Alle Artikel in: Glaube

Heilige des Advents

Heilige des Advents Ich erinnere mich noch an gut an die Adventszeiten in meiner Kindheit, schließlich hatten meine Schwester Barbara und ich da Namenstag. Und diese Tage wurden bei uns zu Hause wirklich zelebriert: Am Barbaratag fanden meine Geschwister und ich morgens je einen großen Teller mit Gebäck und Apfelsinen und es wurden Barbarazweige in eine Vase gestellt, die an Weihnachten blühten. Am Nikolaustag waren die Stiefel, die wir am Tag zuvor geputzt und vor die Schlafzimmertür gestellt hatten, morgens mit Süßigkeiten und Gebäck gefüllt. Die heilige Barbara und der heilige Nikolaus, neben der heiligen Lucia und (für Missionsbenediktiner selbstverständlich) die heilige Odilia: allesamt große Gestalten des Advents! Die Wahrheit der Legenden 1984 haben Gertrude und Thomas Satorius ein Taschenbuch veröffentlicht, das den Titel trug: „Der Heilige Nikolaus – Die Wahrheit der Legende“. Tatsächlich sieht die heutige Forschung in der heiligen Barbara wohl eher eine legendenhafte Person, die nie gelebt hat. Anders verhält es sich beim heiligen Nikolaus: Wahrscheinlich zwischen 280 und 286 in Patara (in der Nähe von Antalya) geboren, unterschied er sich angeblich …

„… sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“

„… sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ Woche für Woche singen wir dienstags in den Laudes diesen Vers: „Siebzig Jahre währt die Zeit unsres Lebens, sind wir bei Kräften, werden es achtzig.“ ( Ps 90,10) – Gerade November mit seinen katholischen Gedenk- und Feiertagen Allerheiligen, Allerseelen, mit dem Ewigkeitssonntag, den unsere protestantischen Schwestern und Brüder begehen, steht das Totengedenken im Mittelpunkt: Wir denken an liebe Freunde, die viel zu früh gestorben sind; wir denken an Verwandte, eventuell unsere Eltern, die uns lange Zeit geleitet und begleitet haben, aber nun nicht mehr auf Erden sind. Dabei mahnt der heilige Benedikt in seiner Ordensregel im Kapitel über „die Werkzeuge der geistlichen Kunst“, sich den drohenden Tod täglich vor Augen zu halten (vgl. RB 4,47), also ständig und immer an den Tod zu denken. Was ist der Sinn des Totengedenkens? Was ist der Sinn, sich den drohenden eigenen Tod vorzustellen? Nun, Psalm 90, aus dem der eingangs zitierte Satz stammt, gibt zwei Verse später die Antwort: „Unsere Tage lehre uns zählen! Dann erlangen wir ein weises Herz.“ …

Kann ich mich beschenken lassen

Kann ich mich beschenken lassen? – reloaded

Kann ich mich beschenken lassen? Als ich noch nicht lange im Kloster war, war es mir oftmals unangenehm: Ich bekam etwas geschenkt – und ich konnte nichts zurückschenken, weil ich ja kein eigenes Geld besaß… Im Laufe meines Klosterlebens hat sich meine Einstellung zum Beschenkt-Werden jedoch geändert. Heute freue ich mich, wenn ich etwas geschenkt bekomme, weil ich weiß, dass der Schenkende mir gegenüber damit seine Wertschätzung ausdrücken will – ohne den Hintergedanken, dass er dafür etwas Materielles zurückerhalte. Gerade die Beschäftigung mit der Bibel bestätigt dies. Die Botschaft Jesu Der Evangelist Lukas berichtet im 14. Kapitel seines Evangeliums, dass Jesus bei einem Pharisäer zum Essen eingeladen war: „Er sagte zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten. Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein. Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird …

