Allgemein, Karl-Leo, Leben
Schreibe einen Kommentar

Zufrieden und gesund

Eben komme ich von einer Beerdigung. Der Senior aus dem Posaunenchor, in dem ich fast 30 Jahre bin, ist im Alter von fast 93 Jahren gestorben und wir haben bei der Trauerfeier und am Grab geblasen. Noch im Juli hatten wir uns auf dem Gartenfest unseres Chores getroffen. Es war eine große und schöne Beerdigung – bei Menschen, die in so hohem Alter sterben, schon etwas Besonderes. In unserem Chor war er sehr beliebt und verbunden und auf der Trauerfeier war zu spüren, dass er dies nicht nur bei uns war. Es gab eine große Verbundenheit, die schnell auch unter denen entstand, die sich hier das erste Mal kennenlernten und bisher oft nur voneinander gehört hatten.

Wenn Abstand und Maske auch trennen

Und ich musste an den Satz denken, dass Zufriedenheit und Gesundheit nicht nur von materiellen Faktoren abhängen, sondern wohl auch von der Qualität unserer Beziehungen. Die Alterspsychologen können in der Forschung genau beschreiben, welche Bedeutung unsere sozialen Kontakte für die alltägliche Zufriedenheit und die schnelle Genesung nach Krankheiten haben. Aber auch ganz praktische Dinge verbessern sich: die Denk- und Reaktionsfähigkeit, die körperliche Beweglichkeit und die muskuläre Leistungsfähigkeit.

Seit der Corona-Pandemie haben sich meine Kontakte stark reduziert. Durch die Praxis hatte ich immerhin noch recht regelmäßig Kontakt zu unterschiedlichen Menschen – eine Möglichkeit, um die mich manche beneidet haben. Für viele Menschen waren Begegnungen über Monate nur im engen Familien- und Freundeskreis möglich. Fast unmöglich war es, in dieser Zeit neue Freunde zu finden, denn diesen zunächst Fremden ist man ja allein aus Vorsicht im Blick auf die Pandemie gar nicht näher gekommen. Für neue Kontakte oder gar neue Freundschaften war kein Raum – 1,5 Meter Abstand und die Maske, sie schützen nicht nur, sie trennen auch.

Soziale Kontakte unterstützen die Genesung von Körper und Seele

In den letzten Wochen war es für mich fast ungewöhnlich, wenn ich auf sogenannten 3-G-Veranstaltungen wieder Menschen begegnen konnte, die ich bisher nicht kannte. Und ich spüre, dass ich es nicht mehr gewohnt war. Ich beobachtete mich, wie ich ungewohnt zurückhaltend und fast gehemmt in neue Begegnungen gegangen bin. In meinem Kopf geistert der Gedanke, dass jede Begegnung doch ein Infektionsrisiko ist.

So richtig dieser Gedanke auch sein mag – er ist höchstens die halbe Wahrheit. Und deshalb übe ich mich ein, die andere Hälfte auch zur Geltung zu bringen: dass gute und regelmäßige soziale Kontakte eine wichtige Gesundheitsvorsorge sind. Ich ahne, ich muss die alltägliche Verbundenheit auch wieder etwas einüben – zu schnell hatte ich mich, ohne es zu wollen, an die „Corona-Distanz“ gewöhnt.

Verbundenheit in Achtsamkeit

Aber darf man das so einfach, wenn die Inzidenzwerte noch so hoch sind? Verantwortlich handeln möchte ich in jedem Fall. Und ich gebe gerne zu, das ich manchmal unsicher bin, was wann wirklich verantwortlich oder nicht ist. Aber die Bedeutung der Verbundenheit mit lieben Menschen ist mir in dieser Zeit immer deutlicher geworden – und auf diese Verbundenheit möchte ich auch trotz höherer Inzidenz wieder mehr achten.