Krisen überstehen

Christentum heißt: Krisen überstehen

In diesen Tagen ist viel von Flüchtlingen die Rede, und gerade die christlichen Kirchen sind ganz aktiv bei der Unterstützung, was mich sehr freut. Das Phänomen Flucht ist dem Christentum, aber auch dem Judentum ins Stammbuch geschrieben: der Auszug aus Ägypten, die Flucht von Maria, Josef und dem noch kleinen Jesus nach Ägypten, die Zerstreuung, Bedrohungen usw. Immer wieder Flucht, immer wieder alles verlassen, sich auf ganz neue Kulturkreise einlassen, immer wieder Gefahr und immer wieder auf das Wohlwollen andere angewiesen sein.
Ich glaube, dass das Christentum eine Trauma-Religion ist. Was damit gemeint ist? Jesus starb am Kreuz – wenn das kein Trauma wahr? Und das war es ohne Zweifel für ihn wie für seine Freunde und Familie, ist eines der wichtigsten Ereignisse für die Bildung des Christenturms – ganz abgesehen von all den Verfügungen, den Demütigungen und Vertreibungen. Und waren es nicht Sklaven, die als erstes dem neuen Weg folgten, Menschen, die genug Unterdrückung und traumatisierende Erfahrungen erlebt hatten? Sie fühlten sich offensichtlich im Christentum zu Hause, fanden dort eine Antwort auf ihre Lebenserfahrungen.
Krisen überstehen: Ja, das Christentum hat etwas dazu zu sagen. Hier ein paar Hinweise:

Krisen überstehen: das Himmelreich ist Dein Ort!

Jesus predigte vom Himmelreich: Das darf man sich als einen Ort vorstellen (wenn man überhaupt von Ort reden darf), wo jeder absolut sicher und aufgehoben ist. Dort geschieht kein Unrecht und keine Demütigung mehr. Das ist ein Angebot an alle, die stark gelitten haben, sich in einem solchen Ort zu verankern. Heutige Traumatherapien machen das, lassen vor dem inneren Auge wunderbare Landschaften entstehen wo alles so ist, wie es meine Seele braucht, um zu heilen. Das Himmelreich kann man so verstehen.
Tipp: Stell Dir das Himmelreich Gottes ruhig einmal ganz konkret als einen solchen Ort vor, der voller Liebe, voller heilender Angebote ist. Natürlich wissen wir, dass es so plastisch nicht sein wird, aber die Seele versteht konkrete Bilder am besten.

Krisen überstehen: Erweitere Deinen Horizont

Es gibt Kränkungen und Verletzungen, die nicht mehr heilen, es gibt Erfahrungen, die Menschen tatsächlich kaputt machen. Da hilft auch keine noch so gute Therapie mehr. Jesus verspricht uns allen das Reich, nicht aufgrund unserer Taten, sondern aufgrund der Gnade. Wir müssen nichts leisten, müssen nicht erst erleuchtet sein, sondern allein als Geschenk kommen wir in das Reich. Auch, wenn die Seele völlig “kaputt” ist, auch dann wird die Barmherzigkeit Gottes, und gerade dann, sich um diese Seele kümmern. Das gescheiterte Leben findet in Gott doch noch seine Erfüllung und nicht seine Anklage.
Tipp: Der Horizont Deines Lebens ist nicht durch den Tod begrenzt. Was in diesem Leben nicht geschehen ist, wird Dir gewiss im kommenden gegeben werden. das soll keine Vertröstung sein – aber manchmal kann nur das noch trösten!

Krisen überstehen: Bewahre Deine Würde

Gott kennt Dein Leid! Er ist keiner, der sich alles wie im Fernseher anschaut, keiner, der nicht wüsste, was Schmerzen und was Erniedrigung und Spott sind. das alles kennt Gott. Du bist nicht alleine! Du darfst auch jammern, auch wenn es vielleicht manches Leid schwerer macht. Dem Schlimmen ins Auge zu schauen – so wie es Jesus tat – ist ein nicht leichter Weg, auch keiner, nach dem man verlangen kann, aber er macht aus schweren Wegen würdevolle Wege.
Tipp: Gönne Dir jeden Tag Zeiten zu jammern und begrenze diese. Unterstütze Dich dabei, dem, was Dich belastet, soweit es geht ins Angesicht zu schauen. daraus kann Stärke erwachsen.
Vielleicht helfen diese Gedanken, vielleicht bist Du anderer Meinung, vielleicht hast Du Erfahrungen dazu oder Ergänzungen. Ich würde gerne davon erfahren – einfach in den Kommentar schreiben.

