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Gibt es Engel? Sechs Puzzleteile

Gibt es Engel?

Gibt es Engel?
Sechs Puzzleteile

Heute ist das Engelfest, eigentlich ein guter Tag um sich zu fragen: Gibt es Engel? Gibt es diese Wesen, die in vielen Kulturen vorkommen, die uns in barocken Kirchen von überall her anschauen und an die wir als Kinder wohlmöglich so fest geglaubt haben?
Wir wissen seit vielen Jahren, dass Engel Hochkonjunktur haben, dass sie gefragt sind nicht nur als Anhänger für Halsketten, kleine Figuren (meist etwas dicklich), als persönliche Bezugspunkte, denen man sich anvertraut und deren Schutz man erbittet. Ja, Engel haben Hochkonjunktur – nur nicht in der Kirche. Auch wenn wir heute das Engelfest feiern, die Angelologie, also das wissenschaftliche Nachdenken und Forschen über Engel, ist kein beliebtes Thema von Bachelor-Arbeiten und Dissertationen der theologischen Fakultäten. Dieser Bereich der Systematischen Theologie gilt eher als Nebenschauplatz und als wenig interessant. Vieles bleibt zudem spekulativ und ebenso schnell befürchtet man vielleicht in esoterisches Denken zu geraten.
Diese Bedenken sind nicht von der Hand zu weisen, haben Engel doch gerade in der Esoterik eine sehr hohe Bedeutung: man spricht zu ihnen, sie sprechen zu einigen, es gibt zahllose Bücher, wie man Kontakt aufnimmt, was Engel sagen und wie wichtig sie sind. Es fällt schon auf, dass in einem Umfeld, wo eine personale Gottheit oft abgelehnt wird, die Personalität solcher Wesen wenig Probleme macht. Umgekehrt kann man sagen, dass die Christlichen Kirchen, die die Personalität Gottes betonen, mit den Engeln so ihre Schwierigkeiten haben.

Ich habe im Nachdenken über die Engel einige Puzzleteile gefunden, die nicht alle zusammenpassen – ich bin selber noch am rätseln – aber sie liegen vor mir ausgebreitet, ich sehe sie und suche noch die richtigen Stellen zum andocken, so dass sich dann nach und nach ein Gesamtbild ergibt. Soweit bin ich aber noch nicht.

Puzzleteil 1: Wenn es Gott gibt, dann kann es auch Engel geben

Wenn wir von Gott sprechen und annehmen, dass es einen personalen Gott gibt, dann gehen wir davon aus, dass es Bewusstsein unabhängig von Materie gibt. Gott ist in einem sehr hohem Maße Bewusstsein. Im wissenschaftlichen Umfeld, das sich mit Bewusstsein beschäftigt, wird meines Wissens davon ausgegangen, dass es Bewusstsein nicht ohne Materie oder Körper geben kann. Dann aber kann es auch keinen Gott geben.
Wenn ich aber an einen Gott glaube, dann muss ich davon ausgehen, dass Bewusstsein nicht zwingend an einen Körper gebunden ist. Also kann ich prinzipiell auch an Engel glauben – auch an Geister und Feen natürlich. Aber prinzipiell besteht darin dann kein Widerspruch.

Puzzleteil 2: Engel werden in der Bibel mehrfach erwähnt

Es ist kein Geheimnis, dass Engel in der Bibel vorkommen. Im Buch Tobit wird Tobit vom Engel Raphael begleitet, Maria erfährt von einem Engel, dass sie schwanger ist und im Grab verkündet ein Engel seine Auferstehung. Für den biblischen Menschen ist die Existenz von Engeln selbstverständlich und die Zeugnisse bzw. Erwähnungen von Engeln können meiner Meinung nach nicht als Randerscheinung betrachtet werden. So kann man ohne Mühe sagen: Engel sind biblisch belegt.

