Monate: September 2019

Wie ist das mit dem Reich Gottes?

Welches Verhältnis unterhält das Abendland zu seiner eigenen Religion? Der französische Schriftsteller Emmanuel Carrère stellt die Gretchenfrage: In seinem Buch „Das Reich Gottes“ vertieft er sich in die Anfänge des Christentums und fragt nach der Kraft, mit der es gelang, an Dinge zu glauben, gegen die der Verstand rebelliert und eine revolutionäre Ethik zu vertreten, die den Schwachen zum Starken erklärt. Mal ironisch, mal mit dringlichem Ernst zeichnet Carrère das Fresko einer antiken Welt, die in vielen Zügen unserer heutigen ähnelt – und er begegnet dabei sich selbst. Emmanuel Carrères Buch ist ein Bibelkrimi – aber ein besonderer: Der erste Teil umfasst autobiografische Angaben des Verfassers, die zeigen, warum er sich die Frage stellt, wie es sein kann, dass ein aufgeklärter Mensch des 21. Jahrhunderts noch gläubiger Christ sein kann. Dann folgt die romanhafte Gegenüberstellung zweier großen Theologen des Christentums in der Beschreibung des Apostels Paulus und des Evangelisten Lukas. Diese Gegenüberstellung haben mir die Paulusbriefe, das Lukas-Evangelium und die Apostelgeschichte neu auf lehrreich-unterhaltsame und zugleich spannende Art nahegebracht. Gleichnisse vom Reich Gottes Gerade im …

Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt

Die 5 meistgelesenen Artikel der vergangenen 12 Monate: Platz 2 Morgenritual – an fünf Fingern abgezählt Der Morgen hat es ja immer irgendwie in sich. Es gibt die Morgenmuffel, die Kaffeejunkies, es gibt die Jogger und die Langschläfer, die Lass-mich-in-Ruhe-Menschen und die Ich-rede-gerade-morgens-viel-Mitbewohner. es gibt die Teetrinker, die Müsliesser, die Brötchenfreunde und die Zeitungsleser… kaum eine Tageszeit bringt so viele Typologien hervor, in kaum einer Tageszeit werden so viele Eigenarten gelebt. Der Morgen hat es in sich, denn er bereitet uns auf den Tag vor und auf all das, was auf uns wartet – manches wissen wir, manches bleibt Überraschung (gute oder schlechte). Mönche lieben den Morgen Schon die frühen Mönche wussten, dass der Morgen einen eigenen Zauber hat. Ihn völlig zu verschlafen, kam ihnen nicht in den Sinn, ganz im Gegenteil. Die meisten Mönchsväter liebten es sehr früh aufzustehen und erste Psalmen zu rezitieren, zu meditieren oder zu beten. Es ging ihnen um die Stille, die noch über der Welt liegt, das natürliche Schweigen, das man tagsüber oft vergeblich sucht und das Faszinosum, dass …

Reissalat mit Cashewnüssen

Dieser leckere Reissalat gehört mit zu meinen Favoriten. Er ist recht einfach herzustellen, man kann Reste von Reis gut damit verwerten, er schmeckt sehr lecker und kann gut für unterwegs als vollwertige Mahlzeit mitgenommen werden. Zutaten 1 beutel Reis1 rote Paprika1 – 2 Tassen Cashewnüsse1 Tüte Mandelblättchen1 Tasse Rosinen oder Sultaninen3 kleine Zwiebeln1 ZitroneÖl5 Esslöffel SojasauceAgavendicksaft1 – 2 Knoblauchzehen Zubereitung Reis nach Packungsbeilage kochen und erkalten lassen. Damit er später nicht pappt, kann man etwas Öl oder Butter unterziehen.Paprika in Würfel schneiden.Cashewkerne unter fließendem Wasser durchspülen und mit Küchentücher trocknen.Mandeln in einer Pfanne ohne Fett leicht rösten (am besten die ganze Zeit die Mandeln umrühren).Die Zitrone pressen und auf 1/8 l Flüssigkeit mit neutrales Öl (z.B. Sonnenblumenöl) auffüllen. Dann den Knoblauch pressen. Die Zwiebeln in Würfel schneiden und zusammen mit der Sojasauce und allen anderen Zutaten zu dem Reis geben.Danach mit Agavendicksaft und ggf. mehr Sojasauce abschmecken.Den Salat gut umrühren und eine Stunde ziehen lassen. Lass es Dir schmecken!

