Karl-Leo, Leben
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Im Schweiße meines Angesichts

Im Schweiße meines Angesichts

Ich bin ein Mensch, der die Wärme liebt. Von daher kann ich das herrliche Wetter und auch die Temperaturen größtenteils einfach nur genießen. Aber sie bringen mich natürlich auch mit einem Anteil meines Körpers in Kontakt, die ich sonst selten so unerbittlich erlebe: mit meinem Schweiß.

Alles fließt, alles klebt – ob ich sitze, stehe oder gehe. Und so manches Mal musste ich an den Fluch über Adam und Eva denken, der am Anfang der Bibel steht und den auch viele überhaupt nicht mehr kirchlich orientierte Menschen als Redewendung gut kennen: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen. So steht es in der Schöpfungsgeschichte im ersten Buch der Bibel.

Die natürlichste Klimaanlage der Welt

Mediziner sind da ganz anderer Meinung. Für sie ist der Schweiß ein wirklicher Segen für uns, er ist sozusagen die natürlichste Klimaanlage der Welt, sie funktioniert Tag und Nacht, genau nach Bedarf. Denn die Hitze kann innere Organe und vor allen Dingen die hochempfindlichen Gehirnzellen beeinträchtigen und schädigen. Beim Schwitzen entsteht eine Verdunstungskälte und dadurch kommt es zu einem ständigen Ausgleich der Körpertemperatur. 2-4 Millionen Schweißdrüsen haben wir in unserem Hautfettgewebe, sie sorgen für diese Arbeit und werden vom Temperaturregulationszentrum im Zwischenhirn gesteuert.

Ein individueller Identitätsnachweis

Der Schweiß ein Segen? Da bekomme ich jetzt bestimmt viel Widerspruch, nicht nur von Frauen im Klimakterium. Manche Menschen leiden richtig unter ihrer starken Schweißbildung – manchmal leider auch die anderen Menschen in deren Umfeld. In der Praxis erlebe ich viele Menschen, denen es unangenehm ist, wenn sie leicht verschwitzt in die Behandlung kommen. Manche wundern sich, wenn ich sage, dass ich das ganz normal finde und es für mich kein Problem ist. Aber gleichzeitig muss ich zugeben, dass es mir auch nicht immer leicht fällt, mich auch nur leicht verschwitzt einem anderen Menschen zuzumuten. Da muss ich schon viel Vertrauen haben, jemand gut kennen – damit ich glaube, auch verschwitzt vor ihm sein zu dürfen.

Der Schweiß hat sehr viel Persönliches, Individuelles. Die Biologen erklären uns das als hormonähnliche Substanzen, Ammoniak, Milchsäureabbauprodukte, Harnstoff, Aminosäuren, Enzyme, Histamine, Zuckermoleküle, Eiweißkörper und vieles andere. Die Schweißdrüsen scheiden sogar abgestorbene Zellteile ab, Schweiß ist also ein individueller Identitätsnachweis.

Mich zumuten, wie ich bin

Erlebbar ist das üblicherweise im Geruch. Ob ich den Geruch von jemand mag, ob ich den Geruch von jemand aushalten kann, ob ich den Geruch von jemand normal empfinde, wenn er einfach nach dem riecht, was der Körper abscheidet, (und nicht nach dem, was das kräftige Deo noch dazu duftet,) das kann sehr unterschiedlich sein. Damit ich nicht falsch verstanden werde, ich halte schon einiges von guter Körperpflege. Und trotzdem finde ich diese Tage besonders geeignet, mich einzuüben, dass jeder so sein darf, wie er ist – und ich es auch sein darf: Ob ich sitze, stehe oder ruhe würde jetzt im Psalm stehen, ob ich arbeite, bete oder esse, müsste ich vielleicht übertragen. Ich darf so sein im Schweiße meines Angesichts. Diese Haltung schafft Vertrauen und Verstehen, viel mehr als das kräftigste Deo oder Parfüm.

Und wieder freue ich mich, von Dir zu lesen, wie es Dir in diesen heißen Tagen ergeht….

3 Kommentare

  1. I. Sommerfeldt sagt

    die ´Anleitung zum Unglücklichsein´ (Stichwort Urlaub) hat mich sehr amüsiert – nicht zuletzt wegen der Wiedererkennung…..
    Danke für den immer wieder inspirierenden, anregenden, nachdenklichen newsletter!
    Sonniges Wochende
    wünscht I. Sommerfeldt

  2. Heike sagt

    Das schwitzen lässt sich ja an solchen Tagen gar nicht vermeiden, ob es uns nun gefällt oder nicht. Wenn der Schweiß dann wenigsten einmal am Tag abgeduscht wird, finde ich ihn bei andern nicht eklig, und etwaigen leichten Geruch nach ein paar Stunden nicht unangenehm. Was soll man außer Antitranspirant auch schon dagegen tun?

    Schlimm finde ich allerdings den Geruch von länger ungewaschenen Menschen (vor ein paar Jahren habe ich gelernt, dass auch kleine Kinder müffeln können wie Große.)

    Und schlimm finde ich, wenn sich Leute aus Angst vor Körpergeruch in Parfumwolken hüllen und mich schon aus der Entfernung damit belästigen. Erst recht in Zeiten, wo mir das obendrein Hustenreiz verursacht. Bäh.

  3. Helga sagt

    An diesen heißen Tagen kann man sehr wohl vorsorgen, daß keine üblen Gerüche das Miteinander belasten. Frische Wäsche und regelmäßiges Waschen / Duschen tragen zum guten Körpergefühl bei , ohne daß der Eigenduft mit fremden künstlichen Düften über die Maßen verhüllt werden muß.
    Jeder Mensch hat einen ganz individuellen Körpergeruch. Er ist neben dem Aussehen, der Stimme und dem Verhalten dafür entscheidend, wen man sympatisch findet.
    Passende Redewendungen zum Thema lauten z.B.: „die Chemie stimmt“.., „jemanden gut riechen können“..,“die Liebe geht vor allem durch die Nase“.
    Du hast Recht, der natürliche Geruch entscheidet über Vertrauen und Verstehen.

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