sich zu zeigen. Ob das reicht, weiß ich.

David Damberg


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