Alle Artikel in: Glaube

Trinitatis

– so wird der Sonntag nach Pfingsten in der evangelischen Kirche genannt – und von ihm aus werden dann die Sonntage im Kirchenjahr gezählt, bevor mit dem ersten Advent ein neues Kirchenjahr beginnt. In der römischen Tradition lautet der genaue Namen dieses Sonntags Sollemnitas Sanctissimae Trinitatis, zu Deutsch: Hochfest der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils hatten Hochfeste eine Oktav und der achte Tag wurde besonders begangen. Ursprünglich ist das Dreifaltigkeitsfest also der Oktavtag zu Pfingsten. Dreifaltigkeitsfest: ein Ideenfest Wie etwa Fronleichnam oder das Herz-Jesu-Fest – beides Hochfeset, die in Kürze folgen – ist das Dreifaltigkeitsfest ein sogenanntes Ideenfest. An diesen Festen feiert die Liturgie kein konkretes Heilsereignis aus dem Leben Jesu oder den besonderen Gedenktag einer oder eines Heiligen, sondern sie feiert eine Glaubenswahrheit. Bereits bei der Entstehung des Gregorianischen Chorals vor über 1.200 Jahren wurden eigene Gesänge geschaffen, die die drei göttlichen Personen zum Gegenstand haben: Beneditca sit sancta Trinitas, atque indivisa Unitas, beginnt der Introitus: „Gepiesen sei die heilige Dreifaltigkeit und ungeteilte Einheit. Lasst uns ihr danken, denn sie …

Wie im Himmel…

Für manche fühlt es sich wie im Himmel an, wenn sie wieder das erste Bier im Biergarten oder den ersten Kaffee im Außenbereich eines Restaurants auf dem Marktplatz trinken dürfen. Wir hier in der Region Hannover müssen – zumindest zu dem Zeitpunkt, an dem ich diesen Artikel schreibe – noch ein wenig warten. Aber die Hoffnung wächst von Tag zu Tag, dass die Inzidenzzahlen auch hier unter 100 sinken und all dies dann auch in Hannover möglich wird. Ein Stück Himmel auf Erden? Und das pünktlich zu Christi Himmelfahrt, dem Tag, der unter dem Etikett „Vatertag“ in der alltäglichen Gewohnheit für viele nur ein alkoholreicher Wandertag in Gruppe geworden ist? Eine Welt, in der nichts, was wir kennen, so ist, wie wir es kennen. Ich denke in diesen Tagen häufig an einen Satz von Alexander Geers, den er in einem Interview vor seinem Weltraumflug im Jahr 2014 gesagt hat: „Wir treten ja in eine unbekannte Welt ein, in der wirklich nichts, was wir kennen, so ist, wie wir es kennen.“ Das sagt einer, der beauftragt …

„Meinen Bogen setze ich in die Wolken.“

Vor einigen Wochen hat das Verbot der Glaubenskongregation, homosexuelle Paare zu segnen, vor allem in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Als Reaktion auf die Meldung aus Rom tauchten gleichsam als Protest an vielen Kirchen Regenbogenfahnen auf. Diese sind ja seit den 1970-er Jahren ein internationales schwul-lesbisches Symbol. Nicht wenige Engagierte der LGBT-Gemeinde sahen darin eine Vereinnahmung „ihrer“ Fahne. Der Regenbogen Gottes Wer vor dem Portal unserer Hauskirche steht, sieht über dem stilisierten Regenbogen, der sich über beide Seiten der Tür zieht, zunächst hebräische Buchstaben: das Schema Jisrael – „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.“ (Dtn 6,4). Und unter dem Regenbogen liest man: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und euch.“ (Gen 9,13). Dieses Bundeszeichen besiegelt nach der Sintflut den erneuten Bund Gottes mit den Menschen. So nimmt der Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen Mensch und Gott eine altorientalische Tradition auf, …

