Glaube, Nikolaus
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Das Auge betet mit

Das Auge betet mit

Das Auge betet mit

… so lautet der Titel eines Buches, an dem ich – zusammen mit drei weiteren Autoren – momentan in der Endphase arbeite. Dabei handelt es sich um ein Werkbuch für die Blumengestaltung von Sakralräumen im Kirchenjahr. Aus der Arbeit mit dem Buch, das viele Fotobeispiele zeigt, entstand die Idee, eine Küsterfortbildung im Bistum Münster zu diesem Thema zu machen. Und so war ich in der vergangenen Woche in einem katholischen Bildungshaus in Nordrhein-Westfalen, um mit etwa 70 Küsterinnen und Küstern zu arbeiten.

Sakralräume erleichtern oder erschweren das Beten

Im Park des Tagungshauses wurde nach 1960 eine Kapelle in Beton-/Glasbautechnik errichtet. Als ich diesen Sakralraum vergangenen Montag betrat, war ich – um es vorsichtig zu formulieren – nicht sehr angetan: ein dunkler, von Lampen nicht richtig ausgeleuchteter Raum. Eine recht große Glaswand in blauen und grauen Farbschattierungen gehalten, ließ ebenfalls kein richtiges Licht herein. Der Alter wirkte ein wenig lieb- und lustlos aufgestellt (und wackelte auch noch, wie ich bei einem Gottesdienst feststellte). Der Ambo stand mit der Pultseite an die Wand gerückt…

Die alles wirkte nicht sehr einladend und erst recht nicht zielführend; denn ein Sakralraum hat zuerst dienenden Charakter und soll den Gläubigen zum einen zur Ruhe kommen lassen und zum anderen auf Gott ausrichten, so dass der einzelne Mensch von allein in einen Dialog mit Gott eintreten kann.

Dies schienen auch die Teilnehmer*innen gespürt zu haben; denn sie sollten – nach einer theoretischen Beschäftigung mit dem Österlichen Triduum – in fünf Kleingruppen einen der österlichen Tage floral gestalten, angefangen mit dem Palmsonntag, über Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag bis hin zu Ostern.

Raus in die Natur

Natürlich suchten alle fünf Gruppen zunächst für Ihre florale Gestaltung nach einem Ort in der Kapelle. Doch dauerte es nicht lange, und vier von fünf Gruppen waren entschieden, dass sie ihre Installation in der freien Natur machen wollten.

Da wurde zunächst aus Ästen, die verbunden wurden, zwei „Gerüste“ gebaut, die auf den Rasenflächen neben dem Weg zur Kapelle ihre Aufstellung fanden. An diese Gerüste wurden unterschiedliche, große Blätter, die an Palmzweige erinnerten, befestigt. Ein paar Tücher wurde von dort auf den Weg gelegt – und fertig war die Installation, die den Einzug Jesu in Jerusalem darstellen sollte.

Die Gruppe, die den Gründonnerstag gestalten sollte, entschied sich für das kleine Festzelt im Park hinter dem Tagungshaus. Die Gestaltung mit einfachen Materialien und jeweils einer weißen Rose, auf einen Bierzelttisch rief beim Betrachter sofort das innere Bild des Abendmahls hervor.

Karfreitag: ein Dornenkranz aus Brombeerranken und ein Kreuz aus Ästen, über das auf fünf langen Bändern aufgeklebte rote Rosenblätter gehängt wurden, erinnerten an die Wundmale Jesu.

Die „liturgische Leere“ das Karsamstags spiegelte sich in vier Rechtecken, zu denen Skelettblätter zusammengeklebt waren, und in unterschiedlichen Abständen vor ein Fenster gehängt waren: Man konnte ein Kreuz erahnen, man konnte aber auch österliche Hoffnung durchschimmern sehen.

Für Ostern wurden unterschiedlich hohe Stelen aus Astmaterial gebildet, in die weiße Calla und andere weiße Blüten, sowie einige schmale, lange grüne Blätter eingefügt wurden: Die Assoziation eines „Ostergartens“ war perfekt.

Das Auge betet mit

Wir froh bin ich, wenn ich in unsere Hauskirche komme, die mich immer wieder in die Ruhe führt und sammelt – und auf den ausrichtet, der mich in seine Nachfolge gerufen hat. Und ich freue mich auch immer wieder, wenn ich zu besonderen Gelegenheiten dort eine schöne Blumeninstallation machen darf; denn das Auge betet mit.

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