Alle Artikel in: Leben

All meine Knochen kann ich zählen

„All meine Knochen kann ich zählen“

„All meine Knochen kann ich zählen“ Mit Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich habe ich so meine Erfahrungen. Wenn ich morgens aufwache, fühlt sich manchmal die Schulter, auf der ich gelegen habe, unangenehm fest an. Bereits im Bett versuche ich, den Arm ein wenig zu bewegen. Und wenn ich dann aufgestanden bin, strecke ich mich, bewege Arme, Schultern und Rücken, und versuche, sie lockerer zu bekommen. Nach dem Sport oder nach körperlicher Arbeit fühle ich mich oft ähnlich fest und verspannt. Die Knochen tun mir weh. Da kommt mir manchmal dieser Satz über den Lippen, der ja auch schon in der Bibel steht: Alle meine Knochen kann ich zählen. Weit über 2000 Jahre alt ist dieser Spruch und steht im Psalm 22. Muskeln zwischen Anspannung und Entspannung Wenn ich dann in die Praxis zur Arbeit gehe, bin ich oft in der umgekehrten Rolle. Menschen kommen zu mir und erzählen mir, wo sie im Rücken oder im Schulter- und Nackenbereich Schmerzen haben. Dann ist es meine Aufgabe, mit ihnen gemeinsam diese Schmerzen zu lindern. Häufig sind es …

Klarer Standpunkt – in den Füßen

Klarer Standpunkt – in den Füßen

Klarer Standpunkt – in den Füßen Mein Fuß steht auf ebenem Grund.  (aus Psalm 26) Wenn ich auf einen Menschen mit einem klaren Standpunkt treffe, dann ist die Begegnung vielleicht nicht immer ganz einfach. Aber ich habe eine große Sympathie für klare Standpunkte und Respekt vor Menschen, die so sind. Und ich wünsche mir, selber ein solcher Mensch mit einem klaren Standpunkt zu sein. Während meiner Arbeit in der Stimmtherapie spreche ich oft mit Menschen über ihren Stand, über ihre Aufrichtung auf den Füßen. Und auch da erlebe ich sehr körperlich: Es gibt Menschen mit einem klaren Standpunkt. Da würde ich vielleicht eher von einem stabilen Standpunkt sprechen. Menschen, die fest mit beiden Beinen auf dem Boden verwurzelt sind, die nicht krumm sind und nicht leicht zu fallen drohen. Stabilität entsteht nicht durch Festigkeit Spannender ist es, mit Menschen körperlich diesen stabilen Standpunkt zu suchen – immer dann, wenn der Körper (aus welchen Gründen auch immer) aus dieser Stabilität heraus gekommen ist. Für unseren Körper ist dabei klar: Stabilität entsteht nicht durch Festigkeit der Muskeln, …

Lebensgeschichte als Ressource

Deine Lebensgeschichte als Ressource – 8 Ideen

Deine Lebensgeschichte als Ressource Das Leben hält wahrlich viel für uns bereit. Im Laufe unseres Lebens kommen zahlreiche Erfahrungen auf uns zu. Vor ein paar Tagen hatte ich Geburtstag und ein solcher Tag ist für mich immer Anlass, genau darüber nachzudenken. Was hat mir das Leben gebracht? Woraus lebe ich? Gibt mir mein bisheriges Leben Rückenwind oder nimmt es mir Kraft und Energie? Es sind Fragen, die man sich meistens nicht mit 16 oder 20 stellt. Erst wenn man beginnt, Geschichte zu haben bzw. wenn man sein bisheriges Leben als Geschichte erlebt und wahrnimmt, kommen solche Fragen und Gedanken. Eine Kindheit kann schlimm sein, dennoch! Viele Menschen hadern mit ihrem Leben. Vieles ist geschehen: miserable Kindheit, schlechte Eltern, üble Schulkollegen, unterdurchschnittliche Lehrer, einen Partner zum Weglaufen, der Arbeitsplatz zum übel werden, kein Geld, Krankheit, na, fehlt noch etwas? Vielleicht hast du nur einen Extrakt davon erlebt (ich hoffe es), aber viele haben genügend Gründe, die Vergangenheit als besonders dunkel und schlimm zu beschreiben. Ich will hier nichts wegwischen und schön reden: vieles ist schlimm gewesen …

