Nikolaus, Zeit
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„Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ (Ps 90,10)

Hilfe, ich werde alt

Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen kurzen Zeitungsartikel, in dem darauf hingewiesen wurde, dass ein Drittel der heute dreißigjährigen Frauen ihren einhundertsten Geburtstag erleben würde – so sehr habe sich die Lebenserwartung in den vergangenen Jahren geändert.

Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten andauernd verlängert. Dabei spielt der Medizinfortschritt eine wesentlich geringere Rolle als Faktoren wie Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere Ernährungslage usw.

Das Alter in der Bibel

An vielen Stellen der Bibel wird über das Alter sinniert, und die Begrenztheit der Lebenszeit des Menschen wird thematisiert; so auch in den Psalmen. Bei Psalm 90 etwa handelt es sich um ein sogenanntes Klagelied des Volkes, in dem die Hinfälligkeit des Menschen im Mittelpunkt steht. Vollständig lautet Vers 10: „Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig. Ihr Bestes aber ist nur Mühsal und Beschwer; rasch geht es vorbei, – wir fliegen dahin.“

Und in Psalm 39 finden sich folgende Verse:
„Herr, lass mich doch wissen mein Ende, und welches das Maß meiner Tage ist, damit ich weiß, wie vergänglich ich bin!“ Siehe: Wenige Spannen lang machst du meine Tage, meine Lebenszeit ist vor dir wie ein Nichts. Nur ein Hauch ist der Mensch, so fest er auch dasteht.“ (Ps 39,5f)

Tatsächlich erlebe ich oft in Gesprächen mit älteren Menschen, dass sie sich Gedanken über das Alter machen: zum einen in großer Zufriedenheit, weil sie in ihrem bisherigen Leben Vieles und Schönes erreicht und erlebt haben; zum anderen aber auch nicht selten mit Sorge, wie sie sich in ihrem Alter auf des Ende ihres Lebens vorbereiten könnten.

„Du gehst nie allein“

Vor nicht allzu langer Zeit durfte ich einer über achtzig Jahre alten, sehr kranken Frau die Krankensalbung spenden. Sie hat mir vor der sakramentalen Salbung viel über ihre Krankheit, über ihr Leben, über ihre – trotz der großen körperlichen Probleme – Gelassenheit, ihren Glauben und vieles andere mehr erzählt. Unter anderem sagte sie, dass sie als evangelische Christin regelmäßig eine katholische Seelsorgerin aufsuche, um sich geistig-seelisch aufzubauen. Diese Seelsorgerin habe ihr vor langer Zeit ein Lesezeichen gegeben. Auf dem war der Spruch „Du gehst nicht allein“ zu lesen. Dieser Spruch sei ihr Mantra geworden, das sie oft mehrfach am Tage vor sich hin bete.

Trotz aller Zweifel keine Ver-zweiflung

Vor allem die schwere Krankheit mit heftigen Schmerzen führe sie oft an den Rand des Ertragbaren. Die immer wieder kehrenden Zweifel könne sie inzwischen aber gut zulassen, weil sie nicht ver-zweifle. Durch das Fenster ihres Wohn- und Schlafzimmers kann sie vom Bett aus einen mächtigen Baum sehen. Es scheint mir eine Zeder zu sein. Und von diesem Baum sagt sie: „Das ist mein Gottesbaum. Wenn ich ihn anschaue, werde ich von einem tiefen Frieden erfüllt, weil ich dann spüre, dass Gott da ist…“

2 Kommentare

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    Bewersdorff sagt

    Ich bin im letzten Jahr 81 Jahre geworden.Die Zeit ist vergangen ohne das es mir bewußt ,war.Ich hatte in meinem Leben nie Langeweile.Erst die Schule dann der Beruf.Nach meiner Heirat war ich mit Familie beschäftigt.Als ich in Rente ging habe ich mir einen Wunsch erfüllt und bin als Gasthörer in die Uni gegangen.Das hat mir viel Wissen und viel Freude gebracht,denn ich lernte viele neue Leute ,die mein Leben bereichert haben,kennen.Leider habe ich die Lungenkrankheit COPD bekommen.An manchen Tagen bin ich aber unzufrieden und frage warum.Übrigens gehe ich noch immer zur Uni und es sind mittlerweile schon 13 Jahre. Das Alter ist nicht so schlimm,wenndiese Krankheit nicht wäre.

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    Heike sagt

    Das Thema beschäftigt mich auch immer öfter mal. Wie gesund oder krank werde ich alt werden? Wie werde ich mit zunehmenden Einschränkungen umgehen lernen? Werde ich mit schlimmeren Schmerzen zu tun haben? Wie schwer wird mein Sterben?
    Hoffentlich werde ich bis dahin noch ein bisschen weise und kann die Dinge dann gut annehmen, so wie sie kommen.

    An allen möglichen Ecken und Enden fängt es ja schon an. Hier und da tut was weh, Verschiedenes konnte ich schon mal längere Zeit nicht mehr, die Wechseljahre markieren jetzt schon einen Übergang …

    Ein bisschen bin ich sogar neugierig auf diese Erfahrungen!

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