Wer singt, lebt gesünder

Viele Menschen zieht es in die Klöster oder zumindest in die Gebetszeiten der Klöster, weil sie angerührt sind vom Gesang der Mönche oder der Nonnen. Auch in der Cella sind unsere Gebetszeiten zum überwiegenden Teil gesungen. Manchmal sind die Gesänge kunstvoll und ausgeschmückt, häufig aber auch in einer eher schlichten Form mit durchaus einfachen Melodien – wie beispielsweise in den regelmäßigen Stundengebeten. Aber: Warum singen wir? Wäre sprechen nicht viel einfacher? Wäre Stille nicht viel angemessener? Und könnten sich die Klöster nicht den mit dem Gesang verbundenen Aufwand sparen und etwas Sinnvolleres mit der Zeit tun? Der Körper verändert sich durch Klang Auch die gemeinsame Stille kann etwas zutiefst Faszinierendes haben, aber für die meisten Menschen hat der gemeinsame Gesang doch die höhere Anziehungskraft. Was macht das Singen so besonders? In den letzten Jahrzehnten ist es vor allen Dingen die Medizin, die sich mit der heilenden Wirkung des Singens und des Tönens beschäftigt. Vieles lässt sich heute wissenschaftlich untersuchen, was besonders auch in den Klöstern über Jahrhunderte als intuitives Erfahrungswissen weitergegeben wurde. Der heilige Augustinus …

Impuls am Sonntag: Werner Seitzer

Werner Seitzerehem. GMD am Theater für Niedersachsen in Hildesheim Alter: 69 JahreBeruf (momentane Tätigkeit):Auch nach dem Eintritt in den Ruhestand vom offiziellen Amt gilt die lebenslange Berufsbezeichnung: MUSIKERWas bedeutet Ihnen Glaube?Der Glaube scheint – mit einem musikalischen Begriff gesprochen – so etwas wie einen „Orgelpunkt“ meines Lebens darzustellen:Ein beständig erklingender oder wiederholter Grundton, der – wenn auch nicht immer gleich stark wahrnehmbar – doch ganz selbstverständlich einfach „da“ ist und über dem sich, scheinbar völlig frei und ungezwungen, alle Stimmen und Erscheinungen des Lebens bewegen.Und doch bezieht sich alles, sogar und ganz besonders bis hin zur ’schreienden‘ Dissonanz, letzten Endes auf ihn…Welcher Satz (Zitat, Weisheit…) ist Ihnen wichtig?Eine Sentenz aus Prediger 3:22, die Brahms für den ersten seiner „Vier ernsten Gesänge“ ausgewählt hat:Darum sahe ich, daß nichts bessers ist,denn daß der Mensch fröhlich sei in seiner Arbeit,denn das ist sein Teil.Ein Satz, der einen dringlichen Kontrapunkt darstellt zum immer absoluter vertretenen „Fun-and-wellness“ – Glaubensbekenntnis unserer derzeitigen Konsum-Gesellschaft und ihrem neuen Schlagwort der „Life-work-balance“. Welches Buch hat Sie am meisten inspiriert und worin bestand die Inspiration? Ein …

Entdecke den Mönch / die Nonne in Dir…

In der Online-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 9. Juli fand ich die Überschrift: „Zahl der Single-Haushalte in Hannover wächst“. Im Artikel selbst heißt es dann: „Hannover gilt als deutsche Single-Hauptstadt – und die Zahl der Einfamilienhaushalte wächst weiter. In mehr als der Hälfte (54,3 Prozent) der Haushalte lebt nur eine Person. In Mitte (65,1), Linden-Limmer (63,3) und Südstadt-Bult (62,0) sind es sogar mehr als 60 Prozent.“ – Auch ohne diese Zahlen zu kennen, hatten wir Brüder schon lange die Vermutung, dass dem so ist. Die Menschen sind auf der Suche Keine Vermutung hingegen ist, dass viele Menschen auf der Suche sind: auf der Suche nach Sinn; auf der Suche nach Heimat; auf der Suche nach Geborgenheit; auf der Suche nach Spiritualität – und diese Aufzählung ließe sich beinahe endlos fortsetzen. Nicht zuletzt wegen dieser Suche klopfen viele Menschen an Klosterpforten, um als Kloster-auf-Zeit-Gäste neue Erfahrungen zu sammeln. Auch Wellness-Aufenthalte in Klöstern sind immer mehr gefragt. Seminare, die sich mit der Benediktsregel beschäftigen, sind oftmals ausgebucht. – Wie kommt das? Ich glaube, es ist die …