Alle Artikel in: Glaube

„Höre, mein Sohn / meine Tochter!“

Vor Corona haben wir bei unseren Gottesdiensten wesentlich mehr und häufiger mehrstimmig gesungen. Dabei ist mir vor einigen Jahren aufgefallen, dass ich Schwierigkeiten hatte, meine Stimme sauber zu führen. Und nachdem Karl-Leo mir dann auch einmal gesagt hatte, dass ich unsauber singen würde – spätestens da wusste ich, dass ich zum einem HNO-Arzt gehen müsste. Dieser verordnete mir dann auch ein Hörgerät für mein rechtes Ohr. Ich erinnere mich noch gut, als ich Ende März 2018 das erste Probegerät bekommen hatte und den Laden der Akustikfachleute verließ, wie ich die Welt ganz anders wahrnahm: Ich konnte deutlich das Geräusch hören, wenn der Stoff des Ärmels sich am Rest meines Anoraks rieb;ich konnte deutlich das Knirschen des Schotters vom letzten Winterstreu unter meinen Schuhen hören;und ich konnte deutlich hören, wie laut das Parkett in unserem Refektorium knarrte. Es war ein ganz neues Lebensgefühl, weil ich vieles wieder verstehen und hören konnte, was mir schon eine geraume Zeit abhandengekommen war. Solch ein kleines Hörgerät ist schon ein Wunder und eine riesengroße Hilfe. – Einerseits! Andererseits stellt es …

Wie Du Deine spirituelle Kraft stärken kannst

Spirituelle Kraft ist vergleichbar mit der Präsenz eines Schauspielers auf der Bühne. Man kann sie nicht messen, aber man spürt sie. Man spürt, wenn ein Mensch wirklich spirituell oder geistlich lebt. Es ist etwas, dass man schwer anderen beschreiben kann. Eine solche spirituelle Kraft fällt nicht vom Himmel und man kann gezielt etwas dafür tun. Denn eine solche Kraft tut nicht nur anderen gut, es hilft Dir auch auf Deinem spirituellen Weg zu sein und zu bleiben. Ich habe 9 Wege ausgemacht, die Dir helfen können, Deine spirituelle Kraft zu stärken. Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.podcaster.de zu laden. Inhalt laden

Jesus war nicht einzuordnen

„Er war nicht einzuordnen, dieser Jesus aus Nazaret. Er legte die Bibel aus, aber er tat es anders als die überall tätigen Ausleger“, so schrieb der vor fünf Jahren gestorbene evangelische Theologe Jörg Zink einmal. Tatsächlich war Jesus ja kein „studierter“ Gesetzeslehrer. Und dennoch deutete er das Gesetz Gottes und legte es aus – in einer vollkommenen anderen Weise, als die Gesetzeslehrer seiner Zeit. Mehrfach sprach Jesus vom kommenden Gottesreich. Aber anders als die Propheten seiner Zeit, sagte er, dieses Gottesreich liege nicht in ferner Zukunft, sondern sei schon längst angebrochen. Jesuanische Freiheit Jesus sprach auch davon, dass wir Menschen frei seien. Aber seine Freiheitsbotschaft war eine andere als die der Zeloten, jenen religiösen Eiferer seines Landes. Auch sprach Jesus immer wieder neu von Gerechtigkeit, und meinte mit diesem Begriff etwas vollkommen anderes als die Rechtsgelehrten seiner Zeit. Jesus versuchte, seine Zeitgenossen aufzubauen, indem er sie von der Knechtschaft der Gesetzesfrömmigkeit zu befreien suchte – hinein in die Freiheit der Kinder Gottes. Und seine Botschaft gilt bis heute! Haben wir Jesus verstanden? „Was er sagte“, …

