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Die überraschende Leere und die geschenkte Zeit

Durch Zufall lass ich in den letzten Tagen einen Abschnitt über „Die große Leere“ – einen intergalaktischen Leeraum zwischen dem Pulsar Borgia und dem Galaxiencluster Coma Berenices. Schnell war ich dabei an die Grenzen meines physikalischen Verstehens geraten: Wie soll ich mir dreiviertel Quadrillinonen Kubiklichtjahre vorstellen, die dieses schwarze Loch groß ist? Wie den Ort vorstellen, der einfach nur Leere ist? Und gerade diese Leere fasziniert die Forscher sehr – sie wollen verstehen können, was es mit dieser „großen Leere“ auf sich hat.

Eine andere Leere hat mich diese Woche ebenfalls überrascht: Nachdem ich alle Termine in meinem Kalender gestrichen hatte, die ich in den nächsten Wochen nicht mehr wahrnehmen kann und soll, ist mein Terminkalender plötzlich leer. Leere im Kalender – seit ich ein Terminkalender führe, habe ich das noch nicht erlebt.

Zwischen Entspannung und Verunsicherung

Endlich einmal all das wegschaffen, was schon so lange liegen geblieben ist. Endlich einmal die Dinge in Ruhe tun, für die sonst die Zeit fehlt. Das ist zum einen eine schöne Aussicht. Fast wie Urlaub. Aber natürlich ist sie verbunden mit einer großen Verunsicherung, die unsere ganze Gesellschaft überzieht und natürlich auch vor einem Kloster nicht Halt macht: Gesundheit, Beziehungen, wirtschaftliche Existenz, das Leben in der und rund um die Cella – wie wird sich das alles in den nächsten Wochen entwickeln?

Es gehört zu den besonderen Dingen von Ruhe und Stille und eben üblicherweise auch von Urlaub, dass die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin sowie Cortisol weniger ausgeschüttet werden. Gerade die Meditation hilft uns Menschen, dass die Nebenprodukte der Stresshormone wie Blutfett oder Zucker besser abgebaut werden können und der Organismus gereinigt wird. Aber das ist natürlich in diesen Zeiten besonders schwer. Nahezu täglich müssen wir uns auf neue Nachrichten und Hinweise für unseren Alltag einstellen.

Aus der Leere in die Ruhe

Wie kann die gegebene Zeit, wie kann die Leere im Terminkalender zu einer erfüllten Zeit werden – und eben nicht zu einem schwarzen Loch von Unsicherheit und Nichtwissen?

Tatsächlich habe ich mich am Wochenende ertappt, den ganzen Tag immer wieder irgendwelche Nachrichten im Internet nachgelesen zu haben. Irgendwann hat es mich nicht mehr beruhigt, obwohl ich schon bald nichts mehr wirklich Neues gelesen habe – alles hatte ich schon gelesen und gehört.

Wie komme ich aus der Leere in die Ruhe? Dieser Frage konnte ich nicht mehr ausweichen. Die Leere im Terminkalender ist noch nicht von alleine eine Ruhe – und nicht von alleine stressreduzierend. In diesen Tagen braucht es auch die guten Gedanken, die mithelfen müssen, um die Ausschüttung der Stresshormone zu reduzieren.  Die Empfehlungen dazu sind nicht neu: Sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren, wie er kommt und wie er geht, welche Räume er in der Lunge füllt. Oder sich auf dem Körper zu konzentrieren, auf die Gliedmaßen, die den Boden berühren, auf die Knochen und Muskeln, mit denen sich mein Körper aufrichtet.

Wachsen lassen

Einen großen Vorteil habe ich in diesen Tagen: Ich habe Zeit, geschenkte Zeit. Geschenkte Zeit, die ich nutzen darf für mich, um ganz bei mir zu sein. Ich kann sie bewusst mit Ruhe und Stille anfüllen. Amerikanische Forscher haben vor wenigen Jahren nachgewiesen, wie regelmäßige Zeiten der Stille neue Zellen in der Gehirnregion des Hippocampus wachsen lassen – also in dem Areal, das für das Gedächtnis und die Lernfähigkeit verantwortlich ist.

Was kann ich mir und meinen Mitmenschen in diesen Tagen Schöneres schenken als froh und zuversichtlich ganz bei mir zu sein – die Leere im Terminkalender zu Zeiten der Stille im Alltag zu nutzen?

Und ich freue mich wieder, von Dir zu lesen, wie es Dir in diesen Tagen zu Hause ergeht.

6 Kommentare

  1. Avatar
    Heike sagt

    Momentan habe ich nicht Leere, sondern Hektik gehabt, und brauche jetzt ganz dringend das Wochenende. Meine erste C-Schockwelle hat eher begonnen ist schon abgeebbt. Seit Donnerstag bin ich endlich im Homeoffice, wenn auch noch technisch etwas eingeschränkt.
    Ich hoffe, dass das Sich-überschlagen der Ereignisse und neuen Infos langsam nachlässt und dann mit vielleicht weniger Normalgeschäft in den nächsten Wochen auch bei mir etwas mehr Leere einkehrt.

    Bei mir geht es jetzt erst mal darum, meinen Tag und die Arbeit zu Hause ordentlich zu strukturieren und gute Gewohnheiten zu finden. Und wahrscheinlich kann, darf oder muss ich dann auch bald mehr nach der Ruhe fragen.

    • Bruder Karl-Leo
      Bruder Karl-Leo sagt

      Liebe Heike, ja, das habe ich natürlich nicht geschrieben, obwohl es mir natürlich klar ist: Es gibt auch viele Menschen, die in diesen Tagen einen viel stressigeren Alltag haben – einen Alltag von von Leere keine Rede sein kann. Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du gut in die Ruhe findest – es muss ja nicht eine Ruhe aus der Leere sein….

  2. Avatar
    Mirijam sagt

    Vieles was Du schreibst, erlebe ich ähnlich. Ich versuche diese besondere Zeit wirklich als Fastenzeit zu leben und mich mit der Leere vertraut zu machen. Nicht nur mit der Leere außen, sondern auch mit der Leerheit in meinem Innern, dort, wo ich letztlich auf GOTT treffe.
    Ich faste von den täglichen Nachrichten und den Infos, die sich überschlagen. Hole mir das, was ich wissen muss, aus seriösen Quellen, wie z.B. von der BZgA und nicht in Echtzeit.
    Außerdem bin ich gut vernetzt teile jeden Tag virtuell mit meinen Freundinnen und Freunden. So gut ich kann, fokussiere ich meine Energie auf Gutes, auch im Gebet und versuche das Stärkende weiterzugeben. Auch meditiere ich so oft ich kann und wenn die Ängste mich angreifen, dann gehe ich ins Vertauen, was oft alles andere als leicht ist. Alles andere liegt sowieso in GOTTES guter Hand.
    Zum Schluss möchte ich noch allen Brüdern für die virtuell offene Cella danken.

    • Bruder Karl-Leo
      Bruder Karl-Leo sagt

      Lieb Mirijam, Danke Dir für die Rückmeldung. Ja wir sind gerne auch virtuell für die vielen Beter da. Ich freue mich gerade daran, wie oft unser Gottesdienstzettel heute heruntergeladen wurde. Es ziegt nicht nur, das sich da meine mÜhe gelohnt hat, sondern das diese Form des Mitbetens am Bildschirm für viele in diesen besonderen Zeit etwas Schönes und Hilfreiches ist.

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