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Leben mit dem Terror – 10 Dinge, die Du jetzt tun solltest

Leben mit dem Terror

Leben mit dem Terror
10 Dinge, die Du jetzt tun solltest

Was für eine Woche liegt hinter uns! Ticken jetzt alle aus, sind jetzt alle verrückt geworden? Was für ein Blutrausch. Es schüttelt einen, man kann sich kaum erholen, da passiert schon das nächste.
Wir müssen ins Auge fassen, dass das noch lange nicht enden wird. Es wird vermutlich noch mehr Anschläge geben, Trittbrettfahrer, psychisch Kranke, die ihrer Angst, ihrer Not und ihrem Hass so Luft verschaffen, dass sie andere mit in den Tod reißen. Es ist grauenvoll und die Angehörigen haben alles Mitfühlen und alle Hilfe und Unterstützung verdient.

Was aber ist mit uns, die wir mit diesen Erfahrungen auch irgendwie leben müssen. Letzten Freitag konnte ich live, durch das Handy irgendeines Mannes, direkt auf das Olympia Einkaufszentrum schauen, wie Polizeiwagen auffuhren und die Straße geräumt wurde. Näher war ich bisher noch nie an einem solchen Geschehen – Gott sei Dank. Und doch: wir sind nur einen Klick vom Terror entfernt.
Wir müssen damit leben, dass es Terror gibt – ungeachtet der Frage, ob er zugenommen hat oder einfach nur besser und näher berichtet wird. Leben mit dem Terror, aber wie? Dazu habe ich mir Gedanken gemacht und möchte sie mit Dir teilen. Gerne darfst Du andere Punkte ergänzen – dann schreibe einen Kommentar dazu.

1. Lebe Deine Routine

Anschläge wie am Freitag und Sonntag können unser gewohntes Leben durcheinander bringen. Das, was wir üblicherweise tun, lassen wir plötzlich, und es fällt uns schwer, in die gewohnten Bahnen zurückzukehren. Aber es ist wichtig und für unsere psychische Stabilität in solchen Tagen ganz besonders, dass wir unsere Alltagsroutine wieder aufnehmen: einkaufen gehen, waschen, mit dem Hund spazieren, Katzen füttern, beten, essen, putzen. Das sind für sich alles recht banale Sachen, die aber gerade in solchen Zeiten Stabilität und Gewohntes in das Leben zurück bringen. In Zeiten wie diesen: lass Dich nicht zu sehr aus Deiner gewohnten Umlaufbahn werfen. Kehre zurück zu dem, was Du sonst auch machen würdest. Das allein kann schon helfen.

2. Beginne zu meditieren

Innere Stabilität zu erlangen und zu fördern, kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Die Meditation ist eine der besten – die via regis. In der Meditation gelingt es uns, innerlich Anker zu werfen und immer weniger darauf zu setzen, dass Sicherheit von außen kommt. Wir konzentrieren uns auf den Atem, lassen Gefühle und Emotionen kommen und gehen und bleiben einfach beim Atmen. Hier eine kleine Einführung dazu – zwar auf Englisch, aber leicht verständlich:
[youtube https://www.youtube.com/watch?v=nOJTbWC-ULc]

 

3. Sei hilfsbereit!

In Zeiten wie diesen ist es Zeit, Zeichen zu setzen, Zeichen gegen Angst, Hass und Zorn. Beginne, mehr noch als bisher anderen Menschen behilflich zu sein. Du musst nicht gleich zu Mutter Theresa werden und Dein Leben dem Dienst an anderen widmen. Aber jemanden an der Kasse vor lassen, die Tür aufhalten, jemanden anzulächeln, das DHL – Paket anzunehmen, dem DHL -Mann zu danken, einen Euro auf der Straße zu spenden, jemandem die Vorfahrt zu lassen. Ach, es gibt so viele kleine Möglichkeiten – sie kosten nichts und können doch sehr erfreuen.

4. Siehe Dir ermutigende Filme an

Angst und Sorge sind Emotionen, denen mit rein logischen Fakten meistens nicht beizukommen ist. Die Beiträge im Internet und im Fernsehen, wie wahrscheinlich es ist, von einem Terroranschlag getroffen zu sein im Gegensatz dazu am Essen zu ersticken – ja, das ist gut gemeint, hilft aber weniger. Ängste sind unwillkürlich und entziehen sich daher der Logik im Allgemeinen. Wir brauchen einen Gegenpol, der ebenso das Unwillkürliche in uns anspricht. Filme sind ein sehr gutes Mittel. Schau Dir ermutigende Filme an, Filme, die Dein Vertrauen nähren und stärken.

