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Aufatmen – mit Gott gehen Teil 1

Foto: pixabay.com/leovalente

Aufatmen – mit Gott gehen

Nach der Knechtschaft und dem Auszug Israels hatte Jahwe seinem Bundesvolk seinen Bund angeboten und ihm mit den Zehn Geboten eine Richtschnur für ein geordnetes Leben an die Hand geben wollen. Doch die Israeliten hatten sich ein Goldenes Kalb gegossen, um einen „Gott“ vor Augen zu haben. Mose entbrannte daraufhin vor Zorn, zerschmetterte die steinernen Tafeln mit der Bundesurkunde, verbrannte und zerstampfte das Götzenbild … Dennoch erneuerte Jahwe seinen Bund mit den Israeliten, zog mit ihnen durch die Wüste und führte sie ins gelobte Land! Dass die Israeliten diese Wüstenwanderung nicht ohne Murren machten, versteht sich von selbst: Wann haben Menschen je Mühen auf sich genommen ohne zu murren! (Ein Grundübel, vor dem zum Beispiel der heilige Benedikt in seiner Mönchsregel immer wieder warnt.) Dabei ist der Gott Israel mit seinem Volk auf dem Weg, wie wir am Ende des Exodusbuches lesen können: Mose hatte das Offenbarungszelt aufgerichtet, in dem die Bundesurkunde in der Lade verwahrt wurde: „So vollendete Mose das Werk. Dann verhüllte die Wolke das Offenbarungszelt und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Mose konnte das Offenbarungszelt nicht betreten, denn die Wolke lag darauf, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Immer, wenn die Wolke sich von der Wohnstätte erhob, brachen die Israeliten auf, solange ihre Wanderung dauerte. Wenn sich aber die Wolke nicht erhob, brachen sie nicht auf, bis zu dem Tag, an dem sie sich erhob. Bei Tag schwebte über der Wohnstätte die Wolke des Herrn, bei Nacht aber war an ihr Feuer vor den Augen des ganzen Hauses Israel, solange ihre Wanderung dauerte.“ (Ex 40,33b‐38) Das Bundeszelt oder „Zelt der Begegnung“, wie es der verstorbene Münsteraner Alttestamentler, Erich Zenger, nannte, – also die Gegenwart Gottes mitten unter den Menschen – begleitete Israel damals auf seiner Wüstenwanderung zur Zeit des Mose, die Wissenschaftler datieren sie in die zweite Hälfte des dreizehnten vorchristlichen Jahrhundert. Und wir Christen sind überzeugt, dass Gott auch uns durch die „Wüste der Geschichte“ bis ans Ende der Zeit begleiten wird. Dafür sind das Bundeszelt und später der Tempel in Jerusalem unverbrüchlicher Garant. Dafür sind unsere Kirchengebäude, in den wir zum Gottesdienst zusammenkommen, unverbrüchlicher Garant. [2] Beim israelitischen Auszug aus Ägypten und der anschließenden vierzigjährigen Wanderung durch die Wüste war die Wolke am Tag und das Feuer in der Nacht dem Volk Schutz und Leuchte, dass es seinen Weg finden könne; denn die Wolken‐ und Feuersäule wies den Weg und regelte die Zeiten des Wanderns und der Ruhens. Dies ist eine wirklich hoffnungsfrohe Botschaft am Ende des Exodusbuches – eine hoffnungsfrohe Botschaft, die auch uns heute gilt: Wir sind in unserem Alltag immer wieder hin und her gerissen: Soll ich gehen? Soll ich ruhen? – Actio und Contemplatio, Bewegung und Ruhe wollen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, sonst werden wir allzu bald kurzatmig. Auf jede Aktion, jedes (manchmal) nervenaufreibende Tun muss eine Zeit der Ruhe und des Durch‐ und Aufatmens folgen. Wer unterwegs ist, benötigt in erster Linie die Hoffnung, auf dem rechten Weg zu sein. Darum ist es gut, immer wieder innezuhalten und sich neu zu orientieren: Der Gott des Exodus‘ kann diese Orientierung bieten.