Puzzleteil 3: Engel gibt es in allen monotheistischen Religionen

Engel sind ein Phänomen vor allem der monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam). Alle drei gehen davon aus, dass Engel existieren.
Nach jüdischem Verständnis hat jeder Engel seine eigene Aufgabe. Einer begleitet die Menschen am Shabbat, andere beim Schlafen, wieder andere stellen die Menschen auf die Probe.
Im Islam haben Engel zwar Aufgaben, sind aber nicht Mittler zwischen Gott und den Menschen. Sie sind zwar schön, aber für Menschen nicht wahrnehmbar. Es gibt auch keine gefallenen Engel, sondern Ginns, die parallel zu den Menschen und Engeln geschaffen wurden.

Puzzleteil 3: Engel sind mehr als nette Nachbarn

In vielen Predigten kann man es heute vernehmen, wenn das Engelfest naht: man spricht schnell davon, dass andere Menschen zu Engeln werden und deutet das Fest in dieser Hinsicht. Da wird ein netter Arbeitskollege, ein freundlicher Passant, eine Freundin zu einem Engel, nicht im Sinne einer metaphysischen Identität, sondern eher im Sinne einer Ähnlichkeit mit einem Engel. Das ist natürlich auch grundsätzlich nicht falsch. Doch versucht sich eine solche Deutung vor dem Phänomen zu drücken, dass Engel nicht etwa nette Nachbarn sind, sondern “geistige, körperlose Wesen”. Unsere Nachbarn in der Voßstraße sind das zumindest nicht.

Puzzleteil 4: Das Phänomen Engel leidet unter Verniedlichung

Wer sich heute einen Engel anschaffen möchte – aus Ton, Holz oder was auch immer für einem Material, der wird diese Verniedlichung schnell feststellen, wenn es ihr oder ihm ohnehin nicht schon bewusst war. Unsere Vorstellung von einem geflügelten Wesen in weißen, wallendem Gewand ist leider so prägend, dass man sich kaum davon wird distanzieren können. Aber Engel sind genau dies nicht. Wenn man sie als körperlose Wesen bezeichnet, dann müssen wir uns auch von körperlichen Vorstellungen befreien. Der Biologe Rupert Sheldrake vergleicht Engel mit Photonen, die man auch nicht sehen kann, sondern nur anhand ihrer Aktivität erkennt. Ob man so weit gehen möchte, muss jeder für sich entscheiden.

Puzzleteil 5: Engel und Nahtoderfahrungen

Ich habe mich selber längere Zeit mit Nahtoderfahrungen beschäftigt. Es gibt zahlreiche Bücher und Internetseiten dazu. Viele Thesen sind dazu formuliert worden – es ist schon erstaunlich, wie sich die Berichte gleichen und wie manche Menschen in einer Nahtoderfahrung Dinge sehen und Worte hören konnten, die für sie eigentlich unmöglich wahrzunehmen waren, da sie sich während dieser besonderen Erfahrung in ganz anderen Räumen aufhielten. In solchen Nahtoderfahrungen kommen regelmäßig Engel vor, die den Verstorbenen abholen und eine Zeit lang begleiten. Das ist kein Beweis für irgendetwas, aber es zeigt, wie tief die Vorstellung in uns eingepflanzt ist. Auch die Erwähnung der Engel in Literatur und Kunst zeigt, wie sehr wir als Menschen disponiert sind über Engel nachzudenken – es gibt in uns eine Sehnsucht nach dem Engel. Aber auch das ist kein Beweis.

Puzzleteil 6: Gibt es Engel?

Den Katechismus, den ich zugegebenermaßen selten zur Hand nehme, habe ich oben schon einmal zitiert, dort steht: “Daß es geistige, körperlose Wesen gibt, die von der Heiligen Schrift gewöhnlich “Engel” genannt werden, ist eine Glaubenswahrheit.” (KEK Nr. 328).
Diese Aussage entlässt uns natürlich nicht, eine eigene Antwort zu finden und mit dieser Frage zu ringen.
Nun gehören Engel gewiss nicht zum hauptsächlichen Inhalt christlichen Glaubens. Dennoch scheint die Vorstellung über die Existenz von Engeln uns magisch anzuziehen. Manchen Menschen sind Engel näher als Gott, gerade weil sie nicht so entrückt wirken, sondern in ihrer verspielten Darstellungsweise ein wenig Menschlichkeit abbekommen. Und die Vorstellung, einen persönlichen Schutzengel zu haben, der stets hinter einem hergeht, mag die Herzen vieler Menschen erreichen.

