Alle Artikel in: Glaube

Entdecke den Mönch / die Nonne in Dir…

In der Online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 9. Juli fand ich die Überschrift: „Zahl der Single-Haushalte in Hannover wächst“. Im Artikel selbst heißt es dann: „Hannover gilt als deutsche Single-Hauptstadt – und die Zahl der Einfamilienhaushalte wächst weiter. In mehr als der Hälfte (54,3 Prozent) der Haushalte lebt nur eine Person. In Mitte (65,1), Linden-Limmer (63,3) und Südstadt-Bult (62,0) sind es sogar mehr als 60 Prozent.“ – Auch ohne diese Zahlen zu kennen, hatten wir Brüder schon lange die Vermutung, dass dem so ist. Die Menschen sind auf der Suche Keine Vermutung hingegen ist, dass viele Menschen auf der Suche sind: auf der Suche nach Sinn; auf der Suche nach Heimat; auf der Suche nach Geborgenheit; auf der Suche nach Spiritualität – und diese Aufzählung ließe sich beinahe endlos fortsetzen. Nicht zuletzt wegen dieser Suche klopfen viele Menschen an Klosterpforten, um als Kloster-auf-Zeit-Gäste neue Erfahrungen zu sammeln. Auch Wellness-Aufenthalte in Klöstern sind immer mehr gefragt. Seminare, die sich mit der Benediktsregel beschäftigen, sind oftmals ausgebucht. – Wie kommt das? Ich glaube, es ist die …

Sonnenblumen - Achtsamkeit

Christliche Achtsamkeit

Achtsamkeit – macht es Sinn, darüber noch einen Blogartikel zu schreiben? Hat nicht inzwischen jeder erkannt, dass Achtsamkeit wichtig ist: ein wenig den Atem spüren und schon ist man dabei und macht Achtsamkeit. Der Boom ist zwar noch nicht zuende, aber hat doch vermutlich seinen Zenit überschritten.Ich will es mit einem Augenzwinkern einmal so formulieren: Wenn Themen bereits im VHS Programm angekommen sind, dann sind sie etabliert. Und Achtsamkeit ist definitiv dort angekommen – und nicht nur dort. Auch in Unternehmen und Betrieben kann man Kurse zur Achtsamkeit finden und die Krankenkassen entwickeln sogar eigene Apps dafür. Ganz schön modern, nicht wahr?Okay, eigentlich ist also alles bereits geschrieben und gesagt worden.Fast! Denn ich glaube, dass wir Achtsamkeit weiter fassen können und müssen. Es geht nicht nur um Stressreduktion, sondern Achtsamkeit hat ja ursprünglich einen spirituellen Hintergrund. Kabat Zinn, ein Therapeut aus den USA, hat in den 70er Jahren aus der buddhistischen Achtsamkeit alles Religiöse herausgenommen, um es als Gesundheitsprogramm für Stressgeplagte anbieten zu können. Das war offensichtlich sehr erfolgreich.Es gab dennoch vielfach Kritik von christlichen …

Wandergruppe

Ich bin dann mal weg…

Wer kennt nicht diesen Titel von Hape Karkelings Buch, in dem er seine Auszeit auf dem Weg nach Santiago di Compostela beschreibt. 103 Wochen lang war das Buch auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Worum geht es in diesem Buch? Der Entertainer schildert darin die Erlebnisse auf dem Jakobsweg im Jahr 2001. Auslöser für die Entscheidung, sich auf den Weg nach Santiago di Compostela zu machen, waren ein Hörsturz und eine Operation.Darüber hinaus hatte er das Buch der amerikanischen Schauspielerin Shirley MacLaine „Der Jakobsweg: eine spirituelle Reise“ gelesen, in dem sie von ihren „Wiedergeburten“ schreibt. Ihr Buch und ein Wanderführer waren auf Kerkelings Wallfahrt seine einzige Lektüre. Kerkeling wählte für seine Wanderung den klassischen Jakobsweg, ausgehend von Saint-Jean-Pied-de-Port, etwa 770 km vom Santiago entfernt. Und er beschreibt, wie er sich – wie alle anderen pilgernden Menschen auch – mit den physischen und psychischen Anforderungen einer solchen Wallfahrt auseinandersetzen muss. Dabei lernt er nicht nur sich und seinen Glauben besser kennen. Vielmehr schildert er teils sehr plastisch, welchen Charakteren er auf seinem Weg begegnet ist. Dies geschieht …

