Karl-Leo, Leben
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Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln

Vor-Freude in den Muskeln

In den letzten Tagen war ich zu einem runden Geburtstag eingeladen. Und weil ich mich auf das Fest gefreut hatte, hatte ich nicht nur ein Geschenk vorbereitet, sondern auch einen kleinen festlichen Beitrag. Und in den Tagen vor dem Fest entdeckte ich in mir ein Gefühl der „Vorfreude“. Ich merke, dass ich dieses Wort für so altmodisch halte, dass ich es selber eigentlich kaum in den Mund nehmen mochte. Aber dieses besondere Gefühl war da, und irgendwie fällt mir auch keine bessere und treffendere Bezeichnung ein.

Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll

Ich musste dabei an die Geschichte im kleinen Prinzen denken, die dieses Gefühl in so einfachen Worten, aber doch so treffend beschreibt: „Es wäre besser gewesen, du wärst zur selben Stunde wiedergekommen“, sagte der Fuchs. „Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, glücklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so glücklicher werde ich mich fühlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahren, wie teuer das Glück ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll … Es muss feste Bräuche geben.“

Freude ist im gesamten Körper

Ich kenne die Erfahrung, dass die Erwartung eines freudigen Ereignisses meinen Körper verändern kann. Forscher haben beschrieben, dass der Körper wie in der freudigen Situation einen erhöhten Endorphinspiegel hat und Stressgefühle dadurch reduziert sind. Vor wenigen Jahren haben Forscher der finnischen Universität Aalto auch noch nachgewiesen, dass Emotionen wie Furcht, Ekel, Trauer, aber auch Liebe in ganz bestimmten Körperbereichen zu spüren. Anders ist es nur mit der Freude: Bei der Freude ist im gesamten Körper die muskuläre Aktivität und Durchblutung erhöht. Besonders wichtig bei der Freude ist es, dass sowohl die Atmung als auch der Herzschlag leicht verändert sind.

Soweit die Theorie – ich habe es in dieser Woche ganz konkret erfahren. Eigentlich hatte mein Körper noch mit der Grippewelle und einer Bronchitis auf der Lunge zu tun. Aber die Vorfreude hat sogar mein Gesundwerden – zumindest mein „mich-gesund-Fühlen“ sehr befördert.

Vorfreude macht aus freudigen Momenten eine langanhaltende Freude

Offensichtlich sind wir in der Lage, allein in Erwartung eines freudigen Ereignisses im Körper genau die gleichen Reaktionen auszulösen, die die tatsächliche Freude dann in uns auslöst. Natürlich muss diese Vorfreude in einer zeitlichen Beziehung stehen zu der tatsächlichen Freude. Also das Ereignis, auf das ich mich gefreut habe, muss dann wirklich schön werden können. Aber eine deutsche Redewendung sagt wohl nicht ganz umsonst: Vorfreude ist die schönste Freude. Offensichtlich bringt die Vorfreude eine eher langanhaltende und gleichmäßige Veränderung in den Körper, mehr sogar noch, als der freudige Moment selbst.

Auch im Glauben gibt es diese Vorfreude. Auf der Hälfte der Fastenzeit, am vierten Sonntag in der Fastenzeit, ist die Liturgie schon ganz von der Vorfreude geprägt. Laetare heißt der Sonntag nach dem alten Introitus, der mit dem Wort „Freut euch“ beginnt und dabei schon die Melodie des österlichen Hallelujas anklingen lässt. Sich drei Wochen am ganzen Körper freuen – das ist eine lange Zeit, aber auch eine wirklich schöne und intensive Zeit. Ich freue mich jedenfalls, von Dir zu lesen, wie sich in Deinem Körper Vorfreude anfühlt, wie lange sie hält und was das besonders Schöne daran ist.

3 Kommentare

  1. Heike sagt

    Ich hatte in diesem Jahr, so merkwürdig das klingen mag, eine Vorfreude auf die Fastenzeit.
    Und wie sich das anfühlt? Wie Sonnenschein, den man in sich hat. Wie das Wissen um etwas Kostbares und Zerbrechliches, das man behutsam in sich herumträgt.

  2. Dorothee sagt

    Leider ist es häufig so, dass nach der Vorfreude und der Erfüllung, dem Fest also, eine Leere bleibt. Die Feier war schön, aber man fällt traurig in den Alltag zurück. Und wenn das bei Ostern auch so geht? Gerade habe ich im Cella-Brief gelesen, dass Beten nichts nützt. Worüber soll ich mich also freuen, wenn alles wie ein Feuerwerk verpufft?

  3. Heike sagt

    Vielleicht gibt es auch eine Nach-Freude?

    So, dass man das Schöne immer mal wieder in Gedanken hervorholt und sozusagen ganz bewusst die Freude daran nacherlebt und sich daran freut, so etwas Schönes erlebt zu haben.

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