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„Meinen Bogen setze ich in die Wolken.“

Vor einigen Wochen hat das Verbot der Glaubenskongregation, homosexuelle Paare zu segnen, vor allem in Deutschland hohe Wellen geschlagen. Als Reaktion auf die Meldung aus Rom tauchten gleichsam als Protest an vielen Kirchen Regenbogenfahnen auf. Diese sind ja seit den 1970-er Jahren ein internationales schwul-lesbisches Symbol. Nicht wenige Engagierte der LGBT-Gemeinde sahen darin eine Vereinnahmung „ihrer“ Fahne.

Der Regenbogen Gottes

Wer vor dem Portal unserer Hauskirche steht, sieht über dem stilisierten Regenbogen, der sich über beide Seiten der Tür zieht, zunächst hebräische Buchstaben: das Schema Jisrael – „Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.“ (Dtn 6,4).

Und unter dem Regenbogen liest man: „Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und euch.“ (Gen 9,13).

Dieses Bundeszeichen besiegelt nach der Sintflut den erneuten Bund Gottes mit den Menschen. So nimmt der Regenbogen als Zeichen des Friedens zwischen Mensch und Gott eine altorientalische Tradition auf, nach der das Phänomen als abgesenkter, also nicht schussbereiter Bogen Gottes interpretiert wurde.

Im Neuen Testament kommt der Regenbogen nur ein einziges Mal vor: „Ein anderer gewaltiger Engel kam aus dem Himmel herab; er war von einer Wolke umhüllt und der Regenbogen stand über seinem Haupt.“ (Offb 10,1). Dieses Bild zitiert den alttestamentlichen Propheten Ezechiel (vgl. Ez 1,28).

Das Bundeszeichen

Gern nehme ich ab und an das Motiv des Regenbogens in die florale Gestaltung unserer Hauskirche auf, um an das Bundeszeichen zu erinnern, das mir immer wieder die unverbrüchliche Treue Gottes zu uns Menschen vor Augen führt. Diese unverbrüchliche Treue Gottes drückt sich gerade im Segen aus. Wenn ich am Ende der Messfeier den Gottesdienstbesuchern den Segen Gottes zuspreche, dann bin nicht ich der Segnende, sondern Gott ist es, der seinen Segen spendet. Ich bin nur ein Benediktiner – unser Name und der unseres Ordensvaters kommt ja vom lateinischen „benedicere“, was so viel heißt wie „Gutes sagen“, oder kurz: „segnen“. Und das sollen wir für andere Menschen sein: ein Segen!

Bruder Nikolaus Nonn OSB

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  • Irmhild Richter sagt:

    Danke für die biblische Verortung des Regenbogens. Er war in meiner Kindheit DAS Symbol für meine Gotteskindschaft. Ich konnte flink hinaufklettern und vom höchsten Punkt hinunterrutschen, direkt in die Arme Gottes.