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Zwischen Reset, weiter so und freudiger Rückkehr in den Alltag…

Nach den Wochen des Lockdowns und den anschließenden Wochen mit schrittweisen Lockerungen der Einschränkungen war der Urlaub für mich in diesem Jahr besonders wichtig. Obwohl ich sehr wenig unterwegs war und viele Termine ausgefallen sind, war ich vor dem Urlaub angestrengt und erschöpft. Ähnlich habe ich es bei vielen beobachtet, die zu mir in die Praxis gekommen sind. Deutlich wird dies besonders in den Muskeln, die stärker verfestigt und ermüdet sind, als ich das sonst bei mir kenne.

Dauerkontraktionen in Muskulatur

Das ist in den Corona-Zeiten eigentlich kein Wunder. Diffuse Gefühle von Angst und Unsicherheit führen leicht auch zu einer Dauerkontraktionen in Muskulatur und Bindegewebe der Haut und Unterhaut. Manchmal zieht man sich schon bei Vorstellungen unangenehmer Situationen körperlich zusammen. Diese Kontraktionen verstärken sich in belastenden Lebenssituationen. Es kommt zu negativen Kreisläufen. Je mehr man sich zusammenzieht, desto negativer erlebt man die Welt und erwartet für die Zukunft nur Negatives. Je mehr man nur Negatives denkt und erwartet, desto mehr zieht man sich zusammen und wird dadurch überempfindlich auf die geringsten Reize. Aus der Körpertherapie wissen wir, dass sich Angst und Depression nicht nur über den Geist, über Gespräche und Vorstellungen, sondern auch über den Körper behandeln lassen.

Und darum tut die körperliche Bewegung im Urlaub so gut. Sie lockert nicht nur die verfestigten Muskeln, sie reduziert auch die Unsicherheit und Sorge, um die die Gedanken kreisen. Das habe ich selber in den letzten Wochen dankbar erlebt.

Lockern sich die Muskeln, werden die Sorgen kleiner

Aber jetzt geht es für viele von uns aus der Erholung zurück in den Alltag. Leider ist dieser Alltag in den letzten Wochen nicht sicherer und klarer geworden. Wie können und wollen wir in diesen Alltag starten? 

Bei manchen Menschen erlebe ich den mutigen Vorsatz, jetzt doch mit neuem Schwung an die Arbeit zu gehen und so die Müdigkeit und Anstrengung der letzten Wochen zu überwinden. So sehr ich den Vorsatz gut finde, bin ich oft skeptisch, ob das gelingt. Wenn das Gefühl der Unsicherheit zu stark wird, werden die Muskeln bald wieder fest werden. Dann rettet man sich mit Glück bis zu den nächsten Ferien.

Beim PC sprechen wir oft vom Reset – einem neuen Start, bei dem alle Programme zunächst geschlossen und der Arbeitsspeicher geleert werden. Irgendwie wünsche ich mir das manchmal für all die Corona-Gedanken, die in meinem Kopf sind. Merke ich doch, dass meine Muskeln bald wieder fest werden, wenn ich meinen Muskeln im Gefühl der Unsicherheit lasse.

Mit neuer Haltung in meinen Alltag

Und so suche ich, wie ich freudig und doch mit neuer Haltung in meinen Alltag zurückkehren möchte. Ob es mir gelingt, „mit Corona leben zu lernen“, wird sich ganz wesentlich in meinem Körper, in meinen Muskeln erweisen. Tatsächlich versuche ich regelmäßig, freudig meine Muskeln zu befragen, ob sie die Spannung wieder abgeben wollen. Besonders meinen Brustkorb nehme ich abends vor dem Schlafengehen in den Blick, lege die Hand auf einzelne Stellen und versuche, die Rippen weich durch meine Atmung zu bewegen. Langsam einatmen, etwas vier Sekunden lang, und dann etwa sechs Sekunden ausatmen. Dann noch eine kleine Pause, bis der Körper von alleine wieder Luft holen möchte. Mir hilft das gut, schon wieder gesammelte Spannung zu reduzieren.