Bruder David


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Kommentare

  • Ich habe eine kleine wahre Geschichte die Mut machen soll Krisen gut zu überstehen. Ich helfe einer älteren Dame im Haushalt. Sie ist 84 Jahre alt und konnte laufen und war auch ganz rustikal. Durch eine Fusserkrankung die nicht heilen wollte, ist ihr Bein abgenommen worden und sie sitzt jetzt im Rollstuhl. Sie gibt nicht auf. Sie macht jeden Tag ihre Übungen fürs Bein und übt schon mit Ihren Therapeuten die Treppen in den Garten zu rutschen, da sie wieder unabhängig sein möchte. Obwohl sie einige Rückschläge hatte und hingefallen ist, steht sie immer wieder auf und kämpft weiter…und ist dabei noch ganz lieb und kümmert sich noch um andere und fragt wie es einen selbst geht und verliert nicht den Mut. Auch ihre Freundin kann sie zur Zeit nicht besuchen, da sie selbst auch Probleme beim gehen hat. Jetzt ist sie sogar schon soweit das die Prothese schon bald angefertigt wird und sie rechnet damit im nächsten Jahr wieder ohne Hilfe auszukommen. Ich hoffe, ich kann mit dieser wahren Geschichte Mut machen nicht aufzugeben…Es kann jeder schaffen…

    Lg Conni

  • Hallo lieber David,
    da hast Du ja ein wirklich wichtiges Thema ausgewählt.
    Krisen.
    Wer kennt sie nicht?!
    Gerade dann erkennt man aber auch, dass der christliche Glaube, wenn er im Sinne Jesu erfahren wird, ein zutiefst therapeutischer Glaube ist. Leider konnte man das in der Vergangenheit in den verschiedenen Kirchen oft recht wenig erfahren.
    Wo ich es vielleicht mit am meisten erfahren und gelernt habe, das waren die Begegnungen mit Anselm Grün und Eugen Drewermann. Beide verkörpern auf sehr unterschiedliche Art und Weise diesen therapeutischen Charakter, den jede gesunde Religion haben sollte, sonst existiert und funktioniert sie am Menschen und am Leben vorbei.
    Persönlich konnte ich das sehr Besondere am jesuanischen Glauben in einer sehr speziellen Burnout-Situation erfahren. Da ging nichts mehr, der Körper vor allem schrie nach Veränderung, beruflicher Veränderung, nach ernstnehmen der Signale meiner Seele.
    In dieser Zeit ganz unten waren mir keine meiner sonstigen heilsamen Aktivitäten mehr möglich: weder Meditation oder Yoga, noch Sauna oder Stundengebet. Alle gesunden Quellen waren abgestellt. Aber eines ging eben auch ganz unten, in völliger Kraftlosigkeit doch noch: der hilflose Augenaufschlag hinauf zum sterbenden Gott am Kreuz. Und dabei das wortlose Verstehen auf ganz neue Weise: dieser Gott ist auch jetzt da, der weiß wie es mir geht, der ist mittendrin in meinem kraftlosen Erleben.
    Diese hier nur angedeuteten Augenlbicke gehören wohl zum Kostbarsten meines Lebens, die ich nicht missen möchte, die ich mir aber auch nicht so schnell wieder wünsche.
    Aber das war für mich Therapie Gottes pur. Das ist dann danach umso mehr das Wesentliche am christlichen Glauben, dass Gott für uns ganz und gar Mensch war und diese erdhafte leidhafte menschlichste aller menschlichen Erfahrungen mit uns und für uns durchgestanden hat. ER war sich dafür nicht zu schade. ER ist eben für uns nicht der ferne Zuschauer, auf solch einen Gott könnte ich getrost verzichten, ER ist der mitfühlende Freund und Geliebte mitten in allem was unser Leben ausmacht.
    Wenn das nicht therapeutisch ist, was dann 🙂
    In diesem Sinne Dir und den Brüdern in der Cella einen sonnigen Sonntag in Hannover
    pace e bene von
    michael
    🙂

    • Eine solche Erfahrung habe ich noch nicht gemacht, aber ich finde es sehr interessant, was Du zum Kreuz schreibst. Das entspricht ja der Erfahrung einer ganzen Reihe von Menschen, vor allem in der Spiritualitätsgeschichte und wirkt manchmal für heute fast seltsam. Aber so, wie Du es schreibst kann ich es sehr gut nachvollziehen und so wird es mir verständlich. Der Isenheimer Altar wurde ja genau für solche Situationen geschaffen: dass man aufschauen kann in der Krise und wieder erfährt: das Leid ist Gott nicht nur nicht egal, er kennt es sogar, weil er es leibhaft erlebt hat. Gute Nacht! David

    • Zitat Michael:
      >Diese hier nur angedeuteten Augenblicke gehören wohl zum Kostbarsten meines Lebens, die ich nicht missen möchte, die ich mir aber auch nicht so schnell wieder wünsche.<

      Ja.

