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Weitere InformationenVor vielen Jahren habe ich in einem Podcast von Rupert Sheldrake einen Gedanken gehört, der mich seither nicht mehr losgelassen hat. Sheldrake – ein Biologe aus dem Vereinigten Königreich, der die Hypothese der morphogenetischen Felder entwickelt hat und ein zutiefst spiritueller Mensch ist – beschäftigt sich sehr intensiv mit dem Thema Pilgern. Er ist unter anderem Mitglied in einem entsprechenden Komitee in Großbritannien.
Seine zentrale These aber ist ungemein spannend: Unsere moderne Art, Urlaub zu machen, ist im Grunde die säkulare Form des Pilgerns.
Ganz egal, ob es uns in die Türkei zieht, nach Spanien, Italien, auf die Insel Bali oder an irgendeinen anderen Ort der Welt: Wir suchen uns ganz bewusst besondere Orte aus. Wir reisen dorthin, besuchen die Sehenswürdigkeiten vor Ort und wollen uns dort auf eine gewisse Weise nähren lassen. Natürlich gehört zum Urlaub auch Entspannung dazu – am Strand liegen, in einem Café sitzen, ein Glas Wein oder Prosecco trinken und das tun, was behagt. Das ist der Urlaub, wie ihn die allermeisten von uns kennen.
Vom Pflichtbewusstsein zur Kulturreise
Früher gab es keinen Urlaub in diesem Sinne. Den Menschen fehlte schlichtweg das Geld und die Zeit dafür; freie Zeit existierte in der Lebensrealität der meisten Menschen nicht. Aber das Pilgern war damals zwar nicht vielen, so doch zumindest einigen möglich. Wenn es nicht gleich eine Reise für mehrere Monate sein konnte, dann wurde zumindest für einen Tag gepilgert. Eine Wallfahrt zu machen, gehörte für viele Menschen in früheren Zeiten fest zum kirchlichen Leben dazu.
Als der religiöse Bezug im Laufe der Zeit an Kraft verlor und für viele Menschen nicht mehr so bedeutsam war, entwickelten sich daraus andere Formen des Pilgerns. Wohlhabende Menschen reisten plötzlich nach Italien – so wie es auch Johann Wolfgang von Goethe tat. Er hat Italien im Grunde „bepilgert“ und sich das Land angeschaut. Dazu gehörte natürlich auch der Besuch des Petersdoms. Im Kern war das jedoch kein klassisches Pilgern mehr, sondern eine frühe Form des Kultururlaubs.
Die Rückkehr zur Pilgerfahrt
Wenn wir uns aber vor Augen führen, dass der eigentliche Ursprung unseres Urlaubs im Pilgern liegt, vertieft sich das Verständnis von Urlaub auf eine ganz neue Weise. Urlaub ist dann eben nicht mehr nur das bloße Liegen am Strand.
Mach deinen Urlaub wieder zu einer Pilgerfahrt.
Das bedeutet keineswegs, dass ab jetzt nur noch Kirchen besucht werden dürfen. Zum Pilgern gehörte auch früher schon immer das andere: etwas Neues zu sehen, sich zu entspannen und ein wenig Spaß zu haben. All das war für die Pilger damals genauso wichtig.
Für mich persönlich ist es entscheidend, dass im Urlaub immer auch ein spiritueller Aspekt Platz findet. Das kann etwas ganz Einfaches sein. Wenn ich in Italien bin, besuche ich beispielsweise oft einen Gottesdienst. In Deutschland mache ich das selten, aber dort genieße ich es – auch, weil man die Sprache nicht perfekt versteht und der Geist dadurch auf eine andere Weise zur Ruhe kommt. Man sitzt in einem oft angenehm kühlen Raum, genießt die Stille und bewegt sich in einem vertrauten liturgischen Ablauf. Auch ein spirituelles Buch im Gepäck oder die regelmäßige Meditation im Urlaub gehören für mich dazu.
Die vier Säulen der Erholung
Wie lässt sich der eigene Urlaub nun wieder stärker zu einem spirituellen Ereignis machen? Wie kannst du selbst spirituelle Elemente in deine freie Zeit integrieren?
Hierzu hilft ein Leitfaden von Johannes Bours, dem früheren Spiritual des Priesterseminars in Münster. Er war ein sehr geschätzter geistlicher Mann und gab seinen Studenten für Zeiten der Beurlaubung und Orientierung immer vier Elemente mit auf den Weg. Diese Elemente lassen sich perfekt auf den ganz normalen Urlaub übertragen:
Etwas Geistiges: Das Intellektuelle. Es tut gut, sich mit dem Ort, an dem man sich befindet, auseinanderzusetzen und etwas anzuschauen, das den Geist fordert.
Etwas Geistliches: Das Spirituelle. Das bewusste Suchen nach Momenten der Einkehr und Besinnung.
Etwas Weltliches: Der Spaß und das Vergnügen. Die Freude am Leben und die Leichtigkeit.
Etwas Körperliches: Die Bewegung. Wandern, laufen, schwimmen – aktiv sein mit dem eigenen Körper.
Wenn diese vier Bereiche zusammenkommen, entsteht ein runder, erfüllter Urlaub.

