Alle Artikel in: Glaube

Wie geschieht Erlösung?

Wie geschieht eigentlich Erlösung?

Eine berechtigte Frage in der Karwoche.Hast Du darüber schon einmal nachgedacht? Der Arbeitsplatz des Erlösers oder der Erlöserin scheint in dieser Welt derzeit vakant zu sein und sucht noch nach Bewerberinnen und Bewerbern. Dass sich das schwierig gestaltet, wissen wir alle, denn man weiß nicht einmal, wie man die Tätigkeitsbeschreibung formulieren soll. Gewiss würde einiges an Gratifikation warten und Dankbarkeit und Ehrerbietung wären der Kandidatin oder dem Kandidaten sicher.Aber noch wissen wir ja nicht einmal, was Erlösung ist, wie sie funktioniert und was man dafür können muss, um mit Fug und Recht Erlöser oder Erlöserin genannt zu werden. Oper als inszenierte Erlösung Vielleicht hilft es, sich einige Ideen aus einem anderen Bereich zu holen.Den Brettern, die die Welt bedeuten, ist ja bekanntlich nichts Menschliches fremd. Erst Recht nicht, wenn dabei auch noch gesungen wird. In einer Oper erwartet man Liebe, Leidenschaft, Mord und Intrige und Verdammnis – ja, und dann hoffentlich auch Erlösung. Natürlich gibt es auch die komödiantischen Opern, die uns einen vergnüglichen Abend bereiten. Doch scheinen mir die dramatischen Werke doch zu überwiegen …

Die Fastenzeit (II)

Bereits vor vier Wochen habe ich hier über die Fastenzeit geschrieben. Dabei ging es vor allem um das Fasten selbst. In diesem Beitrag soll es um etwas ganz anderes gehen: nämlich über die Freude… Freue dich, Jerusalem Der vergangene vierten Fastensonntag bietet Anlass für eine liturgiegeschichtliche Erklärung: Unsere evangelischen Schwestern und Brüder bezeichnen die Sonntage in der Regel mit lateinischen Worten, zum Beispiel: „Esto mihi“, „Iudika“ und „Laetare“. Diese Worte sind die Eingangsworte des lateinischen Eröffnungsgesangs, dem Introitus der Gregorianik. Und am vierten Fastensonntag lauten diese Worte „Laetare, Ierusalem“ – „Freue dich, Jerusalem“. (Parallel dazu beginnt der Introitus am dritten Advent mit den Wort „Gaudete“ – ebenfalls: „Freue dich“.) Beide Sonntage liegen ungefähr in der Mitte der Vorbereitungszeit auf das jeweilige Fest Weihnachten beziehungsweise Ostern hin. Die Freude – auch in der Fastenzeit Dass man sich in der Adventszeit auf Weihnachten freut, macht Sinn. Die Fastenzeit aber als eine Zeit der Freude zu definieren, ist ein wenig schräg. Und dennoch wird dies in den Orationen dieser Wochen oft thematisiert: die Freude auf Ostern hin. Der …

Die Fastenzeit

„Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit.“ So beginnt der heilige Benedikt das 49. Kapitel seiner Regel, um gleich in den nächsten beiden Sätzen zu relativieren: „Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten und gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen.“ ( RB 49,2f). Und etwas weiter unten führt er aus: „Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken.“ (RB 49,5). Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit, dazu aber haben nur wenige die Kraft. Benedikt von Nursia Verzicht auf Speise und Trank Der Verzicht auf Speise und Trank wurde in vielen alten Kulturvölkern aus religiösen Motiven praktiziert. Da verwundert es nicht, dass auch das Alte Testament im Fasten einen Ausdruck der Trauer und Buße sowie der Intensivierung des Gebets sieht. Vor allem aber diente das Fasten als Vorbereitung auf besondere …

