Leben
Kommentare 5

Wie ich die Opferrolle verlasse.

Wie ich die Opferrolle verlasse

Wie ich die Opferrolle verlasse

Es ist eine Krankheit, die sehr weit verbreitet ist. Und jeder kennt Menschen, die davon betroffen sind – vielleicht Du ja auch? Naja, zumindest hat jeder etwas davon. Ich spreche von der Opferrolle. Und ich sage Dir, das ist eine ganz schlecht bezahlte Rolle und doch ist sie sehr beliebt. Wer die Opferrolle annimmt, der hat die größte Garantie, dass sich nichts ändert, denn in der Opferrolle übernimmt man die Meinung, dass die anderen sich ändern müssen, die einem so viel Böses antun. Jeder Therapeut, Berater, Coach und Seelsorger kann ein Lied davon singen, wenn ein Mensch zu ihm kommt, der sich als Opfer sieht.
Dabei kann man oft wirklich nur zu gut verstehen, dass jemand sich so bewertet.
Die Eltern früh gestorben oder gewalttätig, der Vater Alkoholiker, Missbrauch, Heimaufenthalte, Mobbingerfahrungen, von Freunden verlassen worden, der Job gekündigt, Schulden bis über beide Ohren, vielleicht noch eine schwere Krankheit, die nächste Scheidung steht vor der Tür, der Ehepartner ist schon lange mit jemand anderem glücklich und hat daher das gemeinsame Haus – auf Pump gebaut – verlassen. und die Zukunft sieht nicht besser aus: Die Rente wird gering, das Alleinsein wird zur Grunderfahrung, Depressionen, kein Geld, keine Freunde, die Kinder haben es schwer und gehen keine guten Wege.

Nun sag mal: wenn man auch nur einen Teil davon in seinem Leben entdeckt, da kann man doch tatsächlich in die Opferrolle schlüpfen und denken: Diese Welt hat sich gegen mich verschworen. Ja, das kann man und manchmal ist es echt zum verzweifeln und ja, man hat Dir echt übel mitgespielt. Doch das schlimmste ist nicht das, was Dir zugefügt wurde, sondern die Haltung, die Du unweigerlich einnimmst: Ich bin Opfer meines Lebens, die anderen sind die schlimmen und ich haben die A….-Karte gezogen.

Ich sage Dir – auch bei noch so viel Verständnis dafür, dass Du es so siehst und bei noch so viel Einsicht, dass dem so wirklich zu sein scheint: Es ist die schlechteste Haltung, die Du einnehmen kannst. Denn wer sich als Opfer sieht, der gibt die Veränderung im Leben in die Hände anderer und ist darauf angewiesen, dass andere das Leben in eine neue Richtung lenken. Das tun sie aber nicht! Und Du beweist das!
Die Opferrolle ist so vorteilhaft, dass man sie ungern ablegt. Denn, wer aussteigen will, der muss handeln und der hat keine Sündenböcke mehr.
Wenn Du Veränderung in Deinem Leben willst, dann musst Du handeln. das klingt jetzt echt nach billigstem Selbsthilfebuch, aber es stimmt. Du kannst auf Deinen Mann, Deinen Vater, Deine Mutter, Deine Frau, den lieben Gott, den Staat, den Chef, das Wetter oder auf wen auch immer schimpfen – und manchmal tut das auch richtig gut. Aber wenn Du willst, dass es Dir besser geht, wenn Du etwas erreichen willst, dann musst Du anschließend die Ärmel aufkrempeln und anfangen etwas zu verändern, musst bereit sein zu verlieren und wieder neu zu beginnen.

Wie kommt man denn nun aus dieser misslichen Lage heraus?