Nach dem toten Punkt

Die Kirche sei an einem „toten Punkt“, hat Kardinal Reinhard Marx in seinem Rücktrittsgesuch geschrieben. Und seitdem denken Kommentierende aller Couleur über diese Redewendung und ihre Bedeutung nach. Auch ich habe diese Redewendung schon verwendet, aber seit der letzten Woche hat sie mich wieder mehr interessiert. Es ist doch ursprünglich eine körperliche, eine muskuläre Erfahrung. Was passiert da eigentlich und wie kommt man gut über den toten Punkt? Lässt sich aus der körperlichen Erfahrung etwas für den Umgang mit einem toten Punkt im übertragenen Sinne lernen? Ein Gefühl der völligen Erschöpfung Sportmedizinisch ist der tote Punkt relativ klar zu beschreiben: ein bei Dauerleistungen auftretendes vorübergehendes Gefühl der völligen Erschöpfung, das durch eine zu hohe Konzentration von sauren Stoffwechselzwischenprodukten (z. B. Milchsäure) in der arbeitenden Muskulatur und auch im Blut hervorgerufen wird. In der Kinetik wird ein toter Punkt als der Zustand beschrieben, wenn mehrere widerstrebende Kräfte einen Stillstand bewirken. Eigentlich ist es also ein zunächst sportliches Phänomen. Wenn unser Organismus bei intensiver sportlicher Betätigung ein Sauerstoffdefizit aufbaut und die Muskeln ermüden und sich schwer anfühlen, …

Trinitatis

– so wird der Sonntag nach Pfingsten in der evangelischen Kirche genannt – und von ihm aus werden dann die Sonntage im Kirchenjahr gezählt, bevor mit dem ersten Advent ein neues Kirchenjahr beginnt. In der römischen Tradition lautet der genaue Namen dieses Sonntags Sollemnitas Sanctissimae Trinitatis, zu Deutsch: Hochfest der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten Hochfeste eine Oktav und der achte Tag wurde besonders begangen. Ursprünglich ist das Dreifaltigkeitsfest also der Oktavtag zu Pfingsten. Dreifaltigkeitsfest: ein Ideenfest Wie etwa Fronleichnam oder das Herz-Jesu-Fest – beides Hochfeset, die in Kürze folgen – ist das Dreifaltigkeitsfest ein sogenanntes Ideenfest. An diesen Festen feiert die Liturgie kein konkretes Heilsereignis aus dem Leben Jesu oder den besonderen Gedenktag einer oder eines Heiligen, sondern sie feiert eine Glaubenswahrheit. Bereits bei der Entstehung des Gregorianischen Chorals vor über 1.200 Jahren wurden eigene Gesänge geschaffen, die die drei göttlichen Personen zum Gegenstand haben: Beneditca sit sancta Trinitas, atque indivisa Unitas, beginnt der Introitus: „Gepiesen sei die heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit. Lasst uns ihr danken, denn sie …

Wie im Himmel…

Für manche fühlt es sich wie im Himmel an, wenn sie wieder das erste Bier im Biergarten oder den ersten Kaffee im Außenbereich eines Restaurants auf dem Marktplatz trinken dürfen. Wir hier in der Region Hannover müssen – zumindest zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe – noch ein wenig warten. Aber die Hoffnung wächst von Tag zu Tag, dass die Inzidenzzahlen auch hier unter 100 sinken und all dies dann auch in Hannover möglich wird. Ein Stück Himmel auf Erden? Und das pünktlich zu Christi Himmelfahrt, dem Tag, der unter dem Etikett „Vatertag“ in der alltäglichen Gewohnheit für viele nur ein alkoholreicher Wandertag in Gruppe geworden ist? Eine Welt, in der nichts, was wir kennen, so ist, wie wir es kennen. Ich denke in diesen Tagen häufig an einen Satz von Alexander Geers, den er in einem Interview vor seinem Weltraumflug im Jahr 2014 gesagt hat: „Wir treten ja in eine unbekannte Welt ein, in der wirklich nichts, was wir kennen, so ist, wie wir es kennen.“ Das sagt einer, der beauftragt …

„Meinen Bogen setze ich in die Wolken.“

Vor einigen Wochen hat das Verbot der Glaubenskongregation, homosexuelle Paare zu segnen, vor allem in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Als Reaktion auf die Meldung aus Rom tauchten gleichsam als Protest an vielen Kirchen Regenbogenfahnen auf. Diese sind ja seit den 1970-er Jahren ein internationales schwul-lesbisches Symbol. Nicht wenige Engagierte der LGBT-Gemeinde sahen darin eine Vereinnahmung „ihrer“ Fahne. Der Regenbogen Gottes Wer vor dem Portal unserer Hauskirche steht, sieht über dem stilisierten Regenbogen, der sich über beide Seiten der Tür zieht, zunächst hebräische Buchstaben: das Schema Jisrael – „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.“ (Dtn 6,4). Und unter dem Regenbogen liest man: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und euch.“ (Gen 9,13). Dieses Bundeszeichen besiegelt nach der Sintflut den erneuten Bund Gottes mit den Menschen. So nimmt der Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen Mensch und Gott eine altorientalische Tradition auf, …

