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Heilige Kirche und Gemeinschaft der Heiligen

Foto: pixabay.com/StockSnap

Theologisch: heilige Kirche?

Wir haben inzwischen einige theologische Fragen gestellt bekommen und beginnen jetzt damit, eine nach der anderen zu beantworten. Die eingegangenen Fragen sind durchaus knifflig – das fordert den Theologen heraus! 😉

Hier Frage von Heike:

“Neulich habe ich mich erst gefragt, warum eigentlich im Glaubensbekenntnis die „heilige Kirche“ und die „Gemeinschaft der Heiligen“ nebeneinander stehen. Läuft das nicht im Prinzip auf dasselbe hinaus? Da man um diese ganzen Formulierung aber meines Wissens seinerzeit heftig gerungen hat, müssen sie sich ja etwas dabei gedacht haben. Wo ist also der Unterschied, warum beides?”

Die Antwort von Bruder Nikolaus:

Die „heilige Kirche“ und die „Gemeinschaft der Heiligen“ sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Der emeritierte Mainzer Dogmatiker Theodor Schneider schreibt in seiner Auslegung zum Glaubensbekenntnis: „Das Apostolische Glaubensbekenntnis nennt die im Heiligen Geist geeinte Gemeinschaft der Gläubigen die ‚heilige Kirche‘.“ (Theodor Schneider, Was wir glauben, Düsseldorf ²1986, S. 377) Er führt weiter aus, dass diese Bezeichnung eine direkte Fortsetzung biblischer Denk- und Sprechweise sei, da sich die nachöstliche Jüngerschar als auserwählt und heilig betrachtete.  Und die Väter des Zweiten Vatikanischen Konzils konkretisieren das in der dogmatischen Konstitution über die Kirche: „Während Christus heilig, schuldlos und unbefleckt war und Sünde nicht kannte …, umfasst die Kirche Sünder in ihrem eigenen Schoß“ (Lumen gentium, Nr. 8).

Die „heilige Kirche“ meint also die getauften (und zur Nachfolge berufenen) Gläubigen.

Bei der Nennung der „Gemeinschaft der Heiligen“ (communio sanctorum) könnte man vordergründig an die verstorbenen, in Gottes Ewigkeit eingegangenen, Vollendeten denken. Gemeint sind hier aber nicht die Verstorbenen und auch nicht alle Gläubigen, die schon mit dem Begriff „heilige Kirche“ bezeichnet sind. Gemeint ist vielmehr die konkrete eucharistische Gemeinde – und  somit die Ortskirche. Hier ist ebenfalls die Kirchenkonstituion des Zweiten Vatikanischen Konzils von Bedeutung: „Diese Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der Gläubigen anwesend. … In ihnen wird das Mysterium des Herrenmahls begangen, ‚auf dass durch Speise und Blut des Herrn die ganze Bruderschaft verbunden werde‘. In jedweder erscheint unter dem heiligen Dienstamt des Bischofs das Symbol jener Liebe und jener ‚Einheit des mystischen Leibes, ohne die es kein Heil geben kann‘.“ (Lumen gentium, Nr. 26)

Die „Gemeinschaft der Heiligen“ meint demgemäß zwar auch die „heilige Kirche“, jedoch konkretisiert in der Ortsgemeinde, die sich zur Eucharistie versammelt. Aus der Feier der Eucharistie, die „Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens“ (Lumen gentium, Nr. 11) ist ergeben sich dann die drei Grundfunktionen der Kirche: Martyria (Verkündigung der Frohen Botschaft), Leiturgia (Feier des Gottesdienstes) und Diakonia (Dienst am Nächsten).

Die „Gemeinschaft der Heiligen“ bezeichnet also die urchristliche Überzeugung von der Gemeinschaft Christi und der Christen – Paulus spricht vom „Leib Christi“ (vgl. 1 Kor 12) –und meint die ganze Gemeinde, die Gesamtheit der den Altar Umstehenden, die die eigentlichen Träger der Eucharistiefeier sind.

 

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