Alle Artikel in: Glaube

Auf ein Neues – 2.0

Das neue Jahr ist nun schon in der zweiten Woche. Und doch ist alles ganz anders als in den vergangenen Jahren… Normalerweise wären wir Brüder an Neujahr in die Abtei gefahren und hätten dort mit unseren Brüdern zusammen unsere Jahresexerzitien begangen. Unsere Exerzitien sollte eine Schwester aus der Abtei St. Hildegard begleiten. Aber dort mussten die Schwestern alle in Quarantäne weil zwei Mitarbeitende auf Covid-19 getestet worden waren. Außerdem: unsere Cella in Hannover liegt bekanntlich in der Landeshauptstadt von Niedersachsen, unsere Abtei hingegen befindet sich in Nordrhein-Westfalen: Zwei unterschiedliche Bundesländer bedeutet auch zwei unterschiedliche Verordnungen Relativ früh war daher klar, dass in der Abtei die Exerzitien in diesem Jahr als „Stille Tage“ mit einigen spirituellen Angeboten durchgeführt werden. Wir haben uns dem angeschlossen und „Stille Tage“ in der Cella verbracht.GebetszeitenWährend dieser Tage haben wir unser Stundengebet hinter verschlossenen Türen gehalten, hatten jedoch immer im Hinterkopf, dass wir mit vielen Menschen verbunden sind, die sonst unser Beten und Arbeiten teilen. Da die Infektionszahlen nach wie vor sehr hoch sind, haben wir uns auch entschlossen, ab dem 7. Januar, an dem …

Auf ein Neues…

Am vergangenen Sonntag, oder genauer gesagt, am Samstagabend mit der ersten Vesper hat ein neues Kirchenjahr begonnen. Das vergangene stand größtenteils unter dem Schatten des Corona-Virus und hat uns im ersten Lockdown ja selbst Kirchen ohne Gottesdienste erleben lassen. Vor allem das höchste Fest, Ostern, war für viele eine eigenartige Erfahrung: Eine Mitfeier der Kar- und Ostertage war, wenn überhaupt, nur per Livestream möglich. Sehr eindrücklich stehen mir noch die Bilder vom Karfreitag vor Augen, als Papst Franziskus einsam auf dem Peterplatz vor dem „Pestkreuz“ steht – im Regen. Nun können wir zwar schon eine geraume Zeit wieder Gottesdienste miteinander feiern, aber es ist so ganz anders als vorher… Auf dem Weg zur Freiheit Mit dem ersten Advent wechselt auf das Evangelium. Haben wir im vergangenen Jahr an den meisten Sonntagen Abschnitte aus dem Matthäusevangelium gehört, lesen wir in diesem Jahr in erster Linie Abschnitte aus dem Markusevangelium. Anselm Grün hat seine Auslegung des Markusevangeliums „Jesus – Weg zur Freiheit“ überschrieben. In der Einleitung schreibt er: „Das ganze Matthäusevangelium ist durchzogen von der Auseinandersetzung Jesu …

Tod und Vergehen waltet in allem

Aufgrund zahlreicher Anlässe des Totengedenkens wird der November auch als Toten- oder Trauermonat bezeichnet. Da folgen in der katholischen Tradition am Tag nach Allerheiligen das Totengedenken und die Gräbersegnung an Allerseelen. In der evangelischen Tradition wird das Totengedenken am letzten Sonntag im Jahreskreis begangen, weshalb dieser Tag dort Toten- oder Ewigkeitssonntag genannt wird. Ein Hymnus aus der Totenliturgie 1978 dichte P. Polykarp Ühlein, der 1963 von Münsterschwarzach aus in die Abtei Ndanda, Tansania, gesandt wurde, diesen Hymnus für die Laudes beim Totenoffizium: Tod und Vergehen waltet in allem,steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,Sternbild und Zeit. Du hast ins Leben alles gerufen.Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:Hole sie heim! Schenke im Ende auch die Vollendung!Nicht in die Leere falle die Vielfaltirdischen Seins. Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel. –Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,ewigen Gott. Amen. Die gesamte Schöpfung ist dem Tod anheimgegeben Der Text der ersten Strophe verdeutlicht, dass die gesamte Schöpfung dem Tod anheimgegeben ist. Ein Aussage, die uns unsere eigene Endlichkeit – und die der ganzen Schöpfung – vor Augen stellt. …

