Alle Artikel in: Leben

Immer schön locker bleiben

Manchmal bekommen Worte eine neue Bedeutung – oder ich müsste genauer sagen: eine zusätzliche Bedeutung. Mit Lockerung habe ich seit vielen Jahren zu tun, mit der Lockerung der Muskulatur. Im Plural habe ich das Wort eigentlich nie genutzt – bis vor wenigen Wochen. Tatsächlich rede ich oft über nötige Lockerungen. Oft geht es dabei weiterhin um die Muskulatur, oft aber auch um die Entscheidungen der politisch Verantwortlichen im Rahmen der Corona-Pandemie. In den letzten Tagen denke immer mehr darüber nach, wie das eine und das andere zusammenhängen. Bei meiner Arbeit in der Praxis begegne ich vielen Menschen, die in diesen Tagen körperlich sehr angespannt sind. Manche haben es schon bemerkt und sprechen es selbst als Thema für die Therapiestunde an. Manche sagen erst am Ende der Stunde, dass sie gar nicht wahrgenommen haben, wie angespannt sie waren. In Unsicherheit spannt die Muskulatur an Auch bei mir selber beobachte ich, wie mir eine Spannung in den Gliedern sitzt. In den letzten Wochen „will meine Nacken nicht richtig locker werden“, auch wenn ich manche Übung regelmäßig im …

Fürchtet Euch nicht!

Die List, der Stadtteil, in dem unsere kleine Cella liegt, gehört zu den dicht besiedelten Stadtteilen in Hannover. Wenn ich in den Tagen vor Ostern durch unseren Stadtteil spazieren gegangen bin, waren die Straßen voll. Auch die Waldwege in der Eilenriede, dem Stadtwald in unserer Nähe, sind reich frequentiert. Dass man Menschen begegnet, dass man Menschen nahe kommt  – lässt sich auch beim besten Willen nicht verhindern. Spätestens beim Überqueren einer Ampel, aber auch schon auf Wanderwegen lässt sich der Mindestabstand von zwei Metern nicht immer einhalten. Interessant fand ich vor allen Dingen, wie die einzelnen Menschen mit dieser Situation umgegangen sind: Da gab es die mit Gesichtsschutz fast vermummten Menschen, die mich mit ihrer Gestik und Körperhaltung bereits Meter vorher aufmerksam machten, dass ich ihnen nur ja nicht zu nahe komme, und auch eine kleine Gruppe vergleichsweise Unsensibler, die noch nie etwas von Corona gehört zu haben schien. Liebevolle Achtsamkeit Bei den meisten Menschen beobachtete ich eine eher liebevolle Achtsamkeit: an der breiten Stelle des Weges kurz stehenzubleiben, damit sich genau dort die Wege …

Valentins Tipps für die Corona-Zeit

Hallo, Valentin hier!ich gebe ja zu, ich habe mich ein Jahr nicht gemeldet. Der Grund war nicht, dass ich zu viel zu tun hatte – was könnte das auch bei mir sein? Aber mir fiel wirklich nichts ein, worüber ich hätte schreiben können. Blackout, keine Idee. Daher hatte ich mich entschlossen, einfach so lange zu warten, bis ich wieder eine Idee habe. Und siehe da, jetzt habe ich eine.Ihr Menschen steckt ja in einer ziemlich schwierigen Situation. Es muss schwer sein für Euch, das alles auszuhalten, sich auf die eigenen vier Wände zu konzentrieren, sich ständig die Hände zu waschen und mit dem Gefühl der Bedrohung leben zu müssen. Das tut mir natürlich sehr, sehr leid. Aber als ich so darüber nachdachte, kam mir in den Sinn, dass ich als Kater durchaus etwas dazu sagen kann. Ich lebe schon immer innerhalb von vier Wänden und das Putzen, nun, das ist uns Katzen ja in die Wiege gelegt. Und je mehr ich darüber nachdachte, um so mehr fiel mir auf, dass ich Dir einfach ein paar Hinweise geben …