5. Gib der Angst wenig Raum

Auch wenn die Angst aus dem Unwillkürlichen kommt und sich damit unserem Willen entzieht, können wir doch auch direkten Einfluss nehmen. In Zeiten wie diesen ist es wichtig, die Gedanken der Angst zu begrenzen. Ich meine nicht, dass Du sie völlig verdrängen sollst. Das wird nicht gelingen und es wäre meines Erachtens auch falsch. Aber begrenze sie. Gib der Angst und Sorge ein paar Minuten und dann mach Schluss. Es ist eine sehr wichtige Fähigkeit, so genannte negative Emotionen und Gedanken zu begrenzen. Damit schaffst Du Dir mehr Selbstregulation.

6. Pflege Freundschaften und Nachbarschaft

Sich seines Beziehungsgeflechts wieder bewusster zu werden, kann eine gute Frucht einer solchen Zeit sein. Beziehungen steigern unsere Stabilität und unser Vertrauen. Wenn wir das Gefühl haben, nicht allein zu sein, dann ist das nicht nur ein Trost, sondern ermutigt für die Zukunft.
Denk auch an Deine Nachbarn. Sie können sehr wichtig sein. Zeige Dich als hilfsbereit, mache kleine Geschenke, lächle an, grüße am Morgen und zeige Dich wohlwollend interessiert. Wenn es darauf ankommt, könnten sie Dir im wahrsten Sinne des Wortes am nächsten stehen.

7. Lies Bücher, die Dich inspirieren

Bücher sind wahre Lebensmittel – gerade solche, die wirklich verstehen, uns zu inspirieren und uns helfen, auf eigene Gedanken zu kommen. Ich lese gerade ein Buch von Bernhard Welte zum Thema “Religionsphilosophie”. Ein wunderbares Buch im heideggerschen Sprachduktus. Wunderbare Gedanken zum Nichts und zum Sein des Menschen. Allein das Lesen hilft mir, mich in dieser Welt wieder zu orientieren.

8. Nimm Haltung an

Wie gehst Du durch die Welt? Wie stehst Du dazu? Versuche aufgerichtet, mit erhobenem Haupt, durch die Straßen zu gehen. Nicht trotzig, arrogant, sondern geschmeidig aufrecht. Übe es ruhig ein. Die körperliche Erscheinung hat unmittelbaren Einfluss auf unser inneres Gespür. Willst Du stark sein, dann gehe aufrecht. Das ist nicht nur so ein Spruch, es ist tatsächlich so. Über Deinen Körper kannst Du Dein Empfinden steuern. Du musst es nur tun…

9. Betrachte Bäume

Ja, von mir aus kannst Du sie auch umarmen. Aber mir geht es darum, die Weisheit der Natur zu betrachten – die vegetative Weisheit, wie sie auch genannt wird. Bäume haben zumeist viel erlebt in ihren Leben, Äste wurden abgeschlagen, Kälte setzt ihnen zu, Zeiten mit wenig Wasser, junge Menschen, die ihre Zeichen in die Rinde schnitzen, Stürme, die an den Wurzeln rütteln. Und doch steht er da. Ich finde das sehr beruhigend, Du auch?

10. Begrenze die Nachrichtenflut

Es ist wichtig sich zu informieren. Ich bin kein Freund davon, ganz auf Nachrichten zu verzichten. Damit ignoriere ich nicht nur die Täter sondern auch die Opfer. Und das, was in der Welt geschieht geht mich etwas an. Aber begrenzen muss ich sie – wie meine Gedanken. Nicht jedes Nachrichtenportal muss ich anschauen, nicht jede Überschrift lesen und jede Tagesschau sehen. Vielleicht schaltest Du auch die Push-Nachrichten von tagesschau.de oder heute.de aus. Sie drängen sich immer in den Vordergrund, ob Du es willst oder nicht.

Vielleicht kannst Du mit dem einen oder anderen Rat etwas anfangen – es würde mich sehr freuen. Leben mit dem Terror – lass uns in dieser Gesellschaft stabile Elemente sein, die andere stützen können und dadurch dem Ganzen helfen.

Über Kommentare freue ich mich – wie immer. Nur los!

8 Kommentare

  1. Avatar
    Judith Bock sagt

    Klasse! Vielen Dank für die tollen Hinweise. Ich werde sie gerne genau so in meinem Alltag integrieren. Herzlichen Gruß!

