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„All meine Knochen kann ich zählen“

All meine Knochen kann ich zählen

„All meine Knochen kann ich zählen“

Mit Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich habe ich so meine Erfahrungen. Wenn ich morgens aufwache, fühlt sich manchmal die Schulter, auf der ich gelegen habe, unangenehm fest an. Bereits im Bett versuche ich, den Arm ein wenig zu bewegen. Und wenn ich dann aufgestanden bin, strecke ich mich, bewege Arme, Schultern und Rücken, und versuche, sie lockerer zu bekommen. Nach dem Sport oder nach körperlicher Arbeit fühle ich mich oft ähnlich fest und verspannt. Die Knochen tun mir weh. Da kommt mir manchmal dieser Satz über den Lippen, der ja auch schon in der Bibel steht: Alle meine Knochen kann ich zählen. Weit über 2000 Jahre alt ist dieser Spruch und steht im Psalm 22.

Muskeln zwischen Anspannung und Entspannung

Wenn ich dann in die Praxis zur Arbeit gehe, bin ich oft in der umgekehrten Rolle. Menschen kommen zu mir und erzählen mir, wo sie im Rücken oder im Schulter- und Nackenbereich Schmerzen haben. Dann ist es meine Aufgabe, mit ihnen gemeinsam diese Schmerzen zu lindern. Häufig sind es eigentlich nicht die Knochen, die schmerzen. Die Muskeln und die Faszien, die unsere Knochen verbinden, sind nicht mehr in einer wohligen Spannung. Muskeln und Faszien brauchen eine gute Balance von Anspannung und Entspannung. Dort, wo diese Balance nicht mehr gelingt, dort, wo sich vor allem die Faszien nicht mehr schnell verändern können von der Anspannung in die Entspannung und wieder zurück, dort entstehen Missempfindungen und Schmerzen. Und dann üben wir gemeinsam, diese Bereiche wieder in Bewegung zu bringen, damit sie veränderbar und durchlässig werden.

Knochen zählen

Tatsächlich denken viele beim „Knochen zählen“ an einen sehr ausgezehrten, möglicherweise kranken Menschen, bei dem sich die Knochen durch die Haut abzeichnen. Aber wer zählt seine Knochen noch? Bei uns ist dieser Begriff eher ein Begriff des „pauschalen Jammerns“ über Schmerzen irgendwo im Körper geworden. In der Bibel ist dieser Begriff tatsächlich anders gemeint. Zählen ist da ein eher emotionsfreies Wahrnehmen der tatsächlichen Gegebenheiten. Und da bin ich wieder sehr nah an dem, was ich in der Praxis mit Menschen übe: die Knochen und die Muskeln dazwischen  mit den Faszien möglichst genau wahrzunehmen. Je genauer Du deine Muskeln und Knochen (und sogar die feinen Strukturen dazwischen) wahrnehmen kannst, umso feiner kannst Du sie auch ansteuern. Und in diesem Moment suchen sich Deine Muskeln und Faszien von alleine eine neue Balance.

Vom Wahrnehmen zur Balance

Es ist etwas ganz Tolles, wenn ein Mensch wirklich von sich sagen kann: „Alle meine Knochen kann ich zählen“- wenn das nicht nur eine Redewendung ist. Er hätte sich selbst und seinen Körper wirklich kennengelernt. Jedenfalls bringt es den Körper in ein großes Wohlgefühl, wenn ich anfange, meine Knochen zu zählen und wahrzunehmen, wenn ich die Strukturen, die sie verbinden, spüren kann.

Du musst ja nicht gleich mit dem ganzen Körper anfangen, es kann ein kleiner und überschaubarer Bereich sein: ein Arm oder Bein, die Schulter oder der Hals. Ich wünsche Dir jedenfalls viel Freude beim „Knochen zählen“ und bei der Wahrnehmung der Muskeln, damit sie bei Dir in eine wohlige Balance kommen.

1 Kommentare

  1. Renate sagt

    Oh ja, da kann ich auch ein Lied von singen – Verspannungen, …, aber HALT: Über das Atmen und Singen und insbesondere die Entspannungs- und Lockerungsübungen zuvor, die die Knochen und das Dazwischen wieder aus der Brettfestigkeit nach und nach befreien, kommt man unter guter Anleitung und Therapie (danke, Karl-Leo) tatsächlich dazu, seine Knochen wieder zu zählen. Also singe ich jetzt darüber ein Lied …

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