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann

Wie ich inneren Frieden finden kann Als ich vor einigen Jahren an einem Seminar teilnahm, kam es zu einem für mich wichtigen Dialog zwischen einer Teilnehmerin und der Kursleiterin. Bei diesem spirituellen Seminar ging es unter anderem auch darum, wie man sich emotional gut schützen kann, man könnte auch fragen: Wie ich inneren Frieden finden kann. Das war für viele ein sehr wichtiges Thema und auch mich interessierte das sehr. Wer macht nicht immer wieder die Erfahrung, dass andere Menschen in einem viel Wut und Missgunst auslösen, dass Menschen eine Atmosphäre aufbauen, die unangenehm und teilweise sogar aggressiv ist. Im Zug, im Wartezimmer bis hin zum ganz privaten Umfeld kann einem das passieren. Und ohne dass man viel dazu tun muss, dringt diese Atmosphäre in unser Inneres und verdunkelt unsere Stimmung, macht uns traurig, lustlos oder selber aggressiv. Wer mit Menschen arbeitet, wird das besonders gut kennen. Die Teilnehmerin stellte also genau diese Frage, wie kann man sich am besten emotional schützen. Die Antwort darauf hat mich seither nicht mehr verlassen und ist so lebendig …

Die überraschende Leere und die geschenkte Zeit

Durch Zufall lass ich in den letzten Tagen einen Abschnitt über „Die große Leere“ – einen intergalaktischen Leeraum zwischen dem Pulsar Borgia und dem Galaxiencluster Coma Berenices. Schnell war ich dabei an die Grenzen meines physikalischen Verstehens geraten: Wie soll ich mir dreiviertel Quadrillinonen Kubiklichtjahre vorstellen, die dieses schwarze Loch groß ist? Wie den Ort vorstellen, der einfach nur Leere ist? Und gerade diese Leere fasziniert die Forscher sehr – sie wollen verstehen können, was es mit dieser „großen Leere“ auf sich hat. Eine andere Leere hat mich diese Woche ebenfalls überrascht: Nachdem ich alle Termine in meinem Kalender gestrichen hatte, die ich in den nächsten Wochen nicht mehr wahrnehmen kann und soll, ist mein Terminkalender plötzlich leer. Leere im Kalender – seit ich ein Terminkalender führe, habe ich das noch nicht erlebt. Zwischen Entspannung und Verunsicherung Endlich einmal all das wegschaffen, was schon so lange liegen geblieben ist. Endlich einmal die Dinge in Ruhe tun, für die sonst die Zeit fehlt. Das ist zum einen eine schöne Aussicht. Fast wie Urlaub. Aber natürlich ist …

Passt schon!

Seit fünf Wochen leben nun mit Bruder Cyprian und Bruder Victor zwei Brüder aus Tansania in der Cella und lernen fleißig Deutsch. Und ich lerne kräftig mit. Zum einen kann ich mein Englisch wieder aufpolieren, wenn es darum geht, manche Dinge und Absprachen zu treffen, die auf Deutsch noch nicht funktionieren. Aber ich lerne auch viel über meine eigene Muttersprache: Dinge, die mir erst auffallen, wenn ich sie erklären soll – und dann irgendwie gar nicht richtig erklären kann. Passt schon! ist eine solche Wortverbindung, bei der man fast verzweifeln kann, wenn man einem nicht Muttersprachler den Sinn dieser Worte nahe bringen will. Bedeutungen wie: Habe ich doch gerne gemacht, bitte schön, kein Problem, nicht der Rede wert, aber auch: Lass mal gut sein, habe ich keine Lust mehr, darüber zu reden, mach da nicht so einen Aufstand draus, kann dieser Satz je nach Kontext bedeuten. Wenn die Chemie stimmt Noch vor gar nicht langer Zeit wurde die Aussage: „Das passt schon“eher für frisch Verliebte gebraucht, und zwar meistens von den Außenstehenden, die beobachtet hatten, …

Licht ist Leben

Viele Menschen sind in den letzten Tagen ein bisschen müder und schlapp, anders als noch vor wenigen Wochen. Und die Ursache dafür ist zumindest in der Meinung der meisten Menschen relativ klar: das graue Wetter. Tatsächlich bekommt unser Körper im Winter deutlich weniger Licht als im Sommer. Und unser Organismus reagiert sehr stark auf die Menge an Licht, die an unsere Augen und auf unserer Haut kommt. Aus der Praxis sind mir die gleichartigen Reaktionen meiner Patienten wohl vertraut. Da kann es passieren, dass an einem Tag nahezu jeder Patient, der zu mir kommt, berichtet, dass er sich gerade müde und erschöpft fühlt. Und während ich es in jüngeren Jahren eher belächelt habe, wenn Menschen ihre Stimmung vorrangig mit dem Wetter erklären, kann ich dem mittlerweile immer mehr abgewinnen. Schon seit vielen Jahren kann die medizinische Forschung genau nachweisen, wie ein fallendes Licht auf die Hormonsteuerung unseres Körpers wirkt. Licht schafft Rhythmus Alles Leben auf der Erde ist räumlich, aber auch zeitlich organisiert und viele Vorgänge laufen rhythmisch ab. Zwei zentrale Rhythmen für jeden Organismus …

Wie kann man Einsamkeit überwinden?

