Glaube
Schreibe einen Kommentar

Du gibst mir Heimstatt

Psalmen

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung?

 

„Selbst wenn mich Vater und Mutter verlassen, der Herr gibt mir Heimstatt.“
(Ps 27,10)

Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich?

Ich mag die Sprache dieses Verses! So singen ihn die Brüder in Hannover und in Königsmünster freitags in der Vesper. Ich war sechs Jahre zu Hause in der Abtei, ich bin es immer noch, wenn auch anders. Vielleicht würde ich statt „Herr“ lieber „Gott“ sagen. Aber an das womöglich etwas ältlich klingende „Heimstatt“ würde ich nicht rühren! Ich höre darin gerade deshalb etwas zutiefst Bewährtes, Unumstößliches – und genau das passt.
Der Vers ist eines der ersten Psalmzitate, an das ich mich erinnern kann. Ich war 15 und zum ersten Mal im Kloster. Der Pater erzählte von Gottvertrauen – und da kam dieser Vers. Ich fühlte, nein: ich wusste mich bis in meinem Kern aufgehoben. Und ich wusste: Das wird für immer bleiben.

Seit einigen Tagen bin ich 50. Vor knapp vier Jahren starb meine Mutter. Mein Vater ist sehr schwer krank. Der Palmvers steht mitten in seiner Bewährung: Meine Eltern verlassen mich. Es mag mit diesem neuen Alter zu tun haben – ich frage mich, was mich wirklich trägt. Jenseits von Job und Anerkennung, Einkommen und Versicherungen, auch jenseits meiner Beziehung und Freunschaften, obgleich ich glücklich bin. Mir geht immer mehr auf, dass Hinkunft und Herkunft ein und dasselbe sind. Irgendwann gehe ich dahin, woher ich gekommen bin. Darum ist auch mein Leben hier gesegnet und jeder Schritt begleitet von dem, der sagt, er sei der Weg.
Und ich werde gleichermaßen willkommen sein, dann, wie ich einst gehen durfte. Heimstatt. Ein anderes Wort für Gott.

In welcher Lebenssituation könnte man diesen Vers jemandem an die Hand geben?

Jenseits der Situation, von der ich gerade erzählt habe – die Eltern gehen, wo bleibe ich, wo ist meine Bleibe? – könnte dieser Psalmvers auch denen Zuspruch sein, die sich von einer ganz anderen Mutter verlassen wissen: von der „Mutter Kirche“ nämlich. Ich kenne so einige, die sie wegen ihrer Lebensform eher als böse Stiefmutter erleben. Während sie sich im Glanz des Vaters sonnt, schickt sie unsereins in die Asche … Doch auch für uns gibt es einen Weg zum rauschenden Fest und einen, der uns zum Tanz auffordert und nach den vermeintlich Verlorenen sucht, bis er sie findet und nach Hause holen kann.

Angenommen, der Vers wäre der Titel eines Filmes – wovon würde der Film handeln?

Ich glaube, das Drehbuch steht schon in der Antwort auf die vorige Frage. Man müsste nur aufpassen, dass der Film nicht allzu kitschig wird.

 

Markus NolteMarkus Nolte, 50
Stellvertretender Chefredakteur von „Kirche+Leben“ und kirchensite.de im Bistum Münster

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.