Von der Religion der guten Absichten

Von der Religion der guten Absichten Gut, der Titel ist etwas stelzig, ich weiß. Aber es geht ja auch um einiges. Die letzten Wochen haben mir so manche Erkenntnis gebracht und manche kritische Haltung an den gängigen religiösen und kirchlichen Verhaltensweisen noch verstärkt. Und genau davon möchte ich Dir berichten. Das wird keine philosophisch und wissenschaftlich ausgearbeitete und verifizierte Abhandlung werden, sondern eher Bruchstücke oder Fragmente. Was nicht heißt, dass solche Stücke nicht auch eine hohe Evidenz besitzen können. Das ewige Müssen und Sollen Über die Last an der kirchlichen Sprache muss ich nicht viel schreiben – es wird uns allen so ergehen. Manches hat sich verbessert – bei weitem nicht alles. Mir geht es jedoch, wenn ich über die Religion der guten Absichten spreche, und hiermit meine ich das Christentum insgesamt, vor allem darum: Die kirchlichen Verlautbarungen, die vielen Predigten, die ich in meinem Leben bereits gehört habe und hören musste, die Vorträge und Artikel, sie lassen sich meistens auf einen strukturellen Nenner bringen – sie ermahnen, appellieren, fordern, empfehlen, drängen darauf, treten auf …

Wir müssen noch viel lernen…

Wir müssen noch viel lernen… Bei der Lektüre des Buchs „Heute im Blick. Provokationen für eine Kirche, die mit den Menschen geht“ von Martin Werlen, der von 2001-2013 der 58. Abt des Klosters Einsiedeln in der Schweiz war, und der unseren Konvent von Königsmünster am Beginn dieses Jahres als Exerzitienmeister begleitet hat, fand ich ein bemerkenswertes Interview. Der honduranische Kardinal Rodriguez, von Papst Franziskus 2013 zum Koordinator eines achtköpfigen Kardinalsrates, das den Papst in weltkirchlichen Fragen beraten soll, ernannt, hat dem Kölner Stadtanzeiger am 17. Januar 2014 ein Interview gegeben, bei dem er über den damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, gesagt hat: „In seiner Mentalität gibt es nur richtig oder falsch, das war’s. Aber ich sage: Die Welt, mein Bruder, die Welt ist nicht so. Du solltest ein wenig flexibel sein, wenn du andere Stimmen hörst, damit du nicht nur zuhörst und sagst: Nein, hier ist die Wand. Er hat noch viel zu lernen.“ Ich muss noch viel lernen… Da ist Kardinal Müller wohl nicht allein. Abgesehen davon, dass er nicht mehr …

Beständig ist mir der Herr vor Augen

Beständig ist mir der Herr vor Augen Als ich Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachmachte, besuchte ich zum ersten Mal mein jetziges Heimatkloster, die Abtei Königsmünster in Meschede. Ich erinnere mich noch gut an diesen ersten Gastaufenthalt vor nunmehr fast vierzig Jahren: Unter anderem war ich von der faszinierenden Architektur der Abteikirche beeindruckt. Mehr noch aber fesselte mich damals das gesungene Stundengebet der Mönchsgemeinschaft. Zwar hatte ich mich schon mit den Psalmen beschäftigt, aber ein ganz besonderer Psalmvers, der als Antwortgesang auf die Kurzlesung in einem Mittagsgebet gesungen wurde, ging mir dabei unter die Haut: Beständig ist mir der Herr vor Augen; er steht mir zur Rechten, nie werde ich wanken.“ (Ps 16,8) „Das ist es!“, dachte ich damals. Die Vorstellung, in der ständigen Gegenwart Gottes zu leben, empfand ich als erstrebenswertes Ziel. Inzwischen, 33 Jahre nach meinem Klostereintritt, weiß ich, dass dies ein Ziel ist, auf das ich mein Leben lang zugehen werde… Ein Leben der Gottsuche Der heilige Benedikt schreibt in seiner Regel, dass das …

Exerzitien

EDEKA-Exerzitien

EDEKA-Exerzitien Einkaufen ist für viele eine lästige Pflicht, etwas, was man machen muss. Wer kommt schon auf die Idee, im täglichen oder wöchentlichen Einkauf die Chance zu einer spirituellen Übung zu sehen? Zwischen Butter und Gouda, zwischen veganem Käse und Sülze im Glas, was kann da schon spirituell sein? Ich bin selber mitverantwortlich für den Einkauf und vollbringe diese Aufgabe mehrmals die Woche. In der Nähe der Cella gibt es einen EDEKA-Markt, der immer wieder Anlaufpunkt für die eine oder andere Sache für unseren Haushalt ist. Ich mache mit mir, dem Personal, den Miteinkäufern und den Waren ganz unterschiedliche Erfahrungen. Diese Erfahrungen haben mich dazu angeregt darüber nachzudenken, ob Einkaufen nicht auch für spirituelle Exerzitien genutzt werden kann – immerhin sind wir ein Stadtkloster und damit gehört die ganze Stadt zu unserer Klausur, also auch der EDEKA-Markt. Meine Erfahrung mit dem Einkauf wechselt zwischen lustvollem Vollbringen und lästigem Vollzug. Mal nerven mich die aus Langeweile Einkaufenden, mal amüsieren sie mich, mal kann es an der Kasse nicht schnell genug gehen, mal bin ich die Ruhe …

