Alle Artikel in: Leben

Vertraue mir!

Als Kind habe ich mit großer Freude den Film „Das Dschungelbuch“ geschaut. Die Lieder konnte ich natürlich alle auswendig mitsingen. Da waren vor allem die Lieder von Balu oder King Louie meine Hits, auch das Lied der Schlange Kaa habe ich natürlich mitgesungen: „Hör auf mich, glaube mir! Augen zu, vertraue mir.“ Auch wenn die Szene im Film eher wenig vertrauenerweckend wirkt und man Mogli wünscht, schnell wieder von dieser Schlange loszukommen, rettet sie ihn doch vor dem Tiger Shir Khan. In diesen Tagen fällt mir dieses Lied immer wieder ein, wenn ich in den Nachrichten und von vielen Politikern so viel über das Vertrauen höre. Auch für mich gehört Vertrauen zu den wesentlichen emotionalen Grunderwartungen beim Start von gemeinsamen Initiativen und Projekten. Von daher ist das, was wir derzeit in der Politik erleben, irgendwie sehr normal:  Alle Beteiligten versichern sich immer wieder ihrer Übereinstimmung, ihrer Entschlossenheit und ihrer Verlässlichkeit für das geplante Vorhaben. Denn dadurch entsteht die erforderliche Begeisterung für gemeinsame Dinge, die dann auch durch schwere Phasen trägt. Vertrauen ist ein Schatz Vertrauen …

Zufrieden und gesund

Eben komme ich von einer Beerdigung. Der Senior aus dem Posaunenchor, in dem ich fast 30 Jahre bin, ist im Alter von fast 93 Jahren gestorben und wir haben bei der Trauerfeier und am Grab geblasen. Noch im Juli hatten wir uns auf dem Gartenfest unseres Chores getroffen. Es war eine große und schöne Beerdigung – bei Menschen, die in so hohem Alter sterben, schon etwas Besonderes. In unserem Chor war er sehr beliebt und verbunden und auf der Trauerfeier war zu spüren, dass er dies nicht nur bei uns war. Es gab eine große Verbundenheit, die schnell auch unter denen entstand, die sich hier das erste Mal kennenlernten und bisher oft nur voneinander gehört hatten. Wenn Abstand und Maske auch trennen Und ich musste an den Satz denken, dass Zufriedenheit und Gesundheit nicht nur von materiellen Faktoren abhängen, sondern wohl auch von der Qualität unserer Beziehungen. Die Alterspsychologen können in der Forschung genau beschreiben, welche Bedeutung unsere sozialen Kontakte für die alltägliche Zufriedenheit und die schnelle Genesung nach Krankheiten haben. Aber auch ganz praktische …

Lebenskunst aus den Märchen – 7 Hinweise für Dein Leben

Märchen sind nicht nur für Kinder und sind auch nicht nur Erfindungen. Märchen sind auch für Erwachsene und können uns Lebenshilfe bieten.  In diesem Podcast gebe ich Dir 7 Hinweise, was uns die Märchen zu sagen haben und wie eine Lebenskunst aus den Märchen aussehen kann. Ich hoffe, dass es Dir hilft und Dich inspiriert. Gerne darfst Du zu meinen 7 Hinweisen eigene Ideen, Erfahrungen und Erkenntnisse hinzufügen. Dafür gibt es die Kommentarfunktion. zum Podcast Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.podcaster.de zu laden. Inhalt laden

Herzerfüllend systemrelevant

Herzerfüllend systemrelevant Ich bin urlaubsreif und freue mich, dass ich bis zu meinem Urlaub nur noch wenige Tage arbeiten muss. In den letzten Tagen frage ich mich aber immer häufiger: Was brauche ich denn in diesem Urlaub nach einem „Corona-Jahr“? Ein bisschen Normalität und möglichst viel wie früher? So einfach wird es vielleicht nicht sein. Was hat denn dem Leib und vor allem der Seele gefehlt in der letzten Zeit? Schließlich waren wir ja alle eingeschränkt auf die systemrelevanten Funktionen der Gesellschaft. Aber wer definiert das eigentlich? Zumindest spüre ich zunehmend in mir die Sehnsucht, die Dinge, die unsere Politiker als systemrelevant betrachten, zumindest mit all den Dingen zu ergänzen, die in meinem Leben relevant sind. Den Himmel bessrer Zeiten mir erschlossen Dabei denke ich häufiger an ein Lied von Franz Schubert, dass auch mehrere meiner Patient*innen gerne singen: An die Musik. Der Text stammt von Franz von Schober, einem österreichischen Dichter des neuzehnten Jahrhunderts.  Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden,Wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt,Hast du mein Herz zu warmer Lieb‘ entzunden,Hast …