 

Vergiss die Schuld

Es ist zwar verständlich und es mag auch objektiv eine Schuld bei anderen oder gar bei Dir vorliegen, aber das kann Dir unter Umständen den Weg zu einer Veränderung versperren. Es gibt viel weniger Schuld, als wir meinen. Die meisten Dinge – nicht alle – rühren meistens aus Ungeschicklichkeit, aus einem Missverständnis, aus Unfähigkeit oder Ähnlichem her. Man kann auch sagen, dass es oft darum geht zu sagen: Dumm gelaufen! oder “So ist das Leben!”.

Schau den Dingen direkt in die Augen

Du kannst es beobachten: wer sich in der Opferrolle befindet, guckt oft weg und Dich selten direkt an. Es ist wirklich so. Und so läuft es auch mit den großen oder kleinen Problemen des Lebens. Willst Du aus der Opferrolle aussteigen, dann gewöhne es Dir an, den Herausforderungen Deines Lebens direkt in die Augen zu schauen. Die Opferrolle neigt dazu, wegzuschauen. Und genau dadurch entstehen dann später Katastrophen. Du hast Schulden? Dann schau Dir Deine Kontoauszüge an, mach Dir Gedanken dazu. Vielleicht zu Anfang am Tag nur 5 Minuten. Aber beginne damit.

Führe Listen

Mach Dir Listen von Dingen, die Du tun möchtest. Setze Dir Ziele und überlege, wie Du diese erreichen möchtest. Sei dabei weder zu bescheiden noch zu kühn. Man kann sich durch zu große Ziele auch Niederlagen selber schaffen und durch zu kleine Ziele das Problem verlängern.
Du solltest eine To-Do-Liste haben, auf der alles steht, was in den nächsten Tagen erledigt werden soll. Listen haben eine unglaublich starke Wirkung!

Sorge für Dein Äußeres

Wer sich als Opfer betrachtet hat nicht selten die Angewohnheit sich selber zu vernachlässigen, schlecht zu kleiden und ungepflegt zu werden. Meide solche Versuchung und achte in Zeiten, in denen Du der Opferrolle gefährlich nahe kommst, ganz besonders auf Dein Äußeres. Mach Dich schön! Du wirst wahrnehmen können, wie das schon Deine innere Einstellung verändert und wie andere Menschen Dich anders wahrnehmen.

Verbinde Dich mit anderen

Die Opferrolle bringt es oft mit sich, dass man sich zurückzieht – es versteht Dich ja ohnehin niemand und die anderen können Deine Geschichten einfach nicht mehr hören. Wie auch immer: Geh raus, triff Dich, mache Sport, geh abends aus, trink einen Cocktail – aber sprich nicht nur über Deine Probleme. niemand will nur Probleme hören. Erzähl etwas Unverfängliches oder Lustiges oder Nachdenkliches. Meide die Themen Krankheit und Probleme. (Natürlich nur zunächst und jeder braucht Freunde, wo diese Themen ihren Ort haben können.)

Meide die Worte “immer” und “nie”

Das sind zwei Worte die zum festen Wortschatz von Menschen gehört, die in der Opferrolle sitzen. dazu kommen noch die Worte “”alle” und “niemand”. Es sind Worte, die keine Ausnahme lassen. Alle heißt alle und das meint, nicht ein einziger hat etwas nicht getan, gesagt, gedacht… und niemand heißt, dass kein einziger etwas getan hat. Meide solche Worte – sie stimmen nur sehr, sehr selten. Solche Worte haben auch eine Auswirkung auf Dein Inneres und können bestimmte Grundhaltungen zementieren.

Entwickle Deine Trotzkraft

Wie ich oben schon geschrieben habe, gibt es natürlich bei jedem Menschen Erfahrungen, wo man wirklich Opfer war, wo andere einem etwas angetan haben. Die beste Reaktion darauf nenne ich: Trotzkraft. Lass Dein Leben von diesen Menschen und diesen Erfahrungen nicht bestimmen. Sag Dir: Ich zeig es Dir, Du bestimmst mein Leben nicht. So kannst Du Dein Leben wieder in die eigene Hand nehmen. Es lohnt sich zu leben: trotz allem!