​Es kann schnell passieren. Ein neuer Job steht an, der alte passte einfach nicht mehr, oder der Arbeitgeber hat sich von Dir getrennt. Nun denn, es geht auf in eine neue Stadt, wo Du niemanden kennst, wirklich niemanden. Irgendwie landest Du in einem Häuserblock – es ist schwierig genug, eine Wohnung zu finden. Also gut, dann halt hier, wo tausende anderer in einem großen Block wohnen, muss ja nicht für immer sein. Und da sitzt Du dann, alleine – wirklich alleine. Zwar hörst Du den Fernseher von nebenan, irgendwo weint ein Kind und bellt ein Hund, dann und wann das leise Schnurren des Aufzugs und das Schlagen der Kabinentür. Das war es dann auch schon. Wen würde dann nicht das Gefühl von Einsamkeit durchfluten. Und wenn eine solche Situation dann auch noch Monate, ja, Jahre andauert, dann wird Einsamkeit mehr als real, sie frisst sich in unser Inneres ein. Überblick Ministerium gegen EinsamkeitAlleinsein oder Einsamkeit?Einsamkeit: 6 Hinweise1. Bist Du wirklich einsam?2. Lerne, alleine zu sein3. Kultiviere Dein Alleinsein4. Engagiere Dich5. Nutze das Internet6. Haustier anschaffenUnd jetzt …

Gelübde

Gelübde

Gelübde? Ja, Gelübde! Gelübde? Das klingt nun wirklich irgendwie nach Mittelalter, nach strengen Ordensregeln und ebenso strengen Oberen und Oberinnen, nach verkneiftem Leben, nach Zucht und Ordnung, nach Lebensfeindlichkeit und lebensuntüchtigen Menschen. Wer legt denn heutzutage noch ein Gelübde ab? Tatsächlich werden es immer weniger, die in ein Kloster gehen und dort irgendwann das Ordensgelübde ablegen. Nein, man kann nicht sagen, dass Gelübde zu den Verkaufsschlagern der Kirche gehören und gleiches gilt sicherlich auch hinsichtlich einer Weihe, sich weihen zu lassen bzw. geweiht zu werden. Aber ich glaube, dass Gelübde ein wichtiges Ereignis und eine Stütze für viele sein können, ja, dass Gelübde geradezu in Mode kommen könnten, wenn wir begännen, sie neu zu verstehen und anzubieten.   Was sind Gelübde? Gelübde sind Versprechen und im katholischen Sinne wird in der Regel dreierlei versprochen: Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Benediktiner haben eigene Gelübde, wie Versprechen: Beständigkeit (auf den Ort bezogen), klösterlichen Lebenswandel und Gehorsam. Diese drei Aspekte, die in einer feierlichen Liturgie öffentlich gelobt werden, sind die Grundlage des klösterlichen Zusammenlebens. Sie sollen selbstverständlich nicht …

Die Suche nach der Mitte

Die Suche nach „der Mitte“ beschäftigt seit Wochen die Medien – und besonders eine Partei, die sich selbst als „Partei der Mitte“ bezeichnet. Die hohe emotionale Brisanz, die durch unsere Geschichte bei diesem Thema mitschwingt, verdrängt für viele fast völlig, dass die „politische Mitte der Gesellschaft“ ein kleiner und auch sehr spezieller Akzent von Mitte ist – ohne Zweifel ein wichtiger. Denn eigentlich bezeichnet Mitte einen Ort im Raum oder auf einer Strecke. In meinem Alltag in der Praxis suche ich auch oft mit Menschen nach der Mitte. Dabei geht es eher um körperliche Fragen. Es geht um die Balance im Körper. Während meiner Arbeit in der Stimmtherapie spreche ich oft mit Menschen über ihren Stand, über ihre Aufrichtung auf den Füßen. Und auch da erlebe ich sehr körperlich: Es gibt Menschen mit einer klaren Mitte. Das Becken, der Schultergürtel, die Arme, der Kopf – alles ist symmetrisch angeordnet. Diese Menschen sind oft fest mit beiden Beinen auf dem Boden verwurzelt, sie sind nicht krumm und drohen nicht, leicht zu fallen. Die Mitte findet man …