Abschied vom gewalttätigen Gott

Gewalt? Wer ist schon gewalttätig? Wir sind doch alle friedlich, schlagen uns nicht die Köpfe gegenseitig ein und benehmen uns zivilisiert, oder etwa nicht?Wenn wir an Gewalt denken, dann denken wir zumeist an körperliche Gewalt, wir denken an das Gesetz der Fäuste und da mag es stimmen, dass wir dazu nicht gehören. Und doch wissen wir, dass wir sehr wohl sehr viel Gewalt anwenden können – auch die Leisen und Stummen können sehr gewalttätig sein, nicht nur die Lauten und Groben. Ja, selbst mit Schweigen und Weinen kann man jemandem Gewalt antun. Gewalt ist vielfältig und oft sehr subtil.Dennoch haben wir alle den Wunsch nach einem gewaltlosen Umfeld, wir wollen selber unbedingt gewaltlos behandelt werden und wir spüren – wenn auch vielleicht nicht sofort –  wenn dem nicht so ist.Aber schauen wir auf unser Verhalten!Schnell sind wir in hitzigen Gesprächen dabei, anderen etwas zu unterstellen, ihnen Fallen zu stellen, die Gefühle des Gegenübers zu ignorieren, selektiv zuzuhören, jemandem ins Wort zu fallen, Urteile zu fällen oder einfach das Gespräch abzubrechen. Wir sind in der Lage, …

Erntedank

Am vergangenen Sonntag wurde, wie in jedem Jahr am ersten Sonntag im Oktober, in vielen Gemeinden Erntedank gefeiert. In ländlichen Gegenden, in denen die Menschen stärker mit der Natur verbunden sind als die Menschen in der Großstadt, liegt es nahe, Erntekränze zu flechten, Kürbisse und Obst, Kohl und ähnliches in der Kirche zu drapieren und damit deutlich zu machen, dass die Gaben der Natur Geschenke Gottes sind. Dank für die Ernte Der Dank für die Ernte wird wohl in allen Religionen rituell begangenen. Unsere jüdischen Geschwister danken bei unterschiedlichen Feiern für die Ernte: an Mazzot, dem Fest der ungesäuerten Brote; an Schavuot, dem Wochenfest; und schließlich an Sukkot, dem Laubhüttenfest. – Im Christentum ist das Erntedankfest seit dem dritten Jahrhundert bekannt. Im Buch Genesis heißt es im ersten Schöpfungsbericht: „Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!“ Ältere Übersetzungen lauten: „Macht Euch die Erde untertan.“ Nirgends aber ist davon die Rede, …

„Hast Du ‘ne Macke, dann sei froh!“

In den vergangenen drei Wochen habe ich in der „Gastpriesterwohnung“ der Pfarrei St. Ludgerus auf Norderney meine Ferien verbracht und im Gegenzug die Eucharistiefeiern und einige Gesprächsangebote übernommen. Da ich mich für Architektur interessiere, ist die katholische Pfarrei hier auf der Insel schon etwas Besonderes; denn sie hat zwei Kirchorte, die nur etwa 150 Meter voneinander entfernt sind: die neugotische Kirche St. Ludgerus von 1884 und die Bauhaus-Kirche Stella Maris, die 1930/31 nach den Plänen eines der großen Kirchenbaumeister der zwanzigsten Jahrhunderts, Dominicus Böhm, gebaut wurde und (nebenbei gesagt) die größte Kirche Ostfrieslands ist. Der Altar mit der Macke Während meines Aufenthalts auf der Insel lud Markus Fuhrmann, ständiger Diakon und Pfarrbeauftragter für Norderney, wöchentlich zu Kirchführungen in Stella Maris mit dem Titel „Bauhaus auf Norderney“ ein. Dabei erzählte er unter anderem von der Umgestaltung der Kirche in den Jahren von 2006 bis 2008 durch den Düsseldorfer Architekten Bruno Braun. Dieser hatte auf die ersten Entwürfe Dominicus Böhms zurückgegriffen und die „Prinzipalstücke“ – Stele für den Tabernakel, Ambo mit Osterleuchter, Vorstehersitz und Altar – in …

Wie wollen wir leben? 2

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren. Wie wollen wir künftig international zusammenarbeiten? Gott ist jetzt wohlwollend gegenwärtig. Bibel:Jesus zu Petrus: Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich wieder bekehrt hast, dann stärke deine Schwestern und Brüder. (Lukas 22,32) Anstöße für ein betendes Nachsinnen:Zeit zum Träumen: Wie wäre es, wenn die Menschen, Gruppen, Nationen…, die gerade haben, die stärken und denen beistehen, die gerade nicht haben? Wie wäre es, wenn alle über alle Grenzen hinweg das Gemeinwohl für alle suchen? Unser Glaube macht Bekehrung möglich. Gott gibt uns die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen. Gott sieht die Menschen als Geschwister, die miteinander leben und füreinander einstehen sollen. Wir könnten das … angehen! Ja, …

