Leben
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achtsam leben: Der einfachste Weg zur Selbsterkenntnis – reloaded

Foto: pixabay.com/Soorelis

achtsam leben:
Der einfachste Weg zur Selbsterkenntnis

“Erkenne Dich selbst…” soll am Eingang zum Orakel von Delphi gestanden haben. Dieser Zuruf scheint bis heute nicht verhallt zu sein, ganz im Gegenteil: Selbsterkenntnis, mehr über sich zu erfahren. gehört ganz wesentlich zur Kultur unserer Neuzeit. Zahlreiche Seminare, Bücher und Techniken sind zu finden, die alle dafür sorgen wollen, dass ich mich besser mit mir selber auskenne.
Die psychologische Wende, die von Siegmund Freud eingeleitet wurde, hat Wesentliches dazu beigetragen. Seine Theorie war es ja, dass wir durch reines Nachdenken über uns selber gar nicht viel herausfinden können, da uns große Teile möglichen Wissens unbewusst sind. Um auf das Unbewusste zugreifen zu können, arbeitete Freud zunächst mit Hypnose und später mit Traumdeutung.

Wesentliche Frage der Selbsterkenntnis ist die Suche nach dem, was mich antreibt. Motivation ist nicht nur ein komplexer Begriff, mit der Erkenntnis über meine Motivationen kann ich auch sehr viel über mich erkennen.

Warum tue ich dieses oder jenes?
Warum bin ich bei bestimmten Themen aufbrausend?
Wie kommt es, dass ich immer wieder Freunde verliere?
und so weiter…

In der mit diesem Artikel beginnenden Reihe geht es ja darum, Wege für ein gutes Leben für Körper, Geist und Seele aufzuzeigen, die entweder aus den Traditionen der Klöster unterschiedlicher Religionen oder aus der Wissenschaft entstammen.
Sich selbst zu erkennen ist Teil des klösterlichen Lebens. In der christlichen Tradition nennt man es Gewissenserforschung, Gespräch mit dem geistlichen Vater oder Beichte. Es geht darum, immer tiefer in die eigene Persönlichkeit einzudringen und zu sehen, was sich dort finden lässt. Ziel ist es, immer weniger unbewusst zu leben und zu handeln und immer mehr Verantwortung für das eigene Verhalten zu übernehmen. So kann ich lernen, mich zu verändern und glücklicher und zufriedener zu werden.

Im ersten Artikel möchte ich eine Möglichkeit aufzeigen, sich selbst zu erkennen – ganz ohne Psychotherapeut, Traumdeutungsbücher oder billiger Psychotests in Zeitschriften.

Die Technik nennt sich automatisches Schreiben und geht so:

  1. Nimm einen Stift und ein Blatt Papier zur Hand
  2. setze Dich an einen ruhigen Ort, wo Du für die nächsten 5 Minuten nicht gestört wirst
  3. beginne nun 5 Minuten lang alles aufzuschreiben, was Du denkst – wirklich alles, ohne Ausnahme
  4. nach 5 Minuten beende diese Übung und lese Dir die Notizen durch – werfe aber das Blatt anschließend nicht weg
  5. wiederhole diese Übung mindestens einen Monat jeden Tag

Diese Methode der Selbsterkenntnis gleicht dem freien Assoziieren von Freud. Wenn Du Dir wirklich erlaubst alles aufzuschreiben, auch peinliche Inhalte Deiner Gedanken, dann wirst Du sehr schnell viel über Dich entdecken.
Es gibt kaum eine leichtere Methode sich selbst zu erkennen.

Viel Spaß dabei – und erzähl mal, wie es Dir damit erging… einfach als Kommentar schreiben!

5 Kommentare

  1. Christiane sagt

    Ui, das klingt spannend! Macht mich neugierig aufs ausprobieren. Aber ich hab da so eine ganz komische Eigenschaft… ich hab immer gleich ein „und was ist, wenn…“ im Kopf 😉 Also: Und was ist, wenn ich das, was ich da über mich entdecke, nicht verstehe, nicht deuten kann?

    • Bruder David sagt

      Hallo Christiane, Du wirst nicht alles deuten können und darum geht es auch nicht. Meine Erfahrung mit dem Führen eines Traumtagebuches ist folgende: Selbst bei den Träumen, die ich bis heute nicht verstehe, allein das Aufschreiben hat bei mir etwas (im besten Sinne) verändert. Ich habe nie die Absicht gehabt, alle Träume zu verstehen. Ich bekomme Zugang zu meinem Unbewussten und ich beginne dadurch dann letztlich doch mehr zu verstehen, ohne dass ich es immer in klare Begriffe packen könnte. Gruß, David

  2. Heike sagt

    Die Idee hat mich neugierig gemacht und ich hab’s ausprobiert.
    Drollig, sich selbst so intensiv beim denken zuzuhören. Ich habe das so ähnlich mal ohne mitschreiben probiert, nachdem ich etwas gelesen hatte, was die Dinge, die uns so dauernd durch den Kopf gehen, wohl über uns sagen.

    Thematisch bin ich darum nur wenig überrascht. Vielleicht vom Umfang des Hauptthemas und von den vielen Fragezeichen auf meinem Papier. Das ist mir ganz sympathisch. Und ich hätte irgendwie erwartet, in 5 min mindestens 2 Seiten vollzukritzeln, aber es war viel weniger.
    Statistik: 110 Wörter, 14 Fragezeichen.

    Ich bin auf die Versuche von anderen gespannt …

    Verändert nicht das mitschreiben das denken? Immerhin bremst das schreiben einen aus und hält einen länger bei einem Gedanken fest, auch wenn man natürlich keine Sätze drechselt, während schon zwei andere Gedanken wieder vorbei sind. Steno müsste man können. 😉

    • Bruder David sagt

      Hallo Heike, natürlich verändert das Beobachten und Schreiben das denken – zumindest wenn man diese Übung beginnt. Fährt man fort, dann kann der Strom wirklich ungehindert fließen und es zeigen sich nicht nur die gewohnten Themen, sondern insbesondere auch die unangenehmen und versteckten Aspekte meines Unbewussten. Gruß, David

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