Sonne im Gesicht und im Herzen

Seit einigen Wochen bekomme ich immer häufiger E-Mails, die mit dem gut gemeinten und freundlichen Wunsch enden: Bleib negativ. Anfangs habe ich mich sogar dabei ertappt, diesen Gruß selber unter einige Mails geschrieben zu haben. Aber mittlerweile gefällt mir der Gruß überhaupt nicht mehr. Natürlich weiß ich, was damit gemeint ist, und auch in meinem Arbeitsalltag ist es längst Realität: Ganz regelmäßig mache ich – wie alle unsere Mitarbeiterinnen – einen Covid 19 – Schnelltest. Seit einigen Wochen haben wir jetzt die Selbsttests für die Praxis und das Kloster und plötzlich gibt es eine eigenartige Zeit am Tag: Wenn ich die drei Tropfen aus dem Teströhrchen auf meinem Prüfstreifen träufele und dann mindestens 10 Minuten warte, ob neben der Kontrolllinie eine zweite Linie entsteht.  Was macht mich froh? „Ich bin negativ“. Das ist natürlich in unserer Zeit ein freudiges Test-Ergebnis. Und der erste Moment ist tatsächlich ein kleines Glücksgefühl. Aber ich spüre schnell: Das ist nicht wirklich Freude, es ist nicht wirklich Glück. Und ich erlebe viele Menschen um mich herum, die durchaus vom Coronaviren …

Da fehlt was

Am vergangenen  Wochenende haben wir das Triduum paschale, die drei österlichen Tage, gefeiert. Für unsere evangelischen Schwestern und Brüder ist der Karfreitag der höchste Feiertag im Jahr, für uns Katholiken ist es der Ostertag. Zwischen beiden Tagen liegt dieser merkwürdige Karsamstag, ein „Nicht-Tag“ quasi, an dem es neben den Tagzeitgebeten keine weitere Liturgie gibt. Es ist der Tag, an dem dieser Jesus nicht da ist. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ – so beten und bekennen wir im Apostolicum. Was auch immer mit dem „Reich des Todes“ gemeint ist, Jesus ist den gleichen Weg gegangen, den auch jede und jeder einzelne von uns einmal gehen muss. Aber Jesus bleibt nicht in diesem Reich, sondern er ist „am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Da fehlt was! Im Evangelium der Osternacht beschreibt Markus, dass Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome frühmorgens, nachdem der Sabbat vorüber war, zum Grab gingen, …

„Auf ihn sollt ihr hören!“

Am vergangenen Sonntag wurde das Evangelium von der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vorgetragen (Mk 9,2-10). Dieses Evangelium begründet ja auch das gleichnamige Fest der Verklärung des Herrn, das wir jedes Jahr am 6. August feiern. Man kann das Geschehen auf dem Berg Tabor, der in keinem der drei synoptischen Evangelien namentlich genannt wird, sogar zeitlich einordnen: Der Perikope geht auf die Frage Jesu, wofür ihn die Jünger hielten, zunächst das Christusbekenntnis des Petrus voraus. In der alten Einheitsübersetzung lautete es: „Du bist der Messias!“; in der revidierten Fassung nun genauer: „Du bist der Christus!“ (Mk 8,29). Darauf kündet Jesus zum ersten Mal sein Leiden und seine Auferstehung an. Gerade das Christusbekenntnis deutet eine bewusste Komposition der drei Synoptiker an; denn es verweist auf die Verbindung von Jom Kippur, dem großen Versöhnungsfest – bei dem der Hohepriester im Tempel feierlich den Namen Jahwes ausspricht – und dem jüdischen Sukkot, dem Laubhüttenfest, das als einwöchiges Erntefest gefeiert wird. In diesem zeitlichen Umfeld erzählen die ersten drei Evangelisten von der Verklärung Jesu: nach dem Christusbekenntnis und …