Sonne im Gesicht und im Herzen

Seit einigen Wochen bekomme ich immer häufiger E-Mails, die mit dem gut gemeinten und freundlichen Wunsch enden: Bleib negativ. Anfangs habe ich mich sogar dabei ertappt, diesen Gruß selber unter einige Mails geschrieben zu haben. Aber mittlerweile gefällt mir der Gruß überhaupt nicht mehr. Natürlich weiß ich, was damit gemeint ist, und auch in meinem Arbeitsalltag ist es längst Realität: Ganz regelmäßig mache ich – wie alle unsere Mitarbeiterinnen – einen Covid 19 – Schnelltest. Seit einigen Wochen haben wir jetzt die Selbsttests für die Praxis und das Kloster und plötzlich gibt es eine eigenartige Zeit am Tag: Wenn ich die drei Tropfen aus dem Teströhrchen auf meinem Prüfstreifen träufele und dann mindestens 10 Minuten warte, ob neben der Kontrolllinie eine zweite Linie entsteht.  Was macht mich froh? „Ich bin negativ“. Das ist natürlich in unserer Zeit ein freudiges Test-Ergebnis. Und der erste Moment ist tatsächlich ein kleines Glücksgefühl. Aber ich spüre schnell: Das ist nicht wirklich Freude, es ist nicht wirklich Glück. Und ich erlebe viele Menschen um mich herum, die durchaus vom Coronaviren …

Da fehlt was

Am vergangenen  Wochenende haben wir das Triduum paschale, die drei österlichen Tage, gefeiert. Für unsere evangelischen Schwestern und Brüder ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Jahr, für uns Katholiken ist es der Ostertag. Zwischen beiden Tagen liegt dieser merkwürdige Karsamstag, ein „Nicht-Tag“ quasi, an dem es neben den Tagzeitgebeten keine weitere Liturgie gibt. Es ist der Tag, an dem dieser Jesus nicht da ist. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ – so beten und bekennen wir im Apostolicum. Was auch immer mit dem „Reich des Todes“ gemeint ist, Jesus ist den gleichen Weg gegangen, den auch jede und jeder einzelne von uns einmal gehen muss. Aber Jesus bleibt nicht in diesem Reich, sondern er ist „am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Da fehlt was! Im Evangelium der Osternacht beschreibt Markus, dass Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome frühmorgens, nachdem der Sabbat vorüber war, zum Grab gingen, …

„Auf ihn sollt ihr hören!“

Am vergangenen Sonntag wurde das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vorgetragen (Mk 9,2-10). Dieses Evangelium begründet ja auch das gleichnamige Fest der Verklärung des Herrn, das wir jedes Jahr am 6. August feiern. Man kann das Geschehen auf dem Berg Tabor, der in keinem der drei synoptischen Evangelien namentlich genannt wird, sogar zeitlich einordnen: Der Perikope geht auf die Frage Jesu, wofür ihn die Jünger hielten, zunächst das Christusbekenntnis des Petrus voraus. In der alten Einheitsübersetzung lautete es: „Du bist der Messias!“; in der revidierten Fassung nun genauer: „Du bist der Christus!“ (Mk 8,29). Darauf kündet Jesus zum ersten Mal sein Leiden und seine Auferstehung an. Gerade das Christusbekenntnis deutet eine bewusste Komposition der drei Synoptiker an; denn es verweist auf die Verbindung von Jom Kippur, dem großen Versöhnungsfest – bei dem der Hohepriester im Tempel feierlich den Namen Jahwes ausspricht – und dem jüdischen Sukkot, dem Laubhüttenfest, das als einwöchiges Erntefest gefeiert wird. In diesem zeitlichen Umfeld erzählen die ersten drei Evangelisten von der Verklärung Jesu: nach dem Christusbekenntnis und …