Gott lässt meine Seele ruhig werden – reloaded

Gott lässt meine Seele ruhig werden Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Sommer sich in den Urlaub verabschiedet zu haben. – Natürlich es gab auch schöne warme, und sogar auch heiße Tage (ganz so, wie ich es liebe!), aber der seit Tagen anhaltende Dauerregen zieht mich ganz schön runter… Dabei benötigt der Körper doch das wärmende Licht der Sonne, um aufzutanken und sich für den nächsten Winter zu wappnen, der mit Sicherheit wieder kommt. Abgesehen davon: anders als in Niedersachsen, wo die Sommerferien sich langsam dem Ende zuneigen, fahren andere Menschen ja jetzt erst in wohlverdienten den Urlaub. Für mich selbst steht die Erholungszeit auch noch bevor. Auch wenn es mich eher in die warme Sonne zieht, werde ich in diesem Jahr im Münsterland auf das Haus von Freunden aufpassen. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Nachdem ich vor vier Wochen schon geschrieben habe, dass ich mich in diesem Urlaub mit zwei Psalmen beschäftigen möchte, eben Psalm 18 und Psalm 114, ist in den vergangenen Tagen noch ein dritter hinzugekommen, …

Auf ein Neues!

Auf ein Neues! Oder: alle Jahre wieder. Zum sechsunddreißigsten Mal – seit ich im Kloster bin – habe ich in der vergangenen Woche die Bändchen in meinen liturgischen Büchern von hinten nach vorne gelegt; denn mit dem Ersten Advent hat ja wieder einmal ein neue Kirchenjahr begonnen. Dabei kündigt sich die Advents- und nahende Weihnachtszeit schon seit Wochen an: die Gänge in den Supermärkten sind enger als sonst, weil viele zusätzliche Regalelemente ausgestellt sind, die Gebäck, Printen, Christstollen und Adventskalender enthalten. Und die Weihnachtsmärkte haben auch schon geöffnet… Was feiern wir eigentlich im Advent? Liturgie-theologisch ist der Advent eine Vorbereitungszeit in doppelter Hinsicht: Vom ersten Adventssonntag bis zum 16. Dezember hören wir in der Liturgie endzeitliche Texte, zum Beispiel von alttestamentlichen Propheten und Texte über Johannes den Täufer mit seinen Mahnungen zur Umkehr und Buße. Vom 17. bis 24. Dezember wird dagegen der Blick auf die Verheißung der Geburt Christi gelenkt und auf Maria und Josef. Die Vermischung der beiden Bedeutungen der „Ankunft Christi“ erklärt sich aus unterschiedlichen Traditionen im Lauf der Jahrhunderte: So gab …

Trauer

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) „Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) Das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja findet sich so nicht in der Einheitsübersetzung, wohl aber in der Lutherbibel. Es passt, so denke ich, sehr gut als Motto für den Monat November, der dem Totengedenken gewidmet ist. In der Liturgie der katholischen Kirche stehen mit Allerheiligen und Allerseelen zwei Gedenktage am Beginn des Monats, die an unsere Toten erinnern. In der evangelischen Kirche ist es vor allem der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt und am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen wird. Danklied des Hiskija Hiskija hat von etwa 750 bis 796 v.Chr. gelebt und war 29 Jahre lang König von Juda. Als ihn eine lebensbedrohende Krankheit befiel, wurde er durch die Vermittlung des Propheten Jesaja geheilt. Nach seiner Genesung, dankte er Jahwe für seine Gesundheit mit einem Lied: „Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Ich darf den HERRN …

Die Tageszeitung – Anleitung zur spirituellen Lektüre

Die Tageszeitung – Anleitung zur spirituellen Lektüre Es gehört seit langem zu meinem persönlichen Credo: Wer dem Profanen nichts Spirituelles abgewinnen kann, der hat Spiritualität gründlich missverstanden. Wenn wir nämlich davon ausgehen, dass es die Trennung von spirituellen und weltlichen Räumen nicht gibt und Gott alles mit seiner Präsenz durchdringt und überall gegenwärtig ist, dann kann ich alles als spirituellen Ort erfahren und für mich nutzen. Deshalb war es auch folgerichtig, dass in unserem ehemaligen Kuhstall in der Abtei ein Kreuz hing – nicht anders als in einer Kapelle, im Speisesaal der Mönche oder auf den Zimmern. Es war zwar reichlich mit Spinnweben behangen, das machte das Kreuz aber viel echter und stimmiger. Wenn dem also so ist, dann muss es doch auch möglich sein, die Tageszeitung spirituell zu nutzen. In vielen Büchern kann man zwar nachlesen, dass gerade bei der Lektüre der Tageszeitung Vorsicht geboten ist. Ich meine aber: Wer die Tageszeitung nicht als spirituelle Lektüre lesen kann, braucht auch die Bibel nicht aufzuschlagen. Dabei muss ich zugeben, dass ich immer wieder Phasen habe, …

