Glaube
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Glaube zum Anfassen

Glaube zum Anfassen

Glaube zum Anfassen

Was braucht man, um zu glauben und seinen Glauben zu leben? Ich meine jetzt nicht sowas wie: Überzeugung, Vertrauen in Gott, Wissen über Glaubensinhalte – das ist alles wichtig, aber doch nicht das, was ich hier und heute ansprechen möchte. Ich meine tatsächlich, was man braucht, um seinen Glauben zu leben. Welche Dinge man sich also anschafft, um sein geistliches Leben zu vollziehen.
Religiöses Leben braucht immer irgendwelche Gegenstände – gerade in den großen Kulten braucht es Kerzen, Kleidung und Gefäße, die der heiligen Handlung dienen sollen. Oft werden diese Gegenstände besonders aufbewahrt und dürfen nur für diesen einen Zweck benutzt werden. Nicht selten gibt es genaue Angaben, wie solche Dinge hergestellt werden müssen, welches Material, welche Form, zu welcher Jahreszeit und Stunde der Prozess der Herstellung zu geschehen hat. So wird den Gegenständen das Besondere geschenkt. Man nennt das auch die Alterität, das Andere, dass letztlich in gewisser Weise willkürlich gesetzt ist und aus dem religiösen Rahmen heraus Sinn macht. Der brennende Dornbusch war nichts anderes als ein Stück Erde und ein Strauch. Eigentlich nichts Besonderes. Der Kelch in der Messe und beim Abendmal ist auch nur Metall, geformt und vielleicht ziemlich alt. Aber was besagt schon das Alter, wenn es sich um Metall handelt. Das Stück Brot ist nur Wasser und Mehl, also wahrlich nichts Besonderes. Nur im religiösen Kontext erhält dieses Stück Brot etwas Besonderes.
Das Sakramentale hat aber auch Einzug in unser ganzes Leben gehalten. Leonardo Boff beschreibt das in seinem Buch “Kleine Sakramentenlehre”. Die letzte Zigarette oder Zigarre seines Vaters vor dessen Tod, die er nicht mehr bis zum Ende aufgeraucht hat, die wird zu einem sakramentalen Zeichen für seinen Vater. Für jeden anderen ist es nur eine Kippe, für ihn ist es ein Zeichen der Gegenwart seines Vaters.
Glaube lebt von den Sinnen und braucht etwas, das man sehen, riechen, schmecken, hören und begreifen kann. Diese sinnlichen Erlebnisse und Eindrücke können eine ganz tiefe Wirkung in uns hinterlassen.
Gerade Gerüche sind sehr unmittelbar mit früheren Erlebnissen verbunden.
Es gibt einen Geruch von ausgeblasenen Kerzen, der mich sofort in meine alte Heimatkirche zurückversetzte, wo ich an vielen m
Morgen als Messdiener in der Messe gedient habe. Es war ein großer und kalter Raum, der schon für sich ein nicht zu vergessenden Geruch hatte. Aber mit diesen ausgeblasenen Kerzen nach der Messe, wenn es vielleicht hinaus ging in den kalten Morgen, der ist sofort präsent, wenn ich ihn irgendwo rieche.
Genauso geht es mir mit dem Geruch unserer Abteikirche in Meschede. Sofort fühle ich wieder, was ich bei meinen ersten Besuchen in Meschede gefühlt habe.
Wir brauchen das Sinnliche, weil es Brücken schlagen kann über viele Jahrhunderte hinweg. Auch wenn ich damals nicht gelebt habe, können doch alte Gegenstände oder Dinge, die darauf Bezug nehmen, mich doch mit früheren Zeiten und Menschen von damals verbinden.
Die für manche vielleicht etwas seltsame Tradition der Reliquienverehrung kann vielleicht unter diesem Gesichtspunkt etwas verständlicher sein. Was kann mir mehr Nähe zu einem anderen Menschen geben, wenn nicht seine körperliche Präsenz? Man hatte früher vielleicht einen viel unverkrampfteren Zugang zu Knochen und Fleisch.
Nun bin ich selber zwar kein großer Reliquienverehrer, aber kann doch einen großen Respekt davor empfinden und spüre auch manchmal das Besondere, dass in solchen Partikeln liegt.

Was brauchen ich heute an Dingen und Gegenständen, die mir helfen, meinen Glauben zu leben?

