Glaube
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Tremendum et fascinosum

Erst hört man nichts, fast nichts. Es ist still – habe ich den Lautsprecher auch angemacht, ist der Lautstärkeregler auch hoch genug eingestellt? Doch dann beginnen die etwas hastigen Töne der Violine auf mich zuzukommen, immer etwas lauter ohne zu laut zu werden, bis sie von einem Klavierakkord unterbrochen werden. Und nun beginnen beide ihr Zusammenspiel.
Dieses Zusammenspiel ist wie ein Suchen in tiefen Sphären, wie ein Eintauchen in etwas, das sich meinen Augen ansonsten entzieht. Und etwas fühlt sich in mir verstanden, dass sich so von nur wenigem ansprechen lässt.
Arvo Pärt wird am 11. September 80 Jahre alt. Kein zeitgenössischer  Komponist kann so sehr die Seele in ihrer kontemplativen Weite erreichen wie er – es ist Seelenmusik, die auf einer ganz anderen Art und Weise der Musik Olivier Messiaens gleich kommt.

Das erste Mal, als ich seine Musik hörte, war in einem Bürgerhaus irgendwo im Münsterland, vor den Toren der westfälischen Metropole. Eine Skulptur steht vor uns. Günther Oellers hat sie geschaffen und sie „Fähre der Zeit“ genannt. Menschen aus Alabaster sitzen darin. Sie sitzen nicht nur alle in einem Boot, sondern sie setzen alle über, durchqueren den Fluss, wie weit er auch immer sein mag. Helmut Kohl hatte diese Skulptur jahrelang in seinem Vorzimmer in der bonner Parteizentrale – ich durfte sie dort einmal betrachten.
Begleitet wurde diese Kunstschau von Arvo Pärts Fratres. Beide Zusammen haben einen Eindruck hinterlassen, der tatsächlich beides beinhaltet: Tremendum et fascinosum – ein Erzittern und ein Berührtsein.

Arvo Pärt ist für mich ein Komponist, der es versteht, mich immer wieder zutiefst zu berühren – hoffentlich wird er uns noch einige Werke schenken können.
Gottes Segen aus Hannover!