      Keine Frage, der Glaube kann eine echte Hilfe und ein Trost in schwierigen Situationen sein. In schweren Krisen „funktioniert“ (kein gutes Wort für eine Beziehung, es geht ja nicht um Nutzen) das aber nicht mehr unbedingt. Krisen lassen sich nicht einfach wegglauben, und das soll auch wohl nicht.

      Aber das Kreuz ist immer noch zugänglich, das wofür es steht, der für den es steht. Bei mir war es ein metallenes Kruzifix, hart, kalt, stabil, das mich zu anderen Zeiten eher nicht angesprochen hätte. Aber es hat meinem ziemlich rabiaten Zupacken standgehalten.

  • …vielen Dank für die Gedanken zum “Horizont erweitern”- und “das Himmelreich ist Dein Ort…”das hat mir grade viel Mut gemacht !!
    Ich werde jetzt immer mal auf eure Seite schauen….
    herzlich,
    Astrid

  • Hallo lieber David,
    gerade eben habe ich erst den Text von Dir “Christentum heißt – Krisen überstehen” gelesen. Da kann ich aus eigener Erfahrung einiges bestätigen. Mache Wunde ist so tief, dass sie – um ganz heilen zu können – mehr braucht, als nur über den Verstand. Nach jahrelanger Traumatherapie konnte ich zwar gut und lebenswert leben, die vielen Skills, Strategien und Traumaverarbeitungsstunden haben ihre Wirkung gezeigt. Und doch hat etwas gefehlt um meine inneren Wunden ganz heilen zu lassen. Mein Glaube war in dieser Zeit mein Anker. Gerade was Du in “Das Himmelreich ist Dein Ort” geschrieben hast – hat mir sehr geholfen. Mein “Sicherer Ort” ist ein wunderschöner Garten, in dem meine Lebensrose steht und Jesus ist mein Gärtner und pflegt sie. Er weiß, was ich brauche, um gut wachsen zu können. Dieses Bild hat mir selbst in den dunkelsten Stunden – als ich keine Kraft mehr für Skills usw. hatte – erreicht und geholfen. Und das tut es heute noch!! Was für ein Geschenk!
    Auch die beiden anderen Abschnitte bzg. Horizont erweitern und der Würde kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen. Therapie ist gut und wichtig um den Verstand zu erreichen – aber für mich war die Auseinandersetzung auf der Glaubensebene auch noch einmal sehr wichtig. Für manche Verletzungen gibt es keine Worte, die irgendwie Trost spenden können – aber das Wissen, dass Jesus um meine Wunden weiß und er das Leiden kennt, hat mir damals Trost gespendet. Das Wissen, dass ich mich vor ihm nicht erklären muss und keine Worte nötig sind für Dinge, wo einfach die Worte fehlen:))
    Inzwischen trägt mich eine große Dankbarkeit, dass mir damals Menschen an die Seite gestellt wurden, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Und daher möchte ich allen, die gerade mit Krisen und ähnlichem kämpfen, sagen: es lohnt sich durchzuhalten! Das Leben ist schön! Und die von Dir, David, beschriebenen Dinge, sind wunderbare Hilfen, um diese Dunkelheiten zu überstehen. Mehr noch, in ihnen Erfahrungen zu sammeln, die das Leben zum Positiven hin prägen können.
    Ich bin erst im Juli von München in die Nähe von Hannover gezogen und es tut gut zu wissen, dass es euch hier von der Cella gibt! Danke an dieser Stelle mal für alle Angebote und die Stundengebete. Für mich ist es leider zu weit (ich fahre 1 gute Stunde), so dass ich bisher immer nur per Homepage mitverfolge – aber allein das Wissen, dass es hier so einen Ort gibt, ist schön! Vielleicht kann ich es mal mit einem Hannoverbesuch verbinden zu kommen.
    Einen lichtvollen 4. Advent und liebe Grüße, Sonnenblume

    • Liebe Sonnenblume,
      das freut mich natürlich wirklich sehr, dass Du meine Zeile so sehr bestätigen kannst. Ich bin auch ganz tief davon überzeugt, dass ein konstruktiver Glaube eine ungeheure Kraftquelle in Zeiten der Krise sein kann. Auch ich habe das ein manches Mal schon erfahren können. Gerade was ressourcenvolle innere Bilder angeht, hat das Christentum viel zu bieten. Es wäre gut, wenn wir das viel stärker nutzen würden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass gerade die, die dafür kirchlicherseits zuständig sind am wenigsten wissen. Aber gut – ich will keine vorschnellen Urteile fällen.
      Deine Aussage spricht ja für sich und ermutigt hoffentlich den ein oder die andere dazu, den Glauben gerade in der Krise als etwas Hilfreiches zu nutzen.

      Ich wünsche Dir ein gesegnetes Weihnachtsfest! LG Bruder David

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