Nun, Kerzen sind das, was die meisten nennen würden. Ich habe ein besonders Jesusbild, einen Meditationshocker, samt Unterkissen. Mein Rosenkranz ist mir lieb. Tatsächlich bete ich ihn von Zeit zu Zeit, weil ich ihn als eine schöne Möglicheit kennengelernt habe, für eigene und fremde Anliegen zu beten.
Etwas Räucherwerk braucht es auch und Musik. Es gibt Musik, die mich in Windeseile in eine andere Sphäre versetzt, als wäre ich schon im Himmel. Manche wissen es, Arvo Pärt ist ein Komponist, der dergleichen meistens schafft.
Dann habe ich noch ein kleines Kreuz, das vor dem Christusbild liegt.
Das war es schon fast.
Welche Dinge brauchst Du für Deinen Glauben, für Dein geistliches oder spirituelles Leben?

10 Kommentare

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    Corinna Stahr sagt

    Hallo, ich habe mir ein schönes Bild in Meran in einer Kirche gekauft. Ich habe dort Kerzen aufgestellt und setze mich vor dem Bild und werde ganz still und gebe meine Bitten weiter.

    Ansonsten brauche ich dafür nichts als Hilfsmittel. Ich nehme ganz normal Kontakt auf und trage meine Sachen/Hilfen/Fürbitten vor. Oft wenn ich morgens im Bett liege. Ich bedanke mich dann auch immer für die schönen Dinge oder die Menschen die mich unterstützen. Das klappt ganz gut und ich fühle mich sehr wohl dabei…

    Ganz lg Corinna Stahr

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    Judith Bock sagt

    Hallo, wenn ich jetzt mal absehe von Gottesdienstbesuch und allem, was da an von Dir natürlich an Hilfen genannt ist, zu Hause – gerade am Wochenende, wenn endlich mal etwas mehr Zeit ist, genieße ich den frühen Morgen, wo sich noch nichts sonst rührt, um mich zu Hause ganz bequem mit Jesus zu treffen. Am liebsten lege ich eine bestimmte CD ein, die ganz leise im Hintergrund spielt, das ist eine mit inniger Anbetungsmusik, die „Stille“ als Thema hat. Meist mache ich auch eine Kerze an und dann brauche ich unbedingt mein Tagebuch, um mich und meine Gedanken zu ordnen und sie bereit für Gottes Welt zu machen. Da kommt alles rein, was so passiert, weltliches und geistliches, und es hilft mir kolossal, mich auszurichten. Und erst dann lohnt es sich, die Bibel zu lesen, denn erst dann werde ich nicht mehr abgelenkt. Also, wenn es um Hilfsmittel geht: mein Tagebuch, oft die CD, oft eine Kerze und natürlich meine Bibel. Alles hilft mir, mich auszurichten auf meinen Gott. Und das ist sehr schön so.

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Das hört sich so schön entspannt und gesammelt an… und wird daher gewiss ein guter Start in den Tag sein. Gruß, David

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    Heike sagt

    Was ich unbedingt brauche:
    Bibel, Kreuz, Gesangbuch.

    Was sonst noch schön ist, regelmäßig oder gelegentlich:
    Meditationsbänkchen, das eine oder andere Bild, eine Gebetskette, http://www.pray-as-you-go.org (ok, das kann man jetzt nicht wirklich anfassen, aber es ist auch nicht eigentlich immateriell)

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    Heike sagt

    Eigentlich muss ich inzwischen auch das Antiphonale zu den wichtigen Dingen zählen.

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    Heiderose SChweikart sagt

    Ich habe seit längerer Zeit auf meinem Schreibtisch die Postkarte von Cella „Tabernakelstele und Seitenfenster“. Sie ist für mich Anker und Ausrichtung für die (früh-)morgendliche Meditation, die ich meinen Für-Bitten und den Gedanken darüber, wofür alles ich dankbar sein darf, voran stelle.
    Häufig ist es auch Musik, die mich sehr schnell von Alltäglichem weg – hin zu „Himmlischem“ bringen kann.

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Das Bild der Karte ist wirklich besonders und entrückt einen ein wenig allein beim Ansehen. Gruß, Bruder David

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    Heike sagt

    Musik anhören zum Beten mag ich eher nicht.
    (Außer vielleicht in unruhiger Umgebung zum Abschirmen. Aber das stört mich immer weniger.)

    Ich bin mit meiner Stimmung eher beeinflussbar und möchte mich gerade nicht in eine bestimmte Stimmung bringen. Sondern ich will lieber versuchen,so da sein, wie ich gerade aus mir heraus bin.

    Ergibt das für euch Musikliebhaber einen Sinn?

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