Soweit für heute: Und was sagst Du – ich freu mich wieder auf Eure Kommentare!

  • Avatar michael sagt:

    Lieber David,
    da hast Du ein heikles Thema gefunden, was leider immer wieder viele Menschen leidvoll betrifft.
    Und Du hast dabei einen sehr wichtigen Gedanken gut auf den Punkt gebracht, den Gedanken mit der Schuld.
    Früher habe ich gedacht, das ist ein typisch kirchliches Problem, dass Menschen sich in einem Übermaß Schuld einreden oder einreden lassen.
    Aber mehr und mehr habe ich gerade auch im sozialen Bereich erkennen müssen, wie viele Menschen von dieser Schuld-Falle, diesem Grundübel in Bezug auf die Opferrolle, betroffen sind.
    Da kann diese einfache und realistische Leichtigkeit Deiner Haltung gut helfen.
    Einfach zu sagen: Ja, das Leben ist so, das hat nichts mit mir und einer eigenen Schuld zu tun, dass immer wieder etwas schief läuft, dass das Leben komplex ist und ich mitten drin. Das darf so sein und wenn etwas bescheiden gelaufen ist, dann mache ich dennoch das beste draus und kann auch mal über manches Dilemma lachen.
    Aber diese Leichtigkeit muss man sich wohl im Laufe des Lebens oft erst einmal innerlich erarbeiten. Da kann solch eine ErMutigung, wie sie Deine Worte sind, zu mehr innerer Freiheit helfen.
    Da kann man nur auf viele Leser hoffen.
    Herzliche Grüße wieder von Michael aus Berlin
    🙂

  • Avatar Corinna Stahr sagt:

    Hallöchen,

    Eine schöne Geschichte die ich aktuell dazu beitragen kann wie jemand nicht in seine Opfer-Rolle verfallen ist…

    Eine Freundin und ihr Freund lernen sich kennen…Er fährt immer nur zu ihr mit Navi…Eines Tages wird ihm Handy und Navi geklaut und er hatte jetzt keine Daten mehr von ihr. Er wollte aber unbedingt den Kontakt zu ihr halten. Er ist den ganzen Ort abgefahren 14 Tage um sie wieder zu finden und jetzt wohnt er bei ihr…

    Einen schönen Abend :O)

    Lg Conni

  • Avatar metz sagt:

    Lieber David
    Danke für die Zeilen. Die Opferrolle ist viel zu leicht bei zu behalten, als sie zu verlassen.
    Denn die Veränderung schmerzt und das Hinfallen , Aufstehen, Weitergehen ist nicht einfach. Doch es lohnt sich !
    Jeder Tag ohne Angst ist ein Geschenk, jeder Tag , an dem ich umarmt werde (und es haben kann) ist wunderbar, jeder Tag, an dem ich Lebe, zeigt mir, dass all die schlechten Jahre zwar zu mir gehören, mich aber nicht bestimmen und selbst wenn mich mal ein Teil einholt, schaue ich nach vorne und es geht dann etwas langsamer weiter. Mein Ziel ist es nur nicht stehen zu bleiben und wenn ich mal hinfalle nur nach vorne zu kippen, nicht zurück.
    Die Rolle verlassen, ohne mich selbst zu verlieren. Es ist zu schaffen, mit Geduld ,
    Freunden und innerer Kraft.
    Diese Kraft wünsche ich allen , die sich in der Opferrolle befinden.
    sonnige Grüße
    metz

  • Avatar Corinna Stahr sagt:

    Hallo, ich finde es auch das es sich immer lohnt die Opferrolle zu verlassen, denn solange man in dieser Rolle ist, fühlt man sich hilflos und klein und machtlos und den Dingen ausgeliefert. Mich quälen solche Situationen und belasten mich so stark das ich von mir aus darüber nachdenke was ich verbessern kann und gehe es aktiv an. Ich habe damit positive Erfahrungen gemacht…Allen viel Glück und Alles Liebe dafür…

    Lg Conni