Mit anderen Worten: Es gibt keine Beweise für die Existenz der Engel – es gibt auch keine Beweise für die Existenz Gottes. Aber es gibt durchaus gute Gründe, an Engel zu glauben – nicht an Putten, kleine übergewichtigen Kinder, mit Flügeln oder blonde Jünglinge mit schön geschnittenem Gesicht. Wenn man an Engel glaubt, so halte ich es für wichtig, sie in ihrer Existenz ernst zu nehmen und nicht zu verniedlichen. Dann können Engel auch Mahner sein, Wesen, die auf Schwachpunkte aufmerksam machen, ernste Wesen mit festem Blick (Du merkst vielleicht, dass man im Sprechen über Engel doch nicht drumherum kommt, menschliche Adjektive und Vergleiche zu nutzen).
Wichtig ist vielleicht noch, dass Engel nie nur für sich stehen. Sie sind Boten und das heißt, dass es immer jemanden gibt, der sie gesandt hat. Engel existieren nie für sich allein. Wer fest an Engel glaubt oder glauben möchte, der sollte das berücksichtigen. Stets ist es Gott, der die Engel sendet und es gibt keinen Engel, der nicht im Auftrag handelt. (Auch das sind nur versuche, etwas Unbeschreibliches zu beschreiben).

Gibt es Engel? Was meinst du?

  • Avatar Corinna Stahr sagt:

    Hallo,

    ich glaube an Engel, denn seitdem meine Eltern verstorben sind, haben Sie mich schon so oft beschützt (vor allen Dingen im Strassenverkehr als ich mit dem Auto unterwegs war) das es nie zu Unfällen gekommen ist. Ich bitte die Engel manchmal um Hilfe in schwierigen Situationen und ich habe das Gefühl sie stehen mir bei und geben mir Kraft und Unterstützung und alles geht auch meist dann gut aus.

    Einen schönen bechützen Abend und Gute Nacht

    wünscht Euch Corinna

  • Avatar Reinhold Fahlbusch sagt:

    Wir müssen anerkennen, dass es eine materiefreie Welt gibt, die zu erfassen unsere stoffliche Existenz nicht ausreicht. Die Überlieferungen der Gottesoffenbarungen, die uns zum Glauben führen können, sind ein Beleg. Die monotheistischen Schriften als Glaubenszeugnisse, nicht als Tatsachenberichte, sprechen von der Existenz der Engel wie von der Existenz Gottes. Alle Religionen sind Wege zur Erklärung dieser unerklärlichen Wahrheiten. Wenn die Menschen, die vor uns lebten, in der Spanne zwischen Alltagserleben und hoher Kunst die Engel als Bestandteil der Welt in unterschiedlicher Form darstellten, dann in der Gewissheit von deren Existenz, nicht als dekorative Muster. Wir sind in unserer Erkenntnis beschränkt. Haben wir das Glück, einen Zipfel der uns umgebenden Wirklichkeit zu erwischen, tun sich hier Welten auf, die uns versprochen sind. Auf Island erlebte ich die Stärke des Glaubens an Trolle, Feen und Elfen – das sind doch nicht alles Phantasten. Wir jedoch haben die wissenschaftliche Beweisbarkeit über die Erkenntnis gesetzt.

    • Bruder David Bruder David sagt:

      Danke für die stützenden Worte. Gerade Island ist ja ein beispiel für den Glauben an die Existenz solcher Wesen. Ich hoffe einmal nach Island reisen zu können – unter anderem um genau das zu erkunden.

  • Bruder David Bruder David sagt:

    Ja, das ist ein guter Gedanke. Es scheint auf alle Fälle Gott zugewandte und von Gott abgewandte Wesen zu geben.Ich schau mal, ob ich da mehr heraus bekomme.