Glaube, Nikolaus
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Die Fastenzeit

„Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit.“ So beginnt der heilige Benedikt das 49. Kapitel seiner Regel, um gleich in den nächsten beiden Sätzen zu relativieren: „Dazu aber haben nur wenige die Kraft. Deshalb raten wir, dass wir wenigstens in diesen Tagen der Fastenzeit in aller Lauterkeit auf unser Leben achten und gemeinsam in diesen heiligen Tagen die früheren Nachlässigkeiten tilgen.“ ( RB 49,2f). Und etwas weiter unten führt er aus: „Gehen wir also in diesen Tagen über die gewohnte Pflicht unseres Dienstes hinaus durch besonderes Gebet und durch Verzicht beim Essen und Trinken.“ (RB 49,5).

Der Mönch soll zwar immer ein Leben führen wie in der Fastenzeit, dazu aber haben nur wenige die Kraft. 

Benedikt von Nursia

Verzicht auf Speise und Trank

Der Verzicht auf Speise und Trank wurde in vielen alten Kulturvölkern aus religiösen Motiven praktiziert. Da verwundert es nicht, dass auch das Alte Testament im Fasten einen Ausdruck der Trauer und Buße sowie der Intensivierung des Gebets sieht. Vor allem aber diente das Fasten als Vorbereitung auf besondere religiöse Feste.

Da die Pharisäer den Menschen immer mehr Gebote und Regeln vorsetzten, warnt Jesus in der Bergpredigt vor einer Verfälschung der Motive: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ (Mt 6,16-18).

Sinn des Fastens

Die frühe Kirche sah im Fasten eine Verstärkung des Gebets, eine Wegbereitung für den Geistempfang, eine Abwehr gegen Versuchungen – und eine Ermöglichung tätiger Hilfsbereitschaft für die Armen durch eine Einsparung eigener Ausgaben.

Die frühe Kirche sah im Fasten eine Verstärkung des Gebets.

Bruder Nikolaus Nonn

In neuerer Zeit wird das Fasten von unterschiedlichsten Seiten neu propagiert: Wenn man bei Google etwa das Stichwort „Heilfasten“ eingibt, werden unzählige Seiten angezeigt, die diese Form des Fasten zur Stärkung der Gesundheit benennen.

Tatsächlich werden ja auch die Sinne neu angesprochen, wenn ich eine Zeitlang bewusst auf die eine Speise und das alkoholische Getränk verzichte: Nach dem Fastenende ist der  Geschmackssinn doppelt so intensiv wie zuvor.

Über das leibliche Fasten hinaus

Es kann durchaus auch hilfreich sein, sich nicht nur beim Essen und Trinken zu beschränken, sondern sein Konsumverhalten als Ganzes zu überdenken:
Muss ich mich tagsüber vom Radio berieseln lassen oder jeden Abend vor dem Fernseher sitzen? – Ich könnte ja auch mal wieder ein Buch lesen…
Muss ich ständig erreichbar sein? – Ich bin nicht unersetzlich…
Muss ich eigentlich…

Die Fragen ließen sich beliebig fortsetzen…Vielleicht magst Du Dir Deine persönliche Frage für die Fastenzeit stellen und dann entsprechend danach handeln!?

2 Kommentare

  1. Avatar
    corinna stahr sagt

    ein fröhliches Hallo,

    ein sehr schöner Artikel, weniger ist mehr…

    wenn ich mich vom Alltagstrubel erdrückt fühle und mir alles zuviel wird, ziehe ich mich zurück, stelle mein Telefon aus und die Klingel an der Haustür auch.

    Ich finde man kann in solchen Momenten wunderbar über Sachen nachdenken. Manchmal sitze ich am Fenster und denke dann einfach nur nach und beobachte die Natur wenn sie stürmt oder den sternenbehangenen Himmel…

    Solche Auszeiten geben mir immer viel Kraft.

    Ganz lg Conni

  2. Avatar
    Mirijam sagt

    Lieber Bruder Nikolaus,
    danke für die Anregungen. Ich habe mir vorgenommen, von Süßigkeiten und Fernsehberieselung zu fasten.
    Das Buch „Gott ist nicht nett“ wird mich dabei begleiten.

    Herzliche Grüße an alle Mitfasterinnen und Mitfaster
    Mirijam

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