tief durchatmen

Einmal tief durchatmen

Einmal tief durchatmen Zum Glück ist es nicht sehr oft so, aber manchmal eben doch: Da passieren Dinge, die einfach nur besch… sind, Probleme, die ich gerade so gar nicht gebrauchen kann, aber noch schnell lösen soll; Menschen, die einfach gerade nerven mit dem, was sie von mir wollen. Wenn ich den Hörer aufgelegt habe, wenn die Person aus der Tür ist, dann „einmal tief durchatmen“. Das entspannt und gibt neue Kraft. Gleichzeitig erlebe ich in meiner Arbeit hier in der Praxis immer mehr Menschen, die sich so sehr wünschen, endlich einmal wieder „tief durchatmen“ zu können. Aber sie wissen nicht mehr, wie das eigentlich funktioniert. Das Atmen fühlt sich anstrengend an und viel Luft haben sie auch nicht in der Lunge, selbst wenn sie kräftig atmen. Kräftig atmen und tief atmen ist doch etwas Unterschiedliches. Wo klemmt’s denn? Wo klemmt’s denn? – ist immer die erste Frage, die ich mir und dann auch meinem Gegenüber stelle, wenn das Durchatmen nicht mehr klappt: Um tief durchatmen zu können, müssen sich unsere Rippen und unser Zwerchfell …

Aus der Eintönigkeit in die Vorfreude

In allen Straßen im Stadtteil bin ich in diesem Lockdown gefühlt schon hundert Mal spazieren gegangen. In den ersten Wochen habe ich dann noch gedacht: Jetzt geh doch mal einen anderen Weg. Aber langsam sind auch die anderen Wege alle langweiliges Einerlei geworden. Irgendwie ist mein Körper reif für ein paar Urlaubstage: einfach mal wieder ein paar Tage wegfahren, Kreislauf und Beine bewegen und die Seele baumeln lassen mit neuen Eindrücken. So viele Monate war das schon nicht mehr möglich. Darum beobachte ich genau, was die Politiker so alles zum Thema Osterurlaub sagen. Natürlich ist das – wie so Vieles in der Pandemie – wenig klar und verlässlich. Die einen machen mir Hoffnung, die anderen betonen, dass es zu Ostern viel zu früh für eine größere Lockerung wäre. Und gerade in diesen Wochen, die eher mit hoffnungsarmen Nachrichten voll sind, sehnt sich mein ganzer Körper nach anderen Nachrichten.Realistisch und hoffnungsvollWas will ich glauben – wem will ich glauben? Natürlich kann ich dazu meinen gesunden Menschenverstand einsetzen, vielleicht ergänzt durch die eine oder andere medizinische Kenntnis, …

Fröhlich schwebend

Die berühmte Wolke Sieben, auf der man so gut schweben können soll, ist gefühlt für die meisten Menschen im Moment sehr weit weg. Die Zeit ist dafür zu ernst. Trotzdem erleben sich viele Menschen in dieser Zeit als schwebend – in der Schwebe. Die Freizeitmöglichkeiten sind so stark eingeschränkt, dass darunter auch viele schöne Begegnungen leiden. Das Leben in den eigenen vier Wänden, ob alleine, mit Familie, im Kloster oder wie auch immer, fühlt sich durch den Lockdown oft fundamental anders an als noch vor einem Jahr. In Bezug auf die eigene Arbeit sind die Erfahrungen sehr unterschiedlich: Während die einen nicht arbeiten dürfen und oft um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten, müssen die anderen mehr oder unter extremeren Bedingungen bis an die Grenzen ihrer eigenen Kraft arbeiten. Wie lange noch? Wie lange das noch so sein wird, scheint völlig in der Schwebe. Wissenschaftler und Politiker scheinen sich ebenso in der Schwebe zu fühlen, ihre Aussagen werden zunehmend vage. Ich lese, höre oder schaue gerne Nachrichten, aber mir wird immer deutlicher: Sicherheit und Klarheit lässt sich …

Wie soll ich Dich empfangen?

