Glaube, Nikolaus
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„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

Trauer

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

Das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja findet sich so nicht in der Einheitsübersetzung, wohl aber in der Lutherbibel. Es passt, so denke ich, sehr gut als Motto für den Monat November, der dem Totengedenken gewidmet ist.

In der Liturgie der katholischen Kirche stehen mit Allerheiligen und Allerseelen zwei Gedenktage am Beginn des Monats, die an unsere Toten erinnern. In der evangelischen Kirche ist es vor allem der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt und am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen wird.

Danklied des Hiskija

Hiskija hat von etwa 750 bis 796 v.Chr. gelebt und war 29 Jahre lang König von Juda. Als ihn eine lebensbedrohende Krankheit befiel, wurde er durch die Vermittlung des Propheten Jesaja geheilt. Nach seiner Genesung, dankte er Jahwe für seine Gesundheit mit einem Lied:

„Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Ich darf den HERRN nicht mehr schauen im Land der Lebenden, keinen Menschen mehr sehen bei den Bewohnern der Erde. Meine Hütte bricht man ab, man deckt sie über mir ab wie das Zelt eines Hirten. Wie ein Weber das Tuch habe ich mein Leben zusammengerollt, vom Faden schneidet er mich ab; vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis. Ich schrie bis zum Morgen. Wie ein Löwe zerbricht er all meine Knochen. Vom Tag bis in die Nacht gibst du mich preis. Wie ein Mauersegler, wie eine Schwalbe, so piepse ich, ich gurre wie eine Taube. Meine Augen blicken ermattet nach oben: Ich bin in Not, Herr. Tritt für mich ein! Was soll ich reden und was wird er zu mir sagen? Er selbst hat es doch getan! Ich irre umher all meine Jahre wegen der Bitternis meiner Seele. Herr, dadurch lebt man und darin liegt das ganze Leben meines Geistes, dass du mich stärkst. Gib mir das Leben! Siehe, zum Heil war mir Bitteres, Bitteres. Du, du aber hast dich nach meiner Seele gesehnt – weg von der Gruft des Nichts. Denn du hast hinter deinen Rücken geworfen alle meine Sünden. Ja, die Unterwelt dankt dir nicht, der Tod lobt dich nicht. Die in die Grube hinabgestiegen sind, hoffen nicht mehr auf deine Treue. Der Lebende, der Lebende, er ist es, der dir dankt, wie ich am heutigen Tag. Ein Vater lässt die Kinder deine Treue erkennen. Der HERR ist da, um mich zu retten. Spielen wir mein Saitenspiel alle Tage unseres Lebens am Haus des HERRN!“ (Jes 38,10-20)

Dieses Lied enthält einige Zitate aus dem Buch der Psalmen, die wir heute noch beim Totengedenken singen.

Hoffnung über den Tod hinaus

Hiskija sagte noch, dass die Unterwelt Gott nicht danke, die Toten nicht mehr der Treue Gottes erlebten, sondern nur der Lebende Gott danke.

Die Botschaft des Jesus von Nazareth sieht da anders aus; denn seit seiner Auferstehung wissen wir, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, sondern ein neues, für uns jetzt noch unvorstellbares Leben beginnt.

Dies ist selbst den Jünger*innen, die dem Auferstandenen begegnet sind, zu glauben schwer gefallen. Sie brauchten dafür Zeit – und viel Überzeugungskraft des Auferstandenen…

Aber dank ihres Zeugnisses wissen auch wir, dass dieser Jesus lebt (vgl. Lk 24,23 u.a.).

„Siehe, um Trost war mir so bange“

Natürlich trauern wir, wenn ein uns nahestehender Mensch, gestorben ist! Und natürlich brauchen wir dann auch Trost! Aber als Christen dürfen wir darauf vertrauen, dass unser irdisches Leben zwar ein Ende hat, dass es aber eine Fortsetzung in dem, was wir Himmel nennen, gibt. Das, so denke ich, hat allein schon etwas Tröstliches.

Wenn Du magst, schreibe doch, wie Du mit Trauer und Trost umgehst…

2 Kommentare

  1. Mirijam sagt

    Lieber Bruder Nikolaus, danke für die Inspiration. Heute am Gedenktag der Reichsprogromnacht habe ich an meinem Hausaltar eine Kerze angezündet. Ich habe den verfolgten jüdischen Frauen, Männern und Kindern in meiner Heimatstadt Mainz gedacht und aller jüdischen Menschen in Deutschland, deren Vernichtung damals begann. Und ich habe der Menschen gedacht, die zum Teil auch heute wieder anisemitischen Anfeindungen ausgesetzt sind. Durch das Beten des aramäischen Vater unsers und des Kaddisch in deutsch habe ich mich mit ihnen verbunden und gleichzeitig getröstet gefühlt. Mirijam

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