Kritikfähigkeit

Von der Kritikfähigkeit

Von der Kritikfähigkeit Wie sehr wünschte ich mir, unser Ordensvater hätte in einem Kapitel seiner Regel Anregungen zu diesem Thema gegeben… Was ist Kritik? – Etymologisch gesehen, ist das Wort vorm altgriechischen Verb „krinein“ abgeleitet und bedeutet „(unter-)scheiden“, „trennen“. Objektiv betrachtet, bedeutet Kritik die Beurteilung einer Sache oder einer Handlung anhand von (eigenen) Maßstäben. Dabei unterscheidet man konstruktive, aufbauende von destruktiver, zerstörerischer Kritik. Vor der Letztgenannten warnt der heilige Benedikt immer wieder, wenn er mahnt, das „Murren“ zu unterlassen (z.B. RB 40,9 u.ö.). Wir wissen alle, dass Kritik – auch wohlgemeinte – verletzten kann. Gerade eine unbedachte, reflexhafte Antwort auf mir gegenüber geäußerte Kritik kann noch weitaus verletzender sein. Wie also gehe ich mit Kritik um? Martin Werlen OSB, der unserem Konvent im Januar die Jahresexerzitien gab, gab auf diese Frage eine praktische Antwort: „In der Regel schlafe ich eine Nacht darüber, bevor ich reagiere“, sagte er. Und er erzählte uns eine anschauliche Anekdote aus seiner Zeit, in der er Abt in Einsiedeln war: Er hatte einen Brief von einem „besorgten“ Katholiken erhalten, der ihm …

Sehnsucht aus Stoff und Faden

Sehnsucht in Stoff und Faden – Stadtmönche on air

Bisher dachte auch ich, dass eine Teddyklinik ein Ort nur für Kinder sei. Mein Besuch in der Bärenhöhle bei Frau Mahnke hat mich eines besseren belehrt. Teddybären sind weitaus mehr als nur eine Figur aus Stoff und Faden. Das sind sie auch, doch vor allem sind sie ein Produkt unserer Sehnsucht und Bedürftigkeit. So manchen Besitzer begleitet der Teddy durch Dick und Dünn – manchmal sogar bis ans Lebensende.

Lächeln

Schönes Lächeln und mehr…

Schönes Lächeln und mehr.. Behüte das Tor meiner Lippen (Ps 141,3) Wenn Ende diesen Monats bei der Oscar-Verleihung die Sieger freudestrahlend auf dem roten Teppich posieren, können wir es wieder in Zeitungen und im Netz beobachten: Jede und jeder setzt ihr/sein schönstes und strahlendes Lächeln auf, wenn die Kameras blitzen. Und tatsächlich deuten wir gerne aus dem Lächeln eines Menschen dessen Zufriedenheit und Glück. Aus den Gesichtsmuskeln erkenne ich, wie mein Gesprächspartner „drauf ist“ Im Gesicht haben wir eine Vielzahl von Muskeln, die so genannte mimische Muskulatur. Im Wesentlichen sind es acht Muskelgruppen, die vom Augenbrauenheber über den großen Jochbeinmuskel bis zum Mundringmuskel und Schmollmuskel reichen. Sie verändern sich beim Lachen, beim Grinsen, beim Weinen, beim Ärgern. In unserem Miteinander haben sie eine große Bedeutung, denn wir deuten oft aus dem ersten Eindruck der mimischen Muskulatur unseres Gesprächspartners, „wie der gerade drauf ist.“ Aber auch die Kaumuskulatur ist nicht unwichtig: Da ist zum Beispiel der Masseter-Muskel, mit dem wir unseren Kiefer zusammendrücken können und der im Verhältnis zu seiner Größe eine besondere Kraft hat. Wenn …

Achtsamkeit

Von der Achtsamkeit

Von der Achtsamkeit… … so könnte die Überschrift eines der Kapitel der Benediktsregel lauten; denn der heilige Benedikt schreibt im Abschnitt über den guten Eifer der Mönche: „Keiner achte auf das eigene Wohl, sondern mehr auf das des anderen.“ (RB 72,7) Diese Erfahrung konnten am vergangenen Donnerstag unsere Gäste machen. Wir hatten zum „Klostermahl“ in unser Refektorium eingeladen: ein typisch klösterlich-schlichtes Abendessen mit Tischdiener und Tischlesung, was bedeutet, dass bei der Mahlzeit geschwiegen wurde. In der kurzen Einführung zuvor hatte Bruder David den Gästen gesagt, dass natürlich der Tischdiener dafür sorgen werde, dass alle genug zu essen und zu trinken bekämen, dass man aber auch auf seine Tischnachbarn achten und schauen solle, ob etwa jemand Butter benötigte, an die sie oder er nicht herankäme. Ablenkung verhindert Achtsamkeit Beim kurzen Rundgespräch nach dem abschließenden Tischgebet wurde unter anderem erwähnt, dass man gut auf das Essen hätte verzichten und sich ganz auf die Tischlesung hätte konzentrieren können. Diese Erfahrung machen die meisten Gäste, die zum ersten Mal in einem Klosterrefektorium bei Tisch sind und dort ein Buch …