  2. Avatar
    michael sagt

    Danke, David, für die guten und hilfreichen Gedanken.
    Ja, es ist derzeit wichtiger denn je, sein Leben bewusst zu gestalten,
    um nicht nur irgendwie zu überleben,
    sondern weiter bewusst gut zu leben.
    Es ist schlimm genug, wenn Menschen andere Menschen umbringen,
    aber wir sollten ihnen nicht das Recht geben,
    auch noch unzählig anderen Menschen das Leben zu lähmen.
    Die Nachrichtenflut einzudämmen ist in unserer wahnhaften Mediengesellschaft
    schon lange wichtig, jetzt mehr denn je.
    Ich höre morgens grundsätzlich keine Nachrichten, kein Radio.
    Die ersten Nachrichen die ich mir ganz bewusst anhöre, sind der Gesang der Vögel vor meinem Fenster und dazu die Psalmen des Stuendengebetes.
    Und dazu genieße ich den ersten handgebrühten Kaffee des Tages.
    Dann weiß ich: das Leben ist trotz allem gut. Gott ist weiterhin der Gott des Lebens,
    ER lässt auch heute wieder die Sonne aufgehen, die Vögel singen und die Blumen blühen.
    Die Hoffnung, die Freude, das Leben hat mehr Kraft und mehr Recht als aller Terror dieser Welt. Und mir ist es wichtig, überall wo ich Ausländern, Flüchtlingen, Moslems begegne, in der U-Bahn, auf der Straße, immer mit Freundlichkeit zu begegnen, ihre kleinen Kinder anzulächeln, um zu zeigen: ihr seid für mich einfach Menschen, die genauso Opfer einer derzeit kranken Welt sind. Und so ein Lächeln tut auch mir gut, es ist stärker als alle Angst.
    Ja, wir dürfen das Leben weiter lieben, es immer wieder feiern und unser mögliches tun, dass die Welt lebenswert bleibt.
    So wünsche ich Dir und den Brüdern in der Cella einen schönen Sommer
    mit pace e bene
    von michael
    🙂

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Ich kann mir Deine Beschreibung sehr gut vorstellen – Du hast eine sehr anschauliche Art und so sehe ich Dich beim Kaffee und in der U-Bahn lächeln. Schöne Bilder! Einen lieben Gruß nach Berlin. David

  3. Avatar
    Judith Bock sagt

    Lieber Bruder David, ich habe ja gestern schon meinen begeisterten Kurz-Kommentar abgegeben. Heute habe ich eine Idee mit einer Bitte. Und da ich nur diese Kommentarfunktion habe, schreibe ich es eben in diese Plattform. Am 21.8. werde ich predigen über den schmalen und den breiten Weg und darüber, dass Jesus uns einlädt, uns zu bemühen, den schmalen Weg zu gehen. In diesem Zusammenhang wird es eine Reihe von alltäglichen Beispielen geben (meine Impulse/Predigten sind immer ziemlich praktisch) und eines davon ist der Umgang mit schlechten Nachrichten. Die Beispiele werde ich immer mit Bibelversen unterlegen, um zu zeigen, dass die Bibel uns gutes „Handwerkszeug“ liefert, um Situationen des Lebens auf dem „schmalen“ Weg zu gehen. Und nun meine Idee: dürfte ich wohl den Artikel kopieren und in der Gemeinde auslegen? Als weitere wunderbare Möglichkeit, mit schlechten Nachrichten, Terror, Angst und Verunsicherung umzugehen? Das würde ich natürlich nicht ohne Einverständnis tun, das ist klar und deshalb frage ich. Wenn nicht, werden hoffentlich meine Beispiele auch genügen, aber so einen wunderbaren Plan noch zusätzlich zur Verfügung zu stellen, fände ich schon klasse. Selbstverständlich mit Autorenvermerken etc.
    Wäre das möglich?
    Herzlichen Gruß aus Göttingen

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Dass darfst Du sehr gerne tun – ich freue mich, wenn meine Artikel hilfreich sind. Falls es Rückmeldungen gibt, wäre ich daran interessiert davon zu erfahren. Bitte auf die Kopie noch unsere Domnain erwähnen – ein wenig Werbung kann uns immer gut tun. 😉 Gruß, Bruder David

  4. Avatar
    Juvos sagt

    Der Text „Die 10 Dinge, die du jetzt tun solltest“ – als ausgelegte Kopie – ist bei mir und einer Gruppe von 10 anderen angekommen, dank der Aufmerksamkeit einer Gottesdienstbesucherin im Gottesdienst mit Judith Bock!
    Eine Nikolausbergerin (Göttingen)
    23.08.2016

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