Ein Wort für „herzlich empfangen“ mit sieben Buchstaben im Kreuzworträtsel? Das ist kein wirklich schweres Rätsel und die Lösung lautet in den meisten Fällen „umarmen“. Wenn es bei dieser Frage allerdings nicht um ein schriftliches Lösungswort geht, sondern um die Art und Weise, wie ich mich verhalte, dann finde ich die Antwort zusehends schwieriger. Viele Formen und Gewohnheiten der herzlichen Begrüßung, die ich jahrelang gepflegt habe, sind in diesen Tagen der Corona-Pandemie nicht mehr angemessen. Denn gerade bei den Zeichen körperlicher Nähe und liebevoller Vertrautheit breitet sich auch das Corona-Virus besonders schnell aus. Schmerzvolle Unsicherheit für Zeichen der Vertrautheit Oft muss ich in diesen Tagen deshalb an das Adventslied denken: „Wie soll ich Dich empfangen und wie begegnen Dir?“. Johann Sebastian Bach hat es in der ersten Kantate seines Weihnachtsoratoriums unterlegt mit der Melodie, die wir aus einem Choral der Passionszeit kennen: „O Haupt voll Blut und Wunden“. Ursprünglich ist diese Melodie von Hans Leo Haßler sogar für ein Liebeslied komponiert: „Mein Gemüt ist mir verwirret.“ Die schmerzvolle Unsicherheit einer Begegnung ist in dieser Musik …

Zärtlich allein, allein mit mir

Dieses Lied kommt mir in den letzten Tagen immer wieder in den Sinn. Ein Text des hannoverschen Schriftstellers Friedhelm Kändler, den ich in den musikalischen Fassungen von Andreas Turckmann und Maybebop gerne höre. In den Tagen des Lockdown light bekommt der Inhalt für viele Menschen eine neue Realität. Neben den Zärtlichkeiten, die man mit seinem festen Partner austauscht, gab es bis zum Beginn der Corona-Krise viele Berührungen im Alltag. Sie waren vor allem zur Begrüßung und zum Abschied üblich: der Handschlag, die flüchtige oder leichte Umarmung, das Klopfen auf die Schulter oder das Berühren des Arms. Diese Berührungen waren üblich unter Freunden, Bekannten, in der Clique, im Sport und in der Freizeit, an manchen Arbeitsstellen. Auf solche Berührung verzichten wir jetzt ganz überwiegend, weil sie mit einer Nähe verbunden ist, die gleichzeitig ein erhöhtes Infektionsrisiko darstellt. Berührung schafft Wohlspannung Bei meiner Arbeit in der Praxis beobachte ich, dass viele Menschen in diesen Tagen wieder stärker verspannt sind. Das ist neben der kälteren Jahreszeit auch durch die fehlende Berührung gut zu erklären: An Stellen im Körper, …

Hinter der Maske leben

Im Karneval und Fasching macht es Spaß, eine Maske zu tragen und sich bis zur Unkenntlichkeit hin zu verkleiden. Und als Kölner habe ich für Karneval immer etwas übrig. In diesen Tagen gehören die Masken schon zum Alltag; genauer gesagt der Mund-Nasenschutz, den wir zur Vermeidung von Coronainfektionen zu vielen Zeiten tragen. Als Brillenträger stehe ich dabei oft wie im Nebel und kann in Geschäften Menschen oder Gegenstände nicht so richtig erkennen. Aber auch ohne Nebel auf der Brille erkenne ich manche Menschen erst auf den zweiten Blick und lerne dabei, wie wichtig die Mund- und Nasenpartie für die Erkennung einer Person ist. Wenn die Maske wirkt Hinter einer Maske zu leben verändert das Leben und die Beziehung. Aber- daran habe ich in diesen besonderen Zeiten keine Zweifel – die Maske ist nötig, um andere und mich vor einer Infektion zu schützen. Sie ist nicht mehr Verkleidung, die ich nach eigenem Gefühl auf- oder absetzen kann. Sie ist Alltagsgegenstand. Ich muss lernen, mit und hinter der Maske zu leben.   Vor allem aber erlebe ich in …