Wenn Miss Marple ermittelt oder: das Projekt Fastenzeit

Wenn Miss Marple ermittelt und Sherlock Holmes seine Untersuchung beginnt, wenn im Tatort und im Polizeinotruf der Mord getätigt wurde und die Kommissare und Kommissarinnen ihre Arbeit aufgenommen haben, dann erwarten wir eine Suche nach dem Täter – oder war es doch eine Täterin? Befragungen, Observationen, kriminaltechnische Untersuchungen, die SpuSi (als Krimi-Fachleute wissen ja alle, dass das Spurensicherung heißt) gehen ans Werk und werden uns zielsicher zunächst den falschen Täter bringen, um dann fast im letzten Augenblick – es bleiben noch fünf Minuten Sendezeit – die richtige Täterin zu präsentieren. Wer hätte gedacht, dass es diese Person war? Aber nun ist es vollbracht. Zum Ende wird eben noch die Geschichte im Hintergrund rund gemacht und schon kann der Abspann laufen. Wir sind zufrieden: Der Schurke ist hinter Gitter und wir können uns nach getaner Arbeit einer anderen Sendung widmen.Aber was wäre, wenn der Tatort plötzlich immer damit enden würde, dass kein Täter oder keine Täterin gefasst wird? Wenn jedes Verbrechen ungesühnt bliebe, weil sich einfach niemand ermitteln lässt? Der Tatort wurde binnen eines Jahres eingestellt werden. …

Beginn der Fastenzeit

Wir laden Dich ein, mit uns zusammen die Fastenzeit am Aschermittwoch zu beginnen. Wir werden das Buch Jona einmal ganz vorlesen, unterbrochen von verschiedenen Gesängen. Am Ende werden wir alle durch einen Segen in die anstehende Fastenzeit entsandt. Über diesen Link wirst Du am Mittwoch zur Übertragung der Lesung gelangen.Das Buch Jonaund Sendung in die Fastenzeit17.2.202118.00 Uhr jetzt teilnehmen

Der Weihnachtsbaum in der guten Stube

Im Februar ein Beitrag zum Weihnachtsbaum? Nun, am 2. Februar feiert die Liturgie das Fest der Darstellung des Herrn, ein von Weihnachten abhängiges Fest. Doch dazu weiter unten mehr… Mein Vater ist in einem Dorf in der Eifel, unweit der Abtei Maria Laach, aufgewachsen. Oft sind unsere Eltern mit uns dort hingefahren, um die Großmutter und die Familie einer Schwester meines Vaters zu besuchen. Das Haus war aus robusten Bruchsteinen errichtet. Das Plumsklo befand sich in einem Verschlag neben dem Haus. Ab und an hat mein Vater Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt. Das Familienleben fand gewöhnlich am Küchentisch statt, denn die gute Stube wurde nur zu ganz besonderen Anlässen benutzt. Und so war es, dass meine Großmutter in einem Jahr kurz vor Ostern diese herrichten wollte. Und in der Stube stand noch der Weihnachtsbaum – ziemlich skeletthaft, denn die Nadeln lagen alle auf der Erde. Die Weihnachtszeit endete am 2. Februar Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils endete die Weihnachtszeit am 2. Februar mit dem Fest der Darstellung des Herrn, im Volksmund auch gern …

Spiritualität als Lernprozess

Während meiner Zeit auf der Fachhochschule gehörte das Studium Didaktischer Modelle zu einem wesentlichen Inhalt unseres Lernstoffs. Solche Modelle versuchen Bedingungen des Lernens zu beschreiben, die der Pädagoge zu berücksichtigen hat. Dazu gehört die Situation des Menschen, die Umstände, in denen das Lernen stattfindet, grundlegende Prozesse, Feedbackschleifen und vieles andere mehr. Ich habe es geliebt, mich in solche Modelle hineinzudenken, sie verstehen zu wollen, sie zu kritisieren und ggf. natürlich auch anzuwenden. Ich muss allerdings zugeben, dass in der Praxis dann solche Modelle eine sehr untergeordnete Rolle gespielt haben. Aber ich kann schon sagen, dass die Grundlagen meines pädagogischen Handelns durch die Beschäftigung mit diesen Modellen gelegt wurden.Spiritualität ist für mich auch eine Art pädagogischer Prozess, den ich selber gestalte. Wenn man Lernen so versteht, dass es stets um eine Verhaltensänderung geht (und das nicht nur im beobachtbaren Sinne), dann kann man meines Erachtens auch Spiritualität als einen Lern- oder Transformationsprozess beschreiben. Es geht um die Veränderung des Menschen in seiner Haltung, seinem Tun und letztlich darum, dass er sich weiterentwickelt. Was wiederum Ausdruck von Veränderung …