Karl-Leo, Leben
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„Ganz schön schräg“

„Ganz schön schräg“

„Ganz schön schräg“, sage ich manchmal zu Dingen, die ich im Alltag erlebe. Und wenn ich den Satz genau anschaue, dann merke ich, wie ich alle Worte eigentlich übertragen nutze. Als schräg bezeichne ich etwas, das ich komisch oder befremdlich finde, etwas, das irgendwie nicht so richtig passt. „Ganz schön“ ist ebenfalls relativiert gemeint. Korrekter müsste ich sagen. „ziemlich komisch und befremdlich“.

Unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken

Auch in der Praxis rutscht mir dieser Satz häufiger einmal gegenüber einem Patienten heraus, den ich schon besser kenne und bei dem ich glaube, mir diesen Satz erlauben zu können. Dann meine ich mit diesem Satz üblicherweise den Rücken und die Wirbelsäule. Oft klopfe ich am Beginn der Behandlung ganz leicht den Rücken ab und versuche, aus den unterschiedlichen Tönen unterschiedliche Spannungen auf dem Rücken zu erkennen. Bei manchen Menschen sind die Spannungsunterschiede so groß, dass man bereits auf den ersten Blick sieht: Die Wirbelsäule ist schief. Die Schultern stehen unterschiedlich hoch, der Brustkorb wirkt seitenungleich oder die eine Hand hängt anders als die andere. In der Medizin wird diese Verformung der Wirbelsäule als Skoliose bezeichnet.

Orthopäden bewerten diesen Schiefstand mit einem Röntgenbild und messen den sogenannten Cobb-Winkel. Er bezeichnet den Wirbel des Körpers, der am stärksten aus seiner natürlichen Form herausgekippt ist. Aber auch jenseits der Zustände, die dann ganz klar in die Hand von Orthopäden und Physiotherapeuten gehören, kennen viele die Erfahrung, dass der Rücken einfach mal krumm ist und dann auch schmerzt. Für viele ist die Sorge um den Rücken, die Sorge um eine gute Aufrichtung und um die Lösung oder Kräftigung der Rückenmuskulatur ein wichtiges Thema.

Wieder in die gute Aufrichtung kommen

Meistens ist es lebenslänglich. Immer wieder wird der Rücken krumm und immer wieder müssen wir mit Übungen dem Rücken helfen, wieder in die gute Aufrichtung zu kommen. Eine grundsätzliche Heilung einer Wirbelsäulenproblematik ist oft nicht möglich, gleichzeitig ist es sehr häufig möglich, durch gute Übungen schmerzfrei und auch ohne weitere Verschlimmerung zu leben.

Der erste Schritt ist dabei immer, die Verformung in der Wirbelsäule überhaupt wahrzunehmen. Sobald wir Rückenschmerzen bekommen, fällt der Verdacht ganz natürlich auf eine krumme Wirbelsäule. Aber das ist eigentlich schon der Extremfall. Ganz häufig betrügt uns der Körper im Vorfeld von spürbaren Schmerzen. Wir glauben, völlig gerade zu sein, und wenn wir dann vor den Spiegel gehen, entdecken wir, dass die Schultern unterschiedlich stehen, die Hände unterschiedlich lang erscheinen und möglicherweise sogar, dass die Wirbelsäule an einigen Stellen krumm ist.

Die eigene Wahrnehmung üben

Wenn wir das zum Beispiel durch einen Spiegel oder auch durch die Rückmeldung eines lieben Menschen entdecken, können wir es verändern, vielleicht weit bevor der Rücken anfängt zu schmerzen.

Manchmal ist es gut, sich im Spiegel anzuschauen. Nicht nur mit der Frage, ob die Haare schön gekämmt und die Farben der Kleidung zusammenpassen, sondern um zu schauen, ob die Wirbelsäule und der Rücken gerade sind, ob die Schultern gleich hoch sind.

Eine andere Möglichkeit ist es, abwechselnd das linke und das rechte Bein zu heben und so für wenige Sekunden auf einem Bein zu stehen. Wenn die Wirbelsäule krumm ist, fühlt sich das Stehen auf dem einen Bein deutlich anders an als auf dem anderen Bein. Möglicherweise wackelt man auf dem einen Bein oder fällt sogar fast um. Gleichzeitig kann man mit einer solchen Übung, bei der man abwechselnd das eine und das andere Bein anhebt, die Wirbelsäule trainieren, sich wieder etwas gerader auszurichten.

Denn: Schräg ist einfach nicht schön und angenehm, nicht für den Körper, nicht für die Muskeln und damit nicht für den ganzen Menschen.

Ich freue mich wieder, von Dir zu hören und zu lesen, wie es Dir mit Deinem geraden oder schrägen Rücken ergeht.

 

 

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