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Vom Holz herab herrscht unser Gott!

Venantius Fortunatus, der an der Schwelle von der Spätantike zum frühen Mittelalter lebte, hat neben verschiedenen Heiligenlegenden vor allem liturgische Hymnen verfasst. Einer dieser Hymnen begleitet uns im Stundengebet der Karwoche und erklang zunächst in der ersten Vesper des Palmsonntags: „Vexilla regis prodeunt“ – „Ein Königs siegt, sein Banner glänzt.“

Dieser Hymnus offenbart das Paradoxe, das wir in der Karwoche meditieren: Leiden und Tod Jesu Christi, um dann an Ostern seine Auferstehung zu feiern.

Gerade in der augenblicklichen Situation kann dieser Hymnus Mut machen.

Ein König siegt, sein Banner glänzt:
Geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,
an dessen Balken ausgerecht
im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt.

So lautet die erste Strophe dieses Hymnus in der Übersetzung des Benediktinischen Antiphonales. Das Königsbanner, das in der ersten Zeile genannt wird, verweist auf die Königsherrschaft Christi. Diesen Christus verehren wir als wahren Gott und wahren Mensch. Darum sagt der Dichter, dass des Fleisches Schöpfer als Mensch an diesem Kreuz hängt.

Geschunden hängt der heil’ge Leib,
vom scharfen Speere roh durchbohrt;
uns rein zu waschen von der Schuld,
strömt Blut und Wasser von ihm aus.

Blut und Wasser aus der Seitenwunde Christi werden als Quellgrund der Kirche angesehen. Diese Quelle, so glauben wir, wäscht uns rein von unserer Schuld.

Erfüllt ist nun, was David einst
im Liede gläubig kundgetan,
da er im Geiste prophezeit‘:
Vom Holz herab herrscht unser Gott!

Auch in der dritten Strophe wird uns die Paradoxie dieser Tage vor Augen geführt. Paulus spricht es im ersten Korintherbrief aus: „Wir … verkünden Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (1 Kor 1,23f)

O edler Baum in hehrem Glanz,
von königlichem Purpur rot,
du werter, du erwählter Stamm,
du trägst den Lösepreis der Welt.

O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt,
du einz’ge Hoffnung dieser Zeit!
Den Treuen schenke neue Kraft,
den Sündern tilge alle Schuld.

Gerade die vorletzte Strophe, die das Kreuz als einzige Hoffnung besingt, bekommt in unseren Tagen einen ganz anderen Klang: Was uns einschränkt und beschneidet, ist nichts im Vergleich zum Blick auf das Kreuz, das Hoffnung weckt und aus dem der Lobpreis hervorgeht.

Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit,
lobsinge alles, was da lebt.
Du hast uns durch das Kreuz erlöst:
bewahre uns in Ewigkeit. Amen.

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