„Was glotzt Du?“

Manchmal hört man diese Frage, wenn man an einer Gruppe von Kinder oder Jugendlichen vorbeigeht. In der Apostelgeschichte steht die gleiche Frage – aber deutlich vornehmer formuliert: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.“ (Apg 1,11) Was hat es mit der Himmelfahrt Christi auf sich? In den ersten drei Wochen der Osterzeit haben wir in den Gottesdiensten viele Erzählungen gehört, in denen der Auferstandene den Jüngern erschienen ist. Seit dem vierten Ostersonntag lesen wir Abschnitte aus dem Abschiedsreden Jesu, die im Johannesevangelium aufgeschrieben sind.Spannend ist, dass alle vier Evangelisten das Thema Auferstehung, Himmelfahrt und Geistsendung ganz unterschiedlich behandeln:Der Evangelist Lukas schildert die Geistaussendung am fünfzigsten Tag nach Ostern in seinem zweiten Buch, der Apostelgeschichte, als stürmisches Ereignis (vgl. Apg 2) Die Himmelfahrt Christi – zehn Tage zuvor – führt auf diese Geistsendung hin. Aber das ist nur die Sicht des Lukas. Für den Evangelisten Johannes finden Auferstehung …

Wie geschieht Erlösung?

Wie geschieht eigentlich Erlösung?

Eine berechtigte Frage in der Karwoche.Hast Du darüber schon einmal nachgedacht? Der Arbeitsplatz des Erlösers oder der Erlöserin scheint in dieser Welt derzeit vakant zu sein und sucht noch nach Bewerberinnen und Bewerbern. Dass sich das schwierig gestaltet, wissen wir alle, denn man weiß nicht einmal, wie man die Tätigkeitsbeschreibung formulieren soll. Gewiss würde einiges an Gratifikation warten und Dankbarkeit und Ehrerbietung wären der Kandidatin oder dem Kandidaten sicher.Aber noch wissen wir ja nicht einmal, was Erlösung ist, wie sie funktioniert und was man dafür können muss, um mit Fug und Recht Erlöser oder Erlöserin genannt zu werden. Oper als inszenierte Erlösung Vielleicht hilft es, sich einige Ideen aus einem anderen Bereich zu holen.Den Brettern, die die Welt bedeuten, ist ja bekanntlich nichts Menschliches fremd. Erst Recht nicht, wenn dabei auch noch gesungen wird. In einer Oper erwartet man Liebe, Leidenschaft, Mord und Intrige und Verdammnis – ja, und dann hoffentlich auch Erlösung. Natürlich gibt es auch die komödiantischen Opern, die uns einen vergnüglichen Abend bereiten. Doch scheinen mir die dramatischen Werke doch zu überwiegen …

Die Fastenzeit (II)

Bereits vor vier Wochen habe ich hier über die Fastenzeit geschrieben. Dabei ging es vor allem um das Fasten selbst. In diesem Beitrag soll es um etwas ganz anderes gehen: nämlich über die Freude… Freue dich, Jerusalem Der vergangene vierten Fastensonntag bietet Anlass für eine liturgiegeschichtliche Erklärung: Unsere evangelischen Schwestern und Brüder bezeichnen die Sonntage in der Regel mit lateinischen Worten, zum Beispiel: „Esto mihi“, „Iudika“ und „Laetare“. Diese Worte sind die Eingangsworte des lateinischen Eröffnungsgesangs, dem Introitus der Gregorianik. Und am vierten Fastensonntag lauten diese Worte „Laetare, Ierusalem“ – „Freue dich, Jerusalem“. (Parallel dazu beginnt der Introitus am dritten Advent mit den Wort „Gaudete“ – ebenfalls: „Freue dich“.) Beide Sonntage liegen ungefähr in der Mitte der Vorbereitungszeit auf das jeweilige Fest Weihnachten beziehungsweise Ostern hin. Die Freude – auch in der Fastenzeit Dass man sich in der Adventszeit auf Weihnachten freut, macht Sinn. Die Fastenzeit aber als eine Zeit der Freude zu definieren, ist ein wenig schräg. Und dennoch wird dies in den Orationen dieser Wochen oft thematisiert: die Freude auf Ostern hin. Der …