Das Auge betet mit

Das Auge betet mit

Das Auge betet mit … so lautet der Titel eines Buches, an dem ich – zusammen mit drei weiteren Autoren – momentan in der Endphase arbeite. Dabei handelt es sich um ein Werkbuch für die Blumengestaltung von Sakralräumen im Kirchenjahr. Aus der Arbeit mit dem Buch, das viele Fotobeispiele zeigt, entstand die Idee, eine Küsterfortbildung im Bistum Münster zu diesem Thema zu machen. Und so war ich in der vergangenen Woche in einem katholischen Bildungshaus in Nordrhein-Westfalen, um mit etwa 70 Küsterinnen und Küstern zu arbeiten. Sakralräume erleichtern oder erschweren das Beten Im Park des Tagungshauses wurde nach 1960 eine Kapelle in Beton-/Glasbautechnik errichtet. Als ich diesen Sakralraum vergangenen Montag betrat, war ich – um es vorsichtig zu formulieren – nicht sehr angetan: ein dunkler, von Lampen nicht richtig ausgeleuchteter Raum. Eine recht große Glaswand in blauen und grauen Farbschattierungen gehalten, ließ ebenfalls kein richtiges Licht herein. Der Alter wirkte ein wenig lieb- und lustlos aufgestellt (und wackelte auch noch, wie ich bei einem Gottesdienst feststellte). Der Ambo stand mit der Pultseite an die Wand …

Was ist Populismus?

Was ist Populismus? In der dritten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche (1993-2001) sucht man vergeblich nach dem Schlagwort „Populismus“. In Meyers Enzyklopädischem Lexikon von 1977 aber wird man fündig. Hier wird Populismus als eine französiche literarische Richtung beschrieben, die Ende der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts aufgekommen ist. Dort heißt es: „ Der Populismus wandte sich sowohl gegen den Intellektualismus und Psychologismus einer im Grunde realitätsfremden bürgerlichen Literatur …  als auch gegen den sozialen Extremismus des Naturalismus.“ Populismus ist momentan in aller Munde Im Zusammenhang mit den Chemnitzer Demonstrationen der vergangenen Woche ist das Schlagwort in aller Munde. Aber in Chemnitz geht es doch wohl kaum um Literatur!? Laut Duden ist Populismus eine „von Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik mit dem Ziel, durch Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen zu gewinnen“. Tatsächlich betonen Populisten häufig den Gegensatz zwischen dem „Volk“ und der „Regierung“ beziehungsweiser der „Elite“ und versuchen den Eindruck zu erwecken, sie stünden auf der Seite des einfachen Volkes. (Lesenswerte Beiträge zum Thema finden sich auf der Seite der …

Wahrheit befreit

Wahrheit befreit Wir kennen das alle: Wenn es anscheinend unserm Vorteil zuträglicher war, haben wir schon einmal die Unwahrheit gesagt. Da ist oft kein großes Lügengespinst notwendig: einfach mal eben gesagt „Das habe ich nicht gemacht…“ – auch wenn es der Wahrheit nicht entspricht. Wir hoffen, dass Notlügen und kleine Unwahrheiten, uns vor Erklärungen schützen, die gegebenenfalls peinlich sein und uns in die Bredouille bringen können. Wenn dann irgendwann auffliegt, dass unsere Aussage falsch war, stehen wir nicht nur als Lügner dar, sondern haben auch das Vertrauen, das andere in uns gesetzt hatten, enttäuscht. Der Evangelist Johannes schildert ein Streitgespräch Jesu mit den Juden und zitiert: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaft meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8,31f) Lüge versus Wahrheit Am vergangenen Wochenende konnte man auf der Titelseite der Sonntagsbeilage „Sonntag“ zur Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einen Artikel lesen, der sich diesem Thema widmete. „Wenn die Lüge siegt“, lautete die Überschrift (hier nachzulesen: http://www.haz.de/Nachrichten/Politik/Deutschland-Welt/Fake-News-Wenn-die-Luege-siegt). Darin beschreibt der Autor, Dirk Schmaler, dass „Fake …