achtsam leben: Der einfachste Weg zur Selbsterkenntnis – reloaded

achtsam leben: Der einfachste Weg zur Selbsterkenntnis “Erkenne Dich selbst…” soll am Eingang zum Orakel von Delphi gestanden haben. Dieser Zuruf scheint bis heute nicht verhallt zu sein, ganz im Gegenteil: Selbsterkenntnis, mehr über sich zu erfahren. gehört ganz wesentlich zur Kultur unserer Neuzeit. Zahlreiche Seminare, Bücher und Techniken sind zu finden, die alle dafür sorgen wollen, dass ich mich besser mit mir selber auskenne. Die psychologische Wende, die von Siegmund Freud eingeleitet wurde, hat Wesentliches dazu beigetragen. Seine Theorie war es ja, dass wir durch reines Nachdenken über uns selber gar nicht viel herausfinden können, da uns große Teile möglichen Wissens unbewusst sind. Um auf das Unbewusste zugreifen zu können, arbeitete Freud zunächst mit Hypnose und später mit Traumdeutung. Wesentliche Frage der Selbsterkenntnis ist die Suche nach dem, was mich antreibt. Motivation ist nicht nur ein komplexer Begriff, mit der Erkenntnis über meine Motivationen kann ich auch sehr viel über mich erkennen. Warum tue ich dieses oder jenes? Warum bin ich bei bestimmten Themen aufbrausend? Wie kommt es, dass ich immer wieder Freunde verliere? und so …

Lebensmittel

10 „Lebensmittel“, die Dich am Leben halten

10 „Lebensmittel“, die Dich am Leben halten Welche „Lebensmittel“ ernähren Dich wirklich? Hier meine Geschichte dazu: Vor einigen Tagen war ich mal wieder mit dem Zug unterwegs – von Hannover über Dortmund nach Meschede und zurück. So weit, so gut. Wir fuhren los, der Zug kam in Fahrt, hielt an den vorgesehenen Bahnhöfen, ich war vertieft in einen Artikel, der meine Aufmerksamkeit fesselte. Dann plötzlich ein Ruck, die Bremsen quietschten, der Zug kam zum Stillstand. Ein Warten setze ein: vielleicht müssen wir auf Einfahrt warten, ein Hindernis ist auf dem Gleis oder das Signal ist umgesprungen. Nichts davon: uns wurde mitgeteilt, dass es einen Personenschaden gegeben hat. Mit anderen Worten: jemand hatte sich vor den Zug geworfen. Die beklemmende Atmosphäre war zum Greifen nahe. Da starb also vermutlich gerade jemand, ein paar Sekunden vorher und der Zugführer sitzt jetzt vermutlich hochtraumatisiert im Führerhaus. Was bringt jemand zu solch einem autoaggressiven Schritt, wie kann man sich sowas antun, was muss vorher geschehen sein? Ich konnte meine Lektüre nicht weiter fortsetzen, sondern dachte über all die Fragen …

Atempause

Mach mal Atem-Pause

  Mach mal Atempause In den Tagen vor Weihnachten sehne ich mich manchmal nach einer Pause. Auch in unserem Kloster, oder zu mindestens bei mir, sind diese Tage gefüllt mit manchen zusätzlichen Terminen und Aufgaben, die ich bis Weihnachten geschafft haben will. In der wenigen Freizeit, die bleibt, dann wirklich zur Ruhe zu kommen, ist gar nicht so leicht. Und vielleicht kennt ihr das Gefühl, wenn man zwar manchmal eine kurze Pause hat, aber irgendwie nach der Pause gar nicht erholt und wieder neu zu Kräften gekommen ist. Was gibt uns neue Kraft? In Belastung und Stress beschleunigt sich unser Puls, oft beschleunigt sich auch die Atmung. Wenn wir große körperliche Leistungen erbringen wollen, atmen wir sehr schnell ein und aus, um den Muskeln ausreichend Sauerstoff zuzuführen. In der Ruhe, also beispielsweise in der Nacht, wenn wir schlafen, atmen wir sehr viel langsamer ein und aus. Und nach der Ausatmung nimmt sich der Körper eine kleine Zeit der Pause. Eine oder zwei Sekunden, in der Nacht manchmal sogar mehrere Sekunden lang, bis die nächste Einatmung …