Glaube
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Ich werde Dich schauen!

In unserer Psalmenreihe hat uns Äbtissin Bärbel Görcke aus dem Kloster Mariensee ihren Lieblingsvers gedeutet

Welcher Psalm-Vers gefällt Dir besonders gut oder hat für Dich persönlich eine besondere Bedeutung?

Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde. (Psalm 17.15)

Wie würdest Du den Vers in Deiner eigenen Sprache formulieren und welche Bedeutung hat der Vers für Dich persönlich?

In meinem ganzen Leben möchte ich wachsen in der Liebe zu dir, denn du wirst mich zurechtbringen. Dann kann ich dich sehen, wie du bist. In der Liebe kann ich dich in deinem tiefsten Wesen erkennen. Du, nach dem ich mich sehne und auf den ich immer schon zugehe, wirst all meine Sehnsucht stillen.

Dieses Wort hat mich gefunden, als ich schon lange das Gefühl hatte, auf einer Wanderung durch die Wüste zu sein. Ich fühlte mich wie gelähmt und mit wenig Hoffnung. In der Fastenzeit hatte ich das Gefühl, Christus entgegen zugehen. Dann sang ich am Karsamstag diesen Psalm und fand dadurch zu meinem persönlichen Ostern: der Erfahrung Gottes in Liebe und Licht.
Dieser Vers ist ganz tief in mich hineingefallen und singt in mir bis heute.

Bilder sind sehr wichtig für meinen Glauben. Mit diesem Wort verbindet sich für mich das Antlitz Jesu Christi – so wie ich es auf einer Ikone aus Jerusalem gesehen habe. Die ersten Betenden des Psalms hatten wohl die kleinen Tontafeln in ihren Häusern vor Augen, auf denen ein Gottesbild mit weiblichen Zügen zu sehen war. Für mich bedeutet es, dass wir mit Bildern umgehen und zugleich alle Vorstellungen von Gott überwinden können und sollen. Danach sehne ich mich und darauf hoffe ich.

In welcher Lebenssituation könnte man diesen Vers jemandem an die Hand geben?

Vielleicht Menschen, die eine tiefe Sehnsucht spüren.
Es ist aber wohl eher ein Vers, den man selbst findet – oder, von dem man gefunden wird, so wie es mir ging. Dass Worte sie finden, wünsche ich auch anderen. Darum ermutige ich sie, Psalmen zu beten – allein und mit anderen gemeinsam.

Angenommen, der Vers wäre der Titel eines Filmes – wovon würde der Film handeln?

„Dein Antlitz werde ich schauen“ handelt von der Liebe in ihren vielen Spielarten und unterschiedlichen Formen, in denen Menschen sie leben. Etwa wie in „Tatsächlich Liebe“, einem meiner Lieblingsfilme. Der Film endet mit Bildern liebevoller Begegnung. Sie zeigen: wir alle sind gehalten und getragen von der Liebe.

 

Kloster-Konvent-Faber-Mai2014-02

Bärbel Görcke
geb. 1964
Wohnort: Neustadt am Rübenberge
Äbtissin des evangelisch-lutherischen Klosters Mariensee

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    Wenn man diesen Bericht liest dann be kommt man Albträume wie geht es weiter.