Kann man sich in Corona-Zeiten so zuversichtlicher atmen? Mir hilft es auf jeden Fall. Und ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie es Dir gelingt, nach dem Urlaub wieder in den Alltag zu starten, und was Dir hilft, froh und entspannt zu bleiben.   

  • Avatar Ulrike Schäffer sagt:

    Lieber Bruder Karl-Leo,
    Atemübungen helfen sicher. Ich spreche nicht mehr von und denke nicht mehr in Corona-Zeiten. Der Virus ist da und geht nie mehr. Also gibt es Leben mit Corona keine Sonderzeit mehr ohne. Das entspannt mich insofern als ich mir die Zeit davor nicht mehr zurücksehne., sondern vom jetzt in die nähere Zukunft lebe. Seit ein paar Jahren begleitet mich der Satz: Ich verpasse nichts. Ich schaue was ist und kommt und vielleicht ist alles ganz anders. Das ist sehr entlastend. Was Körperübungen betrifft finde ich durschschütteln hilfreich. Es gibt ganz andere Sachen die viel bedrohlicher sind wie z.B. Wassermangel und Klimawandel.
    Liebe Grüße und eine gute Zeit
    Ulrike Schäffer

    • Bruder Karl-Leo Bruder Karl-Leo sagt:

      Liebe Ulrike Schäffer,
      Danke für die Rückmeldung. Das ist wirklich eine spannende Frage, wie Bedrohungen von diesem Virus mit anderen Bedrohung in eine angemessene Beziehung gebracht werden können. Ich wollte mit meinen Zeilen jedenfalls mut machen, so realistisch auf das Virus und seine Folgen zu schauen, dass auch alle anderen bedeutsamen Fragen unserer Zeit im Blick bleiben können. Herzliche Grüße Br. Karl-Leo

  • Avatar Maria Regina Kowollik sagt:

    Lieber Bruder Karl-Leo,
    sehr dankbar bin ich Ihnen für Ihren Artikel und die Anleitung, wenigstens den Versuch zu machen zu entspannen! Denn genau das ist es: seit „Corona“ fühle ich durchgehend eine starke Grundanspannung, die ich auf die Ungewissheiten zurückführe, die mit der Pandemie verbunden sind. Inzwischen ist mir das zum Glück bewusst, und ich kann etwas gegensteuern. Und das geht tatsächlich hauptsächlich über den Körper, eine Einstellung, die mir sehr fremd war, doch wie ich sie inzwischen verstärkt positiv erfahre. Sie betonen das „freudig“ und das ermutigt mich sehr mit dieser Grundhaltung weiterzuforschen und auszuprobieren wie ich auch mittels Körperübungen eine gute Haltung im Umgang mit dem Leben finde.
    Herzliche Grüße, Maria Regina Kowollik

  • Avatar Heike sagt:

    Ich bin jetzt erst im Urlaub.
    Im Moment scheint Corona ja beherrschbar zu sein, wir wissen viel mehr, irgendwelche Horrorszenarien sollten vermeidbar sein. Alle vorhandenen Einschränkungen sind tragbar, nichts davon ist wirklich schlimm, auch der generelle Shutdown wird wohl nicht wiederkommen, wenn wir ein bisschen vernünftig sind. Dass eine Lösung kommen wird, ist ziemlich sicher.

    Ich merke nur manchmal:
    Wenn ich darüber nachdenke, dass dieser reduzierte Zustand, wo vieles, was mir lieb ist, nicht möglich ist, den Annahmen nach noch ein ganzes Jahr anhalten kann, dann fühle ich mich beklommen und eingeengt. Auch wenn jedes Jammern darüber sinnlos und vergleichsweise lächerlich ist. Trotzdem …

    Alles ist gut, was mich vom nutzlosen Denken an irgendwelche spekulativen Zeiträume wieder ins Hier und Jetzt und in den Körper bringt, jede Art von Bewegung, singen, Menschen.