Wie wollen wir leben? 1

Dr. Peter Hundertmark, Referent für Spirituelle Bildung im Bistum Speyer, hat sich angesichts der momentanen Situation Gedanken darüber gemacht, wie wir zukünftig leben wollen. Und dazu zwölf Anstöße formuliert, die zunächst jeweils ein kurzes Bibelwort anführen und dann Anstöße für ein betendes Nachsinnen geben. Er lädt ein, der Frage nachzugehen, was uns Gott jetzt sagen will, und die eigenen Gedanken zu notieren. Dr. Hundertmark möchte ausdrücklich, dass seine Anstöße veröffentlicht und auch weitergegeben werden. Hier kannst Du seine Einleitung und den ersten Anstoß lesen. Wenn Du magst, kannst Du ja Deine Gedanken als Kommentar hier einfügen. Die Menschheit – und mit ihr das ganze gemeinsame Haus Erde – steht an einer Weggabelung. Die gegenwärtige Corona-Pandemie hat es schneller und brutaler sichtbar gemacht, als alle wissenschaftlichen Studien zu Klimaveränderung, sozialen Verwerfungen, Artensterben, Fluchtursachen… es vermocht hätten. Noch aber können wir viele Entwicklungen steuern. Wir können träumen, nachdenken, auf Gott hinhorchen, miteinander aushandeln, auf den Weg bringen …, wie wir künftig leben wollen. Diese … „Anstöße“ sind parteiisch. Sie folgen in ihrer Ausrichtung der katholischen Soziallehre, der …

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst!

Getröst, getröst, wir sind erlöst! So lautet der Titel eines Buchs von  Joseph Wittig, das von den Osterzeiten des Lebens erzählt und 1932 erschien. Wer war Joseph Wittig? Joseph Wittig, 1879 in Neusorge, Grafschaft Glatz, geboren, studierte Theologie, promovierte und habilitierte sich, wurde 1903 zum Priester geweiht und 1915 zum ordentlichen Professor für Kirchengeschichte, Patrologie und kirchliche Kunst an der Theologischen Fakultät der Universität Breslau ernannt. Im Jahr 1922 erregte sein Aufsatz „Die Erlösten“, in dem er die offizielle kirchliche Auslegung der Sünde und Beichte kritisierte, in ganz Deutschland Aufsehen und führte zu Protest der vorgesetzten kirchlichen Behörde. Sein „Herrgottswissen“, „Kirche im Waldwinkel“ und „Das Leben Jesu in Schlesien, Palästina und anderswo“ wurden trotzdem von katholischen und protestantischen Lesern begeistert aufgenommen. Aber die Auseinandersetzungen mit der Amtskirche führten schließlich zur Indizierung vieler seiner Schriften und nach der Beurlaubung an der Universität schließlich auch zur Exkommunikation im Jahre 1926. Trotz der Ausschließung aus der Kirchengemeinschaft, die zwanzig Jahre später wieder aufgehoben wurde, blieb er der katholischen Kirche treu. Seine theologische Tätigkeit drückte sich außer im schriftstellerischen …

Vom Holz herab herrscht unser Gott!

Venantius Fortunatus, der an der Schwelle von der Spätantike zum frühen Mittelalter lebte, hat neben verschiedenen Heiligenlegenden vor allem liturgische Hymnen verfasst. Einer dieser Hymnen begleitet uns im Stundengebet der Karwoche und erklang zunächst in der ersten Vesper des Palmsonntags: „Vexilla regis prodeunt“ – „Ein Königs siegt, sein Banner glänzt.“ Dieser Hymnus offenbart das Paradoxe, das wir in der Karwoche meditieren: Leiden und Tod Jesu Christi, um dann an Ostern seine Auferstehung zu feiern. Gerade in der augenblicklichen Situation kann dieser Hymnus Mut machen. Ein König siegt, sein Banner glänzt:Geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,an dessen Balken ausgerechtim Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt. So lautet die erste Strophe dieses Hymnus in der Übersetzung des Benediktinischen Antiphonales. Das Königsbanner, das in der ersten Zeile genannt wird, verweist auf die Königsherrschaft Christi. Diesen Christus verehren wir als wahren Gott und wahren Mensch. Darum sagt der Dichter, dass des Fleisches Schöpfer als Mensch an diesem Kreuz hängt. Geschunden hängt der heil’ge Leib,vom scharfen Speere roh durchbohrt;uns rein zu waschen von der Schuld,strömt Blut und Wasser von ihm aus. Blut und …