Die Fastenzeit

„Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit.“ So beginnt der heilige Benedikt das 49. Kapitel seiner Regel, um gleich in den nächsten beiden Sätzen zu relativieren: „Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten und gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen.“ ( RB 49,2f). Und etwas weiter unten führt er aus: „Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken.“ (RB 49,5). Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit, dazu aber haben nur wenige die Kraft.  Benedikt von Nursia Verzicht auf Speise und Trank Der Verzicht auf Speise und Trank wurde in vielen alten Kulturvölkern aus religiösen Motiven praktiziert. Da verwundert es nicht, dass auch das Alte Testament im Fasten einen Ausdruck der Trauer und Buße sowie der Intensivierung des Gebets sieht. Vor allem aber diente das Fasten als Vorbereitung auf …

Gott lässt meine Seele ruhig werden – reloaded

Gott lässt meine Seele ruhig werden Während ich diese Zeilen schreibe, scheint der Sommer sich in den Urlaub verabschiedet zu haben. – Natürlich es gab auch schöne warme, und sogar auch heiße Tage (ganz so, wie ich es liebe!), aber der seit Tagen anhaltende Dauerregen zieht mich ganz schön runter… Dabei benötigt der Körper doch das wärmende Licht der Sonne, um aufzutanken und sich für den nächsten Winter zu wappnen, der mit Sicherheit wieder kommt. Abgesehen davon: anders als in Niedersachsen, wo die Sommerferien sich langsam dem Ende zuneigen, fahren andere Menschen ja jetzt erst in wohlverdienten den Urlaub. Für mich selbst steht die Erholungszeit auch noch bevor. Auch wenn es mich eher in die warme Sonne zieht, werde ich in diesem Jahr im Münsterland auf das Haus von Freunden aufpassen. Die Psalmen: Begleiter durch das Jahr und Begleiter im Urlaub Nachdem ich vor vier Wochen schon geschrieben habe, dass ich mich in diesem Urlaub mit zwei Psalmen beschäftigen möchte, eben Psalm 18 und Psalm 114, ist in den vergangenen Tagen noch ein dritter hinzugekommen, …

Auf ein Neues!

Auf ein Neues! Oder: alle Jahre wieder. Zum sechsunddreißigsten Mal – seit ich im Kloster bin – habe ich in der vergangenen Woche die Bändchen in meinen liturgischen Büchern von hinten nach vorne gelegt; denn mit dem Ersten Advent hat ja wieder einmal ein neue Kirchenjahr begonnen. Dabei kündigt sich die Advents- und nahende Weihnachtszeit schon seit Wochen an: die Gänge in den Supermärkten sind enger als sonst, weil viele zusätzliche Regalelemente ausgestellt sind, die Gebäck, Printen, Christstollen und Adventskalender enthalten. Und die Weihnachtsmärkte haben auch schon geöffnet… Was feiern wir eigentlich im Advent? Liturgie-theologisch ist der Advent eine Vorbereitungszeit in doppelter Hinsicht: Vom ersten Adventssonntag bis zum 16. Dezember hören wir in der Liturgie endzeitliche Texte, zum Beispiel von alttestamentlichen Propheten und Texte über Johannes den Täufer mit seinen Mahnungen zur Umkehr und Buße. Vom 17. bis 24. Dezember wird dagegen der Blick auf die Verheißung der Geburt Christi gelenkt und auf Maria und Josef. Die Vermischung der beiden Bedeutungen der „Ankunft Christi“ erklärt sich aus unterschiedlichen Traditionen im Lauf der Jahrhunderte: So gab …

Trauer

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17)

„Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) „Siehe, um Trost war mir so bange“ (Jes 38,17) Das Zitat aus dem Buch des Propheten Jesaja findet sich so nicht in der Einheitsübersetzung, wohl aber in der Lutherbibel. Es passt, so denke ich, sehr gut als Motto für den Monat November, der dem Totengedenken gewidmet ist. In der Liturgie der katholischen Kirche stehen mit Allerheiligen und Allerseelen zwei Gedenktage am Beginn des Monats, die an unsere Toten erinnern. In der evangelischen Kirche ist es vor allem der Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt und am letzten Sonntag des Kirchenjahres begangen wird. Danklied des Hiskija Hiskija hat von etwa 750 bis 796 v.Chr. gelebt und war 29 Jahre lang König von Juda. Als ihn eine lebensbedrohende Krankheit befiel, wurde er durch die Vermittlung des Propheten Jesaja geheilt. Nach seiner Genesung, dankte er Jahwe für seine Gesundheit mit einem Lied: „Ich sprach: In der Mitte meiner Tage muss ich hinab zu den Pforten der Unterwelt, ich bin gefangen für den Rest meiner Jahre. Ich sprach: Ich darf den HERRN …