Wie schaffst Du Dir Atem? Wie gestaltest Du Zeiten des Ruhens, was tut Dir gut?
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Bruder Nikolaus

4 Kommentare

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    Corinna Stahr sagt

    Hallo, Phasen der Ruhe erschaffe ich mir dadurch nicht immer und überall erreichbar zu sein. Ich muss nicht überall per Handy erreichbar sein. Ich mache auch bewusst einmal z. B. am Wochenende die Haustürklingel raus, gehe nicht ans Haustelefon und nutze die Zeit nur für mich.

    Manchmal sitze ich bewusst auch abends im dunkeln, schaue aus dem Fenster zum Sternenhimmel und denke nach, auch bei Grisselwetter finde ich das ganz schön und wenns schneit…

    Zeiten der Ruhe gestalte ich mir sehr gerne in der Natur durch Spaziergänge übers Feld oder wenns draussen knackig kalt ist bei Schnee um mich hinterher mit einer Tasse Tee wieder aufzuwärmen. Gartenarbeit eignet sich dafür auch sehr gut.

    Tiere sind wunderbar um zur Ruhe zu kommen. Entweder dadurch das man sie beobachtet was sie gerade machen (Pferde auf der Wiese, Katzen streicheln, mit dem Hund Gassie gehen)

    Blick aufs Meer ist auch wundervoll um zur Ruhe zu kommen…

    Einen schönen Abend wünscht

    Corinna Stahr

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    michael sagt

    Hallo David, ja, es ist in dieser lauten und oft gehetzten Welt kaum etwas so wichtig, wie die regelmäßige Ruhe, um zu sich selber zu finden und dann in der inneren Stille auch Gott nahe zu sein. Hilfreich sind mir dabei Rituale, die ich nicht ständig neu erfinden muss, die mich Tag für Tag aufnehmen in einen besonderen Raum, den sie schaffen. Am wichtigsten ist mir dabei nach wie vor das alt bewährte Stundengebet. Das ist mein persönliches benediktinisches Erbe. Da kann ich mich immer wieder in die guten alten Hymnen und Gebete, in die heiligen Texte hinein meditieren und spüre die Jahrtausende alte Sehnsuchtsgemeinschaft suchender und glaubender Menschen.
    Herzliche Grüße nach Hannover
    mit pace e bene
    von michael
    🙂

    • Bruder David
      Bruder David sagt

      Lieber Michael, das kann ich, wie Du Dir vorstellen kannst sehr gut nachvollziehen. Wenn ich das Stundengebet bete, dann fühle ich mich als Teil einer langen Reihe von Menschen, die vor mir dieses Hymnen und Psalmen und diese Antiphonen gesungen haben. Das berührt mich jedesmal wenn ich daran denke.
      Dir einen schönen Tag!
      David

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    Heike sagt

    „denn die Wolken‐ und Feuersäule wies den Weg und regelte die Zeiten des Wanderns und der Ruhens. (…) Wir sind in unserem Alltag immer wieder hin und her gerissen: Soll ich gehen? Soll ich ruhen? – Actio und Contemplatio, Bewegung und Ruhe wollen in einem ausgewogenen Verhältnis stehen, sonst werden wir allzu bald kurzatmig. “

    Ja, eine dauernde Frage. Nicht immer hat man im Alltag die Wahl, aber doch öfter als man oft meint. Meist ist es eine Frage von Entscheidung, von Prioritäten. Ist das wirklich noch nötig? Und stattdessen: die kleine Ablenkung und nette Beschäftigung oder echte Ruhe?

    Für mich heißt das, wirklich nichts zu tun, still zu sein, zu hören und zu fühlen, abzuwarten. Das ist manchmal gar nicht so einfach und braucht schon oft einen richtigen Entschluss, besonders wenn die Aktivität gerade sehr hochtourig war.
    Rhythmus und Gewohnheit helfen mir dabei, weil ich nicht jedes Mal wieder entscheiden muss.

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