Glaube
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Leben aus dem Vertrauen heraus

Psalm

Welcher Psalm gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung?

Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. (Ps 127,1 nach M. Luther)

Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich?

Lange war mir nicht bewusst, dass ich mich oft in der unmittelbaren Vers-Nachbarschaft aufhielt, wenn Lehrer Bequemlichkeit mit Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf! quittierten. Später konnte ich lesen, dass die Verse 1 und 2 in diesem Zusammenhang dreimal von umsonst sprechen … Gleichzeitig zählt der Psalm freilich Lohn auf und Frucht, Hand des Helden und Pfeile im Köcher und nicht zuschanden werden. Ein „duales System“ offensichtlich, das wohl auch Jesus am Herzen liegt: Ein Mensch warf den Samen auf die Erde und schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same keimt und wird lang, er selbst weiß nicht wie. (Mk 4,26f)

In welcher Lebenssituation könnte man diesen Vers jemanden an die Hand geben?

In jeder – ob agil und erfolgreich, extrovertiert und engagiert, hoffnungsfroh und voller Pläne, glücklich und lebenslustig oder gehemmt und unproduktiv, verschlossen und gelähmt, verbittert und schwarzseherisch, enttäuscht und misstrauisch. Geht es doch wohl darum, aus einem tiefen Vertrauen heraus leben zu lernen, indem wir uns erinnern lassen an die grenzen-setzende wie enthemmende Kraft unserer „Gotteskindschaft“.

Angenommen der Vers wäre der Titel eines Films – wovon würde der Film handeln?

Es wäre ein ganz banaler Dokumentarfilm, der den Titel tragen würde. Ein Film, der den Bau eines Hauses dokumentiert: den Entschluss zum familiären Ortswechsel aus beruflichen Gründen; die spannungsvoll-freudige Erwartung angesichts des Abschieds aus gewachsenen, freundschaftlichen und kollegialen Vernetzungen hinein in einen regionalen, nachbarschaftlichen und häuslichen Neuanfang; die wohl überlegte Wahl des Wohnortes und die fachmännisch begleitete Hausplanung und Bauleitung; den Bezug dann des neuen Heims, das die Umzugsmitarbeiter zur Frage verleitet, wer denn in einen Rohbau einziehen wolle; und wegen des anhaltenden Regenwetters droht das ganze Baugebiet in einem lehmschlammigen Brei zu versinken; zuvor freilich findet das Wasser seinen Weg in den betonwannengebauten Keller wie auch durch die vom Wind aufgedrückten bodentiefen Fenster; in den Bädern kleben die Bodenfliesen an den Wänden und umgekehrt … Und dann, in Anlehnung an die wunderbare Tradition der evangelisch-lutherischen Alteingesessenen, ihre Häuser mit einem Sinn- oder Bibelspruch zu zieren, der Entschluss, das fertiggestellte Heim unter Ps 127,1 zu stellen – von einem versierten Freund in Metall gefräst und am Vordach des Hauseingangs festgeschraubt; und der immer zu einem Spaß aufgelegte Schwiegervater kommentiert: Der Haussegen kann nie schief hängen …

 

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Prof. Dr. Aloiis Stimpfle
verheiratet, drei Kinder
Professor für biblische Theologie (Schwerpunkt NT) an der Universität Hildesheim (und Hannover)
seit 12 Jahren in Sachen „Herzensgebet“ unterwegs (entsprechende Veranstaltungen im Kloster Wennigsen und im Kloster Maihingen)

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