Glaube, Nikolaus
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Wir müssen noch viel lernen…

Wir müssen noch viel lernen…

Bei der Lektüre des Buchs „Heute im Blick. Provokationen für eine Kirche, die mit den Menschen geht“ von Martin Werlen, der von 2001-2013 der 58. Abt des Klosters Einsiedeln in der Schweiz war, und der unseren Konvent von Königsmünster am Beginn dieses Jahres als Exerzitienmeister begleitet hat, fand ich ein bemerkenswertes Interview.

Der honduranische Kardinal Rodriguez, von Papst Franziskus 2013 zum Koordinator eines achtköpfigen Kardinalsrates, das den Papst in weltkirchlichen Fragen beraten soll, ernannt, hat dem Kölner Stadtanzeiger am 17. Januar 2014 ein Interview gegeben, bei dem er über den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, gesagt hat:

„In seiner Mentalität gibt es nur richtig oder falsch, das war’s. Aber ich sage: Die Welt, mein Bruder, die Welt ist nicht so. Du solltest ein wenig flexibel sein, wenn du andere Stimmen hörst, damit du nicht nur zuhörst und sagst: Nein, hier ist die Wand. Er hat noch viel zu lernen.“

Ich muss noch viel lernen…

Da ist Kardinal Müller wohl nicht allein. Abgesehen davon, dass er nicht mehr Präfekt der Glaubenskongregation ist, gilt der Satz „Er muss noch viel lernen“ doch wohl für jeden Menschen, gilt doch wohl auch für mich.

Wir werden nie fertig sein in unserem Leben. Wenn ich irgendwann einmal denke: „Das war’s! Jetzt bin ich fertig!“ – dann hoffe ich, dass mir jemand auf die Füße tritt und mir sagt, dass es mich weiter bemühen muss.

Denn alles Festgefahrene führt zur Stagnation, zum Stillstand. Das gilt nicht nur für mich, das gilt nicht nur für die Kirche(n), das gilt für die gesamte Gesellschaft und für alle Völker: Wir müssen immer auf dem Suche bleiben nach Neuem, nach Unbekanntem – und dann staunen…

Schule für den Dienst…

Der heilige Benedikt weiß, dass das Leben ein lebenslanger Lernprozess ist. Darum schreibt er am Ende des Prologs seiner Regel:

„Wir wollen also eine Schule für den Dienst des Herrn errichten. Bei dieser Gründung hoffen wir, nichts Hartes und nichts Schweres festzulegen. …Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit, und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes.“ (RB Prol 45.49)

Und dass diese Schule des Lernens ein Leben lang dauert, bekräftigt der heilige Benedikt am Ende des Prologs:

„Darum wollen wir uns seiner Unterweisung niemals entziehen und in seiner Lehre im Kloster ausharren bis zum Tod. Wenn wir so in Geduld an den Leiden Christi Anteil haben, dann dürfen wir auch mit ihm sein Reich erben.“ (RB Prol 50)

Auch nach über dreißig Jahren im Kloster finde ich, dass sich die Mühe lohnt, immer Neues zu lernen…

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