Karl-Leo, Leben
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In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher

In Sicherheit und gefühlt sicher

Sicherheit ist eine Grundsehnsucht des Menschen. Schon als Kind brauchen wir für unsere Entwicklung Sicherheit. In der Nähe der Eltern lernen wir üblicherweise dieses Urvertrauen, dass für unsere Entwicklung so entscheidend ist. Aber auch Jahrzehnte später, als Erwachsene, reagieren wir oft sehr sensibel und ängstlich, wenn unsere gefühlte Sicherheit gestört wird. Ein Datenleck, ein möglicher Hacker-Angriff, wie wir es in diesen Tagen erlebt haben – und schon fühlen sich Menschen mit ihren persönlichen Daten im Internet unsicher. Zuständige Politiker sind herausgefordert, große Programme zu entwerfen und der ganzen Bevölkerung in diesem Bereich mehr Sicherheit zu versprechen. Wenige Tage zuvor waren es noch prügelnde Jugendliche, die vermeintlich das Sicherheitsgefühl vieler Menschen beeinträchtigt haben und zum Teil die gleichen Politiker herausgefordert haben, mit neuen Programmen zu diesem Thema für mehr Sicherheit zu sorgen.

Was brauche ich, um sicher zu sein? Was brauche ich, um mich sicher zu fühlen?

Die allermeisten Menschen unserem Land werden bei ehrlichem Nachdenken allerdings feststellen, dass ihnen in den letzten Tagen weder prügelnde Jugendliche begegnet sind noch irgendwelche ihrer Daten ungewollt im Netz veröffentlicht wurden. Und doch lässt mich die Frage nicht los, was mich denn eigentlich sicher macht. Was braucht mein Körper, um sich sicher zu fühlen? Und was braucht mein Geist, um sich sicher zu fühlen.

In der Stimmtherapie übe ich häufiger mit Menschen, auf einem Bein zu stehen. Das gleicht die Muskulatur aus, oft werden Verspannungen und Schmerzen geringer. Durch diese körperliche Übung habe ich immer mehr verstanden, wie sich auch gefühlte Sicherheit entwickelt.

Sicherheit entsteht nicht durch Festigkeit

Für unseren Körper ist dabei klar: Stabilität und Sicherheit im Stand entsteht nicht durch Festigkeit der Muskeln, sondern durch Balance und durch die Ausgeglichenheit der Muskeln. Ein muskulär fester Stand ist eben kein sicherer Stand. Und so beginnt die Suche nach dem sicheren Stand üblicherweise in den Füßen: das Körpergewicht auszubalancieren zwischen dem rechten und dem linken Fuß, zwischen Fußballen und Ferse.

Wenn man so seinen sicheren Stand sucht, also einfach mit dem Körper leicht nach vorne und nach hinten pendelt und dabei die Füße immer besser stabilisiert, merkt man schnell, dass sich auch die Muskeln in den Beinen zunächst in den Waden- und Schienbeinmuskeln, dann aber auch um das Knie und bis hin in die Oberschenkel verändern. Wer sehr sensibel ist, kann diese Veränderung auch im ganzen Rumpf- und Oberkörperbereich an den einzelnen Muskeln nachspüren bis hin zum Hals.

Balanciert und zentriert – die bewegte Sicherheit

Tatsächlich erlebe ich, wenn ich mit Menschen eine solche Übung in der Praxis mache, dass sie bereits nach wenigen Minuten einen Stand haben, der sich sicherer anfühlt – und es auch objektiv ist. Muskeln sind verändert, Knochen stehen anders aufeinander. Körperlich würde ich sagen, sie haben einen neuen Stand. Und tatsächlich ist ein ausgeglichener Stand über den Füßen für viele Menschen deutlich angenehmer, mögliche Schmerzen in Schulter, Nacken und dem Rücken werden geringer. Je ausbalancierter ein Körper ist, desto sicherer ist er, um sich nicht durch einen Sturz zu verletzen.

Natürlich komme ich in meiner Arbeit nicht an der Frage vorbei, was der sichere Stand in den Füßen mit dem sicheren Gefühl im Kopf zu tun hat.

Der sichere Stand, der mich körperlich (also von den Füßen her) und das sichere Umfeld das mich geistig (also vom Kopf her) fasziniert, ist tatsächlich eher ein ausbalancierter als ein verfestigter Zustand.

Natürlich wäre es viel zu platt wäre, Sicherheit im Stand mit anderen Fragen der Sicherheit einfach gleichzusetzen – und doch hat das eine mit dem anderen nach meiner Erfahrung etwas gemeinsam. Darum übe ich gerne meine Balance und lade Euch ein, das mit dieser einfachen Schwinge- und Pendelübung über die Körpermitte auch einmal zu tun. Und wünsche ich mir, dass es in meinem Kopf auch so eine bewegte Sicherheit gibt. Manchmal denke ich, dass manche Ratschläge zur digitalen Sicherheit (wie das schnelle und regelmäßige Wechseln von Passwörtern und Laden von Updates) auch so etwas wie die Bewegung um das Gleichgewicht sind. Und ich beobachte meinen Alltag, wo es noch andere Elemente gibt, die dem Geist Sicherheit geben aus der Beweglichkeit und dem Gleichgewicht heraus, die ich einüben kann.

Ich freue mich wieder auf Eure Erfahrungen und Rückmeldungen.

 

2 Kommentare

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    Mirijam sagt

    Lieber Bruder Karl-Leo herzlichen Dank für Deinen Artikel. Er motiviert mich, die Pendel-Balance Übung wieder öfter zu machen. Mir war noch gar nicht so klar, was das Sicherheitsgefühl im Körper mit dem im Kopf zu tun hat. – Und am sichersten fühle ich mich, wenn ich in meiner GOTTverbindung bin.

  2. Avatar
    Dorothee sagt

    Danke für diesen wertvollen Beitrag!
    Nach einer ausgedehnten Pendelübung hatte ich das Gefühl, ein bisschen größer zu werden. Klar, die Haltung verbessert sich. Und ein ausbalancierter und geübter Geist wird mit Problemen besser fertig. So einfach kann es manchmal sein
    Dorothee.

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