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Der Weihnachtsbaum in der guten Stube

Im Februar ein Beitrag zum Weihnachtsbaum? Nun, am 2. Februar feiert die Liturgie das Fest der Darstellung des Herrn, ein von Weihnachten abhängiges Fest. Doch dazu weiter unten mehr…

Mein Vater ist in einem Dorf in der Eifel, unweit der Abtei Maria Laach, aufgewachsen. Oft sind unsere Eltern mit uns dort hingefahren, um die Großmutter und die Familie einer Schwester meines Vaters zu besuchen. Das Haus war aus robusten Bruchsteinen errichtet. Das Plumsklo befand sich in einem Verschlag neben dem Haus.

Ab und an hat mein Vater Anekdoten aus seiner Kindheit erzählt. Das Familienleben fand gewöhnlich am Küchentisch statt, denn die gute Stube wurde nur zu ganz besonderen Anlässen benutzt. Und so war es, dass meine Großmutter in einem Jahr kurz vor Ostern diese herrichten wollte. Und in der Stube stand noch der Weihnachtsbaum – ziemlich skeletthaft, denn die Nadeln lagen alle auf der Erde.

Die Weihnachtszeit endete am 2. Februar

Bis zur Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils endete die Weihnachtszeit am 2. Februar mit dem Fest der Darstellung des Herrn, im Volksmund auch gern Mariä Lichtmess genannt. Es ist der 40. Tag nach Weihnachten. Das Herrenfest feiert die biblischen Geschehnisse im Tempel von Jerusalem, die Lukas als wesentlichen Teil der Kindheitsgeschichte Jesu schildert. Der greise Simeon nimmt Jesus in seine Arme und preist Gott: „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“ (Lk 2,29-32) Und die Prophetin Hanna „trat … hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.“ (Lk 2,38)

Sowohl in der Ostkirche, wie auch in der westlichen Tradition wurde der Tag mit Lichterprozessionen begangen.

Auch wenn die Weihnachtszeit seit der Liturgiereform mit dem Fest der Taufe des Herrn am Sonntag nach Epiphanie endet, ist es vielfach noch üblich, in Kirchen tatsächlich die Weihnachtsbäume bis zum 2. Februar stehen zu lassen.

Ein weiteres weihnachtliches Fest

Neben dem Fest der Darstellung gibt es ein weiteres von Weihnachten abhängiges Fest im Laufe des Kirchenjahrs, nämlich das Hochfest der Verkündigung des Herrn – neun Monate vor Weihnachten, also am 25. März. Dieses Fest ist für die Ostkirche bereits in der Mitte des sechsten Jahrhunderts bezeugt, im Westen taucht es etwa 100 Jahre später auf.

Dieses Fest geht ebenfalls auf die Kindheitsgeschichte Jesu beim Evangelisten Lukas zurück, wie sie in der Mitte des ersten Kapitels seines Evangeliums beschrieben wird. (Lk 1,26-38)

Wenn man dann noch das Fest der Geburt Johannes des Täufers am 24. Juni im weitesten Sinn zu den von Weihnachten abhängigen Festen zählt, haben wir gleich drei Daten im Kirchenjahr außerhalb der  Weihnachtszeit, die an das Geheimnis der Menschwerdung Jesu erinnern.

Darüber erinnert uns jeder Sonntag an Ostern: Die Liturgie stellt uns also immer wieder das Geheimnis unserer Erlösung vor Augen und beleuchtet das von unterschiedlichen Seiten.

Lasst uns also unser Leben viel fröhlicher leben!

Bruder Nikolaus Nonn OSB

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  • Avatar Ulrike Schäffer sagt:

    Lieber Bruder Nikolaus,
    mit Freude habe ich den Text gelesen, und finde den Ansatz auch für andere Themen interessant und es ist sinnvoll Zahlenrhythmen im Jahres- und Festkreis zu bedenken und Geflechte zu erkennen.
    Zum 2. Februar pflege ich schon seit Kindheitstagen ein freundschaftliches Verhältnis, weil bei uns Weihnachten dann erst zuende war. Ein Tag für die Besiegelung von Dienstverhältnissen, Beginn der landwirtschaftlichen Arbeit Dieses Jahr ist mir besonders aufgefallen das neben dem weisen Mann gleichberechtigt eine weise Frau genannt wird, die selbstverständlich diesen Platz im Tempel einnimmt und das die Erkenntnis der Bedeutung Jesu einen für alle schwierigen Weg beinhaltet, Freude, Lobpreis und Hoffnung aber überwiegen.
    In diesem Sinne wird mein Glas weiterhin mindestens halbvoll sein.
    Vielen Dank und liebe Grüße
    Ulrike
    Zum Schmunzeln: im Text hat sich ein Fehler eingeschlichen, es sollte sicher Prophetin werden.