Gott lässt meine Seele ruhig werden

Gott lässt meine Seele ruhig werden Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Sommer sich in den Urlaub verabschiedet zu haben. – Natürlich es gab auch schöne warme, und sogar auch heiße Tage (ganz so, wie ich es liebe!), aber der seit Tagen anhaltende Dauerregen zieht mich ganz schön runter… Dabei benötigt der Körper doch das wärmende Licht der Sonne, um aufzutanken und sich für den nächsten Winter zu wappnen, der mit Sicherheit wieder kommt. Abgesehen davon: anders als in Niedersachsen, wo die Sommerferien sich langsam dem Ende zuneigen, fahren andere Menschen ja jetzt erst in wohlverdienten den Urlaub. Für mich selbst steht die Erholungszeit auch noch bevor. Auch wenn es mich eher in die warme Sonne zieht, werde ich in diesem Jahr im Münsterland auf das Haus von Freunden aufpassen. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Nachdem ich vor vier Wochen schon geschrieben habe, dass ich mich in diesem Urlaub mit zwei Psalmen beschäftigen möchte, eben Psalm 18 und Psalm 114, ist in den vergangenen Tagen noch ein dritter hinzugekommen, …

Erfolg im spirituellem Leben

Erfolg im spirituellem Leben?

Erfolg im spirituellem Leben? Erfolg zu haben ist ein gutes, ja, ein schönes Gefühl. Die Arbeit ist halbwegs getan, die Ziele erreicht und man kann zufrieden das Ergebnis anschauen. Es ist dieses unglaublich angenehme Empfinden der Zufriedenheit und Genugtuung, das sich in einem breit macht und ein Lächeln auf die Lippen zaubert. Man freut sich, klopft sich sprichwörtlich auf die Schultern, lässt sich feiern, erhält wohlmöglich eine Gratifikation und geht erhobenen Hauptes nach Hause, sich dessen bewusst, etwas geschafft zu haben. Mir scheint, dass vor allem jüngere Menschen eine große Lust auf Erfolg haben. Im Internet gibt es zahlreiche Blogs und Foren, die sich mit Erfolg auseinandersetzen und Tricks und Tipps, Tools und Hacks verraten, um erfolgreich zu werden. Damit ist dann sehr oft gemeint, viel Geld zu haben, Häuser zu besitzen, den ultimativen Job zu bekommen, der natürlich seinerseits viel Geld verspricht. Einen Schritt weiter geht die digitale Branche, die verheißt – wenn man fleißig die Tipps beachtet – nicht mehr für Zeit bezahlt zu werden – sondern für Ideen und damit ein Einkommen …

Urlaub mit Gott

Urlaub mit Gott Die Urlaubszeit ist angebrochen. Viele Menschen sind schon verreist, andere bereiten ihre Reise noch vor. Auch für mich steht der Urlaub bevor. Und wie jedes Jahr stellt sich die große Frage: Was muss, was will ich alles mitnehmen? Abgesehen von der benötigten Kleidung gehört in mein Urlaubsgepäck eine nicht geringe Zahl an Büchern: Romane, Krimis, Reisebeschreibungen und – das Buch der Bücher! Denn ich habe mir angewöhnt, in den Ferien bewusst eine Zeit für die Bibellesung einzuplanen. In der Regel gehe ich dabei systematisch vor, indem ich plane dieses oder jenes Buch der Bibel als Ganzes zu lesen. Für die kommende Urlaubszeit habe ich mir das Buch der Psalmen vorgenommen, das mich im Stundengebet zwar das ganze Jahr über begleitet, aber gerade in einer von Verpflichtungen freien Zeit finde ich die Muße, mit einen Psalm auszusuchen, ihn zu lesen und zu meditieren. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Zwei Psalmen möchte ich mir in besonderer Weise vornehmen: Zunächst Psalm 18, der in unserer monastischen Liturgie am Sonntagmorgen in …